„Glück Auf!” – Dem traditionellen Bergmannsgruß begegnet man nicht nur auf Straßenschildern, auch in Gedichten und Liedern – Über seine Herkunft, Bedeutung und Schreibweisen

Glückauf-Grill an der Glück-Auf-Straße in Hervest; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

13. Dezember 2020. – In weiten Kreisen der Bevölkerung Dorstens, vor allem in den ehemaligen Bergbau-Stadtteilen Holsterhausen und Hervest, gehörte der Bergmannsgruß „Glück auf“ zum Alltag. Bergleute wünschten sich, dass sie nach dem Einfahren in die Grube wieder gesund und lebendig zur Ausfahrt, also nach oben kommen. Heute seltener, denn es gibt keinen Bergbau mehr und somit Bergleute, die einfahren und sich so grüßen. Somit ist auch das „Glück auf!“ verhallt. Doch wie schreibt man diesen Gruß eigentlich? Sieht man im fünfbändigen Brockhaus nach, findet man den Bergmannsgruß gar nicht. Lediglich eine Beschreibung des Wortes Glück: „Ein seelisch gehobener Zustand, der sich aus der Erfüllung der Wünsche ergibt, die dem Menschen wesentlich sind…“. Kein Hinweis auf den Bergmannsgruß „Glück auf!“ Im einbändigen Meyers Lexikon von 1920 steht zumindest der Begriff „Glück auf!“ als Bergmannsgruß erklärt, das Wort Glück aber als eine „vollkommene innere Befriedigung“ beim „Besitz von Gütern“. Der Duden erklärt das „Glück auf“ als Bergmannsgruß. Die Schreibweise des Bergmannsgrußes ist so verschieden, wie man ihn nur schreiben kann. Selbst auf Fotos der Zeche „Glückauf“ in Dortmund sieht man, wie der Zechenname an den Gebäuden unterschiedlich in Stein gemeißelt ist.

Unterschiedliche Schreibweisen auf Straßenschildern

Eine noch andere Schreibweise findet man auf den Straßenschildern in rund 70 Städten Deutschlands, wofür meist die Stadtverwaltungen verantwortlich sind. In Dorsten schreibt sich die Straße „Glück-Auf-Straße“; gleich hinter einem Straßenschild steht ein Imbiss mit dem Schild „Glückauf“-Grill, der nach rund 45 Jahren Ende 2020 wegen der Corona-Krise schließen wird (Foto oben). Auch wenn es sich oft nur um einen Bindestrich handelt, so beschreibt ein Dorstener Bestattungsunternehmer die Straße in seiner Homepage wiederum anders: „Glück-Auf Straße“. In Bottrop wie in 25 anderen Städten heißt es zusammengeschrieben „Glückaufstraße“. In Sangershausen steht auf dem Schild „Glück-auf-Straße“, in Grafenhainichen, wo immer das liegt, steht „Glück auf Straße“ ohne Bindestriche. Und in Siegen heißt es „Glückauf-Straße“. In Berlin-Marzahn gibt es auch eine Glückauf-Straße. Allerdings hat die mit dem Bergbau nichts zu tun. Denn dem Wort Glückauf ist mit Bindestrich ein Erich vorgesetzt. Das Glückauf sollte nun aber nicht dem Erich Honecker „Glückauf“ wünschen, sondern mit dem Erich ist der kommunistische DDR- und SED-Politiker Erich Glückauf gemeint, 1903 in Witten geboren und 1972 in Ostberlin gestorben, dem zu Ehren die DDR die Straße benannte (Foto Gedenkstein in Berlin).

Woher kommt der Bergmannsgruß „Glück Auf“?

Der Ursprung des Grußes „Glückauf“ liegt im erzgebirgischen Erzbergbau Dort  wurde der Gruß auch von weiten Teilen der nicht dem Bergbau verbundenen Bevölkerung übernommen, als der Silberbergbau in Blüte stand. „Glückauf” als Gruß geht aus einer Begebenheit bei Johanngeorgenstadt hervor. Dort gab es eine „Glück-auf“-Fundgrube, die ihren Namen davon erhalten haben soll, weil 1672 seine „kurfürstliche Durchlaucht Johann Georg II. daselbst den schürfenden Bergleuten Glückauf! geboten, auch selbst Kuxe angenommen habe.“ Im selben Jahr erscheint „Glückauf“ in einem „Gut­achten“ für einen Kux-Händler zur Verleihung der „Einsiedler”- Fundgrube im Freiberger Revier. Das Gutachten beginnt mit den Worten: „Glück auff Glück auff! Herr Kux-Händler…“, und schließt mit den Worten: „Unterdessen Glück auf!“ Im Jahre 1674 findet sich das Grußwort „Glück auf“ an mehreren Stellen im Festprogramm zum Freiberger Gregoriusfest. Aus einer dieser Textstellen geht hervor, dass es sich dabei um einen Gruß des Bergmanns handelt, denn wörtlich lautet die Stelle „Ich aber (will) dir Glückauff zu schreyen“. 1678 tauchte „Glück auf“ anlässlich eines bergmänni­schen Aufzuges in Schneeberg auf. Im Jahre 1680 erschien in Leipzig eine Dissertation des erzgebirgischen Chronisten Christian Meltzer über bergmännisches Leben und Treiben. Der Titel dieser Dissertation lautet: „Glück Auff! DE HERMUNDURO-RUM METALLURGIA ARGENTARIA. Vom Ertzgebürgischen Silber-Bergwerck“. Die 1. Strophe eines Marienberger Hochzeitsgedichts aus dem Jahre 1670 beginnt mit den Worten: „Glück auf, Glück auf ihr Hochzeitgäst, Hört an das Singen…“. Glück-auf-Kgreich-Hannover-1839- Anlässlich des Münzbesuchs des Hannoverschen Königs ErnstAugust wurde 1839 ein 1-Pfennig-Stück herausgegeben mit der Prägung  „Glückauf!“ (Foto). Im Jahr 1811 wurde im österreichischen Loeben eine Fachschule für Hüttenkunde gegründet, die von der Montan-Lehranstalt im 19. Jahrhundert zur heutigen „Glück-Auf-Montanuniversität“ ausgebaut wurde (Foto darunter).

Im 17. Jahrhundert: Glück haben, um wieder ans Tageslicht zu kommen

Was heißt nun „Glück auf”? Eindeutig ist es nicht zu erklären. Nach mündlichen Überlieferungen sollen diese zwei Worte den Wunsch ausdrücken, der Bergmann möge nach der Schicht aus dem Dunkel des Schachtes wieder glücklich aufsteigen an das Tageslicht. Eine an­dere Auslegung deutet den Gruß so: „Glück! Tu’ mir den Gang auf!“ Wahrscheinlicher erscheint die Erklä­rung, wonach „Glück auf“ die Kurzform eines Grußes ist, den man dem anfahrenden Bergmann zurief und der vollständig lautet: „Bergmann! Ich wünsche Dir Glück, der Gang tue sich Dir auf!“. Mit anderen Wor­ten heißt das: Ich wünsche Dir viel Erfolg und dass Du bei Deiner Arbeit auf reiche Erze stoßen mögest. Nach einem bergmännischen Wörterbuch von 1882 ist „Glück auf“ der zu jeder Tageszeit übliche Bergmanns­gruß und nach Theodor Körner „Der Berge uralt Zauber­wort“:

„Glück auf! mein Ruf hinab den Schacht,
Glück auf! mein Wunsch in Bergesnacht,
Glück auf! mein Gruß dem Sonnenlicht.
Glück auf! mein Trost, wenn’s Auge bricht.“

Theodor Körner, der 1813 als Freiheitskämpfer im Lützow’schen Freikorps fiel, war Student an der Berg­akademie Freiberg.

„Glück ab“ sagen die Fallschirmspringer der Bundeswehr

Übrigens haben das „Glück auf!“ auch andere Berufsschichten übernommen. In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts galt „Glück auf” neben „Weidmannsheil” auch als Jägergruß, war aber auch bei Schmieden, „Fleischhackern” und Müllern traditionell gebräuchlich und heute teilweise noch beim Technischen Hilfswerk. Je nachdem, wie gewisse Berufe ihr Überleben im Aufwärts sehen, gibt es auch solche, die das Abwärts befürchtetem wie die Flieger, die offensichtlich nicht mit Glück auffliegen, sondern gut runterkommen wollten. Ihr Grußwort hieß demnach „Glück ab!“ Das sagen heute noch Fallschirmspringer der Bundeswehr.

Wie und wo wird der Bergmannsgruß sonst noch verwendet?

An der Montanuniversität Leoben wird sowohl bei offiziellen Anlässen als auch zu Unterrichtsbeginn mit „Glück Auf!“ gegrüßt, aber auch im Leben der studentischen Verbindungen von Leoben hat der Gruß eine elementare Bedeutung. Bei Heimspielen des FC Schalke 04 und des FC Erzgebirge Aue werden die Zuschauer mit „Glück auf“ willkommen geheißen, gleichzeitig wird das Steigerlied abgespielt „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt, und er hat sein helles Licht in der Hand…“.  Die Spielstätte der Schalker Fußballer  hieß bis 1973 die „Glückauf-Kampfbahn“. Das „Glückauf“ wird im Bergbau im dienstlichen und privaten Schriftverkehr als Grußformel genutzt: „Mit freundlichem Glückauf!“ Der Bergbau im Ausland hatte teilweise den Bergmannsgruß aus Deutschland übernommen, entweder im Original „Glück auf“ wie in der Bergbaustadt Tsumeb im afrikanischen Namibia (Abbildung), ehemalige deutsche Kolonie, oder in der entsprechenden Übersetzung des jeweiligen Landes.

Das war’s! Glückauf!

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Quellen: B. Kunis: Ursprung und Alter des Bergmannsgrußes „Glück auf“ in „Unsere Heimat“, Heft 12/1976, und Heft 1/1977, Herausgeber: Kulturbund der DDR, Marienberg. – „Glück oder Zufall“ in Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch, Band 8. – Wikipedia (Aufruf 2020). – Andere Quellen im Text genannt.
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