Ex-Mercaden-Manager redet von „Geilheit am Scheitern“ – Woher kommt die negative Stimmung gegenüber dem neuen Einkaufszentrum?

Das Mercaden am Lippetor; Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

23. Mai 2019 – Nun also hat der dritte Center-Manager des Mercaden hingeworfen. Er tat es nicht, ohne seinen Frust über die Anfeindungen aus Teilen der Öffentlichkeit gegen das Mercaden herauszulassen. Die „Geilheit am Scheitern“ habe ihn fassungslos gemacht, sagte er. Nirgendwo habe er eine so negative Stimmung gegenüber einem Einkaufszentrum erlebt. Niemand könne sich vorstellen, was die fortwährende Kritik und unflätige Äußerungen bei Facebook mit Mitarbeitern und Mietern mache. Die einzige Dorstener Tageszeitung legte nach mit einem Rundumschlag gegen Besserwisser, Dauernörgler, Ahnungslose und Neunmalkluge. Sie werden mitverantwortlich gemacht für den Misserfolg des Mercaden. Denn: „Wer kommt schon in eine Stadt, in der man vielen Menschen (und Kunden) offenbar nichts recht machen kann?“ (DZ vom 17. Mai 2019). Das geht in die Richtung, die Helmut Koprian bei der Vorstellung der Umbaupläne vorgab: Es liegt doch an euch Dorstenern, das Einkaufszentrum zum Erfolg zu machen. Ihr müsst euren Bedarf halt hier im Mercaden einkaufen. So einfach ist das. Und eben auch aufhören mit der hässlichen Nörgelei und Besserwisserei. Dann wird das schon. Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Andre William? Reggae, Jazz, Gregorianik. Der Sänger von den Seychellen liebt in Dorsten fast alles: seine Frau, die Jahreszeiten, die Leute, die Bäume …

Wahl-Dorstener Andre William alias Yam; Foto: Andrea Schüller

Von Wolf Stegemann

17. Mai 2019 – Wer in Dorsten und Umgebung Rock-Konzerte mit Gesang besucht, der könnte einem 43-jährigen Sänger begegnen, dessen Stimme einen sofort in den Bann zieht. Der, von dem die Rede ist, ist weder Deutscher noch Europäer. Er ist ein Seychelloir, heißt Andre William, und lebt seit anderthalb Jahren in Dorsten. Die Stadt liebt er von Anfang an (fast) über alles. Gefragt, was im Einzelnen: „Das Licht, die Jahreszeiten, die Straßen, die Ruhe, die Bäume, den Kanal, die Lippe und auch die Dorstener.“ Und eine dieser Dorstenerinnen liebt er über alles. Das ist seine Frau Janina Filippin, eine der Töchter des legendären Eismachers und Künstlern Antonio Filippin am Marktplatz, der 1993 auf die Seychellen ausgewandert ist und von der Insel Mahé nicht mehr weg möchte. Sein Seychelloir-Schwiegersohn hingegen liebt mit Dorsten den extremen Gegensatz. „Hier“, so sagt er, „ist alles wou!“ Daher entschied er sich, nach einem Urlaub 2016 mit seiner Frau in ihrer Heimatstadt, ein Jahr später ganz nach Dorsten zu übersiedeln. Für Janina war es ein Heimkommen, für ihn ein Weggehen. Das Ankommen war gar nicht so einfach, denn das Dorstener Ausländeramt verweigerte ihm, dem Ehemann einer Dorstenerin, zunächst den Aufenthalt in Dorsten, da er keine Deutschkenntnisse per Bescheinigung „des dortigen Goethe-Instituts“ nachweisen konnte. Die Ablehnung wurde allerdings rückgängig gemacht, als dem Ausländeramt mitgeteilt wurde, dass es im ganzen Staat der Seychellen überhaupt kein Goethe-Institut und somit die Möglichkeit gibt, Deutsch zu lernen. Dafür hätte er zum Unterricht 1580 Kilometer nach Kenia fliegen müssen. Mittlerweile kann Andre William leidlich Deutsch. Weiterlesen

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Gespräch mit dem SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden Friedhelm Fragemann über Straßenbaubeiträge und Fehlbeträge im Haushalt der Stadt. Was sagt er als Kommunalpolitiker dazu?

12. Mai 2019 – Friedhelm Fragemann (68) sitzt seit 35 Jahren im Rat der Stadt und ist daher einer von denen, die in diesen Jahrzehnten an dem mitgewirkt haben, was Dorsten heute ist. 1984 wurde er in den Rat der Stadt gewählt und führte von 1991 bis 1994 die SPD-Fraktion, dann wieder ab 2010 bis heute. Als SPD-Ratsmitglied saß er im Rathaus meist auf der „Oppositionsbank“, einige Jahre auch auf der „Regierungsbank“ und dann war er zwischendrin für ein paar Monate auch mal Bürgermeister. Der pensionierte Lehrer kennt daher die Kommunalpolitik aus dem FF: ihre Niederungen und Erfolge, ihre Versäumnisse und Vertuschungen. Grund genug, Friedhelm Fragemann einige Fragen zu gegenwärtigen Befindlichkeiten Dorsten zu stellen. Fragesteller waren Helmut Frenzel und Wolf Stegemann.

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Windiges Finanzgebaren der Stadt mit Millionenverlusten bei WinDor durch spekulative Wetten und Währungsgeschäfte. Und danach ein Meisterstück der Verschleierung der Bilanzen

WinDor-Gebäude neben dem Rathaus; Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

2. Mai 2019. – Ja, es ist wahr: Die Vorgänge, um die es geht, liegen lange zurück. Und die Verantwortlichen hatten schon deswegen allen Grund anzunehmen, dass sie niemals mehr an das Licht der Öffentlichkeit gelangen würden. Aber wie immer in solchen Fällen kommt der Zufall ins Spiel. Und auf einmal gerät WinDor, die mit vollem Namen „Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH“ heißt, in den Blick. WinDor ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Dorsten. Sie hat alle Aufgaben, die mit der Förderung der Wirtschaftsentwicklung zu tun haben, übertragen bekommen. Geschäftsführer war von 2001 bis 2015 der frühere Bürgermeister Lambert Lütkenhorst, bis 2013 Alleingeschäftsführer. WinDor hat in den Jahren 2006 bis 2008 mit Zinsswaps einen Verlust von 1,4 Millionen Euro erlitten. Das ist für sich alleine eine Überraschung, denn niemand wird erwartet haben, dass eine Tochtergesellschaft der Stadt, deren Aufgabe die Wirtschaftsförderung ist, in verlustreiche Finanztransaktionen verstrickt ist. Zinsswaps sind Wetten und gelten als spekulativ. Darüber hinaus hat WinDor mindestens seit 2009 und bis 2015 Kredite in Schweizer Franken gehalten und in dieser Zeit einen Verlust von über 800.000 Euro hinnehmen müssen. Diese Verluste sind in den Jahresabschlüssen der Gesellschaft belegt. Hinsichtlich der Swap-Geschäfte ist eine weitere Zahlung in den Dokumenten erwähnt, aber nicht beziffert. Möglicherweise liegt der Verlust noch höher. Die Swap-Geschäfte wurden 2009 beendet. Bezüglich der Schweizer Franken-Kredite gab es seit 2015 einen Beschluss des Wirtschaftsausschusses, aus den Währungsgeschäften auszusteigen. Inwieweit das inzwischen erfolgt ist, lässt sich bislang nicht nachprüfen, da öffentlich zugängliche Dokumente dazu fehlen. Weiterlesen

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Was macht eigentlich … David William Fairclough? Der Brite lebt als Rentner seit fünf Jahren in Dorsten und wartet auf das Ende des Brexit – so oder so!

David W. Fairclough in Dorsten, im Hintergrund der Kanal; Foto: Andrea Schüller

Von Wolf Stegemann

Der Brexit nervt. Nicht nur die beteiligten Europa-Politiker, auch die Bürger, wenn sie Nachrichten hören, wenn sie im Fernsehen den wie Theater anmutenden ergebnislosen Debatten im britischen Parlament zuschauen. Und es nervt die Zeitungsleser, wenn sie wieder und  wieder über die gleiche Erfolglosigkeit der Politik lesen. Und noch mehr nervt es den mit einer Dorstenerin liierten Briten David William Fairclough (68), nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen englischen Top-Fußballer. Vor zwanzig Jahren wanderte er von Britannien nach Spanien aus und arbeitete dort als selbständiger Maurer. Seine Kunden waren Landsleute, die in Südspanien sesshaft geworden waren. Dort baute er sich in den Bergen von Malaga ein Finka. Vor fünf Jahren lernte er dort die passionierte Autocamperin Sigrid aus Dorsten kennen und folgte ihr nach Dorsten. Seither wohnt er in der Lippestadt. Zuvor war David noch nie in Deutschland. Doch jetzt fühlt er sich wohl in der Lippestadt und unter seinen deutschen Freunden, mit denen er sich jeden Samstag, so er nicht verreist ist, trifft und sich austauscht. In letzter Zeit natürlich vor allem über den Brexit, der für ihn zum Problem wird, wenn er ohne „Deal“ mit der Europäischen Union vom Parlament angenommen werden sollte. Weiterlesen

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Endlich ist nach Jahren das Plastikgrün an den Fenstern des Alten Rathauses am Markt verschwunden

So sah es jahrelang bis Ostern 2019 aus! Foto: Stegemann (2016)

W. St.  – „Geschmacklosigkeit an den Fenstern des Alten Rathauses“. Unter dieser Überschrift veröffentlichten wir am 16. Oktober 2016 auf der Facebook-Seite von DORSTEN-transparent den folgenden Text:

„Ganz abgesehen davon, dass man die Verwendung von Kunststoff wegen des schädlichen Weichmachers reduzieren und deswegen beispielsweise Papier- anstelle von Plastiktüten verwenden sollte, was öffentlich gefordert wird, so sollte man Blumen und Grünpflanzen auch aus ästhetischen Gründen nicht durch Plastik ersetzen. Und schon gar nicht am Marktplatz, den man die „gute Stube“ der Stadt Dorsten nennt. Die Fenster des Alten Rathauses, „Kleinod“ des Platzes, sind mit 26 gleichförmigen grünen Plastikpflanzen in Blumenkästen verschandelt. Ein Blick auf dieses schöne städtische Gebäude, das die Bombardierung der Stadt 1945 als einziges historisches Bauwerk überstanden hat, zeigt, dass die Zuständigen ihre Verantwortung, Plastikmüll und Geschmackloses zu vermeiden, ernster nehmen sollten.“

Entweder haben die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und im Trägerverein des Alten Rathauses diese Veröffentlichung, nicht gelesen, oder wenn sie sie gelesen haben, dann nicht ernst genommen, Denn die 26 Stücke gleich geformtes Plastikgemüse an den Fenstern des Alten Rathauses blieben. Auch mehrmalige Hinweise und Bitten an Vorstandsmitglieder des Trägervereins, zuletzt 2018 im Rathaus selbst, halfen nicht. Man wisse nicht, wer richtige Blumen an den Fenstern gießen sollte, war die persönliche Antwort. Auch die sonst in der Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt aktiven Kaufleute störten sich nicht an dem zur Schau gestellten Plastikmaterial. Daher blieb das Plastikgemüse, das ja nicht gegossen werden musste, wohl aber das Haus verschandelte. Auch ein Hinweis an die Redaktion der „Dorstener Zeitung“ zeigte keine Reaktion. Zuletzt machten wir vor wenigen Tagen den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt, Friedhelm Fragemann, darauf aufmerksam. Oh Wunder. Wer am Ostersamstag, den 20. April 2019, seinen Blick zu den Fenstern des Alten Rathauses erhob, der durfte staunen: Das hässliche Plastikgrün war verschwunden. Die langen Blumengefäße waren leer. Ist jetzt vielleicht doch zu hoffen, dass echtes Grün und vielleicht rote Hänge-Geranien das schöne Haus am Marktplatz zieren werden.

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Katastrophale Haushaltslage gab den Anstoß zur Erhöhung der Straßenbaubeiträge. Die Frage der Gerechtigkeit spielte keine Rolle. Blick zurück in das Jahr 2010

Von Helmut Frenzel

4. April 2019. – Die Höhe der Straßenbaubeiträge, die Anlieger bei der Erneuerung ihrer Straße an die Stadt zahlen müssen, hängt von zwei Komponenten ab. Da sind zunächst die Kosten der Maßnahme. Hier spielen zahlreiche Einflussfaktoren eine Rolle: das Baugesetzbuch, in dem Ausbaustandards geregelt sind, dann die einzelnen Bestandteile wie Fahrbahn, Gehweg, Radweg, Parkplätze, Beleuchtung und nicht zuletzt die daraus resultierenden Baukosten. Diese Faktoren sind kaum beeinflussbar. Die zweite Komponente allerdings ist der Anteil der Baukosten, den die Stadt den Anliegern aufbürdet. Diesen Anteil legt die Stadt in eigener Verantwortung fest. Die daraus resultierenden Zahlungsverpflichtungen haben eine Höhe erreicht, die von den Anliegern nicht mehr akzeptiert wird und sie dagegen rebellieren lässt. Das mag mit zwei Entwicklungen zusammenhängen: infolge der guten Baukonjunktur sind die Baukosten in den letzten Jahren sehr viel stärker als der Lebenshaltungskostenindex gestiegen und gleichzeitig hat die Stadt Dorsten die Anliegeranteile massiv erhöht. Jetzt geht es um die Frage, wie gerecht die Anliegerbeiträge sind. Weiterlesen

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