Die hiesigen Gruppen des „Stahlhelm“, vor hundert Jahren gegründet, feierten zum letzten Mal in Lembeck, bevor sie sich 1934 freiwillig auflösten und SA-Reserve wurden

Fahneneid von „Stahlhelm“-Angehörigen 1918; Foto: Bundesarchiv

Von Wolf Stegemann

12. August 2018. – Der „Stahlhelm“ war als „Bund der Frontsoldaten“ ein paramilitärisch organisierter Wehrverband, der 1918 gegründet wurde und 1934 durch Gleichschaltung in die NSDAP aufging. Die hiesigen Ortsgruppen des „Stahlhelm“ hatten 1933 ihre letzte große Veranstaltung in Lembeck. Die Parteiführer Franz Seldte und Theodor Duesterberg gründeten den Frontkämpferverband im Dezember 1918 in Magdeburg. Er galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei DNVP und stellte für diese nationale Partei den „Saalschutz“. Der „Stahlhelm“ war stark an der vergangenen Kaiserzeit orientiert und stand in eindeutiger Gegnerschaft zur Weimarer Republik, war demokratiefeindlich und antisemitisch. Deutschen Frontsoldaten jüdischen Glaubens war die Mitgliedschaft verwehrt. Daher gründeten diese eine eigene Organisation, den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der bis 1935 am Freudenberg das Erholungsheim für Kinder ihrer Mitglieder, Haus Berta, unterhielt, bis es von der Gestapo geschlossen wurde. Ziele des „Stahlhelm“ waren die Errichtung einer Diktatur in Deutschland, die Vorbereitung eines Revanchekrieges und die Errichtung eines antiparlamentarischen Ständestaates. Der „Stahlhelm“ bekämpfte die Sozialdemokratie und den „Händlergeist des Judentums“ und forderte „Lebensraum im Osten“. Bis 1930 hatte der „Stahlhelm“ rund 500.000 Mitglieder, die sich als Reserve für das durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann beschränkte Heer der Reichswehr verstanden hatten. Weiterlesen

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Was verbindet die neue deutsche Botschafterin in Washington mit Dorsten, das sie aus ihrer Kinder- und Jugendzeit her kennt? Familiäre Beziehungen zur Familie Schürholz

Von Wolf Stegemann

4. August 2018. – Im April 2018 tauchte in den Schlagzeilen der Presse und in Nachrichtensendungen in Zusammenhang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas und am Rande auch mit US-Präsident Trump ein Name auf, der im diplomatisch-politischen Deutschland einen guten Klang hat, ansonsten als Name teils weniger teils gar nicht bekannt sein dürfte. Das ist der Name Emily Haber. Trägerin des Namens ist die neue Botschafterin der Bundesrepublik in Washington. Sie gehört ohne Übertreibung zu den angesehendsten Exzellenzen auf der diplomatischen Bühne, deren Leben und Karriere als öffentliche Person ein offenes Buch ist. Nicht in diesem Buch ist allerdings zu finden, dass Dr. Emily Haber nicht nur die großen Städte rund um den Erdball kennt, sondern auch das kleine Dorsten an der Lippe. Denn mit der Stadt verbindet sie Kindheits- und Jugenderinnerungen, da sie mit der Familie Schürholz am Dorstener Markt verwandt ist, ebenso mit der Familie Beisenbusch, denn ihre Großmutter Paula Schürholz war eine geborene Beisenbusch. Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Dr. med. Jürgen Jenke verbrachte seine Schulzeit in Dorsten und musste katholisch werden, um im Franziskaner-Internat wohnen zu können

Jürgen Jenke (2. v. r.) mit dem Kölner Dreigestirn und Hofstaat 2010

Von Wolf StegemannEr gehört zu denen, die im Ruhestand unruhig sind, weil sie endlich Zeit haben, das zu tun und zu erledigen, was sie aus Zeitgründen während ihres Berufslebens nicht konnten. So ist es bei Dr. med. Jürgen Jenke das Recherchieren, Sammeln und Dokumentieren seiner Familiengeschichte. Das weist schon darauf hin, dass er ein ausgeprägter Familienmensch ist, der sich stets nicht nur um seine fünf Kinder Rolf, Sabine, Karin, Petra und Ute kümmerte, sondern heute in Fortsetzung auch intensiv um die fünf in Köln lebenden seiner acht Enkelkinder. Da kommt er dann schon mal in einen rappeligen Zustand. Vielleicht liegt’s auch daran, dass er als Anästhesist und Koordinator in einem großen OP-Betrieb mit sieben OP-sälen für Ruhe und einen geregelten Ablauf sorgen und dies auch für sich selbst bewahren musste. Weiterlesen

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Kalksandsteinwerk in Holsterhausen: An der B 224 wurden ab 1955 täglich rund eine halbe Million Steine hergestellt – Danach kamen die Maschinen nach China

Ansicht des Kalksandsteinwerks im Jahre 1966; Foto: Jenke

Von Wolf Stegemann

20. Juli 2018. – Nördlich stadtauswärts an der B 224 lag linker Hand, kurz bevor man die Freudenberger Straßenkreuzung mit der B 58 erreicht, das Kalksandsteinwerk von Dr. Herbert Bauer & Gustav Rüskamp, Inhaber der gleichnamigen Kalksandsteinwerke in Coesfeld-Klye. Das Zweigwerk Holsterhausen wurde 1955 gegründet und stellte 2001 die Produktion ein. Die Gebäude sind mittlerweile abgerissen. Auf dem Areal, auf dem die Gebäude des Kalksandsteinwerkes lagen, befindet sich heute eine Biogasanlage der Firma Odas. Die ehemalige Sandgrube wurde zurückgebaut und mit Nadelbäumen aufgeforstet, so dass diese Flächen heute ein vorzeigbares Beispiel für eine gelungene Rekultivierung sind. Die Flächen, die sich nördlich der ehemaligen Sandgrube befinden und durch den Emmelkämper Weg, die B 58 und die B 224 begrenzt werden, nutzt man seit 2001 bis heute weiter für die Gewinnung von Sand für anderweitige Zwecke. Die Straße, die vom Emmelkamp bis zur B 224 (Borkener Straße) führt, heißt heute noch „Am Steinwerk“. Bei der Gründung im Jahre 1955 lag das Werk auf Altschermbecker Gebiet (Alter Postweg 75), das zum Amt Hervest-Dorsten gehörte, nicht aber zur Stadt Dorsten. Die in den Briefköpfen der Firma verwendete Anschrift lautete: 4270 Dorsten-Freudenberg. Im Zuge der Eingemeindung der Gemarkung „Emmelkamp“ in den Stadtteil Dorsten-Holsterhausen im Jahr 1975 wurde der Straßenname in „Am Steinwerk“ geändert, da es in der Stadt Dorsten bereits eine Straße namens „Alter Postweg“ gab. Weiterlesen

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„Die Kette“ – Kunstwerk Antonio Filippins machte in den 1980er-Jahren Furore – Skulpturen regten an, sich mit Gewalt, Einsamkeit, Unterdrückung und Folter auseinanderzusetzen

Wohlstand und Elend – eine der Skulpturen an der „Kette“

Von Wolf Stegemann

Einer der rührigsten, bekanntesten, erfolg- und ideenreichsten Künstler in Dorsten war Antonio Filippin, der 1996 mit Sack und Pack sowie einigen seiner Kunstskulpturen auf die Seychellen auswanderte. Da war er  55 Jahre alt. Viele Dorstener der 1960er- bis Mitte der 1990er-Jahre und noch mehr Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer des St. Ursula-Gymnasiums kannten und kennen ihn, denn am Marktplatz, gleich neben dem Alten Rathaus Ecke Wiesenstraße, hatte Antonio Filippin seine Eisdiele, zugleich sein Künstlerdomizil, denn im Keller machte er nicht nur Eis, sondern schnitzte und bildhauerte auch. Seine Eisdiele war daher ein „Künstlertreff“ für Maler und Literaten. Antonio Filippin wirkte aber nicht nur in Dorsten, sondern als Aktionskünstler im gesamten Ruhrgebiet. Dass er auch darüber hinaus gefragt war, war nicht zuletzt seinem angesehenen  Künstlerprojekt „Die Kette“ zu verdanken, die er ab 1984 entwickelte und das aufwändige Projekt in den folgenden Jahren in Ruhrgebietsstädten bei besonderen Anlässen zeigte – auch bis ins Siegerland –  und dort stets für Gesprächsstoff sorgte. Weiterlesen

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Städtisches Kulturamt: „Einverleibung“ in den Lernbetrieb der Volkshochschule scheiterte 1982, doch 1997 klappte es! Nicht gerade zum Vorteil der Kultur – ein Politikum

Haupteingang zum Bildungszentrum – versteckt, schäbig und dunkel; Fotos (2): Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

29. Juni 2018. – Schlagzeilen der beiden Lokalzeitungen beherrschten im August des Jahres 1982 überwiegend kulturpolitische „Denkmodelle“, die das politische Klima im Rathaus anreizte. Der Kulturamtsleiter Ludger Heyming und sein Stellvertreter Wilzek hatten in anderen Städten bessere Angebote gefunden. Mit Weggang der beiden gab es kein Kulturamtspersonal mehr. Die Verwaltung musste das Kulturamt mit der Leiterstelle und Personal neu besetzen. Wie aus den damals veröffentlichten Zeitungsberichten hervorgeht, wollte der Volkshochschulleiter im Bildungszentrum Maria Lindenhof, in dem auch das Kulturamt untergebracht war, auch Chef des Kulturamts werden und machte sich stark, dass das jetzt verwaiste Kulturamt der Volkshochschule eingegliedert werde. Dabei ginge es weniger um  Kultur als um Geld. Denn der Volkshochschule standen Finanzkürzungen bevor. Daher käme der Volkshochschule der Kulturetat gerade zu recht, welcher der Volkshochschule im Falle der Eingliederung zur Verfügung gestanden hätte. Weiterlesen

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Geplante Garagenhöfe in den Gärten der Zechensiedlung in Hervest lösten 1985 heftigen Streit zwischen Stadt und Bewohnern aus, den Ministerialrat Ganser mit einem Satz beendete

Bei der Planung  Zwischenbebauung kam es zum Garagen-Streit; Foto: Baukunst NRW

Von Wolf Stegemann

15. Juni 2018 – Bevor die Zechensiedlung Hervest-Dorsten 1986 eine Gestaltungssatzung bekam und 1987 als „Gartenstädtische Arbeitersiedlung“ unter Denkmalschutz gestellt und saniert wurde, fanden ab 1984 immer wieder heftige Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern, Planern, Stadt, Hoesch-Wohnungsgesellschaft statt, der auch über die Lokalpresse ausgetragen wurde. Die anhaltende Kritik und die Berichterstattung darüber veranlasste die Hoesch-Wohnungsgesellschaft zu einer langen Stellungnahme, die in der Lokalpresse – am 17. März 1984 in den „Ruhr-Nachrichten“ – veröffentlicht wurde. „Während die Berichterstattung zumeist sachlich und richtig ausfiel, waren die Kommentare und Leserbriefe häufig emotional geladen und gaben die Tatsachen nicht immer korrekt wieder.“ Die Hoesch-Wohnungsgesellschaft behauptete, dass die meisten Kritiker der Planungsabsichten außerhalb der Bergmannsiedlung wohnten und gar nicht zum Kreis der Betroffenen gehörten. Wenn sich aber betroffene Mieter ihre Interessen von den von ihnen gewählten Ratsmitgliedern und vom Betriebsrat der Zeche Fürst Leopold vertreten lassen, „kann eine ungerechte Einmischung sehr schnell zu einer unerwünschten Bevormundung werden“. Und an anderer Stelle heißt es: „Aus unseren Gesprächen mit vielen Mitarbeitern wissen wir, dass nur wenige noch einen großen Garten bewirtschaften wollen. Die meisten möchten lieber einen kleinen Individualbereich, im dem sie sich an Sonntagen zusammensetzen können. … Die Kinder können auf den neuen Spielplätzen, die von der Stadt Dorsten angelegt werden, nach Herzenslust herumtollen …“ Weiterlesen

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Abwertung des Schweizer Franken bringt der Stadt jetzt einen Millionengewinn – doch davon erfahren die Dorstener Bürger nichts … warum?

Betrachtung von Helmut Frenzel

1. Juni 2018. – Der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) befasst sich in den ersten Monaten eines Jahres routinemäßig mit dem Schuldenmanagement der Stadt, so auch im Februar dieses Jahres. Und da geht es immer auch um die unsäglichen Währungsgeschäfte der Stadt. Wer sich für das Thema interessiert und Ausschau nach wichtigen Entwicklungen hält, der kann sich in den Dokumenten zur Sitzung informieren, die im Rats- und Bürgerinformationssystem der Stadt veröffentlicht sind. In der Vorlage der Verwaltung, unterschrieben vom Bürgermeister, liest er zu den Liquiditätskrediten in Schweizer Franken: „Die Kreditverbindlichkeiten stehen zum 30. 12. 2016 zum Wechselkurs CHF /EUR von 1,0739 in der Bilanz. Der Wechselkurs zum 29. 12. 2017 betrug 1,1702. Ein neuer Wertberichtigungsbedarf ergibt sich somit nicht.“ Das klingt erfreulich. Noch schnell ein Blick in das Ergebnisprotokoll, vielleicht sind ja in der Sitzung selbst noch wissenswerte Vorgänge zur Sprache gekommen. Dieses ist wie immer äußerst spartanisch abgefasst mit der Aussagekraft eines leeren Blattes. Dort heißt es: „Herr Bürgermeister Stockhoff machte zunächst Erläuterungen zur Vorlage. Herr Schwane war der Auffassung, dass die Entwicklung des Zinsniveaus zu beachten sei. Daher seien Schuldentilgungen besonders wichtig. Herr Baune stimmte Herrn Schwane hinsichtlich der Entwicklung des Zinsniveaus zu. Viele Annahmen seien jedoch zur Zeit noch spekulativ.“ Das war’s. Nichts außer Selbstverständlichkeiten. Weiterlesen

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Das Mercaden-Debakel: Welchen Anteil daran hat die Politik? Realitätsverweigerung und falsche Weichenstellungen haben den Weg bereitet

Tristesse im Erdgeschoss; Foto: H. Frenzel

Kommentierender Rückblick von Helmut Frenzel

20. April 2018 – Das Mercaden-Debakel hat viele Väter, aber einen an vorderster Stelle: den ehemaligen Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Es ist auch sein Debakel. Er wollte dieses Projekt und er wollte Herbert Krämer. Er war es, der zusammen mit einigen Gefolgsleuten die Strippen zog, um das Projekt über alle Hürden zu bringen. 2009 hatte er an der Eröffnung der RheinBerg-Galerie in Bergisch-Gladbach teilgenommen, ein Vorhaben des späteren Mercaden-Entwicklers. So etwas wollte Lambert Lütkenhorst auch für Dorsten. Es sollte sein Denkmal werden. Und er bekam es. Wie das Projekt durchgesetzt wurde und wie es scheiterte wird hier noch einmal aufgerollt. Weiterlesen

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14 Jahre lang leitete Wolfgang Müller das Kulturamt und war mit seinem Team auffallend erfolgreich, so dass man rückblickend und vergleichend von einer Ära Müller sprechen kann

Wolfgang Müller (Mitte) bei der gemeinsamen Buchvorstellung der Forschungsgruppe Dorsten unterm Hakenkreuz mit Sr. Johann Eichmann und Wolf Stegemann 1987; Foto: Steffe (RN)

Von Wolf Stegemann

Von 1982 bis 1996 leitete Wolfgang Müller, der vom Bottroper Bauamt ins Dorstener Rathaus kam, das Kulturamt. Die Kulturpolitik war Anfang der 1980er-Jahre ein Stiefkind im Rathaus. Wolfgang Müller brachte durch Planung, Umsicht und neue städtische Kulturangebote, Unterstützung der Kulturvereine und Kulturprojekte Dorstens zaghaftes „Kulturpflänzchen“ in den 1980er-Jahren zur Blüte. Beispielsweise waren die jährlich stattfindenden Altstadtfeste mit einem umfassenden Kulturprogramm begleitet und beschränkte sich nicht nur auf Alkoholkonsum und Fressbuden wie heute. Die 14 Jahre  Wolfgang Müller in der Dorstener städtischen Kultur kann man im vergleichenden Rückblick durchaus als „Ära Müller“ bezeichnen. Weiterlesen

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