Karl-Ingo Stoffel – Steuerberater, FDP-Lokalpolitiker in Ausschüssen und im Stadtrat, Schützenhauptmann, Orgelspieler in St. Agatha, Posaunist und vieles anderes

Oberst Ralf Kneflowski zeichnet Ingo Stoffel mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold aus

Von Wolf Stegemann

Geb. 1943 in Hohen Neuendorf, bis 2022 in Dorsten; Steuerberater und FDP-Lokalpolitiker. – Wird sein Name genannt, dann erinnern sich etliche Dorstener in erster Linie nicht an seinen Beruf als Finanzwirt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit eigener Kanzlei an der Alleestraße, sondern an ein langjähriges Vorstandsmitglied der FDP, einen Lokalpolitiker und ein Ratsmitglied, an einen Hauptmann der Altstadtschützen und an einen leidenschaftlichen Musiker. Denn Stoffel spielte gern Orgel und blies die Posaune, wo er konnte. Als Schüler besuchte er das katholische Internat in Vechta und wenn seine Schulklasse in der Wallfahrtskirche „Maria Frieden“ an Gottesdiensten teilnahm, spielte er nicht selten das Harmonium. Und in der Klosterkirche des Internats begleitete er die Schulgottesdienste an der Orgel. Daher war er gut vorbereitet, als er nach seinem Zuzug nach Dorsten von 1956 bis 2001 regelmäßig in St. Agatha und St. Johannes die Orgel spielte. In den letzten Jahren war er Mitglied der Blaskapelle St. Marien, mit der er jahrelang den Martinszug begleitete. Jahrzehntelang war er auch Mitglied im Altstadt-Schützenverein, in den er in den 1970er-Jahren eingetreten war. 18 Jahre lang war er Hauptmann der II. Kompanie (Foto unten) und marschierte bei Schützenfesten vorneweg, wo auch immer die Altstadtschützen Auftritte hatten, und machte auch hier Musik. Seine Frau Ute und seine Familie ließen ihm die Zeit, politisch und anderweitig zum Wohl der Stadt, seiner Partei und der Schützen öffentlich zu wirken. Im Stadtverband der Freien Demokratischen Partei (FDP), deren langjähriges Mitglied er war und sie lokalpolitisch nach außen vertrat, strebte er immer nach vorne und hatte auch etliche wichtige Parteiämter inne.

In der Lokalpolitik jahrzehntelang dabei und möglichst vorneweg

1969 stieg er mit 26 Jahren in die Dorstener Lokalpolitik ein, war bis 1975 stellvertretendes Mitglied im Schulausschuss und 1974/75 stellvertretendes Mitglied im Forstausschuss der damaligen Stadtvertretung. Von 1975 bis 1979 war Stoffel sachkundiger Bürger, beratendes Mitglied ohne Stimmrecht im Ausschuss für Liegenschaften und Wirtschaft und als stellvertretendes beratendes Mitglied ohne Stimmrecht im Kulturausschuss. Dem Rat der Stadt Dorsten gehörte er dann von 1999 bis 2014 an. Von 1999 bis 2004 war er erster stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion, gehörte dem Haupt- und Finanzausschuss an, dem Wahlprüfungsausschuss und ab 2002 dem Werksausschuss und als stellvertretendes Mitglied dem Wahlausschuss. Von 2004 bis 2009 war Stoffel erster Stellvertretender Vorsitzender der FDP-Ratsfraktion und Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Von 2008 bis 2014 wirkte er weiterhin als Mitglied in Haupt- und Finanzausschuss, war zweiter Stellvertretender Vorsitzender im Wirtschaftsausschuss sowie im Energiebeirat und stellvertretendes Mitglied im Seniorenbeirat. Nach Beendigung seines Ratsmandats 2014 blieb er bis 2020 stellvertretender Sachkundiger Bürger.

Selbstgereimtes zum politischen Aschermittwoch

Ingo Stoffel zeigte auch immer wieder Humor. Traditionell hatte die CDU jährlich am Aschermittwoch eingeladen – 2017 zu einer öffentlichen Diskussion in den Saal Mass-Timpert. Es kamen neben Bürgermeister Lambert Lütkenhorst auch die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Briefs (beide CDU) sowie 150 Gäste, darunter Lokalpolitiker anderer Parteien, auch Ingo Stoffel von der FDP. Mit dem CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Josef Hovenjürgen (MdL) gab es einen heftigen Schlagabtausch, an dem sich Stoffel allerdings nicht beteiligte. Doch kurz vor der Essenausgabe erkämpfte er sich das Wort. Statt einer Rede erheiterte er den Saal mit einem selbst verfassten Gedicht zu dem politischen Schlagabtausch, das er während der vielen Redebeiträge der anderen zusammenreimte. Die Zuhörer lachten und klatschten Beifall.

2008 das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold

Ingo Stoffel bekam für seine politischen und ehrenamtlichen Aktivitäten mehrere Auszeichnungen. Eine ganz besondere Ehrung, die Zivilisten nur höchst selten widerfährt, wurde ihm im Jahr 2008 in Düsseldorf zuteil. Er erhielt damals das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold (Foto oben). Denn der Steuerberater, Lokalpolitiker, Schützenhauptmann und Musiker Ingo Stoffel hatte sich jahrzehntelang für das gute Miteinander der in Borken stationierten Soldaten des Panzerflugabwehr-Bataillons 7 und ihrer Familien mit der Stadt Dorsten und ihrer Bürgerschaft engagiert. Mit diesem Bataillon bestand seit 1973 bis zur Auflösung der Einheit im Jahre 2005 eine offizielle Patenschaft der Stadt.
Ingo Stoffel hatte nach 51 Jahren Politik in den Ausschüssen als Ratsmitglied und Sachkundiger Bürger 2020 noch immer nicht genug. Denn der mittlerweile 77-jährige Pensionär ließ sich zu den Kommunalwahlen für seine Partei in seinem Wahlbezirk 19 (Altstadt) noch einmal aufstellen. Doch seine Dorstener, die ihm ein halbes Jahrhundert ihr Vertrauen und ihre Stimme gegeben hatten, wollten ihn nicht mehr. Sein politisches Leben war damit endgültig beendet – sein Dasein zwei Jahre später. Er starb 2022.

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Quellen: Altstadtschützen, online (Aufruf 2022). – DZ vom 5. März 2022. – Pressestelle Stadt Dorsten (Ludger Böhne, Auskunft 2022).
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