Sie steht mit Hannibal, Karl dem Großen, Napoleon, Goethe und vielen anderen in einer Reihe: Gabriele Reiß überquerte in 40 Tagen die Alpen vom Starnberger See bis Venetien – und schrieb darüber ein Buch

Gabriele Reiß - hoch hinauf und tief hinunter; Foto: privat

Von Wolf Stegemann

23. September 2016. – Die einen gehen in die Sauna, schwitzen vor sich hin, die anderen meditieren, wieder andere klettern auf Berge oder segeln mit dem Boot an der Küste entlang, anderen wiederum reicht es, einmal tief durchzuatmen, um den Geist frei zu machen. Gabriele Reiß hat für sich gleich zwei Methoden entdeckt, den Geist zu befreien: Das Bergwandern in bester Luft und das Schreiben darüber zuhause in Dorsten. Sie wandert nicht etwa im Bergischen Land oder im Sauerland, sondern in den Alpen. Obwohl sie Mitglied im Deutschen Alpenverein ist, geht sie jedoch nie in Gruppen, sondern immer zu zweit oder auch mal allein. 39 dieser Gebirgswanderungen liegen bereits hinter ihr und weitere vor ihr. Sie umrundete bereits zweimal den Watzmann-Stock in Berchtesgaden, wanderte im Rätikon, kennt dort alle Übergänge, machte Touren im Unterengadin. 2017 steht die Schesaplana in den Schweizer Alpen an, ein Dreitausender. Den hat sie schon zweimal begangen. Weiterlesen

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Taufstein mit Dämonenfratze und Judenhut in St. Agatha – An ihm wurde 1844 der Jude Salomon Abraham getauft, der sich fortan Franz Ewaldi nannte

Massentaufe von Juden, Buchmalerei aus "Königsberger Apokalypse", 13. Jahrhundert

Von Wolf Stegemann

„Am 3. d. M. empfing in hiesiger Pfarrkirche ein junger Israeli, Salomon Abraham, gebürtig aus Dülmen, 21 Jahre alt, das hl. Sakrament der Taufe. Der Curat-Priester Lic. theol. Dr. Oswald, welcher dem Neophyten den Unterricht in der christlichen Religion ertheilt hatte, vollzog die feierliche Taufhandlung und gab ihm den Namen Caspar Bernhard Franz Ewaldi …“

Taufstein St. Agatha mit Judenfratze, um 1280

Diese Sätze leiten einen kleinen Artikel ein, der am 10. November 1844 in dem in Münster erschienenen „Sonntags-Blatt für katholische Christen“ veröffentlicht wurde. Bei der Pfarrkirche handelt es sich um die Stadtkirche St. Agatha in Dorsten. Die Taufe des Salomon Abraham ist die einzig belegte Judentaufe in der Lippestadt. Weiter heißt es in dem Bericht, dass sich zu dieser „schönen Feier“ eine große Anzahl von Gläubigen eingefunden hatte. Der Geistliche Oswald richtete an den Täufling die Paulus-Worte „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unbegreifliche sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege“ (Römer 11,33), mit denen er den Neugetauften auf die „wunderbare Führung Gottes“ aufmerksam machte und zugleich mit ihm alle Anwesenden aufforderte, die Pflichten des Taufbundes treu zu erfüllen. Taufpate war der Dülmener Vikar Niesung. Dieser stellte sein „Patenkind“, das den Beruf des jüdischen Schächters ausgeübt hatte, vor die Wahl, entweder Kaufmann oder Wissenschaftler zu werden. Der getaufte Franz Ewaldi, dessen Vater bereits gestorben war, entschied sich für Letzteres. Sein Bruder führte das Metzgergewerbe sowie einen Vieh- und Lumpenhandel in Dülmen fort. Franz Ewaldi wohnte in Dorsten Haus-Nr. 68 (Recklinghäuser Straße 20 der Vorkriegsnummerierung). Am 30. Oktober 1844 verzog der Konvertit nach Emmerich. Weiterlesen

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Wie geht’s Antonio Filippin? Seine Tochter Alexandra besuchte ihn. 23 Jahre nach seiner Auswanderung hat er sich auf den Seychellen paradiesisch eingerichtet

Antonio Filippin vor seinem Piratenmuseum auf der Insel Mahé; Fotos (4): Alexandra Filippin

Von Wolf Stegemann

9. September 2016. – Antonio Filippin? Wer ist das? Dorstens Nachwuchs bis in die Mittdreißiger wird ihn kaum kennen, aber die älteren schon. Darunter Generationen von Ursulinen-Schülerinnen und Schülern. Denn Antonio Filippin war ein Begriff in Dorsten und ist es in nostalgischer Verklärung heute noch: In seiner Eisdiele am Markt, gleich links neben dem Alten Rathaus, wo heute eine Pizzeria einlädt, gab es nicht nur Eis, Capuccino, Espresso und Kaffee – auch Kunst. Über ein paar Jahre hinweg war seine Eisdiele allwöchentlich der „Dorstener Künstlertreff“ und somit – man mag dem Verfasser den Überschwang nachsehen – das Zentrum der damaligen Dorstener Kunst und Literatur. Dort trafen sich die bildnerischen und literarischen Künstler und die, die es werden wollten. 1996 wanderte Antonio Filippin auf die Seychellen im indischen Ozean aus. Heute gibt es keinen Reiseführer und keinen Bildband, der nicht auf ihn hinweist. Wer über seinen Start in sein neues Leben auf den Seychellen mehr wissen möchte, kann den am Ende dieses Artikel angebrachten Link öffnen und nachlesen, wie es Antonio Filippin bis 1999 in der Hochglanzidylle erging. Jetzt besuchte ihn seine Tochter Alexandra, brachte Fotos und Informationen mit, wie es ihm in den Jahren danach erging. Und es ist äußerst spannend, was sie erzählt. Weiterlesen

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Das Finke-Hähnchen wird 50: Launige Gedanken rund um Heinz-Peter Finke und seine gegrillten Flattermänner an der Borkener Straße – eine gute Adresse

Heinz-Peter Finke mit Blick in die Sonne; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

2. September 2016. – Eine kleine persönliche Vorbemerkung zum Thema Hähnchen sei dem Verfasser gestattet. Ein Freund aus Herne erzählte ihm vor 40 Jahren, dass er sich bei „Mercedes“ für eine gehobene Vertreter-Position beworben hätte und jetzt zu einem Vorstellungsgespräch in die Stuttgarter Zentrale eingeladen sei. Frohen Mutes fuhr er los und kam mit gleichem Gefühl zurück. Denn der Personalleiter und sein Assistent hätten ihn sogar zum Mittagessen in ein „Wienerwald-Restaurant“ zum Hähnchenessen eingeladen. Und das sage ja viel aus, meinte der Freund. Und da hatte er Recht. Aber nicht in seinem Sinne. Denn die Herren der Personalabteilung hatten zwar an seinen Zeugnissen nichts auszusetzen, doch an dem, wie er das Hähnchen aß. Um das herauszufinden, hatten sie ihn sozusagen als „Test-Esser“ eingeladen. Er fiel durch. In der Absage stand dann auch, warum. Gemäß dessen, was damals von den Tischsitten auch erlaubt war, aß er das halbe Hähnchen mit den Fingern, nagte das knusprige Fleisch mit den Zähnen von den Knochen ab und benutzte dazu weder Messer noch Gabel. Das sollte wohl nicht der Stil für chromblitzende „Mercedes“-Leute der damaligen Zeit sein. Weiterlesen

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Sind Namen Schall und Rauch? Sie sind lebenslange Kennzeichnungen, mit dem religiösen Taufakt aber auch mit dem Ordnungsbedürfnis des Staates verbunden – Nomen est omen

Von Wolf Stegemann

Alle Menschen müssen – zumindest bei uns – einen Namen haben. Nicht im übertragenen Sinne, wie man diese Feststellung auch lesen kann, sondern gesetzlich. Dabei ist es gleichgültig, ob Namen „Schall und Rauch“ sind, wie Goethes Mephisto zu Margarete sagt, oder man sie nicht zählen könne, wie in Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibykus“, wo es heißt: „Wer zählt die Völker, nennt die Namen / Die gastlich hier zusammenkamen?“ Nicht zur Olympiade in Rio, sondern zum Wagenrennen auf Corinthus Landesenge. „Nomen est omen“ sagen die Etymologen und wollen wissen, was hinter den Namen steckt.
Während sich im Laufe unseres Lebens die Figur, der Haarwuchs, die Sehschärfe, der Freundeskreis, die Wohnorte, Postleitzahlen, das Briefporto, Partner und Telefonnummern ändern, ist nichts so beständig wie unser Nachname, von Änderungsmöglichkeiten bei Hochzeiten oder eingetragenen Künstler- oder Ordensnamen und anderen Möglichkeiten abgesehen. Die Dorstener Ursuline Gräfin von der Schulenburg hatte gleich drei solcher Namen: ihren bürgerlichen „Elisabeth“, dann „Tisa“ als Künstlerin und „Sr. Paula“ als Ordensnamen. Weiterlesen

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Was machen eigentlich … der em. Erzbischof von Hamburg und der höchste Repräsentant der Unternehmerfamilie E. Merck? In Dorsten begann die Karriere des einen und das Leben des anderen

Von Wolf Stegemann

12. August 2016. – Miteinander haben die beiden Hochkaräter vermutlich nichts zu tun. Gemeinsam ist ihnen, dass beide beruflich hoch aufgestiegen sind. Der eine durch den Papst, der andere durch Geburt. Doch beide verbinden noch sieben Buchstaben, die ein Wort bilden, und das heißt Dorsten. Der eine, Dr. Werner Thissen, war von  1966 bis 1969 Kaplan in Dorsten, bevor er 2002 Erzbischof von Hamburg wurde und seit 2014 als Emerit lebt. Der andere ist Dr. Frank Stangenberg-Haverkamp, der 1948 in Dorsten in die bekannte Chemiekonzernfamilie E. Merck hineingeboren wurde. Weiterlesen

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Bombenentschärfungen: Gefährliche Erinnerungen an den Krieg – spektakuläre Räumung der Dorstener Altstadt 1958; vorläufig letzter Fund im August 2016

Mit 300 Strohballen wurde 1958 der Fundort der Bombe in der Recklinghäuser Straße abgesichert (RN)

Von Wolf Stegemann

12. August 2016. – Auch 71 Jahre nach Kriegsende werden im Boden immer noch Bomben gefunden, die beim Abwurf vor sieben Jahrzehznten nicht explodierten und bis heute gefährliche Blindgänger sind. Man findet sie in Wohn- und Baugebieten, in Flüssen sowie unter Äckern und Feldern. Manchmal müssen die Bewohner in einem bestimmten Umkreis des Fundortes bei der fachmännischen Entschärfung evakuiert werden. Mitunter mit großem Aufwand. Meist gibt es bei der Entschärfung keine Probleme, doch dann explodiert die Bombe wie 2010 in Göttingen mit drei Toten.
Die zuletzt gefundene Bombe in Dorsten wurde vor wenigen Tagen, am 4. August 2016, an der Straße „Am Güterbahnhof“ gefunden und vom zuständigen Kampfmittelräumdienst Arnsberg unschädlich gemacht. Der Evakuierungsradius betrug 150 Meter. Bewohner in diesem Bereich mussten ab 14 Uhr anderswo untergebracht werden, Straßen wurden abgesperrt. Sprengmeister Andreas Brümmer konnte nicht einmal zwei Stunden später die Alarmstufe aufheben. Die 250-Pfund-Bombe war entschärft. Weiterlesen

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Ehrabschneidung – Böse Gerüchte von Klatschbasen machten einem Dorstener Goldschmiedemeister vor 160 Jahren schwer zu schaffen

DOrstener Goldschmied während der Fahrt von Buer nach Dorsten aus der Reisekutsche verschwunden

Goldschmied während der Fahrt von Buer nach Dorsten aus der Reisekutsche verschwunden

Von Wolf Stegemann

Die Lebenserfahrung zeigt, dass, wenn jemand ins Gerede gekommen ist, es mitunter lange dauert, vielleicht auch Maßnahmen notwendig sind, aus diesem Gerede wieder herauszukommen. So ist es heute und so war es schon immer. Wer die alten Zeitungen durchblättert, stellt fest, dass solche Geschichten häufiger vorkamen. Dann muss der Leser vielleicht auch schmunzeln, wenn sich Komisches hinter den Zeilen verbirgt. Die damals Betroffenen hatten sicherlich keinen Grund, amüsiert zu sein. Auch nicht der Goldschmiedemeister Schöning, dem Folgendes widerfuhr, wie aus dem „Dorstener Wochenblatt“ vom 21. März 1857 und einer dünnen Polizeiakte hervorgeht. Weiterlesen

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Blick in die Partnerstadt Rybnik: Thomas Godoj kam als Kind nach Recklinghausen, wurde ein erfolgreicher Popsänger und Song-Schreiber – und kümmert sich um Kinder in Not

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung. In unserer Reihe, in der wir prominente und über die Region hinaus interessante Personen aus unseren Partnerstädten vorstellen, porträtieren wir in dieser Folge den jungen polnisch-deutschen Newcomer, erfolgreichen Hardrocker, Popsänger und Song-Schreiber Tomasz Jacek Godoj aus Rybnik. In früheren Porträts haben wir den verstorbenen international bekannten Schriftsteller und Lyriker Peter Corrylis aus Hainichen (Sachsen) sowie das schillernde Modemodell Bar Refaeli und den ermordeten Soldaten Ron Arad, beide aus Hod Hasharon (Irsrael),  vorgestellt.

„Thomas war sehr präsent, sehr hingebungsvoll, lebte die Songs sehr intensiv und erreichte mich. Ich war den ganzen Abend so glücklich, da zu sein. Thomas´ Stimme hat mich wieder neu in ihren Bann gezogen, er sang so wunderschön, diese Tiefe und dieser ,Dreck’ (ich weiß kein anderes Wort) in seiner Stimme sind einfach faszinierend, die Band ist so genial, so improvisierfreudig, die Stimmung im Publikum war für mein Empfinden sehr gut….“ Weiterlesen

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Ursula Küsters: Motor der Lembeck-Rhader Flüchtlingshilfe – Bürgerinitiative betreut Asylbewerber im historischen Michaelisstift. Vom Bürgermeister mit Ehrenpreis ausgezeichnet

Auszeichnung der Flüchtlingshilfe Lembeck-Rhade durch Bürgermeister Tobias Stockhoff. Urula Küsters überreicht ihm Marmelade nach afghanischem Rezept: Foto: Christian Gruber

Von Wolf Stegemann

29. April 2016. – Vergleicht man die vielen Bürgerinitiativen in Lembeck zum Wohle des Stadtteils und ihrer Menschen, darunter vor allem die Flüchtlingshilfe Lembeck-Rhade, mit einem Fahrzeug, dann ist Ursula Küsters darin der Motor. Sie möge diesen wenig charmanten Vergleich verzeihen, doch treffender kann man ihr Engagement für andere nicht besser verdeutlichen. Ohne Motor läuft bekanntlich kein Auto und im übertragenden Sinne auch keine Bürgerinitiative. 2014 wurde in Lembeck die Bürgerkooperation „Porte Lembeck“ gegründet, die, ähnlich der Marion Taube-Initiative „Fundbüro für Stadtideen“ jetzt in Lembeck ein „Fundbüro für Dorfideen“ etablierte. Das ist eine Sammelstelle für Verbesserungen von Lebensqualität in Lembeck. Das funktioniert. Regelmäßig treffen sich  Bürger, entwickeln Ideen – und setzen sie auch um: Pflanzaktionen verschönern das Stadtbild, das Dorfwirtshaus soll wiederbelebt werden und es wird mehr für Jugendliche und Senioren getan sowie denen Hilfe gegeben, die sie benötigen. Aber auch das gewachsene Dorfbild soll gepflegt werden, denn „Lembeck hat eine Seele und auch alte Gemäuer sind ein Teil davon.“ – Eine ähnliche Initiative gründete sich unlängst in Rhade. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Die Stadt wollte 1830 Residenzstadt in einem „Landräthlichen Kreis Dorsten“ mit den zwei Städten und 28 Landgemeinden werden – Absage

Das idyllisch gelegene Dorsten 1823 mit Blick auf die Nordseite der Stadt

Von Wolf Stegemann

Im Zuge der Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen entstanden im preußischen Regierungsbezirk Münster 1816 zehn landrätliche Kreise, darunter der Kreis Recklinghausen, der im damaligen Preußen mit 38.000 Einwohnern und 781 Quadratkilometern größter Kreis war und von dem Landräthlichen Commissair Graf Wilhelm von Westerholt geleitet wurde. Das Territorium umfasste das gesamte Vest mit den Städten Recklinghausen und Dorsten sowie 28 Landgemeinden, die von Bürgermeistereien (Fortbestand der vormaligen „Mairien“) verwaltet wurden. Auch die bis dahin fürstbischöflich-münstersche Herrlichkeit Lembeck – bis dato zum Amt Ahaus gehörig – mit den Gemeinden Lembeck, Rhade, Erle, Wulfen und Altschermbeck wurde 1816 mit dem Kreis vereinigt. Der Name Vest Recklinghausen hat sich bis heute erhalten und deckt den größten Teil des Kreises Recklinghausen ab. Die Festlegung der Kreisgrenzen zog sich bis 1830 hin. Weiterlesen

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Der Muttertag: In Amerika initiiert, vom Blumenhändlerverband installiert, von den Nazis ideologisiert, danach kommerzialisiert. Umsatz für Schnittblumen an diesem Tag bis 130 Millionen Euro

Gebärfreudige Frau Adebar erhält am Muttertag die Grüße ihrer lieben Storchenkinder; Zeichnung von Stefan Roth mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung (http://www.roth-cartoons.de)

Von Wolf Stegemann

6. Mai 2016. – Der Muttertag ist ein ambivalenter Tag. Wer mit dem Stichwort googelt, der fühlt sich unversehens in einen weitläufigen Basar versetzt und staunt, wie der Storch des Karikaturisten Stefan Roth im obigen Titelbild über die Vielzahl seiner Kinder, was unter dem Begriff Muttertag alles verkauft wird. Heerscharen von Blumenhändlern, fabrikmäßigen Tortenherstellern, Küchengeräteverkäufern, Bonbon-, Marzipan-, Nougat- und Pralinenherstellern, Reisebüros und Hotels bieten den jungen und alten Kindern von Müttern Billiges und Teures an, mit denen sie einmal im Jahr ihren Müttern ihr Muttersein versüßen können. Darüber darf man sich allerdings nicht wundern, denn erst der Geschäftssinn rief den Muttertag so richtig ins Leben und kann sich getrost als Mutter des Muttertags bezeichnen, was er allerdings nicht tut. Denn faktisch ist er das nicht. Der Geschäftssinn der Blumenhändler hat sich den Muttertag lediglich angeeignet und das daraus gemacht, was er heute ist. Mit Erfolg. Denn nach Weihnachten ist der Muttertag der umsatzstärkste Geschenktag, vor allem bei Blumen, und rangiert auch noch vor dem Valentinstag. Weiterlesen

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Was war der Nationalsozialismus im „neuen“ Reich? Joseph Wiedenhöfer, Direktor des Gymnasium Petrinum bis 1932, wusste schon 1934 die Antwort: Eine Forderung der Religion!

Von Wolf Stegemann

17. Juni 2016. – Eine Vorbemerkung zu dem folgenden wörtlich wiedergegebenen Text ist notwendig. Er steht unter dem Titel „Der deutsche Schicksalsweg zur Höhe“ (S. 90) als letztes Kapitel im Nachspann der 90-seitigen Broschüre „Der erste Hammerschlag. Unsern Befreiern aus Spartakistengewalt. Zum Weihetag des Freikorpsehrenmals“ 1934 veröffentlichte. Mit Höhe meint der Autor den Nationalsozialismus. Das erste Kapitel heißt entsprechend „Der deutsche Schicksalsweg zur Tiefe“, das ist nach dem Kaiserreich die Weimarer Republik. Autor ist der in Dorsten bestens bekannte Dr. Joseph Wiedenhöfer, der von 1905 bis 1932 Direktor des Gymnasium Petrinum in Dorsten war. Das Heft erschien anlässlich der Einweihung des Freikorps-Ehrenmals am Kanal am 24. Juni 1934 durch die Nazis im Verlag Josef Weber, in dem auch die „Dorstener Volkszeitung“ (heute Dorstener Zeitung) erschien. Das Freikorps Lichtschlag hatte 1919 die kommunistischen Spartakisten aus Dorsten mit Gewalt vertrieben, wobei sie auch Morde begangen haben. Das Denkmal stand etwa da, wo sich heute die Rückfront des Einkaufscenters Mercaden befindet. Die Engländer kippten das Denkmal 1945 in den Kanal. Der Pädagoge, Humanist und Heimatforscher Dr. Wiedenhöfer biederte sich sofort nach der Machtübernahme den neuen Herren an, war strammer Nationalsozialist, was aus seinen Veröffentlichungen hervorgeht. So auch aus dem hier nachveröffentlichten Text mit seinen Erklärungen, wie wichtig der Nationalsozialismus für die Rassenart und das Volk sei, weil natur- und gottgegeben. Am heutigen Freitag wird vermutlich das Urteil gegen einen ehemaligen SS-Wachmann vom Landgericht Detmold gesprochen. Er war an der Todesmaschinerie der Nationalsozialisten in Auschwitz beteiligt. Vermutlich eines der letzten Urteile gegen Schuldige dieser Verbrechen, wenn nicht das letzte. Weiterlesen

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Mercaden im Stresstest: Bilanz nach hundert Tagen – erste Veränderungen in der Altstadt – „Eigenattraktivität“ zu gering

Mercaden - Blick in die 1. Etage, Montag, 6. Juni 2016, 14 Uhr; überklebte Leerstände links und rechts; Fotos (6): Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

10. Juni 2016. – Als Anfang März das Mercaden seine Pforten öffnete, wurde von allen Seiten die Bereicherung hervorgehoben, die Dorsten mit dem neuen Einkaufszentrum erfahre. Die örtliche Kaufkraft werde stärker gebunden; Kunden aus der Umgebung würden angezogen und der innerstädtische Einzelhandel von einer höheren Besucherfrequenz profitieren. Viele Dorstener freuten sich auf die neuen Einkaufsmöglichkeiten. Dazu kam die allgemeine Erleichterung über das Ende der Großbaustelle und die damit verbundenen Einschränkungen im Straßenverkehr. Auch an die äußeren Dimensionen gewöhnten sich die Dorstener überraschend schnell. Es hätte schlimmer kommen können, hört man. Eine positive und erwartungsvolle Grundstimmung begleitete die Eröffnung. Entsprechend groß war das Interesse. Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Melanie Dittmer? Sie organisiert fremdenfeindliche Hetze, beschimpft Muslime, beleidigt Polizisten und macht negative Schlagzeilen. – Versuch einer Darstellung

Ex-Dorstenerin, Fotografin und Angehörige der rechten Szene: Melanie Dittmer bei der Arbeit; Foto: ifa

Von Wolf Stegemann

3. Juni 2016. – Sie wuchs in Dorsten auf, bekam hier das schulische Rüstzeug fürs Leben, driftete als junges Mädchen in die rechte Szene und wurde auffällig. Da war sie gerade 16 Jahre alt. Heute ist sie 37 und in rechtsradikalen Kreisen als Vorsitzende der „Dügida“ (Düsseldorfer Ableger der Pegida-Bewegung) bekannt und produziert Schlagzeilen wie „Ermittlungen gegen Dügida-Chefin“, „Dügida setzt Demo-Route vor Moschee durch“, „Dittmer: Rosenmontag als Terrorist verkleiden“, „Zwei Anklagen gegen Dügida-Organisatorin“, „Weitere Vorwürfe gegen Dügida-Chefin“, „Melanie Dittmer wegen Hetze zu Bewährungsstrafe verurteilt“. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Völlerei verboten, Peitschenhiebe für Bettler. Katholische Zustände der Pfarreien im Vest Recklinghausen am Ende des 18. Jahrhunderts – ein Visitationsbericht

Visitation des Geistlichen in einer Schule im 18. Jahrhundert

Von Wolf Stegemann

29. Juli 2016. – Mit der Visitation verfolgten die Fürsten und Räte der Städte das Ziel, die Pfarrer und Prediger hinsichtlich ihrer Qualifikation für geistliche Aufgaben zu überprüfen, sich über die sittlich-religiösen Zustände der Gemeinden zu informieren und den kirchlichen Besitz aufzuzeichnen. Der Visitation unterlagen kirchliche Personen, Sachen, Orte und Anstalten. Seit dem 15. Jahrhundert wurden die Visitationen zunehmend von Beauftragten des Landesherrn durchgeführt. In der Reformationszeit waren die landesherrlichen Visitationen durchweg das Mittel zur Einführung der neuen Kirchenordnung. Vier Jahre vor der Säkularisierung des Fürstentums Köln, zu dem Dorsten gehörte, und Absetzung des letzten Fürstbischofs als Landesherr, sandte Kurfürst Maximilian Franz aus dem Hause Österreich, Kurfürst seit 1784, im Jahr 1797 einen „Commissarius Vestanus“ in das Vest Recklinghausen, um nachzusehen, wie die kirchlichen Zustände in den Gemeinden waren. Visitator war Pfarrer Johann Heinrich Wesener (1755 bis 1822), gebürtig in Dorsten. Weiterlesen

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Gewalt von und unter Kindern nimmt zu – Steinigung eines Vierjährigen durch einen Siebenjährigen in Wulfen erschreckte 1988 Eltern, Jugendamt und Psychologen in Dorsten

Von Wolf Stegemann

5. August 2016. – Zwei Kinder und eine minderjährige Jugendliche – 11, 13 und 17 Jahre alt –, die aus einem Land in Südosteuropa stammen und in Dortmund gemeldet sind, fuhren im letzten Jahr mit dem Zug nach Dorsten und griffen hier eine 82-jährige Seniorin an, um sie zu berauben. Der Fall macht fassungslos. Doch die Möglichkeiten von Einrichtungen wie dem Sozialen Dienst der Stadt, auf gewalttätige bzw. kriminelle Kinder und Jugendliche einzuwirken, sind begrenzt. Fassungslos machen auch die Berichte und Reportagen über Kindergewalt in Afrika, wo Kinderarmeen gebildet und eingesetzt werden. Und auch der so genannte Islamische Staat setzt Kinder und Jugendliche für den Terror ein. So ist Gewalt an und von Kindern zu einem wichtigen Thema in den Medien geworden – in den Massenmedien ebenso wie in den Fachmedien. Weiterlesen

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