Zurückgeblättert: Schulwesen in Dorsten und der Herrlichkeit – Von der Mesterschole an der Agathakirche bis zum heutigen demografischen Wandel

„Die Dorfschule“, Gemälde von Johann Peter Hasenclever, 19. Jahrhundert

Von Wolf Stegemann

Derzeit streiten die Parteien in Dorsten und anderswo um eine Lockerung der festen Schulzeiten an Ganztagsschulen, weil Eltern die Freiheit haben wollen, ihr Schulkind nachmittags hin und wieder früher nach Hause zu holen. Im letzten Jahr stritten sie um den Erhalt der Wichernschule, dann wurde gestritten um die Bezahlung der Schulwegfahrt, beispielweise von Tönsholt ins kilometerweit entfernt liegende Altendorf-Ulfkotte, dann setzten sich die Schulpolitiker wieder streitig auseinander um Zusammenlegung, Schließungen, Trägerschaften und dergleichen. In Kürze wird über die beschlossene Planung zur Errichtung der Sekundarschule wieder gestritten werden. Schon immer hat es zwischen Schulverwaltung, Lokalparteien, Lehrern und Eltern Auseinandersetzungen gegebenen. Parteistrategien und Ideologien sowie – berechtigter oder unberechtigter – Eltern-Unmut standen sich dann oft gegenüber. Eltern nötigen  Lehrer mit Hilfe von Rechtanwälten zu Notenkorrekturen, weil das Kind ja studieren soll und das ohne Abitur nicht kann. Zwischen den Prellböcken sitzen Lehrerinnen und Lehrern, es leiden ihr Ansehen, der Lehrauftrag und am Ende das Bildungswohlergehen des Kindes. Die Gegenwart und noch mehr die Zukunft sind belastet von Schulschließungen, überfüllten Hörsälen und bildungsüberforderten Studenten, denen an den Unversitäten erst einmal Grundlagen von Wissen beigebracht werden müssen, damit sie die notwendige Reife für Ihr Studium erhalten, das nach guter alter Lesart eigentlich das Abiturzeugnis bezeugen soll. Arbeitslosigkeit im Bildungsproletariat macht sich schon heute breit.
Diese kritischen Eingangsbetrachtungen zum Thema Schule mögen für den einen oder anderen Leser überspitzt sein, vielleicht sind sie es auch. Mit diesem Artikel und einem weiteren in Kürze wollen wir Einblick geben in die Schulgeschichte der Stadt Dorsten während der unterschiedlichen politischen Epochen. Weiterlesen

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Dorstener erschlugen Ende März 1945 in Wulfen drei alliierte Flieger – nach dem Krieg verübten die Täter im Gefängnis Selbstmord

Reste des abgestürzten Flugzeugs bei Wulfen

Von Wolf Stegemann

21. April 2017. – In einem britischen Archiv fand der Marler Alfred Vadder, Experte für Abstürze von Kampfflugzeugen im Zweiten Weltkrieg, einen neuen Befund über den Flugzeugabsturz am 25. März 1945 bei Dorsten-Wulfen. Der übersetzte Text lautet:

Halifax MZ (…) war am 25. März 1945 noch nicht am Ziel (Münster) angelangt, als ein Flak-Geschoss den linken Flügel in Brand setzte. Der rückwärtige Schütze, der verletzt und nicht in der Lage war auszusteigen, starb auf seinem Posten. Der Pilot starb ebenfalls im Flugzeug, das in der Nähe von Wulfen abstürzte. Der Navigator und der Funker [und ein dritter] wurden gefangen genommen. – Deutsche Soldaten eskortierten die Gefangenen, Pilot Officer L.W. Brennan RCAF (mid-upper Schütze), Pilot Officer R.A. Paul RCAF (Zielführer für die Bomben) und Seargent C. E. Lowe (Flugingenieur) zu einer militärischen Einheit, als sie von einer feindseligen Menschenmenge angegriffen wurden, die von Haupttruppenführer Ferdinand Assmann angeführt wurde. Den drei Fliegern gelang es, kurz dem Mob zu entkommen, aber ihre Freiheit war von kurzer Dauer. Während sie von der Menge geschlagen wurden, standen sie mit erhobenen Händen, als ihnen sich Sturmführer Otto Wunderlich von hinten näherte. Mit den Worten „Wollten Sie noch nicht sterben, lieber Freund?“ (…), erschoss er sie. Ein Mann lebte noch. „Nun wirst du niemals mehr abspringen“ sagte Wunderlich (…) und schoss noch einmal. Zunächst in einem Bombenkrater auf dem Friedhof in Wulfen begraben, liegen sie drei Opfer nun im Groesbeek Canadian War Cemetery (Soldatenfriedhof) in Nijmegen (Niederlande). Wunderlich beging später im Gefängnis Selbstmord.“

Otto Wunderlich, geboren 1911, wohnte zuletzt in Dülmen und war von Beruf „SA-Verwaltungsführer“. Weiterlesen

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Blick nach Hainichen: Albert Sixtus, Autor der weltbekannten „Häschenschule“, wurde in Dorstens Partnerstadt geboren und schrieb über 100 Kinder- und Jugendbücher

Englische und japanische Ausgabe sowie eine der Mundart-Ausgaben

Von Wolf Stegemann

Wer kennt sie nicht, seine „Häschenschule“, die der Kinder- und Jugendbuchautor Albert Sixtus 1924 im „Alfred Hahn’s Verlag“ veröffentlichte. Er wurde 1892 in Hainichen geboren, allerdings verbrachte er dort nicht sein Leben. Hainichen ist die sächsische Partnerstadt von Dorsten. Dies und die Ostertage sind Anlass, hier einen Blick in das Leben des überaus erfolgreichen und auch international angesehenen Autors zu richten. Seine „Häschenschule“ mit den niedlichen Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha haben Generationen von Kinder begeistert – bis heute. „Die Häschenschule“ wurde inzwischen ins Japanische, Chinesische, Italienische, Englische, Schwedische, Lateinische sowie in zwölf verschiedene Mundarten übersetzt und bis heute über zwei Millionen Mal verkauft. Die vielen deutschen Auflagen wurden anfangs in der Sütterlin-Schrift gedruckt. 2017 lief in den deutschen Kinos eine modernisierte Trick-Verfilmung seiner Häschen-Geschichten an: „Die Häschenschule – Jagd nach dem goldenen Ei“. Dieser Film läuft gerade im Central-Kino in Holsterhausen. Übrigens hat Albert Sixtus über hundert Kinder- und Jugendbücher geschrieben. allein bis 1936 insgesamt 44 Bilderbücher, zehn Märchenspiele, drei Abenteuerromane, drei Märchenbücher und eine Gedichtsammlung. Außerdem schrieb Sixtus regelmäßig Verse, Gedichte und Geschichten für die Kinderzeitungen „Hänsel und Gretel“, „Jung-Siegfried“, „Jugendlust“, die Kinderbeilage der Neuen Leipziger Zeitung und verschiedene Zeitschriften mit Kinderseiten. Mitte der zwanziger bis Mitte der dreißiger Jahre gab es wohl kaum ein Kind, das nicht in irgendeiner Form mit seinen Reimen in Berührung kam und an vielen Schulen wurden seine Märchenspiele aufgeführt. Weiterlesen

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Mit Gründung der Sekundarschule wird in Dorsten das Ende des dreigliedrigen Schulsystems besiegelt – Kritische Anmerkungen zum pädagogischen Konzept der „Neuen Schule“

Schulzentrum Pliesterbecker Straße – bald „Neue Schule Dorsten“? – Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

7. April 2017.  – In seiner Sitzung im Dezember 2016 fasste der Rat der Stadt den Grundsatzbeschluss, in Dorsten eine Sekundarschule zu gründen, die den Betrieb am 1. August 2018 aufnimmt. Die Sekundarschule ist eine neue Schulform. Sie wurde 2011 im Schulgesetz NRW als Regelschule verankert und ergänzt seither das bestehende Schulangebot. Die Sekundarschule umfasst die Jahrgangsstufen der Klassen 5 bis 10 (Sekundarstufe I). Ihr besonderes Merkmal ist das gemeinsame Lernen in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Ab Jahrgangsstufe 7 wird der Unterricht in integrierter, teilintegrierter oder kooperativer Form fortgeführt. Sie verfügt nicht über eine eigene gymnasiale Oberstufe. Vielmehr soll die geregelte Zusammenarbeit mit einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einer Kollegschule – entsprechende schulische Leistungen vorausgesetzt – den Weg in die gymnasiale Oberstufe ebnen und die Erlangung der Hochschulreife ermöglichen. So verlangt es das Schulgesetz. Die Sekundarschule nimmt für sich in Anspruch, die Schüler sowohl auf Abitur und Hochschulstudium als auch auf eine berufliche Ausbildung vorzubereiten. Weiterlesen

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April, April! Medien schicken ihre Leser und Hörer gerne in den April – woher kommt das? – Lehrerin suchte in der Feldmark mit ihren Kindern die alte „Germania“ und wollte Heino hören

Von Wolf Stegemann

31. März 2017. – Woher kommt der Aprilscherz? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Je nach Region werden vier unterschiedliche Erklärungen in Erwägung gezogen: Schärfung der Sinne für Unglück, Rache des Volkes an Hochwohlgeborenen, eine Kalenderreform und ein römisches Narrenfest. Die Redewendung „in den April schicken“ ist in Bayern wohl schon seit 1618 sicher verbürgt. Aber eine der am häufigsten genannten Entstehungstheorien bezieht sich bereits auf eine 1564 durchgeführte Kalenderreform des französischen Königs Karl IX, der den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Daraufhin verschickten humorige Mitmenschen zum Apriltag Einladungen zu Neujahrsfestivitäten, die es nicht mehr gab. Wer dennoch kam, hatte zum Schaden der Anreise auch noch den Spott. Von Frankreich aus sollen sich dann derartige Aprilscherze mit Soldaten über Europa verbreitet haben, wo sie umgeformt und ausgeweitet wurden. Der Begriff „Aprilscherz“ bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. In „Grimms Deutschem Wörterbuch“ von 1854 ist zwar der „Aprilsnarr“ verzeichnet, aber noch nicht der „Aprilscherz“. Weiterlesen

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Tornado’s Wake – US-Panzer nahmen am 29. März 1945 das zerstörte Dorsten von drei Seiten ein. Der US-Soldat Edward Brodowski war dabei – zwei Tage vor seinem Tod

Während der Einnahme der Stadt: US-Verbandsplatz am Essener Tor

Von Wolf Stegemann

24. März 2017. – Das ist ein frei übersetzter Auszug aus den in den USA veröffentlichten Kriegserlebnissen des US-Soldaten Edward Brodowski, der dabei war, als Dorsten eingenommen wurde. Die Besetzung der Städte vom Niederrhein ins Westfälische, dazwischen Dorsten, bezeichnete er als „Tornado’s Wake“. Sein Sohn Bruce Brodowski aus Utika im Oneida County (N.Y.) arbeitete die Eintragungen seines Vaters auf und schickte sie 2015 dem Herausgeber der Online-Dokumentation „Dorsten unterm Hakenkreuz“, der sie frei übersetzte. – Edward Brodowski wurde 1919 in Frankfort (N.Y.) geboren, war zuletzt Leutnant und Panzerkommandant in der 8. US-Panzerdivision. Er starb bei einem Panzerduell mit einem deutschen „Tiger“ am 31. März 1945 hinter einem Haus in Buer-Hassel. Sein Grab befindet sich auf dem US-Soldatenfriedhof in Margraten (Niederlande). Der Sohn wurde drei Monate nach dem Tod des Vaters geboren. An dessen Bericht ist interessant, dass die Amerikaner zuerst die von deutschen Soldaten der 116. Panzer-Division besetzte und durch einen Bombenangriff am 23. März 1945 völlig zerstörte Altstadt Dorsten einfach umgehen wollten, um die Stadt dann vom Oster her anzugreifen. Der kommandierende General entschied in letzter Minute, Dorsten doch einzunehmen und zu besetzen. In Dorsten sind das sicherlich neue Erkenntnisse, nach welcher Taktik die Stadt in diesen Tagen vor 72 Jahren von den Amerikanern eingenommen wurde. Weiterlesen

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Ein Jahr nach der Eröffnung schließen die ersten Geschäfte – Was wird aus dem Mercaden?

Von Helmut Frenzel

17. März 2017. – Anfang dieses Monats feierte das Mercaden den ersten Jahrestag der Eröffnung. Der Jubel hielt sich in Grenzen und die Tonlage des Centermanagements war, anders als früher, zurückhaltend. Das hatte seine Gründe. Das Projekt steht bei Weitem nicht da, wo es stehen sollte. Die „Dorstener Zeitung“ hatte passend zum Anlass eine Umfrage gestartet, wie die Leser das neue Einkaufscenter beurteilen. 1500 Fragebögen wurden beantwortet. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ war, sind die Ergebnisse doch in ihrer Eindeutigkeit für den Centerbetreiber Herbert Krämer niederschmetternd. Weiterlesen

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Anti-Terror-LKW-Betonklötze in der Dorstener Fußgängerzone: Widerspruch zwischen Angst vor Terrorismus und Wirklichkeit. Zudem eine urbane Verunstaltung. – Ein Standpunkt!

Zugang zur Recklinghäuser Straße; Foto: Helmut Frenzel

Von Wolf Stegemann

Wenn irgendwo in Europa eines dieser schrecklichen IS-Attentate stattfindet, wie das LKW-Attentat vom 19. Dezember 2016 in Berlin, dann werden wir im Rundfunk und Fernsehen sowie in den Printmedien überhäuft mit Schlagzeilen, Stellungnahmen, Warnungen und Forderungen, die Angst machen. Denn viele Politiker behaupten mit harschen Worten, dass sie alles im Griff haben, wenn auch „nicht hundertprozentig“. Die Gunst der Stunde nutzend,  folgen meist Forderungen wie mehr Kameraüberwachung, millionenfache Speicherung von privaten Telefonaten, wobei das Bundesverfassungsgericht dann doch Einhalt gebietet, vermehrtes Mithören von Telefongesprächen bei Verdächtigen, verstärkte Polizei- und Einlasskontrollen, Sicherungssperren aus Beton und Stahl und vieles anderes. Ein Beispiel von vielen ist Saarlands Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Dieser erklärte noch am Tag des Berliner Attentats mit 12 Toten und mehreren Verletzten den Krieg gegen wen auch immer, als er sagte: „Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand…!“ (DIE ZEIT, 10. Dez. 2016). Bouillon kündigte verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, kritisierte umgehend diese Angst machende Kriegsäußerung des Ministers: „Wir haben es hier mit Terroristen zu tun. Viele benutzen aber gerne das Wort Krieg, weil sie so auch ihre Forderungen nach dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren ins Spiel bringen wollen, was wir grundsätzlich ablehnen.“ (Berliner Ztg., 20.  Dez. 2016). Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Rhader Schulverhältnisse während der 100-jährigen Ära der Schulmeister-Familie Tinnefeld, die 1802 begann

Von Wolf Stegemann

Nach dem allgemeinen preußischen Landrecht von 1794 bestand seit dieser Zeit in Preußen Schulpflicht für Kinder, die im 5. Lebensjahr standen oder es bereits zurückgelegt hatten. Als die Herrlichkeit Lembeck mit dem Kreis Recklinghausen und Münster 1815 zum Königreich Preußen kam, galt auch in den Herrlichkeitsdörfern die Schulpflicht. In Rhade unterrichtete bis dahin der Ackersmann Köster in einem kleinen Speicher mit Platz für 30 Kinder. 1780 wurde an der Nordseite der Kirche eine neue Schule für 50 Kinder gebaut. Der Fußboden bestand jetzt nicht mehr aus festgetretenem Lehm, sondern aus Brettern. Unterricht erteilte Bauer Quicksterdt. 1836 wurde an diesem Standort eine neue Schule gebaut, die Raum für 120 Kinder bot. Weiterlesen

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Hausnummern: Wir gehen täglich achtlos an ihnen vorüber, doch sie sind wichtig, amtlich, informativ und europäisch, sie haben Geschichte und erzählen Geschichten

Von Wolf Stegemann

Hausnummern sind ein wichtiger Bestandteil des Zurechtfindens in einem weitgefächerten Ordnungsgefüge, zu dem auch die Straßennamen gehören. Hausnummern sind also nicht zum Selbstzweck da. Sie bezeichnen ein bestimmtes Gebäude, dienen der Adressierung und der Auffindbarkeit. In Deutschland wie in Österreich, Liechtenstein in der Schweiz werden die Hausnummern im Rahmen der Gebäudeadressierung amtlich vergeben und in Liegenschaftsregistern und Grundbüchern festgehalten. Weiterlesen

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Was macht eigentlich… Stephanie Lenz? Ihr Weg führte von der brillanten Medea-Darstellerin in Dorsten zur erfolgreichen Medien-Fachfrau am Tegernsee

Stephanie Lenz, heute in Rottach-Egern

Von Wolf Stegemann

17. Februar 2017. – Wer gegen Ende der 1980er- bis in die 1990er-Jahre hinein in Dorsten kulturinteressiert war, der kam am „Sommertheater“ in Maria Lindenhof nicht vorbei und somit 1988 nicht an Stephanie Lenz als großartige Medea im gleichnamigen Stück von Euripides und ein Jahr später als Furie in „Thyestes“. Bei Zeus und allen Göttern, wer sie sah, dem blieb sie in Erinnerung. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Blick in die Militärverhältnisse in und um Dorsten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Früher wurden vornehmlich Nichtsnutze in Uniform gesteckt – Essay

Dorsten wurde Standort; Wehrmacht auf dem Dorstener Marktplatz 1939

Von Wolf Stegemann

10. Februar 2017. – Anfang des 15. Jahrhunderts wählte der Rat zwei Rittmeister (1 Reitmeister und 1 Kluchtmeister = Führer zu Fuß), die rechtzeitig informiert werden mussten, wenn „man von Stadt wegen ausreiten oder ausziehen sollte“. Wenn durch Anschlagen der Glocke Alarm gegeben wurde und der Rat zum Kampf auszog, mussten alle Bürger und Einwohner, Herren und Knechte dem Glockenschlag folgen. Wurde jemand zu Pferd oder zu Fuß zum Militärdienst ausgehoben, dann übernahm die Stadt die Schutzherrschaft, d. h. die Stadt haftete für Schäden und die Versorgung der Hinterbliebenen. Desertierte ein Ausgehobener, musste er Strafe zahlen und verlor den Schutz der Stadt. War er aber vom Felde flüchtig, nachdem der Rat den Kampf beschlossen hatte, der verlor seinen gesamten Besitz und wurde aus der Stadt verbannt. Wurde ein Pferd durch Kriegsdienst beschädigt oder verdorben, zahlte der Rat entweder das Pferd ganz oder die Wertminderung. Weiterlesen

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Bürgerbegehren gegen die Schließung der Wichernschule scheiterte an fehlendem Interesse – Lügen, Fehlinformationen und Beleidigungen zeugten vom niedrigen Niveau der politischen Auseinandersetzung. Eine Rückschau

Von Wolf Stegemann

3. Februar 2017. – Beim Rückblick auf das vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Jahres fällt ein Ereignis auf, das wegen seiner bisherigen Einmaligkeit in die Annalen der Dorstener Geschichte eingehen dürfte, wenn auch der Anlass nicht unbedingt spektakulär war. Einmalig deshalb, weil es in Dorsten bis dahin noch keine Bürgerbegehren gegeben hat. Das ist Grund genug, diese Geschichte in seiner Gesamtheit im Rückblick darzustellen. – Am Anfang stand das Wort, besser gesagt der Antrag der CDU, den mehrheitlichen Beschluss des Stadtrates vom 17. Juni 2015, die Wichernschule, Grundschule im Marienviertel, auslaufen zu lassen. Dieser Beschluss wurde mit 24:19 Stimmen angenommen und sah vor, ab 2016 keine Eingangsklassen mehr zu bilden, und die Wichernschule in absehbarer Zeit zu schließen. Kinder sollten nunmehr in der Augustaschule an der Halterner Straße eingeschult werden.  Bereits seit dem Schuljahr 2013/14 arbeitet die Wichernschule als Teilstandort mit der Augustaschule als Hauptstandort zusammen. Damit war die Schule als Auslaufmodell bereits 2013 bekannt und die Schließung absehbar. Verwaltung und Politik verwirrten und besänftigten die Eltern und andere Interessierte zugleich mit immer wieder über die Lokalzeitung neu veröffentlichten Plänen und Vorhaben, die Dorstener Schullandschaft zu reorganisieren. Schließen, dann nicht schließen, dann wieder schließen. Der Leser hatte den Eindruck, dass durch solche Meldungen getestet wurde, wie die Eltern, Lehrer und andere auf die Lektüre der Zeitung reagierten. Erst nach dem Ratsbeschluss zur Schließung der Wichernschule im Sommer 2015 kochten die Wogen hoch. Weiterlesen

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Internationaler Auschwitz-Gedenktag: Der Dorstener Ernst Metzger hat die Hölle von Auschwitz überlebt – 1983 besuchte er seine Heimatstadt, der er sich nicht mehr annähern konnte

Stolpersteine in Dorsten

Von Wolf Stegemann

27. Januar 2017. – An diesem Freitag jährt sich zum 72. Mal die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nationalsozialisten. Auschwitz wurde weltweit zum Symbol für den Holocaust. Über eine Million Menschen verloren hier auf grausame Weise ihre Würde und ihr Leben. Seit 1996 ist der 27. Januar offizieller deutscher Gedenktag, 2005 erklärten ihn die Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Auch Dorstener Bürger jüdischen Glaubens wurden in Auschwitz und in anderen Todeslagern ermordet. Das waren Angehörige der Familien Bendix, Cohn, Joseph, Lebenstein, Metzger, Minkel, Neuberg, Perlstein, Reifeisen, Schöndorf. Ihnen gilt besonders heute unser aller Gedenken. Es gab auch Juden, die Auschwitz überlebt haben. Dazu gehört Ernst Metzger, geboren 1912, ein Dorstener Jude, der nach seiner Befreiung in die USA auswanderte. Nur noch einmal besucht er seine Heimatstadt . Weiterlesen

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Bergbauschäden – Die Zeche ging, die Schäden bleiben: dicke Risse, abgesackte Flächen, klemmende Türen, Versumpfungen

Dicke Risse an Häusern und in der Landschaft

Von Wolf Stegemann

19. Januar 2016. – Solange es den intensiven Bergbau gab, wie auch in der Dorstener Region, solange gab es intensive Schäden an Häusern, Gärten, Straßen, Wäldern und Wasserläufen sowie Absackungen ganzer Gebiete. Der Bergbau ist gegangen. In Dorsten 2001. Nicht nur die Halden – in Altendorf-Ulfkotte die Hürfeld-Halde – erinnern an den verschwindenden Bergbau, es sind auch die Schäden, die er hinterlassen hat, und die, welche er immer wieder neu produziert. Die Erde bebt, wenn untertage die verlassenen Stollen einbrechen. Dann ziehen Risse durch Hauswände, innen wie außen, Türen und Fenster klemmen. Seit Januar 2015 sind in den folgenden 20 Monaten aus Dorsten 1226 Schadensmeldungen bei der Ruhrkohle AG (RAG) eingegangen. Schäden an Wohnhäusern. Bis sich die Erde untertage beruhigt haben wird, werden noch etliche Jahrzehnte ins Land gehen. So lange wird es auch Schäden geben.
Zu Zeiten, als der Bergbau gut saturiert durch staatliche Subventionen am Leben erhalten wurde, zeigte er sich bei Zahlung von Entschädigungen im Schadensfall oft knauserig. Wo sich der Bergbau nach Gesetz und Situation vor Entschädigungen drücken konnte, versuchte er es auch. Erinnert sei an den verstorbenen Rechtsanwalt Ax in Altendorf-Ulfkotte, durch dessen Garten hinterm Haus in den 1980er-Jahren plötzlich eine Abbruchkante verlief. Jahre benötigte der rechtlich versierte Mann, um ein Übereinkommen mit dem Bergbau zu finden. Andere Geschädigte, mit Gesetzen und Verordnungen nicht so bewandert, standen häufig auf verlorenem Posten gegen die oft wie eine Behörde auftretenden Gutachter des Bergbaus. Klagen von Dorstener Eigenheimbesitzern häuften sich in den 1980er- und 90er-Jahren. Weiterlesen

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Vor 500 Jahren Reformation: In den Dörfern wurde lutherisch gepredigt, doch Dorsten blieb ein Bollwerk des katholischen Glaubens – Verfolgung, Scheiterhaufen und Kriege

Martin Luther-Denkmal in Worms - für ihn galt das Wort Gottes und nicht das des Papstes

Von Wolf Stegemann

13. Januar 2017. – Das vor wenigen Tagen begonnene Jahr 2017 ist nicht nur für die evangelische Welt ein besonderes Jahr. Zum 500 Mal jährt sich das reformatorische Ereignis Martin Luthers. Daher wird 2017 als das Martin Luther-Jahr bezeichnet, in dem sich die katholische und evangelische Kirchen versuchen, sich wieder anzunähern. Zumindest medial und in Veranstaltungen. In diesem Jahr vor 500 Jahren legte am 31. Oktober der Provinzialvikar des Augustineordens, Martin Luther, in einem Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, seine „Disputatio pro declaratione virtutis indulgentarum“ bei, in denen er gegen Missbräuche beim Ablass und besonders gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen auftratt. Die Historizität des Anschlags dieser „95 Thesen“ an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg ist umstritten. Ein Einblattdruck (Folioblatt in zwei Spalten) des lateinischen Textes erschien noch im gleichen Jahr bei Hieronymus Höltzel in Nürnberg. Vermutlich noch vor Weihnachten übersetzte der Nürnberger Kaspar Nützel Luthers 95 Thesen ins Deutsche. Damit begann die Reformation der Protestanten, der eine Gegenreformation der Papisten folgte. Weiterlesen

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Bronzetafel am Marktbrunnen erinnert an Goethes Besuch in Dorsten im Dezember 1792 – aber auch an eine kulturpolitische Provinzposse aus dem Rathaus im Jahre 2000

Die Enthüllung der Tafel am Makt im Jahr 2000; v, l.: Grete Mai, Wolf Stegemann, Stadtrat Hans Löns, Stadträtin Petra Somberg, MdL Werner Kirstein, Bürgermeister Friedhelm Fragemann, Peter Mai; Foto: DZ

Von Wolf Stegemann

9. Dezember 2016. – Wenn auch Goethe als Person schon lange Geschichte ist, seine Werke wirken fort in allen Gegenwarten der bisherigen 200 Jahre und werden auch für die nächsten Generationen von Schülern präsent bleiben. In Dorsten gehört sein kurzer Aufenthalt in der Lippestadt Anfang Dezember 1792 zwar auch der Geschichte an, doch dieser Aufenthalt hatte in unserer Gegenwart ein possenhaften Nachspiel, als im Jahr 2000, genau 228 Jahre nach seinem Aufenthalt am Dorstener Marktplatz, Bürger am dortigen Brunnen eine Informationstafel anbrachten. Das gefiel etlichen Dorstener Lokalpolitikern überhaupt nicht. Sie plusterten sich unverständlicherweise auf und überschütteten die Dorstener Bürger-Initiative unverständlicherweise mit Spott und Hohn, wozu auch die damalige Lokalzeitung der WAZ ihren Teil beitrug. Dieser Schuss ging allerdings nach hinten los. Warum? Weiterlesen

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Postfaktisch – Was der Stadtkämmerer im Rat über das Haushaltsergebnis 2015 erzählt. Es sind sich widersprechende „Wahrheiten“. Doch welche stimmt?

Betrachtungen zum Wert eines Amtseids – von Helmut Frenzel

2. Dezember 2016. – Derzeit macht der Begriff postfaktisch Karriere. Populär wurde er im Zusammenhang mit dem Referendum in Großbritannien über den Brexit. Von post-truth politics war da die Rede und gemeint waren die Populisten, die ohne Rücksicht auf Fakten und Wahrheiten ihre politischen Ziele im Wahlkampf verfolgten. Aber es sind keineswegs nur die Populisten, die postfaktisch argumentieren. Dass den Bürgern Fakten und Wahrheiten bewusst verschwiegen werden gibt es auch im kommunalen Milieu. Ein Beispiel aus Dorsten. Weiterlesen

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Dorstener verwüsteten unter dem Gejohle der Umstehenden im November 1938 die Synagoge in der Wiesenstraße und verbrannten das sakrale Inventar auf dem Marktplatz

Jüdisches Gemeindehaus in der Wiesenstraße; weißes Giebelhaus auf der rechten Seite im Hintergrund

Von Wolf Stegemann

4. November 2016. – Schon am frühen Abend des 9. November 1938, als es schon dunkelte, drangen uniformierte und zivil gekleidete Dorstener mit Brandfackeln in der Hand in das jüdische Gemeindehaus an der Wiesenstraße ein, in dessen oberen Etage sich der Gebetsraum befand. Friedhelm Potthoff, damals gerade neun Jahre alt, erinnerte sich noch genau an die Verwüstung der Dorstener Synagoge in der Wiesenstraße. Er und seine Schwester wohnten nämlich in dem der Synagoge ange­bauten Nachbarhaus. In der johlenden Menge erkannte er viele Dorstener, darunter Jugendliche in HJ- und BDM-Uniform. Angeführt wurde der Haufen von SS-Männern. Etwa 25 von ihnen drangen in das Haus ein. Weiterlesen

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Demographie – Flüchtlingszustrom sorgte 2015 für eine Pause im Bevölkerungsrückgang der Stadt

Flüchtlinge verändern die Bevölkerungsstatistik; Foto (nicht Dorsten): dpa

Von Helmut Frenzel

14. Oktober 2016. – Na endlich, wird manch einer gedacht haben, als er vor einigen Wochen die Nachricht vernahm:  Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung der Stadt Dorsten nicht mehr weiter geschrumpft. Die Zahl der Einwohner ging nach den Zahlen des statistischen Landesamtes lediglich um 9 auf 75.431 zurück. Damit ist die durchschnittliche jährliche Schrumpfung in den vorangegangenen Jahren von  etwa 500 auf nahe Null zurückgegangen. Das hat die Stadt seit anderthalb Jahrzehnten nicht gesehen. Wie war das möglich? Weiterlesen

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