Bronzetafel am Marktbrunnen erinnert an Goethes Besuch in Dorsten im Dezember 1792 – aber auch an eine kulturpolitische Provinzposse aus dem Rathaus im Jahre 2000

Die Enthüllung der Tafel am Makt im Jahr 2000; v, l.: Grete Mai, Wolf Stegemann, Stadtrat Hans Löns, Stadträtin Petra Somberg, MdL Werner Kirstein, Bürgermeister Friedhelm Fragemann, Peter Mai; Foto: DZ

Von Wolf Stegemann

9. Dezember 2016. – Wenn auch Goethe als Person schon lange Geschichte ist, seine Werke wirken fort in allen Gegenwarten der bisherigen 200 Jahre und werden auch für die nächsten Generationen von Schülern präsent bleiben. In Dorsten gehört sein kurzer Aufenthalt in der Lippestadt Anfang Dezember 1792 zwar auch der Geschichte an, doch dieser Aufenthalt hatte in unserer Gegenwart ein possenhaften Nachspiel, als im Jahr 2000, genau 228 Jahre nach seinem Aufenthalt am Dorstener Marktplatz, Bürger am dortigen Brunnen eine Informationstafel anbrachten. Das gefiel etlichen Dorstener Lokalpolitikern überhaupt nicht. Sie plusterten sich unverständlicherweise auf und überschütteten die Dorstener Bürger-Initiative unverständlicherweise mit Spott und Hohn, wozu auch die damalige Lokalzeitung der WAZ ihren Teil beitrug. Dieser Schuss ging allerdings nach hinten los. Warum? Weiterlesen

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Postfaktisch – Was der Stadtkämmerer im Rat über das Haushaltsergebnis 2015 erzählt. Es sind sich widersprechende „Wahrheiten“. Doch welche stimmt?

Betrachtungen zum Wert eines Amtseids – von Helmut Frenzel

2. Dezember 2016. – Derzeit macht der Begriff postfaktisch Karriere. Populär wurde er im Zusammenhang mit dem Referendum in Großbritannien über den Brexit. Von posttruth politics war da die Rede und gemeint waren die Populisten, die ohne Rücksicht auf Fakten und Wahrheiten ihre politischen Ziele im Wahlkampf verfolgten. Aber es sind keineswegs nur die Populisten, die postfaktisch argumentieren. Dass den Bürgern Fakten und Wahrheiten bewusst verschwiegen werden gibt es auch im kommunalen Milieu. Ein Beispiel aus Dorsten. Weiterlesen

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Woher der Bereich „Maria Lindenhof“ seinen Namen hat! Die Krankenanstalten für Schwachsinnige wurden nach einem Sittlichkeitsprozess 1937 geschlossen

Die Krankenanstalten Maria LIndenhof mit Blick von der Dorstener Straße

Von Wolf Stegemann

25. November 2016. – Die nationalsozialistische Justiz, deren Richter und Staatsanwalte fast sämtlich in der nachfolgenden Justiz der Bundesrepublik unbehelligt weiter Anklagen formulieren und Urteile sprechen konnten, vernichteten in einem von den Nationalsozialisten gewollten zwölftägigen Propagandaprozess die damals zu Holsterhausen gehörenden und von den Barmherzogen Brüdern von Montabaur betriebenen Krankenanstalten Maria Lindenhof, die dem Bereich zwischen Lippe und Kanal bis heute den Namen gegeben haben. Der Prozess begann am 28. November 1935 und erregte reichsweites Aufsehen. Denn etlichen  Ordensleuten und Krankenpflegern wurde sexueller Missbrauch ihrer Schützlinge vorgeworfen. Mag sein, dass der eine oder andere Fall Missbrauchfall tatsächlich stattgefunden hat, doch die NS-Propaganda, der sich die Justiz willfährig als Erfüllungsgehilfen unterordnete, nutzte dies aus, um den Orden aus Holsterhausen an der Stadtgrenze zu Dorsten zu vertreiben. Die Folge war, dass die geistig behinderten Patienten 1937 in die Tötungsanstalt Hadamar überführt wurde, in den freigezogenen Gebäuden ein staatliches Heim für schwer erziehbare Jugendliche einrichtet wurde. Somit endete nach 62 Jahren eine in Dorsten geachtete und wohltätige Einrichtung. Grund, einmal Rückschau zu halten auf diese Jahre und den Prozess gegen die Barmherzigen Brüder vor dem Landgericht in Essen. Weiterlesen

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„Nur düstere Zukunftsvisionen“ – Philosophische Antworten im Gespräch mit dem Songpoeten Leonard Cohen vor 23 Jahren am Düsseldorfer Flughafen

Leonard Cohen etwa zur Zeit des Interviews

Vorbemerkung. Vor wenigen Tagen ist der weltbekannte Sänger Leonard Cohen 82-jährig in Kanada verstorben. Alle Nachrichtensender und die Zeitungsfeuilletons berichteten zum Teil seitenlang. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb „Ein Licht erlischt“. Leonard Cohen, so die SZ, war in Kanada ein Großer, in den USA einer von vielen und in Europa ein Held. Und Dorsten? Leonard Cohen stellte sich 1993 auf dem Düsseldorfer Flughafen dem Dorstener Journalisten Wolf Stegemann für ein Exklusiv-Interview zur Verfügung. Aus dem gewöhnlich steifen Rede- und Antwortritual wurde ein fast freundschaftliches Gespräch, das länger dauerte, als vorgesehen. Leonard Cohen musste über Lautsprecher mehrmals zu seinem Flugzeug gerufen werden. Das Gespräch wurde in der Zeitschrift „Schalom“ des Jüdischen Museums Westfalen veröffentlicht. Obgleich Journalisten nicht alte Artikel neu veröffentlichen sollten, machen wir hier eine Ausnahme, weil Cohens Zukunftsvisionen, die er vor 23 Jahren machte, durch die aktuellen politischen Entwicklungen bestätigt wurden. Hier der Artikel vom März 1993: Weiterlesen

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Die überregionale Presse kritisierte die forsche Polemik des CDU-Spitzenpolitikers Erwin Marschewski. Seine Politkarriere begann im Dorstener Rathaus und endete im Bundestag

Erwin Marschewski, CDU-Vollblutpolitiker und vormaliger Rechtsamtsleiter in Dorsten

Von Wolf Stegemann

11. November 2016. – Er war Präsidiumsvorsitzender der Jungen Union, als Städtischer Oberrechtsrat Leiter des Rechtsamts Dorsten, saß im Recklinghäuser Stadtrat, im Kreistag und schließlich im Bundestag. Heute lebt der 1940 in Herten geborene Vollblutpolitiker, der seine Karriere im Dorstener Rathaus begann, in Recklinghausen. – Die Rede ist von Erwin Marschewski. Sechs Wahlperioden lang war der Jurist von 1983 bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU). Dort fiel er des Öfteren durch polemische Attacken auf – beispielsweise zu den Themen Verbot von Waffenbesitz, Visa-Pflicht für Ausländerkinder und Mahnmal für die Heimatvertriebenen. Weiterlesen

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Dorstener verwüsteten unter dem Gejohle der Umstehenden im November 1938 die Synagoge in der Wiesenstraße und verbrannten das sakrale Inventar auf dem Marktplatz

Jüdisches Gemeindehaus in der Wiesenstraße; weißes Giebelhaus auf der rechten Seite im Hintergrund

Von Wolf Stegemann

4. November 2016. – Schon am frühen Abend des 9. November 1938, als es schon dunkelte, drangen uniformierte und zivil gekleidete Dorstener mit Brandfackeln in der Hand in das jüdische Gemeindehaus an der Wiesenstraße ein, in dessen oberen Etage sich der Gebetsraum befand. Friedhelm Potthoff, damals gerade neun Jahre alt, erinnerte sich noch genau an die Verwüstung der Dorstener Synagoge in der Wiesenstraße. Er und seine Schwester wohnten nämlich in dem der Synagoge ange­bauten Nachbarhaus. In der johlenden Menge erkannte er viele Dorstener, darunter Jugendliche in HJ- und BDM-Uniform. Angeführt wurde der Haufen von SS-Männern. Etwa 25 von ihnen drangen in das Haus ein. Weiterlesen

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Heutiger „Weltspartag“ lässt seit 91 Jahren die Spardosen klimpern – früher lauter, heute leiser oder gar nicht mehr. – Ein Blick in die Dorstener Banken-Geschichte

Werbung für das Sparen am Weltspartag in Deutschland in der NS-Zeit 1934

Von Wolf Stegemann

28. Oktober 2016. – Dieser Freitag ist ein Tag, an dem weltweit von Banken zum Sparen aufgerufen wird. Das kennen die älteren unserer Leser bereits aus ihrer länger zurückliegenden Kindheit, als Mitarbeiter örtlicher Banken in die Schulen kamen, leere Spardosen verteilten und volle leerten. Banken wollten schon immer das Geld der Leute, von dem sie leben. Daher riefen sie schon auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress 1924 in Mailand zu einem weltweiten Spartag auf, der bis heute alljährlich Ende Oktober stattfindet, in diesem Jahr am 28. des Monats. Dieser Tag ist der Förderung des Spargedankens gewidmet, der sich in Deutschland durch alle Jahrzehnte fortsetzte und im Nationalsozialismus Blüten trieb.  Denn das Regime wollte durch Sparen und Sparsamkeit der Bürger diese auf den Krieg vorbereiten und ihn auch mit den Spargeldern mitfinanzieren. Nach dem Krieg allerdings begann die Blütezeit des Spargedankens, bei dem in Europa sogar der Papst mit eingebunden werden sollte. Allerdings verlor der Weltspartag in den letzten 30 Jahren an Bedeutung. Heute steht er in manchen Ländern nur noch marginal in Kalendern. In anderen Ländern gewinnt er an Bedeutung. In den letzten Jahren wurde er u. a. in Aserbaidschan, Mexiko und Mosambik eingeführt. Weiterlesen

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Demographie – Flüchtlingszustrom sorgte 2015 für eine Pause im Bevölkerungsrückgang der Stadt

Flüchtlinge verändern die Bevölkerungsstatistik; Foto (nicht Dorsten): dpa

Von Helmut Frenzel

14. Oktober 2016. - Na endlich, wird manch einer gedacht haben, als er vor einigen Wochen die Nachricht vernahm:  Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung der Stadt Dorsten nicht mehr weiter geschrumpft. Die Zahl der Einwohner ging nach den Zahlen des statistischen Landesamtes lediglich um 9 auf 75.431 zurück. Damit ist die durchschnittliche jährliche Schrumpfung in den vorangegangenen Jahren von  etwa 500 auf nahe Null zurückgegangen. Das hat die Stadt seit anderthalb Jahrzehnten nicht gesehen. Wie war das möglich? Weiterlesen

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Das kirchliche Dorsten I: Wie Pfarrer Heming den Lehrer und Kirchenchor-Dirigenten Berger wegen „unsittlichen Verhaltens“ 1930 in Bedrängnis brachte – und dieser die Gerüchtemacher vor Gericht

Hoch ragt der Turm von St. Agatha über die Dächer der Stadt vor der Zerstörung 1945

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung: 21. Oktober 2016. – Protestanten feiern am 10. November Luthers 533. Geburtstag und im nächsten Jahr jährt sich der Anschlag der Thesen Martin Luthers an der Kirche zu Wittenberg zum 500. Mal. Fünfhundert Jahre Entzweiungsgeschichte der christlichen Kirche mit Kriegen, Verfolgungen und Diskriminierungen, letztere bis in die Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts hinein, spiegelte sich auch in Dorsten wider. Die Stadt war ein katholisches Bollwerk gegenüber den Reformationsbestrebungen, selbst dann, als die umliegenden Orte und selbst der Bischof von Köln, Landesherr von Dorsten, im 16. Jahrhundert evangelisch geworden waren. Jahrhunderte später gab es in der Person des Agatha-Pfarrers Ludwig Heming (1872-1940) ein ähnliches Bollwerk. Er kritisierte öffentlich Dorstener Geschäftsleute, die zum 450. Geburtstag Martin Luthers 1933 dessen Bildnis während eines Umzugs der kleinen evangelischen Gemeinde in der Stadt ins Schaufenster gehängt hatten. Noch in den 1960er-Jahren gab es in einer evangelisch-katholisch gemischten Schule in Holsterhausen eine Lehrerin, die auf dem Schulhof mit Kreide einen Strich zog: die katholischen Schüler müssten auf der einen Seite ihre Pausenbrot essen, die evangelischen auf der anderen Seite des Strichs. Heute hat sich das alles abgeschliffen, wenn auch noch in den 1980er-Jahren ein katholischer Pfarrer Mischehen zu trauen ablehnte.
Es gibt viel Geschichte, Geschichten und Anekdoten rund um die Kirchtürme in Dorsten  und den früheren Landgemeinden, die heute Stadtteile sind. Dorsten-transparent wird sie nach und nach veröffentlichen. Nicht chronisch geordnet, das wäre zu langweilig, sondern einfach herausgegriffen aus dem Fundus der Geschichten. Sie sind mal historisch fundierte Geschichtsabläufe, ein andermal geben sie Lustiges und Trauriges, Nachdenkliches und manchmal auch Unbegreifliches aus den Pfarreien anekdotisch wieder.  Hier die erste Geschichte aus der St. Agatha-Gemeinde des Jahres 1930: Weiterlesen

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