Das Mercaden-Debakel: Welchen Anteil daran hat die Politik? Realitätsverweigerung und falsche Weichenstellungen haben den Weg bereitet

Tristesse im Erdgeschoss; Foto: H. Frenzel

Kommentierender Rückblick von Helmut Frenzel

20. April 2018 – Das Mercaden-Debakel hat viele Väter, aber einen an vorderster Stelle: den ehemaligen Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Es ist auch sein Debakel. Er wollte dieses Projekt und er wollte Herbert Krämer. Er war es, der zusammen mit einigen Gefolgsleuten die Strippen zog, um das Projekt über alle Hürden zu bringen. 2009 hatte er an der Eröffnung der RheinBerg-Galerie in Bergisch-Gladbach teilgenommen, ein Vorhaben des späteren Mercaden-Entwicklers. So etwas wollte Lambert Lütkenhorst auch für Dorsten. Es sollte sein Denkmal werden. Und er bekam es. Wie das Projekt durchgesetzt wurde und wie es scheiterte wird hier noch einmal aufgerollt. Weiterlesen

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Bernhard Delsing, ein geborener Holsterhausener, gelernter Anstreicher, studierter Maler und Zeichner war über Jahrzehnte hinweg eine feste Größe der Kasseler Kunstszene

Bernard Delsing 1966 in seinem Kasseler Atelier; Zeitungsfoto: Baron (HNA)

Von Wolf Stegemann

Zu seinem 80. Geburtstag schrieb die Kasseler Zeitung, dass Bernard Delsing seit sechs Jahrzehnten eine feste Größe in der Kasseler Kunstszene sei, immer schöpferisch und produktiv, „ein Künstler durch und durch“. Er wurde 1906 in Holsterhausen geboren. Seine Eltern waren der Schreiner Hermann Delsing aus Holsterhausen und dessen Frau Anna Maria geborene Lohmann. Sie heirateten 1902 und wohnten danach in der Josefstraße 19, der heutigen Heroldstraße, die zwischenzeitlich auch Schulstraße hieß. Bernard hatte noch fünf Geschwister. Weiterlesen

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Dorsten-Lexikon: Eine Stadt und ihre Menschen kennenlernen durch Stöbern in Informationen, Schilderungen, journalistischer Berichterstattung, Kommentaren und Anekdoten

Titelgrafik mit einer Dorsten-Montage des Fotografen Peter Koerber

Von Maria Nienhaus

6. April 2018 – „Durch einen Zufall stieß ich gestern im Internet auf Ihr verdienstvolles Dorsten-Lexikon. Ich habe kreuz und quer gelesen und bin begeistert über Ihre Initiative, die kleine Stadt, in der ich aufwuchs, auf diese Weise im weltweiten Netz zu bewahren …“ Dies schrieb einer, der zu beurteilen weiß, was geschrieben steht. Heribert Seifert, Journalist der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der „Neuen Zürcher Zeitung“(NZZ), des Rundfunks und anderer Medien, schrieb dies am 3. April 2018 an den Herausgeber Wolf Stegemann. Dieser erhält solche und ähnliche Schreiben, meist mit einem Anliegen verbunden, fast jede Woche. „Ich komme mir manchmal schon vor, wie das Stadtarchiv!“ Leser des Lexikons, die irgendeine Verbindung zu Dorsten haben, so der Herausgeber, wollen dieses und jenes, fragen, ob mehr Bilder vorhanden seien, und wissen auch selbst Neues zu diesem und jenem Thema zu berichten. Unlängst berichtete einer über seinen Vater, der als Ostpreuße in den letzten Kriegstagen in der SS-Brigade „Windhund“ in Dorsten kämpfte und darüber ein privates Kriegstagebuch führte. Weiterlesen

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Die Martin-Luther-Straße in Holsterhausen hieß vor 1953 noch Königstraße – Zank begleitete die Umbenennung, denn einige katholische Anwohner wollten diesen Namen nicht

Noch nicht so bebaut wie heute: Königstraße bzw. Martin-Luther-Straße Anfang der 1950er-Jahre

Von Wolf Stegemann

30. März 2018. – Der Name Steinmeier ist wegen des gleichnamigen Bundespräsidenten Frank-Walter mittlerweile bundesweit geläufig. In Dorsten-Holsterhausen war in den 1950er-Jahren dieser Name ebenfalls bekannt. Denn August Steinmeier, ein Cousin Walter Steinmeiers aus Brakelsiek im Lipper Land, Vater des eingangs genannten Bundespräsidenten, kam als zweijähriges Kind mit den Eltern 1910 nach Holsterhausen. Er war als Schreiner bei der Baufirma Schaub beschäftigt, ansonsten in etlichen Ehrenämtern aktiv wie im Dorstener Stadtrat und von 1948 bis 1951 als Presbyter in der evangelischen Martin-Luther-Kirche. Er war Schöffe beim Landgericht Essen, Mitglied im Gesangsverein und im evangelischen Kirchenchor, war im Jünglingsverein und hat immer wieder für die Kirche Geld gesammelt. Er setzte sich stets und auch erfolgreich für das Allgemeinwohl ein. Die Familie wohnte in der damaligen Kronprinzenstraße, heute Breslauer Straße, wo dessen Tochter Liselotte, verwitwete Topp und Großcousine (Cousine 2. Grades) des Bundespräsidenten, heute mit 80 Jahren noch lebt. Ihr Haus, gleich neben ihrem Elternhaus, hat zwei Eingänge: Einer von der Breslauer Straße und einer von der Martin-Luther-Straße, die bis 1953 Königstraße hieß. Für deren Umbenennung kämpfte ihr Vater August Steinmeier. Seine Tochter, die 1951 konfirmiert wurde, erinnert sich: „Mein Vater war ein Kämpfer. Überspitzt gesagt kämpfte er für jede Straßenlaterne. Er kümmerte sich als Stadtrat aber auch darum, dass in Holsterhausen damals die Straßen geteert wurden.“ Als er 1998 in Holsterhausen starb, kam zu dessen Beerdigung im Waldfriedhof Holsterhausen sein noch lebender Cousin Walter mit Sohn Frank-Walter. Weiterlesen

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Schreibenlernen nach Gehör: Was ein pädagogisches Konzept von einer ärztlichen Behandlungsmethode unterscheidet

Schreiben nach Gehör

Kommentar von Helmut Frenzel

23. März 2018. – Kürzlich erschien in der „Dorstener Zeitung“ ein Artikel unter dem Titel „Richtig schreiben lernen – nur wie?“ Es ging um die Methode des Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen, die bei ihm „Lesen durch Schreiben“ heißt, in der Öffentlichkeit besser bekannt als „Schreiben nach Gehör“. Sie wird in Nordrhein-Westfalen flächendeckend angewandt, um den Grundschülern die Rechtschreibung beizubringen. Viele Eltern, und nicht nur sie, klagen über mangelnde Kenntnis der Rechtschreibung am Ende der Grundschulzeit. Ein Stein des Anstoßes ist, dass in den ersten Jahren Rechtschreibfehler nicht korrigiert werden, – um die Kinder nicht zu demotivieren, wie es heißt. In den späteren Jahren bemüht sich die Schule dann darum, den Schülern die fehlerhaften Schreibweisen, die sich längst in ihren Köpfen festgesetzt haben, wieder abzugewöhnen – nicht immer mit Erfolg. Lernen ist einfach, Umlernen ist schwierig – auf diesen Nenner brachte es ein Beitrag auf facebook. Die Eltern, die mit den Folgen mangelnder Rechtschreibkenntnis ihrer Kinder am Ende der Grundschulzeit leben müssen, lehnen die Methode nahezu einhellig ab. In einer nicht repräsentativen Umfrage der DZ sprachen sich 89 Prozent der Teilnehmer für ihre Abschaffung aus. Weiterlesen

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Die Gießformen von Einsteins Kopf der Künstlerin Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula) geben weiterhin Rätsel auf – eine höchst verwirrende Spurensuche

Aus eigenem Miterleben erzählt von Wolf Stegemann

16. März 2018. – Was verbindet die Künstlerin und Nonne Tisa Gräfin von der Schulenburg (†), den früheren Geschäftsführer des Max Planck-Instituts Dortmund Dr. Plesser, Dortmunds vormaligen OB Keuning (†), den Kurator des Skulpturenmuseums Marl Stephan Wolters und den Dorstener Journalisten Wolf Stegemann? Einsteins Kopf!

Wer Tisa von der Schulenburgs Werksverzeichnisse durchsieht, übersieht leicht einen Kopf, nämlich den des Physikers Albert Einstein. Tisa Gräfin von der Schulenburg lebte von 1950 bis 2003 als Sr. Paula und künstlerische Nonne im Ursulinenkloster in Dorsten. Der Kopf, den sie hinterließ, wird leicht übersehen, nicht, weil Sr. Paula eine überaus fleißige Kunst-Produzentin war, sondern weil es zu ihrem Einstein-Kopf in Büchern und Verzeichnissen im Gegensatz zu ihren Themen Holocaust, Flüchtlinge 1945, Lepra oder zu ihrem Adenauer-Kopf, so gut wie keine Informationen gibt. Die Texterklärungen zu dem Kopf sind karg oder gar nicht vorhanden. Das scheint sich nun zu ändern, wenn auch in verwirrendem Maße. Dementsprechend mag auch diese Geschichte hier und da für den einen oder anderen Leser verwirrend erscheinen. Was ist geschehen? Weiterlesen

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Paul Hunekuhl – Ein exotisches Leben par excellence: Dorsten, Philippinen, New York. Der Petrinumschüler erschoss auf dem Schulweg eine Kuh, fuhr zur See und wurde 1916 US-Bürger

Von Wolf Stegemann

9. März 2018 – Vor kurzem haben wir darüber berichtet, wie die Elisabeth-Hunekuhl-Straße 1955 zu ihrem Namen gekommen war und warum sie wieder in Nonnenstiege zurück benannt wurde. Das hat auch viel mit der bis zum Ersten Weltkrieg in Dorsten ansässigen Familie Hunekuhl zu tun. Die Söhne jener Elisabeth Hunekuhl – Hermann, Hans und Paul – besuchten das Gymnasium Petrinum. Einer von ihnen, Paul, führte ein ziemlich exotisch-abenteuerliches Leben. Er wurde 1888 in Jülich geboren, war Seemann, Kaufmann, Fabrikbesitzer, lebte auf den Philippinen und ab 1916 als US-Staatsbürger in New York, vergaß seine alte Heimat nicht und starb 1944 in New York.
Wie eingangs bemerkt, ist der Name Hunekuhl in Dorsten nicht unbekannt. Von 1955 bis 1989 gab es in der Altstadt eine „Elisabeth-Hunekuhl-Straße“. Elisabeth Hunekuhl war seine Mutter. In Dorsten drückte Sohn Paul auf dem Gymnasium Petrinum die Schulbank, wie seine Brüder Hans (*1891) und Hermann (*1900) auch. Die Familie wohnte an der Gahlener Straße und zog vor oder nach dem Ersten Weltkrieg von Dorsten nach Vreden um. Zum Abitur gelangte Paul Hunekuhl allerdings nicht. Denn sein Vater Bernhard Hunekuhl, ein als herrisch bekannter Mann, nahm ihn vorzeitig und in einer zornigen Aufwallung von der Schule. Der Grund? Zur Stammtischrunde des Vaters gehörte ein Lateinlehrer des Gymnasium Petrinum, den die Schüler Hans und Paul im Unterricht hatten und der ihnen sehr „unangenehm“ war. Er erzählte Pauls Vater, dass sein Sohn Paul – warum und mit welcher Waffe ist nicht bekannt – auf seinem an Wiesen entlang führenden Schulweg eine Kuh erschossen hatte. In der Familie erinnerte man sich daran: „Das führte zu einem Riesen-Aufruhr in der Schule, so dass der Vater seinen Sohn kurzerhand vom Gymnasium nahm und zur Marine steckte. Paul kehrte von Heimweh geplagt bald nach Dorsten, aber nicht auf die Schulbank zurück und begann eine Kaufmannslehre. Der erwähnte Lateinlehrer, obwohl Geistlicher, war allzu prügelfreudig und wurde von Paul und Hans gehasst. Er verstärkte Pauls Skepsis gegenüber der Kirche, deren untadeliges Bild schon in seiner Kindheit durch die unsensiblen Fragen eines bigotten Beichtvaters einen Riss bekommen hatte.“ Weiterlesen

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