Hausnummern: Wir gehen täglich achtlos an ihnen vorüber, doch sie sind wichtig, amtlich, informativ und europäisch, sie haben Geschichte und erzählen Geschichten

Von Wolf Stegemann

Hausnummern sind ein wichtiger Bestandteil des Zurechtfindens in einem weitgefächerten Ordnungsgefüge, zu dem auch die Straßennamen gehören. Hausnummern sind also nicht zum Selbstzweck da. Sie bezeichnen ein bestimmtes Gebäude, dienen der Adressierung und der Auffindbarkeit. In Deutschland wie in Österreich, Liechtenstein in der Schweiz werden die Hausnummern im Rahmen der Gebäudeadressierung amtlich vergeben und in Liegenschaftsregistern und Grundbüchern festgehalten. Weiterlesen

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Was macht eigentlich… Stephanie Lenz? Ihr Weg führte von der brillanten Medea-Darstellerin in Dorsten zur erfolgreichen Medien-Fachfrau am Tegernsee

Stephanie Lenz, heute in Rottach-Egern

Von Wolf Stegemann

17. Februar 2017. – Wer gegen Ende der 1980er- bis in die 1990er-Jahre hinein in Dorsten kulturinteressiert war, der kam am „Sommertheater“ in Maria Lindenhof nicht vorbei und somit 1988 nicht an Stephanie Lenz als großartige Medea im gleichnamigen Stück von Euripides und ein Jahr später als Furie in „Thyestes“. Bei Zeus und allen Göttern, wer sie sah, dem blieb sie in Erinnerung. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Blick in die Militärverhältnisse in und um Dorsten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Früher wurden vornehmlich Nichtsnutze in Uniform gesteckt – Essay

Dorsten wurde Standort; Wehrmacht auf dem Dorstener Marktplatz 1939

Von Wolf Stegemann

10. Februar 2017. – Anfang des 15. Jahrhunderts wählte der Rat zwei Rittmeister (1 Reitmeister und 1 Kluchtmeister = Führer zu Fuß), die rechtzeitig informiert werden mussten, wenn „man von Stadt wegen ausreiten oder ausziehen sollte“. Wenn durch Anschlagen der Glocke Alarm gegeben wurde und der Rat zum Kampf auszog, mussten alle Bürger und Einwohner, Herren und Knechte dem Glockenschlag folgen. Wurde jemand zu Pferd oder zu Fuß zum Militärdienst ausgehoben, dann übernahm die Stadt die Schutzherrschaft, d. h. die Stadt haftete für Schäden und die Versorgung der Hinterbliebenen. Desertierte ein Ausgehobener, musste er Strafe zahlen und verlor den Schutz der Stadt. War er aber vom Felde flüchtig, nachdem der Rat den Kampf beschlossen hatte, der verlor seinen gesamten Besitz und wurde aus der Stadt verbannt. Wurde ein Pferd durch Kriegsdienst beschädigt oder verdorben, zahlte der Rat entweder das Pferd ganz oder die Wertminderung. Weiterlesen

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Bürgerbegehren gegen die Schließung der Wichernschule scheiterte an fehlendem Interesse – Lügen, Fehlinformationen und Beleidigungen zeugten vom niedrigen Niveau der politischen Auseinandersetzung. Eine Rückschau

Von Wolf Stegemann

3. Februar 2017. – Beim Rückblick auf das vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Jahres fällt ein Ereignis auf, das wegen seiner bisherigen Einmaligkeit in die Annalen der Dorstener Geschichte eingehen dürfte, wenn auch der Anlass nicht unbedingt spektakulär war. Einmalig deshalb, weil es in Dorsten bis dahin noch keine Bürgerbegehren gegeben hat. Das ist Grund genug, diese Geschichte in seiner Gesamtheit im Rückblick darzustellen. – Am Anfang stand das Wort, besser gesagt der Antrag der CDU, den mehrheitlichen Beschluss des Stadtrates vom 17. Juni 2015, die Wichernschule, Grundschule im Marienviertel, auslaufen zu lassen. Dieser Beschluss wurde mit 24:19 Stimmen angenommen und sah vor, ab 2016 keine Eingangsklassen mehr zu bilden, und die Wichernschule in absehbarer Zeit zu schließen. Kinder sollten nunmehr in der Augustaschule an der Halterner Straße eingeschult werden.  Bereits seit dem Schuljahr 2013/14 arbeitet die Wichernschule als Teilstandort mit der Augustaschule als Hauptstandort zusammen. Damit war die Schule als Auslaufmodell bereits 2013 bekannt und die Schließung absehbar. Verwaltung und Politik verwirrten und besänftigten die Eltern und andere Interessierte zugleich mit immer wieder über die Lokalzeitung neu veröffentlichten Plänen und Vorhaben, die Dorstener Schullandschaft zu reorganisieren. Schließen, dann nicht schließen, dann wieder schließen. Der Leser hatte den Eindruck, dass durch solche Meldungen getestet wurde, wie die Eltern, Lehrer und andere auf die Lektüre der Zeitung reagierten. Erst nach dem Ratsbeschluss zur Schließung der Wichernschule im Sommer 2015 kochten die Wogen hoch. Weiterlesen

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Internationaler Auschwitz-Gedenktag: Der Dorstener Ernst Metzger hat die Hölle von Auschwitz überlebt – 1983 besuchte er seine Heimatstadt, der er sich nicht mehr annähern konnte

Stolpersteine in Dorsten

Von Wolf Stegemann

27. Januar 2017. – An diesem Freitag jährt sich zum 72. Mal die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nationalsozialisten. Auschwitz wurde weltweit zum Symbol für den Holocaust. Über eine Million Menschen verloren hier auf grausame Weise ihre Würde und ihr Leben. Seit 1996 ist der 27. Januar offizieller deutscher Gedenktag, 2005 erklärten ihn die Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Auch Dorstener Bürger jüdischen Glaubens wurden in Auschwitz und in anderen Todeslagern ermordet. Das waren Angehörige der Familien Bendix, Cohn, Joseph, Lebenstein, Metzger, Minkel, Neuberg, Perlstein, Reifeisen, Schöndorf. Ihnen gilt besonders heute unser aller Gedenken. Es gab auch Juden, die Auschwitz überlebt haben. Dazu gehört Ernst Metzger, geboren 1912, ein Dorstener Jude, der nach seiner Befreiung in die USA auswanderte. Nur noch einmal besucht er seine Heimatstadt . Weiterlesen

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Bergbauschäden – Die Zeche ging, die Schäden bleiben: dicke Risse, abgesackte Flächen, klemmende Türen, Versumpfungen

Dicke Risse an Häusern und in der Landschaft

Von Wolf Stegemann

19. Januar 2016. – Solange es den intensiven Bergbau gab, wie auch in der Dorstener Region, solange gab es intensive Schäden an Häusern, Gärten, Straßen, Wäldern und Wasserläufen sowie Absackungen ganzer Gebiete. Der Bergbau ist gegangen. In Dorsten 2001. Nicht nur die Halden – in Altendorf-Ulfkotte die Hürfeld-Halde – erinnern an den verschwindenden Bergbau, es sind auch die Schäden, die er hinterlassen hat, und die, welche er immer wieder neu produziert. Die Erde bebt, wenn untertage die verlassenen Stollen einbrechen. Dann ziehen Risse durch Hauswände, innen wie außen, Türen und Fenster klemmen. Seit Januar 2015 sind in den folgenden 20 Monaten aus Dorsten 1226 Schadensmeldungen bei der Ruhrkohle AG (RAG) eingegangen. Schäden an Wohnhäusern. Bis sich die Erde untertage beruhigt haben wird, werden noch etliche Jahrzehnte ins Land gehen. So lange wird es auch Schäden geben.
Zu Zeiten, als der Bergbau gut saturiert durch staatliche Subventionen am Leben erhalten wurde, zeigte er sich bei Zahlung von Entschädigungen im Schadensfall oft knauserig. Wo sich der Bergbau nach Gesetz und Situation vor Entschädigungen drücken konnte, versuchte er es auch. Erinnert sei an den verstorbenen Rechtsanwalt Ax in Altendorf-Ulfkotte, durch dessen Garten hinterm Haus in den 1980er-Jahren plötzlich eine Abbruchkante verlief. Jahre benötigte der rechtlich versierte Mann, um ein Übereinkommen mit dem Bergbau zu finden. Andere Geschädigte, mit Gesetzen und Verordnungen nicht so bewandert, standen häufig auf verlorenem Posten gegen die oft wie eine Behörde auftretenden Gutachter des Bergbaus. Klagen von Dorstener Eigenheimbesitzern häuften sich in den 1980er- und 90er-Jahren. Weiterlesen

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Vor 500 Jahren Reformation: In den Dörfern wurde lutherisch gepredigt, doch Dorsten blieb ein Bollwerk des katholischen Glaubens – Verfolgung, Scheiterhaufen und Kriege

Martin Luther-Denkmal in Worms - für ihn galt das Wort Gottes und nicht das des Papstes

Von Wolf Stegemann

13. Januar 2017. – Das vor wenigen Tagen begonnene Jahr 2017 ist nicht nur für die evangelische Welt ein besonderes Jahr. Zum 500 Mal jährt sich das reformatorische Ereignis Martin Luthers. Daher wird 2017 als das Martin Luther-Jahr bezeichnet, in dem sich die katholische und evangelische Kirchen versuchen, sich wieder anzunähern. Zumindest medial und in Veranstaltungen. In diesem Jahr vor 500 Jahren legte am 31. Oktober der Provinzialvikar des Augustineordens, Martin Luther, in einem Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, seine „Disputatio pro declaratione virtutis indulgentarum“ bei, in denen er gegen Missbräuche beim Ablass und besonders gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen auftratt. Die Historizität des Anschlags dieser „95 Thesen“ an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg ist umstritten. Ein Einblattdruck (Folioblatt in zwei Spalten) des lateinischen Textes erschien noch im gleichen Jahr bei Hieronymus Höltzel in Nürnberg. Vermutlich noch vor Weihnachten übersetzte der Nürnberger Kaspar Nützel Luthers 95 Thesen ins Deutsche. Damit begann die Reformation der Protestanten, der eine Gegenreformation der Papisten folgte. Weiterlesen

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Demographie – Flüchtlingszustrom sorgte 2015 für eine Pause im Bevölkerungsrückgang der Stadt

Flüchtlinge verändern die Bevölkerungsstatistik; Foto (nicht Dorsten): dpa

Von Helmut Frenzel

14. Oktober 2016. - Na endlich, wird manch einer gedacht haben, als er vor einigen Wochen die Nachricht vernahm:  Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung der Stadt Dorsten nicht mehr weiter geschrumpft. Die Zahl der Einwohner ging nach den Zahlen des statistischen Landesamtes lediglich um 9 auf 75.431 zurück. Damit ist die durchschnittliche jährliche Schrumpfung in den vorangegangenen Jahren von  etwa 500 auf nahe Null zurückgegangen. Das hat die Stadt seit anderthalb Jahrzehnten nicht gesehen. Wie war das möglich? Weiterlesen

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Bronzetafel am Marktbrunnen erinnert an Goethes Besuch in Dorsten im Dezember 1792 – aber auch an eine kulturpolitische Provinzposse aus dem Rathaus im Jahre 2000

Die Enthüllung der Tafel am Makt im Jahr 2000; v, l.: Grete Mai, Wolf Stegemann, Stadtrat Hans Löns, Stadträtin Petra Somberg, MdL Werner Kirstein, Bürgermeister Friedhelm Fragemann, Peter Mai; Foto: DZ

Von Wolf Stegemann

9. Dezember 2016. – Wenn auch Goethe als Person schon lange Geschichte ist, seine Werke wirken fort in allen Gegenwarten der bisherigen 200 Jahre und werden auch für die nächsten Generationen von Schülern präsent bleiben. In Dorsten gehört sein kurzer Aufenthalt in der Lippestadt Anfang Dezember 1792 zwar auch der Geschichte an, doch dieser Aufenthalt hatte in unserer Gegenwart ein possenhaften Nachspiel, als im Jahr 2000, genau 228 Jahre nach seinem Aufenthalt am Dorstener Marktplatz, Bürger am dortigen Brunnen eine Informationstafel anbrachten. Das gefiel etlichen Dorstener Lokalpolitikern überhaupt nicht. Sie plusterten sich unverständlicherweise auf und überschütteten die Dorstener Bürger-Initiative unverständlicherweise mit Spott und Hohn, wozu auch die damalige Lokalzeitung der WAZ ihren Teil beitrug. Dieser Schuss ging allerdings nach hinten los. Warum? Weiterlesen

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Dorstener verwüsteten unter dem Gejohle der Umstehenden im November 1938 die Synagoge in der Wiesenstraße und verbrannten das sakrale Inventar auf dem Marktplatz

Jüdisches Gemeindehaus in der Wiesenstraße; weißes Giebelhaus auf der rechten Seite im Hintergrund

Von Wolf Stegemann

4. November 2016. – Schon am frühen Abend des 9. November 1938, als es schon dunkelte, drangen uniformierte und zivil gekleidete Dorstener mit Brandfackeln in der Hand in das jüdische Gemeindehaus an der Wiesenstraße ein, in dessen oberen Etage sich der Gebetsraum befand. Friedhelm Potthoff, damals gerade neun Jahre alt, erinnerte sich noch genau an die Verwüstung der Dorstener Synagoge in der Wiesenstraße. Er und seine Schwester wohnten nämlich in dem der Synagoge ange­bauten Nachbarhaus. In der johlenden Menge erkannte er viele Dorstener, darunter Jugendliche in HJ- und BDM-Uniform. Angeführt wurde der Haufen von SS-Männern. Etwa 25 von ihnen drangen in das Haus ein. Weiterlesen

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Postfaktisch – Was der Stadtkämmerer im Rat über das Haushaltsergebnis 2015 erzählt. Es sind sich widersprechende „Wahrheiten“. Doch welche stimmt?

Betrachtungen zum Wert eines Amtseids – von Helmut Frenzel

2. Dezember 2016. – Derzeit macht der Begriff postfaktisch Karriere. Populär wurde er im Zusammenhang mit dem Referendum in Großbritannien über den Brexit. Von post-truth politics war da die Rede und gemeint waren die Populisten, die ohne Rücksicht auf Fakten und Wahrheiten ihre politischen Ziele im Wahlkampf verfolgten. Aber es sind keineswegs nur die Populisten, die postfaktisch argumentieren. Dass den Bürgern Fakten und Wahrheiten bewusst verschwiegen werden gibt es auch im kommunalen Milieu. Ein Beispiel aus Dorsten. Weiterlesen

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