Blick in Dorstens Nazi-Zeit: Hauptsturmführer Otto Weißenberg war Dorstens ranghöchster und brutaler SA-Führer – er starb 1961 als Nachtwächter im Sauerland

Dorsten 1936: Otto Weißenberg (l) und Kaspar Laukemper (r); Foto: Sammlung Stegemann

 

Von Wolf Stegemann

21. September 2018. – Er war als Hauptsturmführer (Rang hieß bis 1934 Sturmhauptführer) der ranghöchste SA-Führer im Einsatzgebiet Dorsten. Mit ihm und seinem Namen verbanden die Dorsten den Typ von SA-Mann, der gewalttätig und bösartig war. Selbst seine Tochter sagte über ihn Mitte der 1980er Jahre: „Wenn er blau war, hat er schon einem eine vor die Klappe gehauen!“ So ist er auch vielen Dorstenern, die ihn kannten, in Erinnerung. Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Andrea Schüller? Demenzkranke zu betreuen, sie zum Lachen und in gute Stimmung zu bringen, ist für sie ein Herzensbedürfnis

Von Wolf Stegemann

12. September 2018. – Einfühlsamkeit, Aufmerksamkeit, Zuvorkommenheit mit ein wenig Charme, Hilfsbereitschaft, Ausdauer und auch Humor erfordert ein Beruf, der seit geraumer Zeit in aller Munde, auch in dem der Politiker ist. Das sind „Altenbetreuer“, über die Politiker viel reden und letztlich nicht viel tun, um die Lücken zu schließen und die Gehälter an das verantwortliche Tun anzupassen. Es gibt immer mehr alte Menschen, die betreut werden müssen, vor allem die unter den Senioren, die dazu noch dement sind, entweder die „normale“ und häufiger vorkommende Altersdemenz (50-60 %), bekannt als Alzheimer-Demenz, oder eine der vielfach stärker ausgebildeten Demenz-Formen, von denen es etliche gibt. Der Begriff Demenz leitet sich ab vom lateinischen demens, d. h. unvernünftig und ohne Verstand, Denkkraft oder Besonnenheit. Anders gesagt: Nachlassen der Verstandeskraft und auch der Motorik. Dann brauchen die Menschen Hilfe und Betreuung; das die Gesundheitskassen über die Pflegegrade auch bezahlen. Manchmal ist auch Heimunterbringung angesagt. Weiterlesen

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Bischof Clemens August Graf von Galens Besuch in Dorsten vom 8. bis 16. September 1936. NSDAP-Mitglied Hoffrogge kutschierte den Oberhirten durch die Stadt

Bischof von Galen wird am 8. September 1936 mit der Kutsche an der Lippebrücke abgeholt

Von Wolf Stegemann

6. September 2018. – Nach ihm sind fast in jeder münsterländischen Stadt und in jedem Dorf Straßen benannt, wie beispielsweise in Dorsten die Clemens-August-Straße. In Altendorf-Ulfkotte ist er Namensträger der Hauptschule. Denn der Graf war von 1933 bis zu seinem Tod im Jahre 1946 Bischof von Münster und besuchte in dieser Zeit mehrmals Dorsten und umliegende Landgemeinden. Er war als Angehöriger des konservativen Flügels des Zentrums auch politisch engagiert. Bekannt wurde er unter anderem durch sein öffentliches Auftreten gegen die Tötung so genannten „lebensunwerten Lebens“. 1946 wurde er zum Kardinal erhoben und 2005 selig gesprochen. Bischof Clemens August besuchte vom 8. bis 16. September 1936 die St. Agatha-Gemeinde in Dorsten. Vorstand und Bevölkerung holten ihn, wie es üblich war, an der Lippebrücke mit Pomp ab und geleiteten ihn zur Kirche. Pfarrer Heming schrieb in die Kirchenchronik am 8. September: Weiterlesen

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40-Millionen-Rechnung ohne den Wirt. Wie die Politik sich am Bürger vorbei einen Rathausneubau genehmigt – grundlegende Einzelheiten werden zur Verschlusssache erklärt

Von Helmut Frenzel

24. August 2018. – In seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien beschloss der Rat der Stadt, das Rathaus am Gemeindedreieck zu sanieren und die gemieteten Büroflächen gegenüber an der Bismarckstraße und an der Halterner Straße durch einen Anbau zu ersetzen. Dafür will die Stadt 40 Millionen Euro ausgeben. Das erfuhren die Bürger nicht etwa durch die entsprechende Ratsvorlage, wie sonst üblich. Die Entscheidung wurde hinter verschlossenen Türen in nichtöffentlicher Sitzung abgehandelt. Der Tagesordnungspunkt lautete ziemlich unverfänglich: „Untersuchung geeigneter Handlungsvarianten im Rahmen einer NKF-Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zum Rathaus Dorsten“. Dass der Rat dann Sanierung und Anbau einstimmig beschloss, durften die Bürger der „Dorstener Zeitung“ (DZ) entnehmen. Zwei Wochen später veröffentlichte die Stadt auf ihrer Interseite eine Stellungnahme zu dem Projekt, ohne konkrete Zahlen zu nennen, die es dem Bürger erlauben würden, sich eine Meinung zu bilden. In einer Anlage wandte sich Bürgermeister Tobias Stockhoff mit einer „Erläuterung“ der Ratsentscheidung direkt an die Bürger, in der er das Vorhaben verteidigt. Weiterlesen

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Die hiesigen Gruppen des „Stahlhelm“, vor hundert Jahren gegründet, feierten zum letzten Mal in Lembeck, bevor sie sich 1934 freiwillig auflösten und SA-Reserve wurden

Fahneneid von „Stahlhelm“-Angehörigen 1918; Foto: Bundesarchiv

Von Wolf Stegemann

12. August 2018. – Der „Stahlhelm“ war als „Bund der Frontsoldaten“ ein paramilitärisch organisierter Wehrverband, der 1918 gegründet wurde und 1934 durch Gleichschaltung in die NSDAP aufging. Die hiesigen Ortsgruppen des „Stahlhelm“ hatten 1933 ihre letzte große Veranstaltung in Lembeck. Die Parteiführer Franz Seldte und Theodor Duesterberg gründeten den Frontkämpferverband im Dezember 1918 in Magdeburg. Er galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei DNVP und stellte für diese nationale Partei den „Saalschutz“. Der „Stahlhelm“ war stark an der vergangenen Kaiserzeit orientiert und stand in eindeutiger Gegnerschaft zur Weimarer Republik, war demokratiefeindlich und antisemitisch. Deutschen Frontsoldaten jüdischen Glaubens war die Mitgliedschaft verwehrt. Daher gründeten diese eine eigene Organisation, den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der bis 1935 am Freudenberg das Erholungsheim für Kinder ihrer Mitglieder, Haus Berta, unterhielt, bis es von der Gestapo geschlossen wurde. Ziele des „Stahlhelm“ waren die Errichtung einer Diktatur in Deutschland, die Vorbereitung eines Revanchekrieges und die Errichtung eines antiparlamentarischen Ständestaates. Der „Stahlhelm“ bekämpfte die Sozialdemokratie und den „Händlergeist des Judentums“ und forderte „Lebensraum im Osten“. Bis 1930 hatte der „Stahlhelm“ rund 500.000 Mitglieder, die sich als Reserve für das durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann beschränkte Heer der Reichswehr verstanden hatten. Weiterlesen

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Was verbindet die neue deutsche Botschafterin in Washington mit Dorsten, das sie aus ihrer Kinder- und Jugendzeit her kennt? Familiäre Beziehungen zur Familie Schürholz

Von Wolf Stegemann

4. August 2018. – Im April 2018 tauchte in den Schlagzeilen der Presse und in Nachrichtensendungen in Zusammenhang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas und am Rande auch mit US-Präsident Trump ein Name auf, der im diplomatisch-politischen Deutschland einen guten Klang hat, ansonsten als Name teils weniger teils gar nicht bekannt sein dürfte. Das ist der Name Emily Haber. Trägerin des Namens ist die neue Botschafterin der Bundesrepublik in Washington. Sie gehört ohne Übertreibung zu den angesehendsten Exzellenzen auf der diplomatischen Bühne, deren Leben und Karriere als öffentliche Person ein offenes Buch ist. Nicht in diesem Buch ist allerdings zu finden, dass Dr. Emily Haber nicht nur die großen Städte rund um den Erdball kennt, sondern auch das kleine Dorsten an der Lippe. Denn mit der Stadt verbindet sie Kindheits- und Jugenderinnerungen, da sie mit der Familie Schürholz am Dorstener Markt verwandt ist, ebenso mit der Familie Beisenbusch, denn ihre Großmutter Paula Schürholz war eine geborene Beisenbusch. Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Dr. med. Jürgen Jenke verbrachte seine Schulzeit in Dorsten und musste katholisch werden, um im Franziskaner-Internat wohnen zu können

Jürgen Jenke (2. v. r.) mit dem Kölner Dreigestirn und Hofstaat 2010

Von Wolf StegemannEr gehört zu denen, die im Ruhestand unruhig sind, weil sie endlich Zeit haben, das zu tun und zu erledigen, was sie aus Zeitgründen während ihres Berufslebens nicht konnten. So ist es bei Dr. med. Jürgen Jenke das Recherchieren, Sammeln und Dokumentieren seiner Familiengeschichte. Das weist schon darauf hin, dass er ein ausgeprägter Familienmensch ist, der sich stets nicht nur um seine fünf Kinder Rolf, Sabine, Karin, Petra und Ute kümmerte, sondern heute in Fortsetzung auch intensiv um die fünf in Köln lebenden seiner acht Enkelkinder. Da kommt er dann schon mal in einen rappeligen Zustand. Vielleicht liegt’s auch daran, dass er als Anästhesist und Koordinator in einem großen OP-Betrieb mit sieben OP-sälen für Ruhe und einen geregelten Ablauf sorgen und dies auch für sich selbst bewahren musste. Weiterlesen

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Kalksandsteinwerk in Holsterhausen: An der B 224 wurden ab 1955 täglich rund eine halbe Million Steine hergestellt – Danach kamen die Maschinen nach China

Ansicht des Kalksandsteinwerks im Jahre 1966; Foto: Jenke

Von Wolf Stegemann

20. Juli 2018. – Nördlich stadtauswärts an der B 224 lag linker Hand, kurz bevor man die Freudenberger Straßenkreuzung mit der B 58 erreicht, das Kalksandsteinwerk von Dr. Herbert Bauer & Gustav Rüskamp, Inhaber der gleichnamigen Kalksandsteinwerke in Coesfeld-Klye. Das Zweigwerk Holsterhausen wurde 1955 gegründet und stellte 2001 die Produktion ein. Die Gebäude sind mittlerweile abgerissen. Auf dem Areal, auf dem die Gebäude des Kalksandsteinwerkes lagen, befindet sich heute eine Biogasanlage der Firma Odas. Die ehemalige Sandgrube wurde zurückgebaut und mit Nadelbäumen aufgeforstet, so dass diese Flächen heute ein vorzeigbares Beispiel für eine gelungene Rekultivierung sind. Die Flächen, die sich nördlich der ehemaligen Sandgrube befinden und durch den Emmelkämper Weg, die B 58 und die B 224 begrenzt werden, nutzt man seit 2001 bis heute weiter für die Gewinnung von Sand für anderweitige Zwecke. Die Straße, die vom Emmelkamp bis zur B 224 (Borkener Straße) führt, heißt heute noch „Am Steinwerk“. Bei der Gründung im Jahre 1955 lag das Werk auf Altschermbecker Gebiet (Alter Postweg 75), das zum Amt Hervest-Dorsten gehörte, nicht aber zur Stadt Dorsten. Die in den Briefköpfen der Firma verwendete Anschrift lautete: 4270 Dorsten-Freudenberg. Im Zuge der Eingemeindung der Gemarkung „Emmelkamp“ in den Stadtteil Dorsten-Holsterhausen im Jahr 1975 wurde der Straßenname in „Am Steinwerk“ geändert, da es in der Stadt Dorsten bereits eine Straße namens „Alter Postweg“ gab. Weiterlesen

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Das Mercaden-Debakel: Welchen Anteil daran hat die Politik? Realitätsverweigerung und falsche Weichenstellungen haben den Weg bereitet

Tristesse im Erdgeschoss; Foto: H. Frenzel

Kommentierender Rückblick von Helmut Frenzel

20. April 2018 – Das Mercaden-Debakel hat viele Väter, aber einen an vorderster Stelle: den ehemaligen Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Es ist auch sein Debakel. Er wollte dieses Projekt und er wollte Herbert Krämer. Er war es, der zusammen mit einigen Gefolgsleuten die Strippen zog, um das Projekt über alle Hürden zu bringen. 2009 hatte er an der Eröffnung der RheinBerg-Galerie in Bergisch-Gladbach teilgenommen, ein Vorhaben des späteren Mercaden-Entwicklers. So etwas wollte Lambert Lütkenhorst auch für Dorsten. Es sollte sein Denkmal werden. Und er bekam es. Wie das Projekt durchgesetzt wurde und wie es scheiterte wird hier noch einmal aufgerollt. Weiterlesen

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