Rund ums Geld (1): Vom Kaurischneckenhaus über Münzen und Geldscheine zur Kreditkarte – Rheinische Gulden, Taler, Rentenmark, Reichsmarkt, Deutsche Mark, Euro

Antike Münzära: Geld der Römer

Vorbemerkung: Mit diesem Artikel und vier weiteren zum Thema Geld, teils versehen mit Dorstener Befunden, geben wir in fünf Beiträgen einen historischen Überblick über das Geld bis zur Gegenwart. Thema der Beiträge: 1) Vom Kaurischneckenhaus über Münzen und Geldscheine zur Kreditkarte. – 2) Dorstener Münzen. – 3) Inflation vor 100 Jahren. – Vor dem Polizeikommissariat demonstrierten im September 1921 aufgebrachte Holsterhausener gegen die Preissteigerungen. –  4) Notgeld der Stadt Dorsten. – 5) Währungsreform: Deutsche Mark stand für das Wirtschaftwunder, dann kam der Euro, der vor der Verteilung auch in den Bunkern der Muna in Wulfen sicher untergebracht war.

Lebensmittel, Nutztiere, Waffen, Schmuck und Kleidung als Warengeld

„Geld regiert die Welt” ist nur eines von vielen Sprichwörtern, die den großen Einfluss dieses Zahlungsmittels beschreiben. Dabei sind die Formen des Geldes sehr unterschiedlich, wie ein Blick auf seine spannende Geschichte zeigt. Geld be­geg­net uns über­all im täg­li­chen Leben, als Bank­no­ten und Mün­zen, als Buch­geld auf Bank­kon­ten oder als di­gi­ta­les Geld auf Kar­ten und dem Smart­pho­ne. Ent­schei­dend ist nicht, wel­ches Ma­te­ri­al oder wel­che Form Geld hat. Ent­schei­dend ist, dass es all­ge­mein als Zah­lungs­mit­tel ak­zep­tiert wird. Geld muss drei Funk­tio­nen er­fül­len: Die Tausch­mit­tel­funk­ti­on, die Funk­ti­on als Re­chen­ein­heit und die Funk­ti­on als Wert­spei­cher. Selbst in primitivsten Gesellschaften fanden bereits nützliche und wertvolle Gegenstände als Zahlungsmittel Verwendung. Natural- oder Warengeld sind Oberbegriffe für diese Frühformen des Geldes. Dabei wurden im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Dinge benutzt: Lebensmittel, Nutztiere, Waffen, Schmuck und Kleidung. Aber auch die Gehäuse von Schnecken. So ist das nach Raum und Zeit bisher am weitesten verbreitete Zahlungsmittel die Kaurischnecke, die oftmals fälschlich auch als ‘Kaurimuschel’ bezeichnet wird. Kaurischnecken, das bisher erfolgreichste Zahlungsmittel der Weltgeschichte, kamen in weiten Teilen Afrikas und Asiens zum Einsatz. Funde in China lassen sogar darauf schließen, dass die Kaurischnecke dort schon im 2. Jahrtausend vor Christus als Geld genutzt wurde. Bis nach Europa oder nach Kleinasien sind die Kaurischnecken jedoch nicht gekommen.

 Die Entstehung des Münzgeldes – Unförmige Klumpen im 7. Jahrhundert

Dieses Natural- oder Warengeld wurde mit zunehmendem Handel durch Münzen abgelöst, die ausschließlich Geldfunktion hatten. Die ersten Münzen wurden im Königreich Lykien im 7. Jahrhundert vor Christus geschlagen. Dabei handelte es sich um unförmige Klumpen aus einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legdieierung. Das Münzgeld erleichterte den Handel wesentlich und so breitete sich die neue Kulturtechnik des Bezahlens in der Antike von Kleinasien nach Europa aus, auch in Griechenland und in Rom wurden Münzen geprägt. Die antiken Herrscher begannen damit, ihre Porträts auf die Münzen zu prägen, die so nicht nur Zahlungsmittel waren, sondern auch Bildträger. Mit dem Ende des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert nach Christus endete auch die antike Münzära, in der Spätantike und im Frühmittelalter ging der Umlauf von Münzen in ganz Europa stark zurück. Erst im Hochmittelalter, im 12. Jahrhundert, vollzog sich in Italien wieder der Übergang von der Natural- zur Geldwirtschaft und damit kamen auch wieder Münzen auf. Allerdings gab es kein einheitliches Münzsystem wie im Römischen Reich mehr. So kursierten im durch Kleinstaaterei geprägten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation viele verschiedene Währungen. Im Spätmittelalter setzte sich schließlich der Rheinische Gulden als eine Art Leitwährung durch.

Die Entstehung des Papiergeldes in Europa: 1833 in Großbritannien

Das Papiergeld, wie wir es heute kennen, hat sich erst relativ spät durchgesetzt. Dabei taucht Papiergeld als Zahlungsmittel in der Geschichte immer wieder auf, wie zum Beispiel in China im 10. Jahrhundert nach Christus. In Europa wurde es erst viel später eingeführt. Dauerhaftes Vertrauen der Bevölkerung in Papiergeld zu schaffen, gelang erst der Bank of England in Großbritannien. 1833 erklärte die englische Regierung Banknoten zum gesetzlichen Zahlungsmittel und wurde damit zum Vorreiter. Aufgrund der schnell wachsenden Wirtschaft im Zeitalter der Industrialisierung war die Geldversorgung von essentieller Bedeutung. Damit erfolgte die allmähliche Abkehr von Edelmetallwährungen. Das Münzgeld wurde zu Kleingeld. – Foto: Einer der ersten Gelscheine bzw, deren Vorläufer, Großbriztannien 1723.

Rentenmark, Reichsmark, Alliierte Militär-Mark, Deutsche Mark, Euro

Im Sommer 1923 wurde mit sogenanntem „wertstabilem Papiernotgeld“ mit aufgedrucktem „Goldmark“- und „Golddollar“-Bezug versucht, die Inflation einzudämmen. Dieser Versuch scheiterte jedoch. Auf Grundlage der Verordnung über die Errichtung der Deutschen Rentenbank vom Oktober 1923 wurde im Oktober 1923 die Deutsche Rentenbank gegründet. Zu Gunsten der Deutschen Rentenbank wurden Immobilien von Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe zwangsweise mit Hypotheken und Grundschulden belegt. Die Deutsche Rentenbank gab erste neue Banknoten mit dem Datum 1. November 1923 um den 20. November sowie neue Rentenpfennig-Münzen mit der Jahreszahl 1923 an die Bevölkerung parallel zu den umlaufenden hohen Milliarden- und Billionen-Papiermark-Nominalen sowie den in geringerer Anzahl kursierenden wertbeständigen Notgeldbanknoten aus. Die Abkürzung der neuen Währung war „Rent.M“. Die Rentenmark war „kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern Inhaberschuldverschreibung der Rentenbank“. Der Wechselkurs zur Papiermark wurde mit 1:1 Billion festgesetzt, Da die Rentenmark kein gesetzliches Zahlungsmittel war, bestand kein rechtlicher Zwang, sie als Zahlungsmittel anzunehmen (wohl aber mussten alle öffentlichen Kassen sie annehmen). Trotzdem wurde sie von der Bevölkerung sofort akzeptiert. Die Inflation stoppte deshalb schlagartig; man sprach vom „Wunder der Rentenmark“. Zur Akzeptanz trug stark die „Deckung“ der provisorischen Rentenmark durch Grund und Boden bei. Dies war aber eine reine Fiktion; die Rentenmark blieb ausschließlich deshalb wertstabil, weil sie knappgehalten wurde.

Deutsche Markt wurde 1999 durch den Euro abgelöst

Die Rentenbank bestand über das Jahr 1924 hinaus fort und die ausgegebenen Rentenmark-Nominale blieben im Umlauf. Die letzten Rentenmarkscheine zu 1 und 2 Rentenmark, die auf den 30. Januar 1937 datieren, wurden am 5. September 1939 ausgegeben und waren bis zu den Währungsreformen 1948 in allen alliierten Besatzungszonen gültig. Ursprünglich sollte die Rentenmark bis spätestens 1934 vollständig durch die Reichsmark ersetzt werden. Da Rentenmark und Reichsmark vom Namen her praktisch dieselbe Abkürzung „RM“ zur Folge hatten, bestand auch kein Anlass, die Rentenmark zugunsten der Reichsmark abzuschaffen und die umlaufenden Rentenmark-Banknoten konsequent einzuziehen. Man scheute sich offenbar auch davor, erneute Unruhe in der Bevölkerung zu erzeugen, welche die Hyperinflation der Jahre 1922/23 noch in Erinnerung hatte. Nach dem nationalsozialistischen Regime mit der „Reichsmark“ war die „Alliierte Militär-Mark“ Zahlungsmittel, bis es 1948 zu einer umfassenden Währungsreform kam, mit der die Deutsche Mark (DM) eingeführt wurde, die im Zuge der Europäisierung am 1. Januar 1999 durch den Euro abgelöst wurde.

  • Demnächst: Rund ums Geld (2): Dorstener Münzen – Dorsten prägte Münzen mit falschem Silbergehalt und wirtschaftete somit in die eigene Tasche – Heute wäre dies ein Fall für den Staatanwalt.

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Quellen: Dt. Bundesbank „Wieviel Geld“, Online-Aufruf (2022). – Wikipedia „Geld“ (Aufruf 2022. –  Online-Seite „Wer kann das wissen“ (Aufruf 2022).
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