Dorsten und Stadtteile als Familienname – Höhlenforscher Ingo Dorsten war schon mehrmals in Dorsten, obwohl er in Dorsten keine tiefergehende Höhle fand

Von Wolf Stegemann

3. Dezember 2020. – Namen von Städten und Stadtteilen kommen häufig auch in oder als Familiennamen vor. Vor allem bei adeligen und in jüdischen Familien, von deren Namen meist die Herkunft abzuleiten ist, wie bei Johann von Lembeck oder Salomon Oppenheimer. Wenn der seit der Corona-Krise bekannte Virus-Forscher Drosten sein “r” an der richtigen Stelle hätte, könnte er sich hier einreihen.

Ingo Dorsten in der„Herbstlabyrinth-Adventhöhle“ bei Breitscheid; Foto: privat

Der 44-Jährige Ingo Dorsten ist wohl einer der wenigen, die mit Familiennamen Dorsten heißen. Dorsten ist Energie- und Klimaschutzmanager im Lahn-Dill-Kreis. Sein ungewöhnliches Hobby treibt Dorsten in die Tiefe, denn er und seine Frau sind mittlerweile professionelle Höhlenforscher. Daher haben sie 2010 auch in einer Höhle geheiratet, wozu etliche bürokratische Hindernisse zu überwinden waren. Und es war die erste Tropfsteinhöhlen-Hochzeit in der viertgrößten Höhle Deutschlands. Die beiden Dorstens erforschten und erschlossen im Westerwald das Tropfstein-Höhlensystem „Herbstlabyrinth-Adventhöhle“ bei Breitscheid. Seit fast drei Jahrzehnten betreibt Dorsten nun sein Hobby. Das Magazin „stern“ schrieb 2014, dass Dorsten bereits in rund 200 Höhlen war, darunter auch in Höhlensystemen in Slowenien, Rumänien, Russland, USA und im Iran. Da er gerne Bergsteiger ist und im Norden geboren wurde, wo es keine Berge gibt, kamen Dorsten und seine Pfadfinderfreunde auf die Idee, in die Tiefe zu steigen, wo Dorsten später dann auch seine Frau kennenlernte. 2009 rettete Dorsten mit 100 anderen Helfern einen 46-jährigen Höhlenkameraden, der sich in schwieriger Position eingeklemmt hatte.
Dorsten ist Vorsitzender der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen e. V. (SAH). Es gibt in der Bundesrepublik noch 88 andere Höhlen-Vereine, in denen rund 2500 Höhlenforscher organisiert sind. In Dorsten müsste Dorsten erst eine Höhle finden. Dann käme Dorsten sicherlich auch mal gerne nach Dorsten. Die Brotmannshöhle dürfte ihm vermutlich nicht tief genug sein.
„Aus unserer gesamten Sippe in Rheine, Gronau, Nordhorn“, so Ingo Dorsten 2020, „bin ich noch der einzige Dorsten, der den Namen weiterträgt. Alle anderen in meiner Generation sind weiblich. Auf unserem Sohn Moritz ruhen somit alle Hoffnungen… In Dorsten waren wir übrigens schon öfters. Eine sehr nette Stadt, auch ohne Höhlen!“ Weiterlesen

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Gedanken über fehlende städtische Kulturangebote in den Stadtteilen. Ein mit Kulturverantwortlichen im Rathaus diskutiertes Positionspapier – bislang ohne weitere Reaktion

Ortskern des Dorstener Stadtteils und Dorfes Rhade; Foto: Wikipedia

Gastbeitrag von Dirk Hartwich

26. November 2020. – Das städtische Kultur- und Weiterbildungsangebot in Dorsten ist vielfältig. Es deckt mit dem VHS-, dem Bücherei- und dem Theaterprogramm den Grundbedarf, angepasst den Mindestempfehlungen für Städte dieser Größenordnung, sicherlich ab. Kultur und (Weiter-)Bildung sind wichtige Standortfaktoren für eine Stadt. Erkenntnisse, die zwar nicht neu sind, aber an die immer wieder aktuell erinnert werden muss. Eine wichtige Ergänzung zum städtischen Kultur- und Weiterbildungsprogramm leisten u. a. unsere Vereine, Kirchen und Privatinitiativen. Hier soll aber vorrangig der städtische Beitrag behandelt werden. Und dieser ist aus meiner Sicht verbesserungswürdig. Was ist und was will Kultur? Einer, der bundesweit Kultur so definiert hat, dass er überall gehört und verstanden wurde, ist Hilmar Hoffmann (1925-2018). Ein Kulturpolitiker, der mit dem Bestseller „Kultur für alle“ (1979) überall Maßstäbe für die „Kulturmanager“ in den Städten gesetzt hat. Sie sind immer noch hochaktuell. Im Kulturausschuss der Stadt Dorsten spielten seine Anmerkungen und Anregungen zumindest in den Jahren zwischen 1975 und 1984 eine wesentliche Rolle. Im Klappentext des im S. Fischer-Verlag erschienenen Buches steht (Auszug): Weiterlesen

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Richard Hildebrandt – Dorstener Petrinum-Abiturient wurde als Kriegsverbrecher in Nürnberg verurteilt und in Polen gehenkt

Mörder in Uniform mit ihrem Chef Himmler (3.v.l.) im KZ Stutthof, das Richard Hildebrandt (vorne 1.v.l.) errichtet hatte

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung: Wir haben diesen Artikel bereits 2012 in diesem Online-Magazin veröffentlicht. Er stieß auf große Resonanz und immer noch wird dieser Artikel fast täglich gelesen. Mit Stand vom 20. November 2020  über 4969 Mal. Anlass, auf ihn aufmerksam zu machen, sind die Nürnberger Prozesse, die in diesen Tagen vor 75 Jahren begonnen haben. Einer, der in einem der Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt wurde, war Richard Hildebrandt, einst Schüler am Gymnasium Petrinum.

 „Lieber Richard! […]. Vor 5 Wochen ungefähr hatte ich die ersten von 600 an die Wand gestellt, seitdem haben wir bei einer Aufräumungsaktion etwa 2.000 umgelegt, bei einer vierten wieder etwa 1.000 und zwischendurch habe ich dann in den letzten 8 Tagen 2.000 Juden und 200 Zigeuner erschießen lassen […]. 2.200 fast nur Juden werden in den nächsten Tagen erschossen. Eine schöne Arbeit ist das nicht! Aber immerhin muss es sein, um einmal den Leuten klar zu machen, was es heißt, einen deutschen Soldaten überhaupt nur anzugreifen und zum andern löst sich die Judenfrage auf die Weise am schnellsten. […] Ich bin mit den herzlichsten Grüßen an Deine liebe Frau und die Kinder, besonders aber an Dich mit Heil Hitler wie stets Dein getreuer Harald.“ – (Staatsrat und SS-Gruppenführer Dr. Harald Turner 1941 an Richard Hildebrandt) Weiterlesen

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Am Volkstrauertag wurde früher patriotisch der Helden in den Gräbern oder an Ehrenmalen gedacht, auf die man stolz war – heute wird an sie als Opfer gedacht, das Ritual blieb

Volkstrauertag 2009 in Holsterhausen

Von Wolf Stegemann

12. November 2020. – Aus dem Heldengedenktag der Nationalsozialisten entwickelte sich nach dem Krieg der Volkstrauertag. Seit 1952 ist er ein nationaler Trauertag zum Gedenken an die Opfer beider Weltkriege und des Nationalsozialismus, jeweils am 1. Sonntag vor dem 1. Advent. In Dorsten ist die Stadt offizieller Veranstalter dieser Feiern, Ausrichter jeweils ein Verein (meist Schützenverein) zusammen mit anderen Gruppierungen und den Kirchen in den Stadtteilen (Gottesdienst, Marsch zu den Kriegergedächtnisstätten, Rede). Weiterlesen

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Der 9. November – „Schicksalstag der Deutschen“ und ein Tag des Verbrechens, an dem 1938 Dorstener die jüdische Synagoge zerstörten – somit auch ein Tag der Erinnerung

Ehemalige Synagoge in der Wiesenstraße 24 (helles Haus rechts hinten)

Von Wolf Stegemann

7. November 2020. – Der 9. November wird in den Medien und auch von Historikern immer wieder als „Schicksalstag der Deutschen“ bezeichnet. Denn viele wichtige Ereignisse der europäischen und deutschen Geschichte sind mit dem 9. November der Jahre untrennbar verbunden: An diesem Tag, nach dem französischen Revolutionskalender der 18. Brumaire, begann 1799 die Alleinherrschaft Napoleons, der bekanntermaßen Europa mit Krieg überzog. Rund 50 Jahre später, am 9. November 1848, wurde in Wien das Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum von Angehörigen konterrevolutionärer Truppen erschossen. „Ich sterbe für die Freiheit“, lauteten seine letzten Worte. Das Ereignis markierte den Anfang vom Ende der so genannten Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes. Zehn Jahre nach der Erschießung Blums wurde in über 400 deutschen und vielen nicht-deutschen Städten vom 8. bis zum 10. November 1859 der 100. Geburtstag des „Freiheitsdichters“ Friedrich Schiller gefeiert. Die Schillerfeiern vom November 1859 markieren zugleich das Ende der Reaktionszeit, die der Revolution von 1848/49 folgte. Auch das Ende der „Oktoberrevolution“ 1917 fiel nach dem Gregorianischen Kalender auf den 9. November: An diesem Tag bildeten die bolschewistischen Revolutionäre unter Lenin die Regierung der Volkskommissare. Schicksalstage waren in Deutschland der 9. November der Jahre 1918, 1923, 1938, 1939 und 1989 (sie unten). Doch nicht die Schicksale knüpften die Fäden unserer Geschichte, sondern Menschen. In der jahrhundertelangen Geschichte der Stadt Dorsten fand am 9. November 1938 ein reichsweites Ereignis statt, dass uns allen in Erinnerung bleiben sollte als eine Mahnung, die davon zeugt, wozu Menschen auch in einer Kleinstadt wie Dorsten fähig sind. Daher ist das Erinnern nach wie vor wichtig. Am Montag (9. November 2020) wird der Garten im Museum mit dem Gedenkstein aber von 15 bis 18 Uhr für alle offen sein für einen individuellen Moment des Gedenkens. Um der jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung auch in unserer Stadt angemessen zu gedenken, wird das Jüdische Museum Westfalen, in Zusammenarbeit mit der Stadt Dorsten, eine Plakataktion veranstalten, die der vielen Opfer des Nationalsozialismus in Dorsten erinnern.

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66 Jahre Stadtbibliothek in Dorsten, davon 40 Jahre im Kultur- und Bildungszentrum Maria Lindenhof: Sprach- und Leseförderung, Recherche- und Medienkompetenz, sozialer Treffpunkt

31. Oktober 1980: Wiedereröffnung der Stadtbibliothek im neuen Bildungszentrum; Foto: Stadt-Archiv

Von Wolf Stegemann

29. Oktober 2020. – In diesen Tagen vor 40 Jahren, genau am 31. Oktober 1980, versammelte sich Dorstens Rathaus-Hautevolee (zahlenmäßig nicht wörtlich nehmen) im neu erbauten Kultur- und Bildungszentrum Maria Lindenhof – siehe obiges Foto. Darauf zu sehen sind u. a. Stadtdirektor Dr. Karl-Christian Zahn, Bürgermeister Hans Lampen (CDU), Hans Fabian (SPD), der Architekt des neuen Bildungszentrums Manfred Ludes, Stadtrat Josef Vrenegor (CDU), Landtagsabgeordneter Werner Kirstein (CDU), Ratsherr Jakob Klauck (SPD),  Stadtarchivar Paul Fiege sowie – etwas abseits – Herbert Stöckle, den langjährigen Bibliotheksleiter. Die Stadtbibliothek ist allerdings älter als das Gebäude, in dem sie seit 40 Jahren untergebracht ist. Ein Rückblick. Weiterlesen

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Was wird aus dem Mercaden? Die Vermietung der leer stehenden Flächen kommt nicht voran. Und die Revitalisierung des „Marler Stern“ könnte das endgültige Scheitern des Dorstener Einkaufszentrums bedeuten

Das Mercaden im Eröffnungsjahr 2016

Von Helmut Frenzel

22. Oktober 1010. – Es ist bald fünf Jahre her, dass das neue Einkaufszentrum am Lippetor seine Pforten öffnete. Seither ist das Mercaden nicht aus dem Krisenmodus herausgekommen. Schon Ende 2017 musste der Projektentwickler Herbert Krämer das Center Management abgeben, das er seit der Eröffnung im März 2016 inne hatte. Der Investor, die Hessisch-Thüringische Landesbank, traute ihm nicht mehr zu, das Projekt zum Erfolg zu führen. Das Einkaufszentrum war schon mit erheblichen Leerständen gestartet. Wenige Monate später hatten die ersten Geschäfte das Handtuch geworfen und 2017 setzte der Exodus sich fort. Als Koprian iQ 2018 das Center Management übernahm, war die untere Ladenstraße von Leerständen geprägt und auch auf der oberen Ebene gab es Lücken. Der Wechsel zu Koprian war zweifellos von der Erwartung getragen, dass das neue Center Management das Problem lösen und das Mercaden zum Erfolg führen werde. Koprian ließ sich ein Jahr Zeit für die Ausarbeitung eines Maßnahmenplans zur baulichen und gestalterischen Aufwertung der „Mall“. Dafür machte Koprian noch einmal sechs Millionen Euro beim Investor locker. Bei der Vorstellung der Maßnahmen im März 2019 sagte Helmut Koprian, die geplanten baulichen Veränderungen würden die Aufenthaltsqualität wesentlich verbessern und warnte zugleich: er könne nicht garantieren, dass damit das Problem mit den Leerständen erledigt sei. Mit beidem hat er recht behalten. Weiterlesen

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„Eltern bleiben nach der Trennung – Was Ex-Partner für sich und ihre Kinder wissen sollten“ – Das Buch der Dorstener Gerichtspsychologin Marianne Nolde könnte Bestseller werden

Von Wolf Stegemann

Oktober 2020. – Geboren 1955 in Dorsten, Diplom-Psychologin bzw. Fachpsychologin für Rechtspsychologie, Sachverständige im Familienrecht, wohnhaft im Borken. – Ihr 2020 im Knaur-Verlag erschienenes Buch „Eltern bleiben nach der Trennung – Was Ex-Partner für sich und ihre Kinder wissen sollten“ macht Furore. Das Buch wurde überregional in Zeitun-gen und Zeitschriften rezensiert, gelobt und als „Mutmach-Buch für Trennungseltern von einer erfahrenen Familienpsychologin“ empfohlen. „Kompetenter Rat, verständnisvoll und persönlich im Ton.“ Rundfunkanstalten berichteten, auch der Schweizer Rundfunk brachte ein Interview mit der Autorin. Offensichtlich hat sie damit ein Thema angesprochen, das immer wieder und ganz persönlich Familien und Beteiligte im Kern trifft. Auf 190 Seiten hilft Marianne Nolde den Eltern mit Ratschlägen, damit deren Kinder den Sorgerechts-streit und die Folgen möglichst gut überstehen. Marianne Nolde schrieb das Buch in einem persönlichen gehaltenen Stil. Leicht, mitunter humorvoll, vermittelt dennoch gleichzeitig Fachwissen. Es enthält die Essenz ihrer aus 36 Jahren gesammelten Erfahrung als Ge-richtspsychologin und auch der Scheidung der eigenen Ehe mit Kindern. „Es soll Eltern ermutigen und sie dabei unterstützen, ihren ganz individuellen – und möglichst gütlichen – Weg aus der Trennungskrise zu finden“, sagte sie. „Ich würde mich freuen, wenn dadurch der eine oder andere ,Rosenkrieg’ im Vorfeld verhindert werden kann. Mein Anliegen ist es, dass möglichst viele Kinder auch nach der Trennung beide Eltern lieben dürfen und sie als Bindungspersonen behalten.“ Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Grundsteinlegung der ersten Altendorfer Kirche am 10. Oktober 1937 – Kirchbaugeld für die NSDAP-Kasse? – Mit einer Drohung kamen die Altendorfer zu ihrer Kirche

Die einst katholische Kirche gehört heute zur evangelischen Gemeinde

Von Wolf Stegemann

9. Oktober 2020. – »Alles, was das Seelenheil meiner Pfarrkinder fördern kann, ist mir nicht nur heilige Pflicht, sondern auch wahre Herzensangele­genheit.« So sprach Ludwig Heming, Pfarrer von St. Agatha, als er bei »seinen lieben Pfarrkindern« Anfang Februar 1934 in Altendorf-Ulfkotte weilte. In dieser Versammlung in der Wirtschaft Kremerskothen gab er seine Genehmigung zum Kirchenbau in Altendorf-Ulfkotte. Die Altendorfer Bauern hatten dabei massiv nachgeholfen: Sie drohten, die Kirchbau-Kasse des Kirchbauvereins der NSDAP zu übergeben, wenn nicht in kürzester Zeit die Baugenehmigung erteilt würde. Die Dro­hung hatte Wirkung. Dem Kirchbauverein gehörte nämlich als zweiter Vorsitzender der Ortsbauernführer, Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Schulte-Hemming (Foto, re.) an. »Der Kapellenbau in Altendorf-Ulfkotte wird nur dann zustandekommen«, so redete der Pfarrer auf seine »Abtrünnigen« ein, »wenn Einigkeit in der Gemeinde herrscht. Einigkeit macht stark! Alle Sonderinteres­sen müssen zurückgestellt werden, keiner darf sich bei den Sammlungen ausschließen (…) An Gottes Segen ist alles gelegen.« Zugleich wählte man in den Vorstand des Kirchbauvereins: Bauer Felix Breil (1. Vorsitzender), Ortsbauernführer und NSDAP-Ortsgruppenleiter Willi Schulte-Hemming (Stellvertreter), Hauptlehrer Felix Jaworski (Schriftführer) und Franz Fahne­brock jr. (Kassierer). Weiterlesen

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Das Ergebnis der Ratswahlen weckt Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der kommunalen Demokratie in Dorsten. Das ist auch im Interesse der gedemütigten Ratsparteien

Dorstener Rathaus – hier wird Politik gemacht; Foto: H. Frenzel

Analyse von Helmut Frenzel

2. Oktober 2020. – Das Ergebnis der Kommunalwahl am 13. September 2020 hat die politische Landschaft in Dorsten verändert. Die CDU hat mit 53 Prozent die absolute Mehrheit der Stimmen errungen, sechs Prozentpunkte mehr als 2014. Im Rat der Stadt hält sie künftig 23 der 44 Sitze und kann ihre Vorhaben und die des Bürgermeisters anders als bisher ohne die Unterstützung anderer Parteien umsetzen. Dieser Wahlerfolg ist durchaus bemerkenswert. Zuletzt erreichte die CDU 2004 die absolute Mehrheit mit 51 Prozent und 1999 mit 53 Prozent und davor in den 1970er Jahren. Nun also kann die CDU, die zugleich den Bürgermeister stellt, allein regieren. Von den anderen Parteien, die schon im letzten Rat vertreten waren, konnten sich nur die Grünen verbessern. Ihr Stimmenanteil verdoppelte sich auf 14 Prozent. Damit sind die Grünen auf dem besten Weg, die SPD als zweitstärkste Ratsfraktion demnächst abzulösen. Demgegenüber wurden die FDP und Die Linke pulverisiert. Ihr Stimmenanteil halbierte sich nahezu auf unter drei Prozent. Sie stellen noch je ein Ratsmitglied und haben damit ihren bisherigen Fraktionsstatus verloren. Das bedeutet, dass sie künftig kaum noch Einfluss haben. Am härtesten traf es die SPD. Sie verlor ganze 16 Prozentpunkte gegenüber 2014; ihr Stimmenanteil schrumpfte von 34 Prozent auf nur noch 18 Prozent. Von ihren bisherigen 15 Sitzen behält sie noch acht. In der Vergangenheit bildete sie dank ihrer Stärke ein Gegengewicht zur CDU-Fraktion. Davon kann jetzt kaum noch die Rede sein. Weiterlesen

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Er war einmal und ist nicht mehr … und wird’s kaum wieder werden!

Tisas Marktbrunnen wie er einmal war! Im Oktober 1996; Foto: Holger Steffe (DZ)

21. September 2020 / W. St. – Brunnen gehören zur architektonischen Idylle und Gemütlichkeit einer Stadt. So auch der inzwischen verschwundene Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz (obiges Bild). Mit dem vorherigen Bürgermeister fing es an, Brunnen in der Stadt aus diesen oder jenen Gründen „einzustampfen“, was der aktuell amtierende Bürgermeister nun mit dem Tisa-Brunnen fortsetzt – nach dem Motto: Erst mal weg, dann seh’n wir mal! Darüber wurde in den Medien schon viel veröffentlicht – auch die Stimmen aus der Bevölkerung, die mehrheitlich den Brunnen wieder aufgebaut wissen wollen. Bürgermeister und Politik stimmten dem schon im Sommer zu und versprachen eine Beteiligung der Bürger. Bleibt abzuwarten, wie Ausschüsse und Rat entscheiden. Ob sie beim Beschluss vom Juni bleiben, dort wieder einen Brunnen aufzubauen und damit irgendwie die Erinnerung an die Künstlerin Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula) wach zu halten. Bleibt zu hoffen, dass nicht eine wie immer aussehende Steinkiste aufgestellt wird und die originalen Brunnentafeln nicht irgendwo in Hervest verkümmern. Da die künstlerisch gestalteten Tafeln verrottet sind, sollten davon originalgetreue Repliken angefertigt werden und der Brunnen mit diesen Repliken so gestaltet werden, wie er war. Also eine originalgetreue Nachbildung. Das ist die Stadt der Künstlerin schuldig, die die Tafeln nicht geschaffen hat, um an irgendeiner Wand zu hängen, sondern ganz speziell für diesen Brunnen. Nur in dieser Verbindung ist und bleibt der Brunnen ein Kunstwerk von Sr. Paula. Es wäre beschämend, wenn die Stadt eine andere Entscheidung träfe. Die Stadt hatte Tisa von der Schulenburg zu ihrer Ehrenbürgerin erhoben, sie hofiert und stets geehrt und sich mit Stolz in deren überregionaler und sogar internationaler Verehrung als Stadt gesonnt, wie beispielsweise bei ihrer in den 1980er-Jahren durchgeführten Ausstellung im Rat der Gemeinden Europas in Straßburg. Eine hochrangige städtische Delegation fuhr hin und der Dorstener Bürgermeister hielt vor internationalen Politikern die Lobrede auf die Dorstener Künstlerin – und, der Schreiber dieser Zeilen war dabei, unter den ausgestellten Bildern war auch dieser Dorstener Brunnen. Und heute? Der Bürgermeister überschlägt sich in der Brunnendiskussion vor Lobeshymnen auf Tisa von der Schulenburg und zieht dennoch öffentlich in Erwägung, den Brunnen anders gestalten zu lassen – natürlich wieder mit Beteiligung der Bürger. Man darf gespannt sein. Erstens, wie das geht und zweitens, was herauskommt!

Zeichnung von Tisa von der Schulenbrg aus den 1960er-Jahren

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Das Stadtbild der Innenstadt wird immer mehr von der Außenwerbung der Geschäfte geprägt. Es fehlt oft die Liebe zum Detail, was die Stadt liebens- und lebenswerter machen würde

“Hotel Post” am Markt in den 1920er-Jahren

Von Wolf Stegemann

10. September 2020. – Nicht viel Glück hatten Rat und Verwaltung bislang mit der Verabschiedung einer Gestaltungs- bzw. Werbeanlagensatzung, mit der das Stadt- und Straßenbild mit überdimensionalen, bunten Werbeanlagen nicht weiter dominiert werden sollte. 1985 kamen sich Stadtverwaltung und Kaufleute im Bestreben, die Altstadt von unpassenden Werbeanlagen zu befreien und neue nicht mehr zuzulassen, ziemlich nahe. Ein Sprecher der Kaufmannschaft zu dem Vorhaben der Stadt: „Wir sitzen mit Ihnen gerne in einem Boot!“ Als es allerdings darum ging, das Boot zu betreten, d. h. Kaufleute ihre Werbeanlagen reduzieren sollten, ohne dass die Stadt dafür bezahlte, war der Konsens zwischen Stadt und Kaufmannschaft wieder aufgehoben und eine Außenwerbungssatzung bis heute trotz geltender Gestaltungssatzung nicht durchsetzbar. Die Präambel der Gestaltungssatzung gibt Auskunft über deren Sinn: Weiterlesen

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Zehn Gebote des Bürgermeisters: Die „Dorstener Erklärung“ sollte ein Manifest gegen rechts werden – das wurde sie nicht! Der Begriff Demokratie weckt nicht erfüllte Erwartungen

Hinweis auf die “Dorstener Erklärung” am Alten Rathaus 2018/19

Kritischer Blick auf das Papier, von Helmut Frenzel

4. Sept. 2020 – Die Sitzung des Rates am Mittwoch dieser Woche hatte es in sich. Unter Punkt eins der Tagesordnung ging es um die Verabschiedung der sogenannten „Dorstener Erklärung“ zu Menschenwürde, Demokratie und Respekt, einem Lieblingsprojekt des Bürgermeisters Tobias Stockhoff. Er hatte 2018 das Projekt erfunden und auch den Titel vorgegeben. Die Bürger wurden eingeladen, sich zu beteiligen, die Leitung übernahm ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Herausgekommen sind 10 Punkte, wobei die Zahl 10 bestimmt nicht ohne Absicht Assoziationen weckt. Die Punkte kommen zwar nicht als Gebote daher, doch ist der unterschwellige Ton der Selbstverpflichtung nicht zu überhören. Das ist ganz nach dem Geschmack des Bürgermeisters und trägt unzweifelhaft seine Handschrift. Der Rat nahm die Erklärung mit den Stimmen aller Mitglieder an und nun soll sie den Bürgern vorgelegt werden verbunden mit der Einladung, sich durch Unterschrift hinter sie zu stellen. Weiterlesen

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Meinungen über die neue städtische Kindertagesstätte in Holsterhausen: Für Kinder ein dunkles bunkerähnliches Gebilde – Passanten schütteln nur den Kopf

Front der Kindertagesstätte an der Breslauer Straße (27. August); Fotos (2): Stegemann

Eigene und wiedergegebene Meinungsäußerungen von Wolf Stegemann

1. September 2020. – Die „Dorstener Zeitung“ veröffentlicht derzeit die Ergebnisse ihrer Online-Umfragen, inwieweit die Leser der Zeitung zufrieden sind mit der Arbeit der Stadtverwaltung in den unterschiedlichen Bereichen. Mehrheitlich positiv regierten Leser jetzt zum Thema Kindertagesstätten (Kitas). Rund 10 Prozent sind mit den Betreuungsangeboten voll und ganz zufrieden, die weiteren Prozente teilen sich auf in eingeschränkte bis zur vollständigen Ablehnung (7 Prozent). Auf den fehlenden Bedarf an Kitas reagierte die Stadt schon im letzten Jahr mit dem Bau von vier Kindertagesstätten in Wulfen-Barkenberg, Hervest, auf der Hardt und in Holsterhausen. Weiterlesen

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Das Verwirrspiel um die wirtschaftliche Lage der Stadt geht 2020 weiter. Jetzt muss wegen der Corona-Belastung gespart werden. Der Bürger guckt in die Röhre

Im Rathaus wird die Finanzpolitik ausgedacht und gemacht; Foto: Helmut Frenzel

Von Helmut Frenzel

27. August 2020. – Die Corona-Pandemie hinterlässt in den öffentlichen Haushalten tiefe Spuren. Infolge der Wirtschaftskrise sinken die Steuereinnahmen, zugleich steigen die Ausgaben für Hilfsprogramme, die den Untergang ganzer Wirtschaftszweige verhindern sollen. Das trifft in erster Linie Bund und Länder, aber auch die Kommunen sind betroffen. Mit ihren Anteilen an Umsatz- und Einkommensteuer und den Schlüsselzuweisungen des Landes hängen sie an denselben Finanzquellen. Das trifft Städte und Gemeinden hart, weil damit der Haushaltsausgleich auf dem Spiel stehen kann, und besonders hart diejenigen, die kurz vor dem Abschluss der Haushaltssanierung stehen. Grundlage dafür war das Stärkungspaktgesetz des Landes NRW. In einem auf zehn Jahre angelegten Sanierungsprozess sollten die betroffenen Gemeinden in die Lage versetzt werden, ihren jährlichen Haushalt wieder aus eigener Kraft auszugleichen. 2021 wäre das letzte Jahr in dieser Reihe. Dorsten war eine der „Stärkungspakt-Gemeinden“ und erreicht unter dem Diktat des Gesetzes das Ziel des Haushaltsausgleichs – jedenfalls geht es so aus dem Doppelhaushalt 2020/21 hervor.

Entgegen anders lautenden Behauptungen haben die Bürger den Haushalt saniert – mit ihren Steuern und Abgaben, die sich am oberen Anschlag des Machbaren oder Zulässigen bewegen, aber auch mit dem erzwungenen Verzicht auf städtische Leistungen, zum Beispiel im Bereich der Infrastruktur oder anderen kommunalen Leistungen. Sie können erwarten, dass mit dem Ende der Haushaltssanierung die Stadt eine Haushaltspolitik verfolgt, der einen Weg zurück zu „normalen“ Verhältnissen auch im Hinblick auf Steuersätze und Abgaben vorzeichnet. Dabei wird es allem Anschein nach darum gehen, ob und in welchem Ausmaß die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise eine Rolle spielen.

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Vor 50 Jahren, am 25. August 1970, drehten der NDR und die BBC in Wulfen einen Film und verglichen die Planungen und Probleme der beiden „Neue Städten“: das hiesige Barkenberg mit dem englischen Runcorn

Metastadt in Barkenberg, um 1975, inzwischen abgerissen

Von Wolf Stegemann

24. August 2020. – Die Barkenberger mochten erstaunt gewesen sein, als sie am 25. August 1970, also am Dienstag vor genau 50 Jahren, zwei Kamerateams in den Straßen und Wohnanlagen der „Neuen Stadt“ Barkenberg filmen sahen. Die einen sprachen Deutsch und waren vom Norddeutschen Rundfunk Hamburg (NDR), das andere Team kam von der britischen TV- und Rundfunkanstalt BBC in London. Die beiden Teams filmten dann auch im englischen Runcorn, etwa zehn Kilometer vom Liverpool entfernt, weil dort zeitgleich mit ähnlichen Problemen eine „Neue Stadt“ gebaut wurde. Beide Stadtplanungen, die von Barkenberg und die von Runcorn, wurden in dem Film verglichen. Das Thema war damals wohl so aktuell, dass der NDR-Journalist Volker Petzold 1972 über die Vergleiche im rororo tele-Verlag ein Taschenbuch mit dem Titel „Modelle für morgen – Probleme von Städtebau und Umweltplanung“ herausgab, in dem er zwei „Neue Städte“ beschrieb, eben Wulfen-Barkenberg und die „Neue Stadt“ Runcorn in England. Weitere acht Beschreibungen berichten von „neuen Regionen“ (Alsfeld/Hessen, Lambeth in Groß-London, Grafschaft Durham in England) sowie von neu entwickelten Erholungslandschaften inmitten ausgedehnter Industriegebiete (im Ruhrgebiet, rheinischen Braunkohlenrevier, im Nordosten von Groß-London).

Volker Petzold, Regisseur und Journalist beim NDR: „An allen diesen Beispielen zeigt sich die Notwendigkeit, die Planung nicht allein einer zuständigen Obrigkeit anzuvertrauen, sondern die betroffene Bevölkerung an den Überlegungen zu beteiligen.“ In dem NDR/BBC-Film werden die Planungen in Barkenberg 1970 als kinderfreundlich, die wabenförmige Verkehrsverbindung als vortrefflich und der soziale Wohnungsbau als vielfältig dargestellt. Allerdings galt der Wohnungsbau als Hauptproblem. Denn nach staatlicher Maßgabe war Barkenberg fast ausschließlich im sozialen Wohnungsbau zu errichten. „Umso erfreulicher die Vielfalt.“ Weiterlesen

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Brunnen-Debatte (IV): Leserbriefe an die „Dorstener Zeitung“ – die darin fast durchgängig harsche Kritik an der Verwaltung und Politik sollte hellhörig machen

15. Juli 2020 / W. St. – Das Entfernen des Tisa-Brunnens am Markt durch die Verantwortlichen im Rathaus – wir berichteten darüber – hat bei der Dorstener Lokalzeitung einen Ansturm an Leserbriefen ausgelöst mit einer vorher nicht dagewesenen heftigen Kritik. Wir haben die Leserbriefe an die „Dorstener Zeitung“ zusammengestellt, damit sich unsere Leser/innen ein zusammenhängendes Bild über die Meinungen der DZ-Leserbrief-Schreiber machen können. Leserbriefe schreiben, sie veröffentlichen und lesen, ist – so die Medienforscher – eine professionelle Form der Kommunikation. Leserbriefe, die es in der Geschichte des Journalismus seit dem 18. Jahrhundert gibt, können aber noch mehr: Sie rücken wichtige Themen ins öffentliche Bewusstsein. Von Theo Sommer, Historiker und Publizist, früherer Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, stammt die Aussage: „Die Presse spiegelt in Leitartikeln und Leserbriefen zugleich die Stimmung des Menschen wider.“ Im Falle des Tisa-Brunnens sollten auch die Lokalpolitiker auf diese Stimmung hören. Weiterlesen

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Brunnen-Debatte III: Die Inschriften dokumentieren die Geschichte der Stadt. Doch der Zahn der Zeit nagte am Brunnen, so dass die Texte kaum noch zu lesen waren. Aber hier!

Abbau des Tisa-Brunnens 2020; Foto: DZ entnommen

Von Wolf Stegemann

Um den Tisa-Brunnen am Marktplatz, den die Stadt entfernen ließ, entstand vor Wochen eine öffentlich hart geführte Debatte über den Sinn dieses Brunnenkunstwerks der Dorstener Künstlerin Tisa von der Schulenburg (Foto), die als S. Paula im Ursulinenkloster lebte. Die Meinung der Verwaltung und Politik, den Brunnen nicht als ganzheitliches Kunstwerk zu sehen und es daher auseinanderzunehmen, stieß auf großen Widerstand in der Bevölkerung und auch von Kunstkennern, nicht aber beim Kunstbeirat der Stadt und im Stadtrat. Doch die anhaltende Kritik auch am Kunstverstand der Gremien in diesem Falle wird die Lokalpolitiker hoffentlich zur Einsicht bringen, den Brunnen, der in den 60 Jahren seines Bestehens am Ende einer umfassenden Restaurierung bedarf, wieder aufzustellen. Zu hoffen ist aus Sicht der meisten Dorstener, die sich geäußert haben, dass zumindest eine Replik des originalen Tisa-Brunnens wieder aufgestellt wird.
Immer wieder tauchte in den Debatten der Hinweis auf, dass der Brunnen über die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen berichtet. Doch lesbar waren etliche Texte wegen seines Verfalls kaum noch. Daher veröffentlichen wir hier die Texte von Sr. Paula, die, in Stein graviert zusammen mit bildnerischen Darstellungen den Brunnen zum Kunstwerk machen. Die auf dem Brunnenrand in Beton eingeritzten chronologisch angeordneten Texte sind hier in der originalen Schreibweise mit Punkt, Komma und Abkürzungen wiedergegeben. Wie der gesamte Brunnen, so ist auch in den Texten als Ganzes Sr. Paulas „Handschrift“ erkennbar, ihr Denken und ihr Fühlen für die Stadt, in der sie 51 Jahre lang lebte. Das kommt besonders in den Texten über die Zeit des Nationalsozialismus, über den Widerstand und den Wiederaufbau danach zum Ausdruck. Dazu äußerte sich Sr. Paula 1963: Weiterlesen

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Stadtfinanzen 2019: Ein Blick in die Berichtsvorlage der Stadt bringt einen Spekulationsverlust in Millionenhöhe zutage. Der Stadtkämmerer schweigt dazu

Dorstener Rathaus. Hier wurde auch mit Millionensummen spekuliert; Foto: Frenzel Rathaus

Von Helmut Frenzel

3. Juli 2020. – In der letzten Sitzung des Rates vor den Sommerferien Mitte Juni hatte Stadtkämmerer Hubert Große-Ruiken seinen großen Auftritt. Er konnte für das Haushaltsjahr 2019 das seit Menschengedenken beste Jahresergebnis der Stadt Dorsten verkünden. Anlass war der Sanierungsbericht an die Bezirksregierung, dem in Kürze der förmliche Jahresabschluss folgt. Der Stadtkämmerer sprach mehrmals von einem „sehr guten Ergebnis“, den gefeierten Überschuss selbst bezifferte er nicht. Das entspricht den Üblichkeiten im Dorstener Stadtrat. Die Haushaltspläne werden öffentlich zelebriert, zumeist mit der Drohung, dass der Haushaltsausgleich mal wieder gefährdet sei und man unbedingt noch Sparpotentiale mobilisieren müsse. Das Ergebnis, das nach Ablauf eines Jahres festgestellt wird, ist dagegen nicht der Rede wert, insbesondere nicht der öffentlichen Rede. Das scheint ja auch nicht nötig, denn in der Berichtsvorlage wird das Ergebnis ausführlich behandelt und sie kann jeder im Rats- und Informationssystem der Stadt aufrufen und sich informieren. Für diejenigen, die das nicht tun, nennen wir den Überschuss hier: er beträgt 10,6 Millionen Euro. Aber dass im Rat ein glänzendes Ergebnis wie das von 2019 mit einem solchen kaum zu überbietenden Desinteresse behandelt wird, gibt schon zu denken. Auch in der lokalen Presse kein Wort darüber. Weiterlesen

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Brunnen-Debatte II: Sr. Paula sah in dem Objekt stets eine Ganzheit von Brunnen und Kunst. Darüber gibt es Dokumente. Rat und Kunstbeirat sehen das offensichtlich nicht so

Von Wolf Stegemann – teils kommentierend

25. Juni 2020. – Der Rat der Stadt Dorsten verabschiedete am 24. Juni den 14. Punkt der Tagesordnung. Bürgermeister Tobias Stockhoff  leitete die Debatte mit den Worten ein, dass jetzt ein „hochspannender Punkt“ behandelt werde – der Tisa-Brunnen. Doch spannend waren weder die weiteren Einlassungen des Bürgermeisters noch die Beiträge der Fraktionsvorsitzenden, über die hier wenig berichtet werden kann. Denn wer mit umgeschnallter Maske am Mikrofon und nicht ins Mikrofon sprach, der war zumindest in den hinteren Rängen der Petrinum-Aula kaum oder gar nicht zu verstehen. Genauso spannungslos war auch das einstimmige Abstimmungsergebnis des Beschlussvorschlags der Fraktionsvorsitzenden: Die „Originalkunstwerke“ des Brunnens werden gesichert und der Öffentlichkeit (irgendwo) zugängliche gemacht. Mit dem Nachfolgebrunnen soll die „Wertschätzung“ von Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula) zum Ausdruck kommen. Ins Gespräch brachte der Bürgermeister dabei die Geschwister-Scholl-Säule an der gleichnamigen Schule. Wie das allerdings gemeint war, ließ er offen, ebenso in der nachgereichten schriftlichen Presseerklärung. Es fragte auch keiner danach. Doch soll an allen Vorhaben bezüglich des Brunnens die Bevölkerung mitwirken. An der bisherigen Mitwirkung und über die medialen Veröffentlichungen übte der Bürgermeister Kritik: In der wie erwartet emotional geführten öffentlichen Diskussion um die Zukunft des Tisa-Brunnens auf dem Marktplatz hätten einige Argumentationsstränge den ursprünglich sehr sachlichen und konstruktiven Kurs verlassen. So hätte sich der – falsche! – Eindruck verfestigt, die Stadt Dorsten betreibe den dauerhaften Abbau des Kunstwerks. Soweit zur Ratssitzung und deren Beschluss. Weiterlesen

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Brunnen-Debatte I: Verwaltung und Rat der Stadt fehlt offensichtlich der Sinn für Kunst im öffentlichen Raum und für das Wohlbefinden der Bewohner. – System?

Sr. Paula an ihrem zeitweise bepflanzten Brunnen

Von Wolf Stegemann

21. Juni 2020. – Schon lange nicht mehr hat ein Thema die Dorstener so beschäftigt und größtenteils auch erzürnt wie der nicht gerade freundliche Umgang der Stadtverwaltung und auch der Lokalpolitik mit dem Thema Brunnen. So wie „die im Rathaus“ darüber sprechen und dann handeln, meist widersprüchlich, mutet befremdlich und bürgerfern an. Und das ist es auch. Viele Bürger lassen ihren Unmut in Leserbriefen in der „Dorstener Zeitung“ aus. Aktuell geht es um den Verbleib des bekannten Tisa-Brunnens am Marktplatz. Er steht dort seit 1962. Die in Beton geformten Tafeln rund um das Brunnengehäuse erzählen die jahrhundertealte Geschichte der Stadt in Bildern und Eingravierungen. Für den Marktplatz hatte ihn die Künstlerin Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula) geschaffen. Dafür hat ihn die Stadt auch als Spende der Sparkasse angenommen. Nach 58 Jahren muss der Brunnen nun restauriert werden, wie wohl jedes Denkmal dieser Art nach einer gewissen Zeit. Doch die Stadt tut sich damit schwer. Nicht etwa, weil kein Geld vorhanden wäre. Denn davon kann nach einem Haushaltsüberschuss im vergangenen Jahr in zweistelliger Millionenhöhe, der zudem zu 95 Prozent ungeplant war, gewiss nicht die Rede sein. Bürgermeister und Verwaltung fehlt offenbar der Sinn für die Rolle von Brunnen für die Aufenthaltsqualität in der Stadt. Das haben die Betreiber des Mercaden besser verstanden. Sie werden das ums Überleben ringende Einkaufszentrum demnächst um einen Brunnen bereichern – ja, mit einem Brunnen! Weiterlesen

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Spekulationsverlust verhagelt Jahresergebnis 2019 der Stadt Dorsten. Jetzt befasst sich der Haupt- und Finanzausschuss mit der Berichtsvorlage – ohne den vorgeschriebenen Abschlussbericht des Bürgermeisters

Dorstener Rathaus. Hier wird über die Stadtfinanzen bestimmt; Foto: Frenzel Rathaus

Von Helmut Frenzel

4. Juni 2020. – Am Mittwoch nächster Woche findet eine Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Bericht der Verwaltung an die Kommunalaufsicht zum Stichtag 15. April 2020. In der Vorlage der Verwaltung ist zu lesen, dass die Bezirksregierung den Kommunen für das laufende Jahr Erleichterungen bezüglich ihrer Berichtspflichten zum Fortgang der Haushaltssanierung eingeräumt hat. Die regulären Berichte zum Ende des ersten und des zweiten Quartals 2020 entfallen. Einen Bericht über den Stand der Haushaltskonsolidierung soll es erst wieder zum Stichtag 30. September dieses Jahres geben. Das bedeutet, dass der Rat und die Bürger voraussichtlich erst im November einen Überblick über die Haushaltslage ihrer Stadt bekommen werden. Als Grund wird die Corona-Krise angeführt. Tatsächlich ist unübersehbar, dass das zeitweilige Herunter- und langsame Wiederhochfahren der Wirtschaft erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt der Städte und Gemeinden hat. Während krisenbedingte Mehraufwendungen sich relativ rasch im Zahlenwerk niederschlagen dürften, werden sich Einnahmenausfälle, vor allem bei den Steuern und den Schlüsselzuweisungen, erst mit Verzögerung einstellen. Dasselbe gilt für die Finanzhilfen für die Kommunen, die aktuell beschlossen wurden. Die Ergebnissituation der Kommunen könnte deswegen für geraume Zeit recht unübersichtlich sein. Ob das die Streichung der Berichte an die Finanzaufsicht rechtfertigt, sei dahin gestellt. Weiterlesen

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Chronologie des Umgangs mit der Corona-Pandemie in Dorsten (I) – Das weltumspannende Thema beherrscht so den Alltag, dass es mehr verwirrt als informiert. Dorsten im März 2020

Zusammengestellt von Wolf Stegemann

14. Mai 2020. – Dies ist eine chronologische Zusammenstellung aller Maßnahmen, mit denen der Staat gegen die Ausbreitung des Virus zu bremsen versuchte und wie und wann sie mit welchen Folgen von der Stadtverwaltung umgesetzt wurden.  Kaum jemand hätte das Arsenal an Maßnahmen für möglich gehalten, zumal auch executiv Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden. Geschäfte, Restaurants, Museen, Schulen, Kitas schließen. Ganze Belegschaften wechseln ins Homeoffice, Produktionsketten kommen zum Erliegen. Sportveranstaltungen werden abgesagt. Grenzen werden dichtgemacht, Sperrzonen eingerichtet, Versammlungsverbote sowie Ausgangsbeschränkungen erlassen. Die Maßnahmen gegen das Virus haben auf Dauer immense soziale, ökonomische und auch juristische dort, wo gegen die eine oder an der Maßnahme geklagt wird.
Dorsten ist ein winziges Puzzleteilchen in dieser Corona-Welt. Das Corona-Virus macht alle gleich, doch nicht die Behandlung. Wie Dorsten und seine Bürger damit umgehen dokumentiert täglich die „Dorstener Zeitung“, die dieser umfangreichen Chronologie als Informationsquelle diente und dient. Denn sie wird fortgeschrieben. Wer den Überblick mit den Ereignisse der Tage liest, wird sicherlich feststellen, wie die immer wiederkehrenden und veränderten Texte über Gebote, Verbote und Maßnahmen fassungslos machen. Verwirrend ist, was die Politik immer wieder neu entscheidet und fast wöchentlich verändert. Und all dem müssen Stadtverwaltungen und ihre Dienststellen folgen, was nicht immer funktionieren kann. Das verunsichert die Bürger, die dann nicht wissen,was eigentlich Sache ist. Die hier chronologisch dargestellte lokalbezogene Corona-Krise wird in Fortsetzungen unter dem Stichwort „Corona-Pandemie“ weitergeschrieben, denn wir befinden uns noch mitten in der Krise. Weiterlesen

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Chronologie des Umgangs mit der Corona-Pandemie in Dorsten (II) – Das weltumspannende Thema beherrscht so den Alltag, dass es mehr verwirrt als informiert. Dorsten im April 2020

Zusammmengestellt von Wolf Stegemann

Altkleider-Stopp. Aktuell scheinen viele Dorstener ihre Kleiderschränke auszumisten. Die Folge ist, dass die Altkleider-Container überfüllt sind (Foto). Daher ruft die Stadtverwaltung zu einem Altkleider-Stopp auf und fordert die Dorstener auf, ihre alte Kleidung vorerst noch im Keller zu lagern. Denn die Weiterverwendung der Textilien ist durch die Viruskrise stark eingeschränkt. Hochgerechnet kämen in drei Monaten der Krise rund 200 Tonnen Altkleider zusammen, die eine Lagerfläche von rund 600 qm benötigten.
Corona-Kosten zahlen in Dorsten noch die nachfolgenden Generationen ab. Die Bezirksregierung Münster hat im April den Doppelhaushalt der Stadt Dorsten für 2020 und 2021 genehmigt. Die Stadt verfügt damit für zwei weitere Jahre über eigene Handlungsfähigkeit. Doch das Zahlenwerk, entstanden vor der Krise, ist nach Ausbruch der Corona-Pandemie Makulatur. Dorstens Stadtkämmerer rechnet mit mehreren Millionen Euro, die 2020 verloren gehen werden“. Neben der Höhe der Gewerbesteuer ist auch der Anteil an der Lohn- und Einkommensteuer völlig unklar. Das Land NRW will nach ersten Informationen einen „Rettungsschirm“ über den Kommunen aufspannen. Die Kosten der Corona-Krise sollen ab 2025 auf 50 Jahre verteilt werden. Eine Beispielrechnung: Wenn die Pandemie die Stadt in diesem Jahr 10 Millionen Euro kostet, müsste Dorsten ab 2025 jährlich zusätzlich 200.000 Euro zurückzahlen. Bis zum Jahr 2075. Doch derzeit ist noch vieles – wenn nicht alles – alles ungewiss. Weiterlesen

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Chronologie des Umgangs mit der Corona-Pandemie in Dorsten (III) – Das weltumspannende Thema beherrscht so den Alltag, dass es mehr verwirrt als informiert. Dorsten im Mai 2020

Zusammengestellt von Wolf Stegemann

Die Coronakrise legt den Wahlkampf um das Bürgermeister-Amt im September lahm. Das bekannte politische Schaulaufen – auch in der Dorstener Zeitung – des amtierenden und stets lächelnden Bürgermeisters Stockhoff (CDU) – auch und vor allem in der Lokalzeitung – und seiner Herausforderin Jennifer Schug (SPD) ist zumindest minimalisiert. Weiterlesen

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Ein freier Arbeitstag – des Bürgermeisters „Anerkennungsgeschenk“ an Mitarbeiter. Das gab es schon in Ratzeburg, wo der Bürgermeister dann diesen Tag selber zahlen musste

Von Wolf Stegemann

Mit Stand Januar 2020 haben sich auf dem Arbeitszeitkonto der städtischen Mitarbeiter in Dorsten 28.158 Überstunden angesammelt. Die Zahl ist seit Jahren ziemlich konstant, so Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage der „Dorstener Zeitung“. Diese rund 28.000 Überstunden betreffen allerdings nur 570 Mitarbeiter im Rathaus, die ihre Arbeitszeit elektronisch erfassen. Die Überstunden der Mitarbeiter aus gewerblichen Bereichen und der Kindergärten sind da nicht mit eingerechnet. Der Abbau von Überstunden ist sowohl durch Freizeitausgleich wie auch die Auszahlung der Überstunden möglich. Die Stadtkämmerei ist verpflichtet, für angefallene Überstunden Rückstellungen in der Bilanz zu bilden, und das hat sie auch getan. Im Jahresabschluss 2018 steht in der Anlage Nr. 3 auf Seite 173  (kleiner Hinweis an den Bürgermeister: wie einfach für den Bürger, dies zu finden!), dass für Überstunden  738.000 Euro als Aufwand eingestellt sind. Dieser Betrag ist im Ergebnis der Stadt also längst berücksichtigt, aber eben noch nicht gezahlt. Warum das Geld nicht ausgezahlt wird, wenn man die Überstunden wegen Personalmangels nicht in Freizeit abgelten kann, ist ein Rätsel. Die Auszahlung und damit die Bereinigung dieses Bilanzpostens muss man als einen Bestandteil der Haushaltssanierung begreifen. Wann, wenn nicht in Zeiten hoher Haushaltsüberschüsse, soll das denn geschehen? Im November 2019 hat der Stadtrat im Zuge der Verabschiedung des Haushalts 2020 im Gegenteil beschlossen, zur Einsparung von Kosten 15 bis 20 Stellen temporär oder dauerhaft nicht wieder zu besetzen. Diese Maßnahme wird die Überstundenkonten des Personals weiter erhöhen. Ist wirklich keine Lösung in Sicht, wie das immer verkündet wird?

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Blick in den Ratssaal – Wird Dorstener Politik noch vom Stadtrat gemacht oder vom allgegenwärtigen Bürgermeister? Ein Plädoyer für die Wiederbelebung der kommunalen Demokratie

Dorstener Rathaus. Hier wird die Stadtpolitik gemacht; Foto: Frenzel Rathaus

Von Helmut Frenzel

23. Januar 2020. – Im September dieses Jahres finden in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen statt. Bürgermeister und Stadtrat sind neu zu wählen. Obwohl die Ausübung des Stimmrechts in einer repräsentativen Demokratie für die Bürger die einzige Gelegenheit ist, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen, ist ihr Interesse im Falle der Kommunalwahlen erfahrungsgemäß gering, auch in Dorsten. 2014 lag die Wahlbeteiligung bei 51 Prozent. Tobias Stockhoff, der erstmals für das Amt des Bürgermeisters kandidierte, verfehlte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und musste sich einem zweiten Wahlgang stellen, an dem nur noch 35 Prozent der Wahlberechtigten teilnahmen. Von denen stimmten zwar 62 Prozent für Stockhoff. Aber die bittere Wahrheit ist, dass Tobias Stockhoff mit den Stimmen von gerade mal 22 Prozent aller Wahlberechtigten ins Amt gewählt wurde. Das sind lausige Ergebnisse, für den Bürgermeister und für den Rat. Aber während der Rat als Ganzes sich noch auf ein Mandat der Hälfte der Wahlberechtigten berufen kann, muss der Bürgermeister damit leben, von weniger als einem Viertel der Wahlberechtigten legitimiert zu sein. Weiterlesen

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Dorstener Schulen auf dem Weg in die Digitalisierung. Es geht nicht nur um Hardware und Internetanschluss – entscheidend ist, wie die neuen Möglichkeiten im Unterricht genutzt werden

Whiteboard in der Neuen Schule Dorsten; Foto Claudia Engel (DZ)

Von Helmut Frenzel

10. November 2019. – Alle reden davon, wie wichtig die Digitalisierung der Schule ist. Dafür stellt die Bundesregierung den Schulen in den nächsten fünf Jahren fünf Milliarden Euro zur Verfügung, Länder und Kommunen müssen ihrerseits 500 Millionen Euro beisteuern. Der überwiegende Teil dieses Geldes ist für die technische Infrastruktur vorgesehen, Kabel, Router und Schaltschränke. Die Schulen sollen überall auf schnelles Internet zugreifen können. Auch interaktive Tafeln (Whiteboards) sind förderfähig und in begrenztem Umfang digitale Endgeräte (Laptops, Tablets). Für diese sieht der Digitalpakt der Bundesregierung einen Anteil von maximal 10 Prozent vor. Die Mittel aus dem Digitalpakt sollen vorrangig für die Schaffung der technischen Voraussetzungen verwendet werden. Der darauf aufbauende Einsatz von Endgeräten ist dann Sache der Länder und Kommunen. Den Schulträgern obliegt es, Mittel aus dem Digitalpakt zu beantragen. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Schulen müssen dazu Medienkonzepte vorlegen und die Frage beantworten, wie sie die gewünschte digitale Infrastruktur nutzen wollen. Weiterlesen

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