Wind und Wetter – Stürme fegten über Stadt und Land, Hitze verdorrte Felder und Ernten, Kälte legte den Verkehr lahm und die Lippe überschwemmte Straßen und Felder

Essay von Wolf Stegemann

13. Oktober 2017. – „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie’s ist!“ Diese verballhornte Volksweisheit sagt aus, dass man das Wetter nicht beeinflussen kann, sieht man von einigen Versuchen ab, Wolken künstlich regnen zu lassen. Auch forscht das Militär seit  Anfang der 1950er-Jahre über Möglichkeiten, das Wetter lokal zu beeinflussen. Denn Kriege zu gewinnen oder zu verlieren, kann auch von der Wetterlage abhängig sein, wie 1942/43 die Niederlage der Deutschen in der Sowjetunion. Und die Bombardierung der deutschen Städte, darunter auch Dorsten im März 1945, war abhängig von guter Sicht der Piloten, die ohne tiefhängende Wolken ihre Bomben besser platzieren konnten. Weiterlesen

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Die Arbeit der Jugendämter – Immer wieder geraten sie in die Schlagzeilen, wie in Dorsten bei der Entscheidung „Paul“. In Einzelfällen berechtigte Kritik – aber auch Pauschalkritik

Essay von Wolf Stegemann

5. Oktober 2017. – Immer wieder werden Stimmen laut – in Einzelfällen oder pauschal –, die das Jugendamt heftig kritisieren. Auch in Dorsten. Da braucht man nur die vielen Blogs durchzusehen. Bundesweit nehmen sich die Medien der Fälle an, die besonders leidvoll für die Betroffenen sind und das Handeln der Jugendämter besonders hart und ungerecht erscheinen lassen – oder das auch sind. Das Jugendamt ist ein Teil der Kommunalverwaltung, deren rechtliche Grundlagen im 8. Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB VIII) festgeschrieben sind. Danach muss jeder örtliche Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe ein Jugendamt errichten. Die Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe werden durch Landesrecht bestimmt. In der Kritik der Medien an der Institution „Jugendamt“ werden insbesondere die oftmals zu knappe Personalausstattung und die Professionalität der Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste in Frage gestellt. Einerseits wird der Anspruch an das Jugendamt herangetragen, dass es Ausfallbürge für Versorgungsdefizite der aktuellen Gesellschaftspolitik sein soll, andererseits wird es aber gerne als Projektionsfläche genau dafür genutzt. Dies wird daran deutlich, dass aus Einzelfällen kontinuierlich eine Pauschalkritik gegen das Jugendamt abgeleitet wird. Aber auch berechtigte Einzelkritiken. Weiterlesen

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Dorstens „patriotische Straßennamen“ (3) – Steinmetzstraße in Holsterhausen: Sie kündet von einem preußischen Generalfeldmarschall, der Schlachten gewann, im hohen Alter verlustreich

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung. 22. September 2017. – In Dorsten gibt es heute noch einige Straßen, die nach preußisch-ruhmbekleckerten Feldmarschällen benannt sind. – Im damaligen Wilhelminischen Kaiserreich liebdienerten sich Bürgermeister und Magistraten durch Straßenbenennungen den hohen Herrschaften an. So entstand in Holsterhausen die 1910  nach dem preußischen König und deutschen Kaiser genannte „Friedrichstraße“ (der III.), 1911 nach dem Bruder des Kaisers Wilhelm II. die „Heinrichstraße“, ebenso bekam der Preußen-Feldherr von Roon eine Straße; Goeben, Wrangel, Blücher und Bismarck auch; zudem Damen des Königshauses. Das sind neben Musiker-, Künstler-, Tier-, Pflanzen-, Heiligen- und anderen Straßen die „patriotischen Straßen“. Sie sind historische Denkmale. Und wie es mit Denkmalen so ist: sie werden abgerissen, wenn man die Geehrten nicht mehr ehren will oder sie bleiben udn werden vergessen. Die 1933 bis 1945 nach Hitler und anderen NS-Größen benannten Plätze und Straßen sind verschwunden. In Dorsten heißt beispielsweise dass Essener Tor wieder so, die „Adolf-Hitler-Straße“ in Holsterhausen ist nach 1945 dem heiligen Antonius gewidmet. Weiterlesen

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Wohin mit der Agathaschule? Zum Nonnenkamp! Die Verwaltung gibt vor und die Mehrheit des Stadtrats beschließt: Kein Geld für den Erhalt des Grundschul-Standorts am Voßkamp

Kommentar von Helmut Frenzel

14. September 2017. – Die Würfel sind gefallen. In der gestrigen Sitzung des Stadtrats entschied eine Ratsmehrheit mit 26 zu 16 Stimmen, dass die St. Agatha-Grundschule zum Nonnenkamp verlegt wird. Um Platz zu machen, zieht die dort noch beheimatete Geschwister-Scholl-Schule an die Marler Straße um und wird mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule zusammengeführt, die ihrerseits der künftigen Sekundarschule im Schulzentrum Pliesterbecker Straße weichen muss. Mit dem Start der Sekundarschule im August 2018 bilden die beiden Hauptschulen keine neuen Klassen mehr und laufen aus. Der Beschluss des Rates entspricht vollumfänglich den Wünschen von Bürgermeister und Verwaltung. Diejenigen Ratsmitglieder, die sich gegen den Untergang des Schulstandorts am Voßkamp gestemmt haben, müssen die Entscheidung akzeptieren. So funktioniert nun einmal Demokratie: die Mehrheit entscheidet. Weiterlesen

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Wohin mit der Agathaschule? Wirtschaftliche Erwägungen der Stadtverwaltung rangieren offenbar vor einer vernünftigen schulbezogenen Lösung

Agathaschule am Voßkamp, wohin mit ihr? Foto: KaSaTech

Von Helmut Frenzel

7. September 2017. – In der bevorstehenden Sitzung des Schulausschusses am 11. September 2017 steht die Beschlussfassung über den künftigen Standort der St. Agatha-Grundschule am Voßkamp auf der Tagesordnung. Das Schulgebäude ist stark sanierungsbedürftig und muss hinsichtlich des Raumangebots an die heutigen Erfordernisse angepasst werden. Außerdem geht der Schulentwicklungsplan davon aus, dass die Schülerzahl von zuletzt 260 bis zum Schuljahr 2024/25 auf 330 steigt, wodurch sich der Raumbedarf zusätzlich vergrößert. In der Vorlage zur Sitzung stellt die Verwaltung drei „Möglichkeiten“ zur Wahl: (1) Errichtung eines Neubaus am bisherigen Standort Voßkamp, (2) Verlagerung an den Nonnenkamp und Übernahme des Gebäudes der Geschwister-Scholl-Hauptschule, deren Ende besiegelt scheint, und (3) Verlagerung zur Marler Straße und Einzug in die Gebäude der ehemaligen Johannesschule und Astrid-Lindgren-Schule, die aktuell leer stehen. Diese drei „Möglichkeiten“ haben jede für sich Vor- und Nachteile und sind mit verschieden hohen Kosten verbunden. Die Vorlage der Verwaltung vermittelt den Eindruck, dass der Ausschuss frei ist in seiner Entscheidung. Das ist aber nicht der Fall. Die Beschlussvorlage weist eine Schieflage auf, in der die Option Verbleib am Standort Voßkamp massiv benachteiligt wird. Sie fällt als realistische Wahlmöglichkeit faktisch aus. Weiterlesen

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Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus: Gedrückte Stimmung in der Stadt. Der Krieg dauerte 2.077 Tage und kostete 60 Millionen Menschen das Leben. – Ein Überblick

Flakbatterie „Cramer“ zwischen Dorsten und Holsterhausen

Von Wolf Stegemann

Während beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 in den Dorstener Gaststätten und auf dem Marktplatz gejubelt wurde, nahmen die Dorstener den Beginn des Zweiten Weltkriegs in gedrückter Stimmung hin. Der Pfarrer von St. Agatha Ludwig Heming schrieb in die Chronik:
„Die letzten Augusttage waren voll unerhörter Spannung, immer dichteres Gewölk zog sich am politischen Horizont zusammen, bis am 1. September früh morgens der Krieg mit Polen begann. Bald folgte die Kriegserklärung Englands und Frankreichs – der 2. Weltkrieg hatte seinen Anfang genommen.“
Obwohl zu diesem Zeitpunkt Anfang September 1939, als Heming diese Zeilen schrieb, noch gar nicht bekannt war, dass sich der Überfall auf Polen und die Kriegserklärungen Englands und Frankreich zu einem Weltkrieg entwickeln würde, benutzte er dieses Wort – wohl in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Weiter schrieb er:
Während 1914 bei Kriegsausbruch die Kirchen gefüllt und Beichtstühle und Kommunionbänke umlagert waren, war jetzt derartiges nicht zu bemerken. Wohl fanden sich manche, die zu den Waffen gerufen wurden, ein, um ihre Rechnung mit dem Herrgott in Ordnung zu machen, im Ganzen aber hatte das große politische Geschehen ein schwaches religiöses Echo“. Weiterlesen

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Dorstens „patriotische Straßennamen“ (2) – Roonstraße in Holsterhausen: Seit 1910 kündet die Straße vom Militarismus und Ruhm des preußischen Feldmarschalls und Kriegsministers

Die Roonstraße im Holsterhausener „Patrioten-Viertel“; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung. 25. August 2015. – In Dorsten gibt es heute noch einige Straßen, die nach preußisch-ruhmbekleckerten Feldmarschällen benannt sind. – Im damaligen Wilhelminischen Kaiserreich liebdienerten sich Bürgermeister und Magistraten durch Straßenbenennungen den hohen Herrschaften an. So entstand in Holsterhausen die 1910 namentlich nach dem preußischen König genannte „Friedrichstraße“ (der III.), 1911 nach dem Bruder des Kaisers Wilhelm II. namentlich die „Heinrichstraße“, ebenso bekam der Preußen-Feldherr von Roon eine Straße; Goeben, Wrangel, Blücher und Bismarck auch; zudem Damen des Königshauses. Das sind neben Musiker-, Künstler-, Tier-, Pflanzen-, Heiligen- und anderen Straßen die „patriotischen Straßen“. Sie sind historische Denkmale. Und wie es mit Denkmalen so ist: sie werden abgerissen, wenn man den Geehrten nicht mehr ehren will oder sie bleiben. Die 1933 bis 1945 nach Hitler und anderen NS-Größen benannten Plätze und Straßen sind verschwunden. In Dorsten heißt beispielsweise dass Essener Tor wieder so, die „Adolf-Hitler-Straße“ in Holsterhausen ist nach 1945 dem heiligen Antonius gewidmet. Weiterlesen

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Kann eine höhere Wahlbeteiligung durch mehr Bürgerbeteiligung erreicht werden? Wohl kaum. Die Ursachen liegen tiefer – Eine Entgegnung auf Dirk Hartwich

Seit Jahrzehnten lenkt eine Handvoll Parteipolitiker im Rathaus die Geschicke der Stadt

Von Helmut Frenzel

18. August 2017. – Kürzlich veröffentlichte die ,,Dorstener Zeitung“ ein Interview mit Dirk Hartwich, Mitglied des SPD-Ortsvereins Rhade und früher Mitglied im Rat der Stadt Dorsten. Er sorgt sich um die sinkende Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen, die manche als ein Zeichen für die schwindende Akzeptanz unseres Demokratie-Modells verstehen. Einen Weg, dem entgegenzuwirken, sieht er in mehr Beteiligung der Bürger an Entscheidungen der Politik. Die bisherigen Formen der Bürgerbeteiligung reichen ihm nicht. Er sagt: ,,Was allgemein Bürgerbeteiligung genannt wird ist in der Regel eine nicht repräsentative Meinungsabfrage von Bürgern, die den Weg zu einer Info-Veranstaltung gefunden haben und dort mitdiskutieren dürfen. Das hat mit echter Beteiligung ziemlich wenig zu tun.“ Dirk Hartwich macht Vorschläge, wie die Bürger in Dorsten über das vorhandene Maß hinaus noch besser an der politischen Meinungsbildung beteiligt werden könnten. Seine Vorschläge zielen auf eine Wiederbelebung des Interesses der Bürger an politischen Themen und letztlich darauf, dass sich auf diese Weise mittelfristig eine Erhöhung der Wahlbeteiligung erreichen lasse. Weiterlesen

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Franziskanerpater Gossler erklärte 1846 Theresia Winter als stigmatisiert, gewann damit die Dorstener, von denen sich einige gegen die ablehnende Obrigkeit mit Äxten bewaffneten

Stigmatisierte Bauernmagd Therese Neumann (1898-1962) von Konnersreuth, 2005 Seligsprechungsverfahren eingeleitet.  So könnte auch Theresia Winter 1846 vorgeteigt worden sein

Von Wolf Stegemann

Ein Ereignis in dem kleinen, Mitte des 19. Jahrhunderts noch recht verschlafenen westfälisch-preußische Landstädtchen Dorsten war 1846 – nicht übertrieben gesagt – „in aller Munde“. Es beschäftigte die damaligen Tages- und Wochenblätter zwischen Kiel bis Kempten, von Sachsen bis  ins Rheinland genauso wie die preußische Regierung und den König in Berlin und den Papst in Rom. Die Artikel über dieses Ereignis waren im Geist des damaligen Katholizismus noch überwiegend positiv bzw. neutral, doch einige auch negativ. In der  „Sächsischen Dorfzeitung – Ein unterhaltendes Wochenblatt für den Bürger und Landmann“ mit einer in Empörung gekleidete Frage: „Giebt’s denn in dem preußischen Dorsten keine Polizei?“ Vorher informierte das Blatt über das Ereignis: „Der bekannte Pater Gossler in Dorsten lässt eine Nonne mit einer Dornenkrone, d. h. mit den Wundmaalen einer auf die Stirn gedrückten Dornenkrone sehen; auch betheuert er auf der Kanzel, er habe die Nonne über ihrem Bett schweben sehen. Die Gläubigen staunen und – zahlen.“ Dann kommt der Ruf nach der Polizei. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Französische Flüchtlinge „überschwemmten“ vor 215 Jahren die Herrlichkeit – Meist adelige Asylbewerber fanden hier Unterkunft. Einer charakterisierte die Bevölkerung

Französische Emigranten 1795 vor Münster, Aquarell von 1800 (Landesarchiv Münster)

Von Wolf Stegemann

Vergleiche hinken fast immer, sagt der Volksmund. Vergleicht man dennoch die „Flüchtlingswelle“ von 2015 mit der von vor 215 Jahren, die französische Asylanten und Exilanten nach Westfalen und auch nach Dorsten brachte, dann zwängen sich wohl Parallelen auf, wenngleich es Ende der 18. Jahrhunderts meist Adelige, Geistliche und andere Ordensangehörige waren, die vor dem Schafott der Revolutionäre flüchteten. Die französische Nationalversammlung komplettierte innerhalb weniger Monate die Verfolgungsgesetze, wonach die Emigranten in Ewigkeit verbannt, bei Rückkehr mit der Todesstrafe bedroht waren (1772) und die Emigration in Kriegszeiten ein Verbrechen war, das mit der Todesstrafe geahndet wurde (1793). Zugleich wurde eine Liste von über 30.000 Emigranten veröffentlicht. Jede Hilfe für sie und sogar der Briefverkehr zogen die Todesstrafe nach sich. Etliche der Emigranten kamen auch nach Dorsten. In der Chronik Terlunen steht darüber: Weiterlesen

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Mais! Soweit das Auge reicht, überall Mais – Die Energiewende lässt grüßen

Maisfeld an Maisfeld – in und rund um Dorsten; Foto: Helmut Frenzel

Von Helmut Frenzel

21. Juli 2017. – Wer in diesen Tagen durch die Landschaft streift, der kann sein grünes Wunder erleben. Überall Mais. Auf riesigen Flächen. Mais dominiert das Landschaftsbild. Dazu mag beitragen, dass er inzwischen hoch gewachsen und schon deswegen nicht zu übersehen ist. Gleichgültig auf welcher Straße man Dorsten verlässt: man fährt an Maisfeldern entlang oder besser: durch Maisfelder. Manche Wege abseits der Hauptstraßen wirken wie Schneisen, die man in die Maiswüste geschlagen hat. Es drängt sich der Eindruck auf, dass auf dem überwiegenden Teil der Ackerflächen Mais angebaut wird. Weiterlesen

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Dorstens „patriotische Straßennamen“ (1) – Düppelstraße in Holsterhausen: Seit 1910 kündet die Straße von Krieg, Ruhm und Sieg. Doch es war ein blutiges Gemetzel

Die Düppelstraße verbindet die Waldstraße mit der Freiheitsstraße; Foto: W. Stegemann

Von Wolf Stegemann

In Dorsten gibt es heute noch einige Straßen, die nach preußisch-ruhmbekleckerten Feldmarschällen benannt sind. Eine Straße erinnert sogar an einen von Preußen gewonnenen Krieg 1864 gegen das kleine Dänemark in dem dortigen Dorf Düppel, das gerade 600 Einwohner hatte. Es liegt zwischen Flensburg und Sonderburg. – Im damaligen Wilhelminischen Kaiserreich liebdienerten sich die Bürgermeister durch Straßenbenennungen den hohen Herrschaften an. So entstand in Holsterhausen die 1910 namentlich nach dem preußischen König genannte „Friedrichstraße“ (der III.), 1911 nach dem Bruder des Kaisers Wilhelm II. namentlich die „Heinrichstraße“, ebenso bekam der Preußen-Feldherr von Roon eine Straße, Goeben, Wrangel, Blücher und Bismarck auch; zudem Damen des Königshauses. Das sind neben Musiker-, Künstler-, Tier-, Pflanzen-, Heiligen- und anderen Straßen die „patriotischen Straßen“. Zu denen gesellten sich von 1933 bis 1945 Namen wie Adolf Hitler und anderer Nazis, nach denen besonders attraktive Plätze und Straßen benannt wurden, wie beispielsweise das Essener Tor in Dorsten und die „Adolf-Hitler-Straße“ in Holsterhausen, die danach dem heiligen Antonius gewidmet wurde. Weiterlesen

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Es ist jetzt neun Jahre her, dass am helllichten Tag in der Lippestraße eine 27-Jährige von ihrem Mann erstochen wurde – Ehrenmorde: Urteile werden in den Familien gesprochen

Essay von Wolf Stegemann

Juni 2017. – Vor wenigen Wochen füllten Schlagzeilen die Zeitungen, als vor einem Gericht in Istanbul zwei Brüder freigesprochen wurden, die ihren jüngeren Bruder (25 Jahre) 2005 in Berlin dazu gebracht haben sollen, die 23-jährige Schwester Hatun Sürücü zu töten. Er ermordete sie mit drei Pistolenschüssen, weil die Brüder den westlichen Lebensstil der Schwester in Berlin ablehnten. 2006 wurde der jüngere Bruder vom Landgericht Berlin als Täter zu einer neunjährigen Jugendstrafe verurteilt und nach Verbüßung 2014 in die Türkei abgeschoben, wo bereits die beiden älteren Brüder wieder lebten. Die deutschen Behörden schickten die Akten nach Istanbul, wo den beiden älteren Brüdern, von denen einer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, der Prozess gemacht und von der Anklage der Mittäterschaft in allen Punkten freigesprochen wurde. Dies ist kein Einzelfall in der Justizgeschichte der Ehrenmorde in der Bundesrepublik. Weiterlesen

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Rund um die Treppen: Märchenhaftes und Mörderisches, Historisches und Herrschaftliches, Filmisches und Philosophisches quer durch die Zeiten und Kunst-Epochen

In der christlichen Mythologie führen neben Leitern auch Treppen in den Himmel

Von Wolf Stegemann

Muss man den „Treppenwitz“ kennen? Nein, denn es ist gar keinen. Als Treppenwitz bezeichnet man die Entgegnung, die einem erst nachträglich, beim Weggehen „auf der Treppe“ einfällt. 1882 erschien das Buch „Treppenwitz der Weltgeschichte“, in dem paradoxe und kuriose Geschehnisse der Weltgeschichte geschildert werden. In der Einleitung heißt es u. a.: „Der Geschichte fällt, gerade wie dem von einer Audienz der Treppe herunterkommenden Bittsteller, ein pikantes, gerade passendes Wort fast immer erst hinterdrein ein.“ Allerdings ist das Wort „Treppenwitz“ älter als dieses Buch. Weiterlesen

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Der Führer wollte 1934 das Reichsarbeitsdienstlager in Deuten besuchen. Die Leute saßen auch in den Bäumen und warteten – doch Hitler kam nicht

Fahnenappell 1934 im neu eröffneten Knickmann-Lager in Deuten

Von Wolf Stegemann

In der Zeit von 1932 bis 1933 gab es fünf Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Dorsten und der Herrlichkeit, um Arbeitslosen sinnvolle Aufgaben zu geben wie Kultivierung, Trockenlegung, Landschaftspflege. Drei der Lager befanden sich in Lembeck (bei Förster Geßler, in der Scheune des Ketteler-Hofs, bei Gladen), eins am Freudenberg (das spätere Erholungsheim für jüdische Kinder „Haus Berta“) und eins in Holsterhausen (Sägewerk Schroer, im Werth). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gelang es dem Reichsleiter aller Arbeitsdienstlager, Konstantin Hierl, schnell, die kommunalen, kirchlichen und sonstigen Träger der Arbeitsdienstlager auszuschalten und den Freiwilligen Arbeitsdienst als NS-Arbeitsdienst gleichzuschalten. Aus Arbeitsdienstwilligen wurden Arbeitsmänner. Dazu die „Dorstener Volkszeitung“ am 24. Juni 1933: Weiterlesen

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Das Ende einer Legende, dass Schulden nur harmlose Ziffern auf dem Papier sind – Jetzt musste die Stadt einen Buchverlust von 3 Millionen Euro realisieren und in barer Münze bezahlen

Im Dorstener Rathaus werden die Schulden gewälzt; Foto: Frenzel

Von Helmut Frenzel

16. Juni 2017. – Es ist eine Zeitenwende. 2016 wurde der „Euro Swissy“ abgewickelt, der Vertragspartner hatte den Vertrag gekündigt. Es ging um einen Kredit der Stadt Dorsten, dessen Höhe ursprünglich 7,1 Millionen Euro betrug und der in Schweizer Franken zurückgezahlt werden musste. Da der Franken gegenüber dem Euro in den vergangenen Jahren bekanntlich stark aufwertete, belief sich der Rückzahlungsbetrag auf 10,1 Millionen Euro. Der Differenzbetrag von 3 Millionen war ein Währungsverlust, der im Zuge der Beendigung des Geschäfts bar bezahlt werden musste und also „realisiert“ wurde. Weiterlesen

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Fronleichnam: Ein katholischer Feiertag mit merkwürdigem Namen – Nazis behinderten die Prozessionen von St. Agatha und der Pfarrer rügte die „schamlose Kleidung“ der Frauen

Fronleichnamsprozession von St. Agatha am Marktplatz 1938; im Bild der Agatha-Chor

Von Wolf Stegemann

9. Juni 2017. – Fronleichnam ist einer der wichtigsten katholischen Feiertage im Jahr und zudem ein in ganz Deutschland gesetzlicher. Begangen wird er alljährlich am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten. Abhängig von den Osterfeiertagen fällt er zwischen den 21. Mai und den 24. Juni. In diesem Jahr auf den nächsten Donnerstag (15. Juni). Auch wenn der Tag für die katholische Kirche ein wichtiger Tag ist, so gehört Fronleichnam sicher zu den katholischen Feiertagen, deren Hintergrund am wenigsten bekannt ist, auch nicht allen Katholiken, und schon gar nicht die Namensdeutung, wie die Katholische Presse-Agentur (KNA) schreibt. Das Fest hat wohl den merkwürdigsten Namen aller kirchlichen Festtage. Weiterlesen

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Ein Haus mit NS-Geschichte: Die Beschlagnahme des Riese-Hauses in der Alleestraße 1933 – Beispiel einer rücksichtslosen Machtanwendung der NSDAP

Das Riese-Haus in der Alleestraße steht heute noch; Foto aus dem Jahre 1980

Von Wolf Stegemann

2. Juni 2017. – Ludwig Heming hatte eine bei der Bevölke­rung hoch angesehene Position inne. Als die Nationalsozialisten im Jahre 1933 in Dorsten die Ämter im Rathaus und im gesamten öffentlichen Leben besetzten, war Ludwig Heming bereits 20 Jahre lang Pfarrer in Dor­sten. Mit Sicherheit verdankt er diesem Umstand sein letztlich ungefährdetes Wir­ken in der Pfarrgemeinde, wenn seine Arbeit auch im hohen Maße durch die staat­lich verordnete und parteigelenkte Kirchenfeindlichkeit mehr und mehr an Boden verlor. Aus dem einst so »hemdsärmeligen« Pastor, der kein Blatt vor den Mund nahm, aus dem polternden, manchmal recht unwir­schen Gottesstreiter wurde durch Enttäu­schung, politischen Druck und Drohung bald ein immer stillerer Mann, der sogar ab 1935 seine Agatha-Chronik nicht mehr wei­terführte, die er über 20 Jahre lang mit nahezu verbissener Vehemenz und Detailfreude geschrieben hatte. Heming konnte sich auf Dauer gegen­über den NS-Behörden, von denen er nach anfänglichem Hoffen enttäuscht war, nicht behaupten. Er gab immer öfter nach, um zu bewahren, was noch zu bewahren war: seine Fürsorge für die Kirche und seine immer kleiner werdende Gemeinde. Weiterlesen

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Alfred Kistowski – ein einst bekannter Sportler aus Holsterhausen verschwand aus dem öffentlichen Gedächtnis – in Bayern aufgefundene Urkunden erinnern an ihn

Alfred Kistowski mit seiner Braut Marta um 1920 in Holsterhausen; Fotos: Archiv Biermann

Von Wolf Stegemann

26. Mai 2017. – Wären die Sieger-Urkunden aus den zwanziger Jahren von seiner in Bayern lebenden Tochter Walburga nicht aufgehoben worden wären, und hätten die Dokumente eines umfassenden Sportlerlebens über 30 Jahre nach dem Tod des Sportlers nicht den Weg von Nürnberg nach Holsterhausen zurückgefunden, dann wären er und seine frühen Sporterfolge in Holsterhausen weiterhin in Vergessenheit geblieben sein. Die Rede ist von dem Bergmann Alfred Kistowski, älteren Holsterhausenern aus der Freiheitsstraße sicher noch bekannt, der als ein hervorragender und vielseitiger Turner Pokale und Urkunden holte. Weiterlesen

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Alt-Rocker Peter Maffay war mit der Holsterhausenerin Tanja Spengler verheiratet. Nach zwölf Jahren trennte er sich und heiratete zum 5. Mal – eine Jüngere

Tanja und Peter Maffay

Von Wolf Stegemann

Hin und wieder konnten Holsterhausener den international berühmten und bekannten Sänger Peter Maffay in einem Holsterhausener Café und über den Dorstener Marktplatz gehen sehen, Arm in Arm mit seiner 4. Frau Tania Spengler (geboren 1980). Wenn sie auch keine gebürtige Dorstenerin ist, so zog die Lippstädterin mit 18 Jahren nach Dorsten. Der Rock-Musiker (bürgerlich Peter Alexander Makkay) lernte Tanja 1999 auf Mallorca kennen, wie er in seinen Memoiren schrieb, die anlässlich seines 60. Geburtstags 2009 erschienen sind. Klaus Rosenkranz schrieb 2008 in der WAZ: Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Tina Terschmitten? Sie ist in Aachen Kulturarbeiterin, Literaturwissenschaftlerin, Buchhändlerin, im Vorstand „Aachener Friedenspreis“ und Buchautorin

Tina Terschmitten, geboren 1974 in Dorsten

Von Wolf Stegemann

12. Mai 2017. – Nach dem Abitur am Gymnasium St. Ursula in Dorsten studierte sie ab 1993 Komparatistik (vergleichende Literaturwissenschaften), Geschichte und Politik in Aachen und ist seither nicht nur im Geschäft mit Büchern tätig, sondern engagiert sich voll im politisch-wissenschaftlich-kulturellen Betrieb der alten Kaiserstadt Aachen, was sie immer wieder in die Schlagzeilen der Tagespresse bringt. Als freie Mitarbeiterin schrieb sie in den 1990er-Jahren bei den „Ruhr-Nachrichten“ Dorsten (heute DZ) Schlagzeilen – aber über andere. Weiterlesen

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8. Mai 1945 – Ende des Weltkriegs und des großen Sterbens. Totenzettel, auf denen nationalsozialistische Todesideologie mit der christlichen vermengt ist, erinnern daran

Von Wolf Stegemann

Am Montag (8. Mai) endete mit der deutschen Kapitulation vor 72 Jahren in Europa der Zweite Weltkrieg. In Deutschland war der 8. Mai für die einen ein Tag der Befreiung, für andere ein Tag der Niederlage und wieder für andere ein Tag der Katastrophe. Für alle war es auch der Tag, mit dem die Auseinandersetzung mit den unvorstellbaren Gräueltaten von Deutschen und im deutschen Namen begann bzw. beginnen sollte. Viele suchten die Auseinandersetzung nicht. Aus Scham oder anhaltender Verblendung. Man schwieg in denen Familien und den Schulen. Erst gegen Ende der 1970er-Jahre wurde das Schweigen nach und nach gebrochen. Mit Ende des Krieges am 8. Mai 1945 wurde auch Bilanz gezogen: weltweit rund 50 Millionen Kriegstote. Davon starben in der Sowjetunion etwa 13 Millionen Soldaten und 7 Millionen Zivilisten; in Polen etwa 6 Millionen, davon 3 Millionen ermordete Juden, d. s. etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es starben 3,8 Millionen deutsche Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten. Für die nachgeborenen Generationen unvorstellbare Zahlen, hinter denen sich Grausamkeiten, Barbarei, Leid und Massenmord verbergen. Dazu kommen Vertreibungen, Vergewaltigungen, Evakuierungen. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Schulwesen in Dorsten und der Herrlichkeit – Von der Mesterschole an der Agathakirche bis zum heutigen demografischen Wandel

„Die Dorfschule“, Gemälde von Johann Peter Hasenclever, 19. Jahrhundert

Von Wolf Stegemann

Derzeit streiten die Parteien in Dorsten und anderswo um eine Lockerung der festen Schulzeiten an Ganztagsschulen, weil Eltern die Freiheit haben wollen, ihr Schulkind nachmittags hin und wieder früher nach Hause zu holen. Im letzten Jahr stritten sie um den Erhalt der Wichernschule, dann wurde gestritten um die Bezahlung der Schulwegfahrt, beispielweise von Tönsholt ins kilometerweit entfernt liegende Altendorf-Ulfkotte, dann setzten sich die Schulpolitiker wieder streitig auseinander um Zusammenlegung, Schließungen, Trägerschaften und dergleichen. In Kürze wird über die beschlossene Planung zur Errichtung der Sekundarschule wieder gestritten werden. Schon immer hat es zwischen Schulverwaltung, Lokalparteien, Lehrern und Eltern Auseinandersetzungen gegebenen. Parteistrategien und Ideologien sowie – berechtigter oder unberechtigter – Eltern-Unmut standen sich dann oft gegenüber. Eltern nötigen  Lehrer mit Hilfe von Rechtanwälten zu Notenkorrekturen, weil das Kind ja studieren soll und das ohne Abitur nicht kann. Zwischen den Prellböcken sitzen Lehrerinnen und Lehrern, es leiden ihr Ansehen, der Lehrauftrag und am Ende das Bildungswohlergehen des Kindes. Die Gegenwart und noch mehr die Zukunft sind belastet von Schulschließungen, überfüllten Hörsälen und bildungsüberforderten Studenten, denen an den Unversitäten erst einmal Grundlagen von Wissen beigebracht werden müssen, damit sie die notwendige Reife für Ihr Studium erhalten, das nach guter alter Lesart eigentlich das Abiturzeugnis bezeugen soll. Arbeitslosigkeit im Bildungsproletariat macht sich schon heute breit.
Diese kritischen Eingangsbetrachtungen zum Thema Schule mögen für den einen oder anderen Leser überspitzt sein, vielleicht sind sie es auch. Mit diesem Artikel und einem weiteren in Kürze wollen wir Einblick geben in die Schulgeschichte der Stadt Dorsten während der unterschiedlichen politischen Epochen. Weiterlesen

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Dorstener erschlugen Ende März 1945 in Wulfen drei alliierte Flieger – nach dem Krieg verübten die Täter im Gefängnis Selbstmord

Reste des abgestürzten Flugzeugs bei Wulfen

Von Wolf Stegemann

21. April 2017. – In einem britischen Archiv fand der Marler Alfred Vadder, Experte für Abstürze von Kampfflugzeugen im Zweiten Weltkrieg, einen neuen Befund über den Flugzeugabsturz am 25. März 1945 bei Dorsten-Wulfen. Der übersetzte Text lautet:

Halifax MZ (…) war am 25. März 1945 noch nicht am Ziel (Münster) angelangt, als ein Flak-Geschoss den linken Flügel in Brand setzte. Der rückwärtige Schütze, der verletzt und nicht in der Lage war auszusteigen, starb auf seinem Posten. Der Pilot starb ebenfalls im Flugzeug, das in der Nähe von Wulfen abstürzte. Der Navigator und der Funker [und ein dritter] wurden gefangen genommen. – Deutsche Soldaten eskortierten die Gefangenen, Pilot Officer L.W. Brennan RCAF (mid-upper Schütze), Pilot Officer R.A. Paul RCAF (Zielführer für die Bomben) und Seargent C. E. Lowe (Flugingenieur) zu einer militärischen Einheit, als sie von einer feindseligen Menschenmenge angegriffen wurden, die von Haupttruppenführer Ferdinand Assmann angeführt wurde. Den drei Fliegern gelang es, kurz dem Mob zu entkommen, aber ihre Freiheit war von kurzer Dauer. Während sie von der Menge geschlagen wurden, standen sie mit erhobenen Händen, als ihnen sich Sturmführer Otto Wunderlich von hinten näherte. Mit den Worten „Wollten Sie noch nicht sterben, lieber Freund?“ (…), erschoss er sie. Ein Mann lebte noch. „Nun wirst du niemals mehr abspringen“ sagte Wunderlich (…) und schoss noch einmal. Zunächst in einem Bombenkrater auf dem Friedhof in Wulfen begraben, liegen sie drei Opfer nun im Groesbeek Canadian War Cemetery (Soldatenfriedhof) in Nijmegen (Niederlande). Wunderlich beging später im Gefängnis Selbstmord.“

Otto Wunderlich, geboren 1911, wohnte zuletzt in Dülmen und war von Beruf „SA-Verwaltungsführer“. Weiterlesen

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Blick nach Hainichen: Albert Sixtus, Autor der weltbekannten „Häschenschule“, wurde in Dorstens Partnerstadt geboren und schrieb über 100 Kinder- und Jugendbücher

Englische und japanische Ausgabe sowie eine der Mundart-Ausgaben

Von Wolf Stegemann

Wer kennt sie nicht, seine „Häschenschule“, die der Kinder- und Jugendbuchautor Albert Sixtus 1924 im „Alfred Hahn’s Verlag“ veröffentlichte. Er wurde 1892 in Hainichen geboren, allerdings verbrachte er dort nicht sein Leben. Hainichen ist die sächsische Partnerstadt von Dorsten. Dies und die Ostertage sind Anlass, hier einen Blick in das Leben des überaus erfolgreichen und auch international angesehenen Autors zu richten. Seine „Häschenschule“ mit den niedlichen Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha haben Generationen von Kinder begeistert – bis heute. „Die Häschenschule“ wurde inzwischen ins Japanische, Chinesische, Italienische, Englische, Schwedische, Lateinische sowie in zwölf verschiedene Mundarten übersetzt und bis heute über zwei Millionen Mal verkauft. Die vielen deutschen Auflagen wurden anfangs in der Sütterlin-Schrift gedruckt. 2017 lief in den deutschen Kinos eine modernisierte Trick-Verfilmung seiner Häschen-Geschichten an: „Die Häschenschule – Jagd nach dem goldenen Ei“. Dieser Film läuft gerade im Central-Kino in Holsterhausen. Übrigens hat Albert Sixtus über hundert Kinder- und Jugendbücher geschrieben. allein bis 1936 insgesamt 44 Bilderbücher, zehn Märchenspiele, drei Abenteuerromane, drei Märchenbücher und eine Gedichtsammlung. Außerdem schrieb Sixtus regelmäßig Verse, Gedichte und Geschichten für die Kinderzeitungen „Hänsel und Gretel“, „Jung-Siegfried“, „Jugendlust“, die Kinderbeilage der Neuen Leipziger Zeitung und verschiedene Zeitschriften mit Kinderseiten. Mitte der zwanziger bis Mitte der dreißiger Jahre gab es wohl kaum ein Kind, das nicht in irgendeiner Form mit seinen Reimen in Berührung kam und an vielen Schulen wurden seine Märchenspiele aufgeführt. Weiterlesen

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Mit Gründung der Sekundarschule wird in Dorsten das Ende des dreigliedrigen Schulsystems besiegelt – Kritische Anmerkungen zum pädagogischen Konzept der „Neuen Schule“

Schulzentrum Pliesterbecker Straße – bald „Neue Schule Dorsten“? – Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

7. April 2017.  – In seiner Sitzung im Dezember 2016 fasste der Rat der Stadt den Grundsatzbeschluss, in Dorsten eine Sekundarschule zu gründen, die den Betrieb am 1. August 2018 aufnimmt. Die Sekundarschule ist eine neue Schulform. Sie wurde 2011 im Schulgesetz NRW als Regelschule verankert und ergänzt seither das bestehende Schulangebot. Die Sekundarschule umfasst die Jahrgangsstufen der Klassen 5 bis 10 (Sekundarstufe I). Ihr besonderes Merkmal ist das gemeinsame Lernen in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Ab Jahrgangsstufe 7 wird der Unterricht in integrierter, teilintegrierter oder kooperativer Form fortgeführt. Sie verfügt nicht über eine eigene gymnasiale Oberstufe. Vielmehr soll die geregelte Zusammenarbeit mit einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einer Kollegschule – entsprechende schulische Leistungen vorausgesetzt – den Weg in die gymnasiale Oberstufe ebnen und die Erlangung der Hochschulreife ermöglichen. So verlangt es das Schulgesetz. Die Sekundarschule nimmt für sich in Anspruch, die Schüler sowohl auf Abitur und Hochschulstudium als auch auf eine berufliche Ausbildung vorzubereiten. Weiterlesen

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April, April! Medien schicken ihre Leser und Hörer gerne in den April – woher kommt das? – Lehrerin suchte in der Feldmark mit ihren Kindern die alte „Germania“ und wollte Heino hören

Von Wolf Stegemann

31. März 2017. – Woher kommt der Aprilscherz? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Je nach Region werden vier unterschiedliche Erklärungen in Erwägung gezogen: Schärfung der Sinne für Unglück, Rache des Volkes an Hochwohlgeborenen, eine Kalenderreform und ein römisches Narrenfest. Die Redewendung „in den April schicken“ ist in Bayern wohl schon seit 1618 sicher verbürgt. Aber eine der am häufigsten genannten Entstehungstheorien bezieht sich bereits auf eine 1564 durchgeführte Kalenderreform des französischen Königs Karl IX, der den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Daraufhin verschickten humorige Mitmenschen zum Apriltag Einladungen zu Neujahrsfestivitäten, die es nicht mehr gab. Wer dennoch kam, hatte zum Schaden der Anreise auch noch den Spott. Von Frankreich aus sollen sich dann derartige Aprilscherze mit Soldaten über Europa verbreitet haben, wo sie umgeformt und ausgeweitet wurden. Der Begriff „Aprilscherz“ bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. In „Grimms Deutschem Wörterbuch“ von 1854 ist zwar der „Aprilsnarr“ verzeichnet, aber noch nicht der „Aprilscherz“. Weiterlesen

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Tornado’s Wake – US-Panzer nahmen am 29. März 1945 das zerstörte Dorsten von drei Seiten ein. Der US-Soldat Edward Brodowski war dabei – zwei Tage vor seinem Tod

Während der Einnahme der Stadt: US-Verbandsplatz am Essener Tor

Von Wolf Stegemann

24. März 2017. – Das ist ein frei übersetzter Auszug aus den in den USA veröffentlichten Kriegserlebnissen des US-Soldaten Edward Brodowski, der dabei war, als Dorsten eingenommen wurde. Die Besetzung der Städte vom Niederrhein ins Westfälische, dazwischen Dorsten, bezeichnete er als „Tornado’s Wake“. Sein Sohn Bruce Brodowski aus Utika im Oneida County (N.Y.) arbeitete die Eintragungen seines Vaters auf und schickte sie 2015 dem Herausgeber der Online-Dokumentation „Dorsten unterm Hakenkreuz“, der sie frei übersetzte. – Edward Brodowski wurde 1919 in Frankfort (N.Y.) geboren, war zuletzt Leutnant und Panzerkommandant in der 8. US-Panzerdivision. Er starb bei einem Panzerduell mit einem deutschen „Tiger“ am 31. März 1945 hinter einem Haus in Buer-Hassel. Sein Grab befindet sich auf dem US-Soldatenfriedhof in Margraten (Niederlande). Der Sohn wurde drei Monate nach dem Tod des Vaters geboren. An dessen Bericht ist interessant, dass die Amerikaner zuerst die von deutschen Soldaten der 116. Panzer-Division besetzte und durch einen Bombenangriff am 23. März 1945 völlig zerstörte Altstadt Dorsten einfach umgehen wollten, um die Stadt dann vom Oster her anzugreifen. Der kommandierende General entschied in letzter Minute, Dorsten doch einzunehmen und zu besetzen. In Dorsten sind das sicherlich neue Erkenntnisse, nach welcher Taktik die Stadt in diesen Tagen vor 72 Jahren von den Amerikanern eingenommen wurde. Weiterlesen

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Ein Jahr nach der Eröffnung schließen die ersten Geschäfte – Was wird aus dem Mercaden?

Von Helmut Frenzel

17. März 2017. – Anfang dieses Monats feierte das Mercaden den ersten Jahrestag der Eröffnung. Der Jubel hielt sich in Grenzen und die Tonlage des Centermanagements war, anders als früher, zurückhaltend. Das hatte seine Gründe. Das Projekt steht bei Weitem nicht da, wo es stehen sollte. Die „Dorstener Zeitung“ hatte passend zum Anlass eine Umfrage gestartet, wie die Leser das neue Einkaufscenter beurteilen. 1500 Fragebögen wurden beantwortet. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ war, sind die Ergebnisse doch in ihrer Eindeutigkeit für den Centerbetreiber Herbert Krämer niederschmetternd. Weiterlesen

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Anti-Terror-LKW-Betonklötze in der Dorstener Fußgängerzone: Widerspruch zwischen Angst vor Terrorismus und Wirklichkeit. Zudem eine urbane Verunstaltung. – Ein Standpunkt!

Zugang zur Recklinghäuser Straße; Foto: Helmut Frenzel

Von Wolf Stegemann

Wenn irgendwo in Europa eines dieser schrecklichen IS-Attentate stattfindet, wie das LKW-Attentat vom 19. Dezember 2016 in Berlin, dann werden wir im Rundfunk und Fernsehen sowie in den Printmedien überhäuft mit Schlagzeilen, Stellungnahmen, Warnungen und Forderungen, die Angst machen. Denn viele Politiker behaupten mit harschen Worten, dass sie alles im Griff haben, wenn auch „nicht hundertprozentig“. Die Gunst der Stunde nutzend,  folgen meist Forderungen wie mehr Kameraüberwachung, millionenfache Speicherung von privaten Telefonaten, wobei das Bundesverfassungsgericht dann doch Einhalt gebietet, vermehrtes Mithören von Telefongesprächen bei Verdächtigen, verstärkte Polizei- und Einlasskontrollen, Sicherungssperren aus Beton und Stahl und vieles anderes. Ein Beispiel von vielen ist Saarlands Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Dieser erklärte noch am Tag des Berliner Attentats mit 12 Toten und mehreren Verletzten den Krieg gegen wen auch immer, als er sagte: „Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand…!“ (DIE ZEIT, 10. Dez. 2016). Bouillon kündigte verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, kritisierte umgehend diese Angst machende Kriegsäußerung des Ministers: „Wir haben es hier mit Terroristen zu tun. Viele benutzen aber gerne das Wort Krieg, weil sie so auch ihre Forderungen nach dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren ins Spiel bringen wollen, was wir grundsätzlich ablehnen.“ (Berliner Ztg., 20.  Dez. 2016). Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Rhader Schulverhältnisse während der 100-jährigen Ära der Schulmeister-Familie Tinnefeld, die 1802 begann

Von Wolf Stegemann

Nach dem allgemeinen preußischen Landrecht von 1794 bestand seit dieser Zeit in Preußen Schulpflicht für Kinder, die im 5. Lebensjahr standen oder es bereits zurückgelegt hatten. Als die Herrlichkeit Lembeck mit dem Kreis Recklinghausen und Münster 1815 zum Königreich Preußen kam, galt auch in den Herrlichkeitsdörfern die Schulpflicht. In Rhade unterrichtete bis dahin der Ackersmann Köster in einem kleinen Speicher mit Platz für 30 Kinder. 1780 wurde an der Nordseite der Kirche eine neue Schule für 50 Kinder gebaut. Der Fußboden bestand jetzt nicht mehr aus festgetretenem Lehm, sondern aus Brettern. Unterricht erteilte Bauer Quicksterdt. 1836 wurde an diesem Standort eine neue Schule gebaut, die Raum für 120 Kinder bot. Weiterlesen

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Hausnummern: Wir gehen täglich achtlos an ihnen vorüber, doch sie sind wichtig, amtlich, informativ und europäisch, sie haben Geschichte und erzählen Geschichten

Von Wolf Stegemann

Hausnummern sind ein wichtiger Bestandteil des Zurechtfindens in einem weitgefächerten Ordnungsgefüge, zu dem auch die Straßennamen gehören. Hausnummern sind also nicht zum Selbstzweck da. Sie bezeichnen ein bestimmtes Gebäude, dienen der Adressierung und der Auffindbarkeit. In Deutschland wie in Österreich, Liechtenstein in der Schweiz werden die Hausnummern im Rahmen der Gebäudeadressierung amtlich vergeben und in Liegenschaftsregistern und Grundbüchern festgehalten. Weiterlesen

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Was macht eigentlich… Stephanie Lenz? Ihr Weg führte von der brillanten Medea-Darstellerin in Dorsten zur erfolgreichen Medien-Fachfrau am Tegernsee

Stephanie Lenz, heute in Rottach-Egern

Von Wolf Stegemann

17. Februar 2017. – Wer gegen Ende der 1980er- bis in die 1990er-Jahre hinein in Dorsten kulturinteressiert war, der kam am „Sommertheater“ in Maria Lindenhof nicht vorbei und somit 1988 nicht an Stephanie Lenz als großartige Medea im gleichnamigen Stück von Euripides und ein Jahr später als Furie in „Thyestes“. Bei Zeus und allen Göttern, wer sie sah, dem blieb sie in Erinnerung. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Blick in die Militärverhältnisse in und um Dorsten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Früher wurden vornehmlich Nichtsnutze in Uniform gesteckt – Essay

Dorsten wurde Standort; Wehrmacht auf dem Dorstener Marktplatz 1939

Von Wolf Stegemann

10. Februar 2017. – Anfang des 15. Jahrhunderts wählte der Rat zwei Rittmeister (1 Reitmeister und 1 Kluchtmeister = Führer zu Fuß), die rechtzeitig informiert werden mussten, wenn „man von Stadt wegen ausreiten oder ausziehen sollte“. Wenn durch Anschlagen der Glocke Alarm gegeben wurde und der Rat zum Kampf auszog, mussten alle Bürger und Einwohner, Herren und Knechte dem Glockenschlag folgen. Wurde jemand zu Pferd oder zu Fuß zum Militärdienst ausgehoben, dann übernahm die Stadt die Schutzherrschaft, d. h. die Stadt haftete für Schäden und die Versorgung der Hinterbliebenen. Desertierte ein Ausgehobener, musste er Strafe zahlen und verlor den Schutz der Stadt. War er aber vom Felde flüchtig, nachdem der Rat den Kampf beschlossen hatte, der verlor seinen gesamten Besitz und wurde aus der Stadt verbannt. Wurde ein Pferd durch Kriegsdienst beschädigt oder verdorben, zahlte der Rat entweder das Pferd ganz oder die Wertminderung. Weiterlesen

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Bürgerbegehren gegen die Schließung der Wichernschule scheiterte an fehlendem Interesse – Lügen, Fehlinformationen und Beleidigungen zeugten vom niedrigen Niveau der politischen Auseinandersetzung. Eine Rückschau

Von Wolf Stegemann

3. Februar 2017. – Beim Rückblick auf das vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Jahres fällt ein Ereignis auf, das wegen seiner bisherigen Einmaligkeit in die Annalen der Dorstener Geschichte eingehen dürfte, wenn auch der Anlass nicht unbedingt spektakulär war. Einmalig deshalb, weil es in Dorsten bis dahin noch keine Bürgerbegehren gegeben hat. Das ist Grund genug, diese Geschichte in seiner Gesamtheit im Rückblick darzustellen. – Am Anfang stand das Wort, besser gesagt der Antrag der CDU, den mehrheitlichen Beschluss des Stadtrates vom 17. Juni 2015, die Wichernschule, Grundschule im Marienviertel, auslaufen zu lassen. Dieser Beschluss wurde mit 24:19 Stimmen angenommen und sah vor, ab 2016 keine Eingangsklassen mehr zu bilden, und die Wichernschule in absehbarer Zeit zu schließen. Kinder sollten nunmehr in der Augustaschule an der Halterner Straße eingeschult werden.  Bereits seit dem Schuljahr 2013/14 arbeitet die Wichernschule als Teilstandort mit der Augustaschule als Hauptstandort zusammen. Damit war die Schule als Auslaufmodell bereits 2013 bekannt und die Schließung absehbar. Verwaltung und Politik verwirrten und besänftigten die Eltern und andere Interessierte zugleich mit immer wieder über die Lokalzeitung neu veröffentlichten Plänen und Vorhaben, die Dorstener Schullandschaft zu reorganisieren. Schließen, dann nicht schließen, dann wieder schließen. Der Leser hatte den Eindruck, dass durch solche Meldungen getestet wurde, wie die Eltern, Lehrer und andere auf die Lektüre der Zeitung reagierten. Erst nach dem Ratsbeschluss zur Schließung der Wichernschule im Sommer 2015 kochten die Wogen hoch. Weiterlesen

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Internationaler Auschwitz-Gedenktag: Der Dorstener Ernst Metzger hat die Hölle von Auschwitz überlebt – 1983 besuchte er seine Heimatstadt, der er sich nicht mehr annähern konnte

Stolpersteine in Dorsten

Von Wolf Stegemann

27. Januar 2017. – An diesem Freitag jährt sich zum 72. Mal die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nationalsozialisten. Auschwitz wurde weltweit zum Symbol für den Holocaust. Über eine Million Menschen verloren hier auf grausame Weise ihre Würde und ihr Leben. Seit 1996 ist der 27. Januar offizieller deutscher Gedenktag, 2005 erklärten ihn die Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Auch Dorstener Bürger jüdischen Glaubens wurden in Auschwitz und in anderen Todeslagern ermordet. Das waren Angehörige der Familien Bendix, Cohn, Joseph, Lebenstein, Metzger, Minkel, Neuberg, Perlstein, Reifeisen, Schöndorf. Ihnen gilt besonders heute unser aller Gedenken. Es gab auch Juden, die Auschwitz überlebt haben. Dazu gehört Ernst Metzger, geboren 1912, ein Dorstener Jude, der nach seiner Befreiung in die USA auswanderte. Nur noch einmal besucht er seine Heimatstadt . Weiterlesen

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Bergbauschäden – Die Zeche ging, die Schäden bleiben: dicke Risse, abgesackte Flächen, klemmende Türen, Versumpfungen

Dicke Risse an Häusern und in der Landschaft

Von Wolf Stegemann

19. Januar 2016. – Solange es den intensiven Bergbau gab, wie auch in der Dorstener Region, solange gab es intensive Schäden an Häusern, Gärten, Straßen, Wäldern und Wasserläufen sowie Absackungen ganzer Gebiete. Der Bergbau ist gegangen. In Dorsten 2001. Nicht nur die Halden – in Altendorf-Ulfkotte die Hürfeld-Halde – erinnern an den verschwindenden Bergbau, es sind auch die Schäden, die er hinterlassen hat, und die, welche er immer wieder neu produziert. Die Erde bebt, wenn untertage die verlassenen Stollen einbrechen. Dann ziehen Risse durch Hauswände, innen wie außen, Türen und Fenster klemmen. Seit Januar 2015 sind in den folgenden 20 Monaten aus Dorsten 1226 Schadensmeldungen bei der Ruhrkohle AG (RAG) eingegangen. Schäden an Wohnhäusern. Bis sich die Erde untertage beruhigt haben wird, werden noch etliche Jahrzehnte ins Land gehen. So lange wird es auch Schäden geben.
Zu Zeiten, als der Bergbau gut saturiert durch staatliche Subventionen am Leben erhalten wurde, zeigte er sich bei Zahlung von Entschädigungen im Schadensfall oft knauserig. Wo sich der Bergbau nach Gesetz und Situation vor Entschädigungen drücken konnte, versuchte er es auch. Erinnert sei an den verstorbenen Rechtsanwalt Ax in Altendorf-Ulfkotte, durch dessen Garten hinterm Haus in den 1980er-Jahren plötzlich eine Abbruchkante verlief. Jahre benötigte der rechtlich versierte Mann, um ein Übereinkommen mit dem Bergbau zu finden. Andere Geschädigte, mit Gesetzen und Verordnungen nicht so bewandert, standen häufig auf verlorenem Posten gegen die oft wie eine Behörde auftretenden Gutachter des Bergbaus. Klagen von Dorstener Eigenheimbesitzern häuften sich in den 1980er- und 90er-Jahren. Weiterlesen

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Vor 500 Jahren Reformation: In den Dörfern wurde lutherisch gepredigt, doch Dorsten blieb ein Bollwerk des katholischen Glaubens – Verfolgung, Scheiterhaufen und Kriege

Martin Luther-Denkmal in Worms - für ihn galt das Wort Gottes und nicht das des Papstes

Von Wolf Stegemann

13. Januar 2017. – Das vor wenigen Tagen begonnene Jahr 2017 ist nicht nur für die evangelische Welt ein besonderes Jahr. Zum 500 Mal jährt sich das reformatorische Ereignis Martin Luthers. Daher wird 2017 als das Martin Luther-Jahr bezeichnet, in dem sich die katholische und evangelische Kirchen versuchen, sich wieder anzunähern. Zumindest medial und in Veranstaltungen. In diesem Jahr vor 500 Jahren legte am 31. Oktober der Provinzialvikar des Augustineordens, Martin Luther, in einem Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, seine „Disputatio pro declaratione virtutis indulgentarum“ bei, in denen er gegen Missbräuche beim Ablass und besonders gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen auftratt. Die Historizität des Anschlags dieser „95 Thesen“ an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg ist umstritten. Ein Einblattdruck (Folioblatt in zwei Spalten) des lateinischen Textes erschien noch im gleichen Jahr bei Hieronymus Höltzel in Nürnberg. Vermutlich noch vor Weihnachten übersetzte der Nürnberger Kaspar Nützel Luthers 95 Thesen ins Deutsche. Damit begann die Reformation der Protestanten, der eine Gegenreformation der Papisten folgte. Weiterlesen

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Bronzetafel am Marktbrunnen erinnert an Goethes Besuch in Dorsten im Dezember 1792 – aber auch an eine kulturpolitische Provinzposse aus dem Rathaus im Jahre 2000

Die Enthüllung der Tafel am Makt im Jahr 2000; v, l.: Grete Mai, Wolf Stegemann, Stadtrat Hans Löns, Stadträtin Petra Somberg, MdL Werner Kirstein, Bürgermeister Friedhelm Fragemann, Peter Mai; Foto: DZ

Von Wolf Stegemann

9. Dezember 2016. – Wenn auch Goethe als Person schon lange Geschichte ist, seine Werke wirken fort in allen Gegenwarten der bisherigen 200 Jahre und werden auch für die nächsten Generationen von Schülern präsent bleiben. In Dorsten gehört sein kurzer Aufenthalt in der Lippestadt Anfang Dezember 1792 zwar auch der Geschichte an, doch dieser Aufenthalt hatte in unserer Gegenwart ein possenhaften Nachspiel, als im Jahr 2000, genau 228 Jahre nach seinem Aufenthalt am Dorstener Marktplatz, Bürger am dortigen Brunnen eine Informationstafel anbrachten. Das gefiel etlichen Dorstener Lokalpolitikern überhaupt nicht. Sie plusterten sich unverständlicherweise auf und überschütteten die Dorstener Bürger-Initiative unverständlicherweise mit Spott und Hohn, wozu auch die damalige Lokalzeitung der WAZ ihren Teil beitrug. Dieser Schuss ging allerdings nach hinten los. Warum? Weiterlesen

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Postfaktisch – Was der Stadtkämmerer im Rat über das Haushaltsergebnis 2015 erzählt. Es sind sich widersprechende „Wahrheiten“. Doch welche stimmt?

Betrachtungen zum Wert eines Amtseids – von Helmut Frenzel

2. Dezember 2016. – Derzeit macht der Begriff postfaktisch Karriere. Populär wurde er im Zusammenhang mit dem Referendum in Großbritannien über den Brexit. Von post-truth politics war da die Rede und gemeint waren die Populisten, die ohne Rücksicht auf Fakten und Wahrheiten ihre politischen Ziele im Wahlkampf verfolgten. Aber es sind keineswegs nur die Populisten, die postfaktisch argumentieren. Dass den Bürgern Fakten und Wahrheiten bewusst verschwiegen werden gibt es auch im kommunalen Milieu. Ein Beispiel aus Dorsten. Weiterlesen

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Dorstener verwüsteten unter dem Gejohle der Umstehenden im November 1938 die Synagoge in der Wiesenstraße und verbrannten das sakrale Inventar auf dem Marktplatz

Jüdisches Gemeindehaus in der Wiesenstraße; weißes Giebelhaus auf der rechten Seite im Hintergrund

Von Wolf Stegemann

4. November 2016. – Schon am frühen Abend des 9. November 1938, als es schon dunkelte, drangen uniformierte und zivil gekleidete Dorstener mit Brandfackeln in der Hand in das jüdische Gemeindehaus an der Wiesenstraße ein, in dessen oberen Etage sich der Gebetsraum befand. Friedhelm Potthoff, damals gerade neun Jahre alt, erinnerte sich noch genau an die Verwüstung der Dorstener Synagoge in der Wiesenstraße. Er und seine Schwester wohnten nämlich in dem der Synagoge ange­bauten Nachbarhaus. In der johlenden Menge erkannte er viele Dorstener, darunter Jugendliche in HJ- und BDM-Uniform. Angeführt wurde der Haufen von SS-Männern. Etwa 25 von ihnen drangen in das Haus ein. Weiterlesen

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Demographie – Flüchtlingszustrom sorgte 2015 für eine Pause im Bevölkerungsrückgang der Stadt

Flüchtlinge verändern die Bevölkerungsstatistik; Foto (nicht Dorsten): dpa

Von Helmut Frenzel

14. Oktober 2016. – Na endlich, wird manch einer gedacht haben, als er vor einigen Wochen die Nachricht vernahm:  Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung der Stadt Dorsten nicht mehr weiter geschrumpft. Die Zahl der Einwohner ging nach den Zahlen des statistischen Landesamtes lediglich um 9 auf 75.431 zurück. Damit ist die durchschnittliche jährliche Schrumpfung in den vorangegangenen Jahren von  etwa 500 auf nahe Null zurückgegangen. Das hat die Stadt seit anderthalb Jahrzehnten nicht gesehen. Wie war das möglich? Weiterlesen

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Eine Rückkehr in die Erinnerung mit Gänsehaut – Stephanie Lenz, die unvergessliche „Medea“ nach 30 Jahren wieder am Theaterort in Dorsten

Stephanie Lenz, einstige „Medea“, erinnert sich an das „Sommertheater“; Foto: Wolf  Stegemann

28. September 2017. – Sie stand da, blickte sich um, schüttelte leicht den Kopf, als würde sie nicht glauben, was sie sah. So stand sie inmitten des Rasenrondells am inzwischen überwucherten Freilufttheater in der Grünanlage Maria Lindenhof. Jetzt ist es dort still, fast tot. Doch vor rund 25 Jahren war es dort lebendig. Eine Bühne, auf der sie und die anderen Ensemblemitglieder des „Sommertheaters“ mit antiken Theaterstücken brillierten. Das waren Julia Friedrich Anderseck, Thomas Boos, Katja Podszuweit, Thomas Brandt, Frieder Kornfeld, Christoph Wink, Katharina Joss, Bernd Helle, Rolf Puschnig und wie sie alle hießen. Sie spielten Aristophanes‘ „Lysistrata“, Senecas „Thyestes“, Sophokles‘ „König Ödipus“ und „Philoklet“, Euripides‘ „Die Bacchen“ und „Medea“, aber auch Tabori- und Dario Fo-Stücke. Das alles war einmal. Danach ging das Ensemble auseinander. Stephanie Lenz, damals noch Schülerin und unvergessliche „Medea“, wohnt heute am Tegernsee. Wolf Stegemann, damals bei den Ruhr-Nachrichten (heute DZ) zuständig für Kultur, begleitete das Ensemble zehn Jahre lang journalistisch, wobei es ihm die „Medea“ besonders angetan hatte. Für ihn Grund genug, Medea in persona Stephanie Lenz, die gerade ihre Eltern in Bottrop-Grafenwald besuchte, nach nahezu drei Jahrzehnten an den Ort zwischen Lippe und Kanal einzuladen und sich der alten Zeiten zu erinnern.

Austausch von Erinnerungen an zehn Jahre Sommertheater

Und da stand sie dann, Stephanie Lenz. Von Erinnerungen und Gänsehaut überwältigt, als sie sich umblickte und die Kulissen, die Zuschauer, ihre Freunde und das Theater vor ihrem geistigen Auge wieder lebendig wurden. „Dort“, sagte sie, und deutete auf einen Platz, „dort saß Dr. Zahn!“ Der inzwischen verstorbene Stadtdirektor hatte seinerzeit das „Sommertheater“ als Kulturprojekt gefördert. „Und da stand immer unser Schmink- und Garderobe-Wagen und hier die Kulissenwand.“ Und während sie erregt erzählte, kamen zwei Männer auf einem Fahrrad über den Rasen gefahren. Als sie näher gekommen waren, erstarrte Stephanie Lenz. „Bernd? Bist du das?“ fragte sie ungläubig. Der Angesprochene schaute sie ebenso ungläubig an und nickte nur. Er war es. Bernd Heller, damaliges Ensemblemitglied des Sommertheaters, kam zufällig mit einem Freund aus Schermbeck des Wegs daher. Gemeinsame Erinnerungen wurden ausgetauscht.
Natürlich folgten diesem Besuch am alten Freilufttheater Maria Lindenhof noch weitere Gespräche. Der Tag endete erst nach 23 Uhr bei einem Glas Wein am Dorstener Marktplatz. Was nahm Stephanie Lenz alias Medea und Furie mit an den Tegernsee? Die Idee, die alte Truppe des „Sommertheaters“ zusammenzutrommeln, um dort, am alten Freilufttheater zwischen Lippe und Kanal, nach 30 Jahren wieder ein Stück zu spielen. Vielleicht Euripides „Medea“? Dazu Stephanie Lenz leicht schmunzelnd: „Jetzt hätte ich eigentlich das richtige Alter für die Medea!“ Und die 34 Seiten Text, meinte sie, die sie vor 30 Jahren lernen musste, könnte sie heute sicherlich auch noch über die Lippen bringen.

„Wachküssen“ heißt die Devise

Das würde zu dem im Rahmen „Wir machen Mitte“ geplanten Konzept der Stadt passen, den Freizeitpark Maria Lindenhof mit Leben und Kunst zu füllen, zumindest in den nächsten zwei Jahren. Die kreative „Stadtentdeckerin“ Marion Taube, welche die Grünanlage für die „Leben und Kunst“ neu entdeckt hat, meinte dazu in der Zeitung: „Wir wollen Maria Lindenhof wachküssen!“ Sicherlich könnten ihr die Mimen des „Sommertheaters“, die das Stückchen Dorstener Erde schon vor 30 Jahren sogar ganze zehn Jahre lang wach gehalten haben, ihre Lippen zu Kuss reichen – sinnbildlich gesprochen.

Siehe auch: Sommertheater
Siehe auch: Was macht eigentlich … Stephanie Lenz

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