Bleicherei Paton – dem wirtschaftlichen Siechtum folgte der steile Aufstieg, mit dem Führerprinzip durch die NS-Zeit und das Ende in den 1970er-Jahren

Immer noch so genannt: “Paton-Villa” an der Borkener Straße; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

19. Januar 2018. – Wer auf der Borkener Straße von der Innenstadt nach Holsterhausen fährt, dem fällt auf der rechten Seite in Höhe der Abzweigung Pliesterbecker Straße ein stattliches Gebäude auf. Im Volksmund heißt es heute noch „Paton-Villa“. Es war das Wohnhaus der Familie Patton, einst wichtige Industrielle in er Stadt. – Die Firma Robert Paton GmbH, Ausrüstungsanstalt für Textilien, Aufbereitung von Zellwolle, Bleicherei und Echtfärberei für Webgarne aus allen Pflanzenfasern und Kunstfaserstoffen gründete 1890 in Holsterhausen der Chemiker Robert Paton. Vorher war er, dessen Vater von Schottland nach Viersen umsiedelte, Bleicher in der Firma „Vorwärts“ in Bielefeld. Auf Drucksachen der damaligen und späteren Zeit steht als Firmenort oft Hervest-Dorsten, weil man diesen Ort neben Holsterhausen wegen seiner Bahnstation besser kannte als Holsterhausen, das damals noch mit dem weit bekannteren in der Nähe von Essen verwechselt wurde. Weiterlesen

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Brandstiftungen in Dorsten – Was bereits alles abgefackelt wurde: Papiercontainer, Wohnhäuser, Bauernhöfe, Scheunen, Autos, Trafostation. Feuerwehrleute legten 37 Brände

Brandstiftung Amtsgericht Dorsten 1984 am Alten Postweg; Foto: Krüger (RN)

Von Wolf Stegemann

12. Januar 2018. – Ein Blick zurück in die letzten Jahrzehnte zeigt, wie oft und wie stark es in Dorsten gebrannt hat – in der Stadt selbst und den umliegenden Dörfern bzw. heutigen Stadtteilen. Erstaunlich, wie hoch die Versicherungsschäden bemessen waren und dass es viele Brandstiftungen darunter gegeben hat – und immer wieder gibt. Daher befassen wir uns heute mit diesem Thema. Feuer bricht aus unterschiedlichen Anlässen in Wohnhäusern, Ställen, Bauernhöfen, Lagerstätten, Scheunen, Schulen oder in Wäldern aus. Sei es durch eine defekte Stromleitung, eine überhitzte Friteuse, durch zündelnde Kinder, einen weggeworfenen Zigarettenstummel und eben auch durch gewollte oder fahrlässige Brandstiftung. Weiterlesen

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Die Sekundarschule Dorsten ist nicht nur eine neue Schulform, sondern sie vollzieht auch den radikalen Bruch mit bisher geübten Formen des Unterrichts. Es geht um autonomes Lernen

Von Helmut Frenzel

5. Januar 2018. – Mit dem Beginn des Schuljahres 2018/19 sollen die beiden städtischen Hauptschulen und die städtische Realschule auslaufen und an ihre Stelle die neu zu gründende Sekundarschule mit dem Namen „Neue Schule Dorsten” treten. So wollen es Rat und Verwaltung der Stadt. Sie haben sich dabei leiten lassen von sinkenden Schülerzahlen für die auslaufenden Schulformen und von Kostenüberlegungen. Zugleich haben sie aber auch eine Entscheidung auf dem Feld der Pädagogik getroffen: denn als Grundlage der neuen Sekundarschule wurde das „Pädagogische Konzept“ eines der Öffentlichkeit namentlich nicht bekannten Arbeitskreises verabschiedet, das auf eine radikale Abkehr von den bisher geübten Unterrichtsformen hinausläuft. Ob den Entscheidungsträgern das bewusst war, bleibt dahin gestellt. Öffentlich diskutiert wurde dieses grundlegende Element des Konzepts nicht und auch die Eltern wurden nicht beteiligt. Weiterlesen

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Dorstens „patriotische Straßennamen” (6): Die Luisenstraße – Eine „preußische Madonna“ und schon zu Lebzeiten „Königin der Herzen”

Luisenstraße in Holsterhausen; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung. 29. Dezember 2017. – In Dorsten gibt es heute noch einige Straßen, die nach preußischen Prinzessinnen und Königinnen, aber auch nach ruhmbekleckerten Feldmarschällen benannt sind. – Im damaligen wilhelminischen Kaiserreich liebdienerten sich Bürgermeister und Magistraten durch Straßenbenennungen den hohen Herrschaften an. So entstanden in Holsterhausen die 1911 nach dem Bruder des Kaisers Wilhelm II. benannte „Heinrichstraße“, ebenso bekam der Preußen-Feldherr von Roon eine Straße; Goeben, Wrangel, Blücher und Bismarck auch; zudem Damen des Königs- und Kaiserhauses. In unserer heutigen Folge widmen wir uns einer dieser Damen, deren Name auf dem Schild „Luisenstraße“ zu lesen ist. Neben Musiker-, Künstler-, Tier-, Pflanzen-, Heiligen- und anderen Straßen sind dies die „patriotischen Straßen“. Sie sind historische Denkmäler. Und wie es mit Denkmälern so ist: sie werden abgerissen, wenn man die Geehrten nicht mehr ehren will, oder sie bleiben. Die 1933 bis 1945 nach Hitler und anderen NS-Größen benannten Plätze und Straßen sind wieder verschwunden. In Dorsten heißt beispielsweise das Essener Tor wieder so, nachdem es vorher „Adolf-Hitler-Platz“ geheißen hatte. Und die „Adolf-Hitler-Straße“ in Holsterhausen ist nach 1945 dem heiligen Antonius gewidmet worden. Weiterlesen

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Welche Schlagzeilen das neue Einkaufscenter in der Presse machte: in der Dorstener Zeitung, in der WAZ und online in Dorsten-transparent

Zusammengestellt von Wolf Stegemann

22. Dezember 2017. – Es ist ruhig geworden um „Mercaden“ und im Mercaden selbst haben immer mehr Geschäfte geschlossen. Dazu der WDR, der ein Jahr zuvor noch 20.000 Besucher meldete, in einer Sendung am 12. Dezember 2017: „Dorstens Neues Einkaufszentrum läuft nicht gut.“ Das machte wieder Schlagzeilen und wird sicherlich im nächsten Jahr noch Schlagzeilen machen. Das gesamte Mercaden-Projekt war von den Fakten her und durch das nicht immer transparente Procedere des Projektentwicklers, der jetzt aus dem Projekt ausgestiegen wurde, und der Stadt von Anfang an umstritten.  Für den erfahrenen Zeitungsleser mag dieser Schlagzeilen-Überblick von 2008 bis Ende 2017 den einen oder anderen Aha-Effekt auslösen, vielleicht auch ein Schmunzeln oder Kopfschütteln. Sollte aber jemand diese Zusammenfassung langweilig finden, dann liegt es wohl an den Schlagzeilen selbst, denn… Weiterlesen

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Städtischer Etat 2016: Der vom Stärkungspakt erzwungene Haushaltsausgleich ist dank gestiegener Einnahmen gelungen – Einsparungen spielen nur eine untergeordnete Rolle

Rathaus am Gemeindedreieck

Von Helmut Frenzel

15. Dezember 2017. – 2011 verabschiedete der Landtag das Stärkungspaktgesetz. Es bestimmte, dass die defizitären Gemeinden, zu denen auch Dorsten gehört, ihren Haushalt binnen fünf Jahren ausgleichen müssen oder anders ausgedrückt: keine neuen Schulden mehr machen dürfen. Dieses fünfte Jahr war 2016: tatsächlich legte die Stadt Dorsten einen Jahresabschluss vor, der nicht nur ausgeglichen ist, sondern einen Überschuss ausweist. Wie war das möglich nach einem Jahrzehnt mit immerzu wachsenden Haushaltsdefiziten?

Der letzte Haushalt vor dem Inkrafttreten des Stärkungspaktgesetzes ist der von 2011 und eignet sich deswegen gut als Grundlage für eine Gegenüberstellung. Der Jahresabschluss 2011 weist einen Verlust von 34,1 Millionen Euro aus. Der Jahresabschluss 2016 ist dagegen nicht nur ausgeglichen, wie es das Stärkungspaktgesetz verlangt, sondern endet mit einem Überschuss von 5,6 Millionen Euro. Das ist eine Ergebnisverbesserung von immerhin 40 Millionen Euro. Wie das funktionierte zeigt die folgende Übersicht, in der die Ergebnisrechnungen für die beiden Jahre gegenübergestellt sind. Weiterlesen

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Kommunale Spekulationsverluste: Ex-Bürgermeisterin von Pforzheim wegen Untreue zu Haftstrafen verurteilt. Wenn das Urteil Bestand hat, könnte es auch für ehemalige Dorstener Amtsträger ungemütlich werden

Von Helmut Frenzel

27. November 2017. – Es ist ein Dammbruch. Am 21. November 2017 verkündete der Vorsitzende Richter der großen Strafkammer am Landgericht Mannheim in einem Prozess gegen die Ex-Bürgermeisterin und die ehemalige Kämmerin der Stadt Pforzheim das Urteil: Wegen Untreue in drei Fällen erhielten die Ex-Bürgermeisterin eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten und die Kämmerin unter Berücksichtigung weiterer Fälle eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Für beide Personen wurden die Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt. Und das war passiert: Die Stadt Pforzheim hatte 2005 und 2006 Swapgeschäfte getätigt, die zu Verlusten von 57 Millionen Euro führten. Durch Verhandlungen mit den beteiligten Banken konnten die Verluste auf 13 Millionen Euro begrenzt werden. Weiterlesen

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