Ludwig Schulte Strathaus – Die Karriere des Petrinum-Schülers und Journalisten ist ein Abbild des 20. Jahrhunderts: NS, Krieg, Aufbau der Bundesrepublik und diplomatischer Dienst

Journalist und Diplomat Dr. Ludwig Schulte Strathaus im Jahr 2006; Foto: privat

Von Wolf Stegemann

4. Mai 2018 – Von denen, die am Dorstener Gymnasium Petrinum das schulische Rüstzeug für ihr Leben mitbekamen, gehörte er, der 1932 dort das Abitur machte, zu denen, die eine überdurchschnittlich erfolgreiche und glänzende Berufskarriere hinlegten, in er sich das Jahrhundert spiegelt.  Promovierter Zeitungswissenschaftler, Journalist, NS-Propagandaministerium, Sonderkriegsberichterstatter, Spiegel-Redakteur, Diplomat an den Botschaften der Bundesrepublik in Australien, London und Ständiger Vertreter bei der UNESCO in Paris und noch viel mehr. Zwölf Jahre nach seiner Schulzeit in Dorsten war er noch einmal in Dorsten, als er am 1. April 1941 vor dem Altar in der St. Agathakirche seiner Frau die Hand zum Lebensbund reichte. 70 Jahre später konnte das Paar die seltene Gnadenhochzeit feiern. Wie gesagt, sein Leben liest sich wie die Chronik des 20. Jahrhunderts. Weiterlesen

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Von der Kirche anerkannter Missbrauch auch im Franziskaner-Internat – Anschuldigung eines Schülers gegen Pater Heribert Griesenbrock (†) – 4000 Euro Schadensersatz (Essay)

Franziskanerkirche, von der das Gebäude mit dem Internat abgeht, 1950er-Jahre

Von Wolf Stegemann

Erst 50 Jahre nachdem Gerhard Pöttgen (Jahrgang 1949) an Beginn des Schuljahres 1959/60 als junger Schüler von Pater Heribert Griesenbrock, einem Ordensgeistlichen und Lehrer am Gymnasium Petrinum in Dorsten, „immer wieder“ sexuell missbraucht worden war, ging er damit an die Öffentlichkeit. In Dorsten machte dieser Vorfall keine Schlagzeilen. – Über 50 Jahre lang verkapselte dieses Opfer sexueller Gewalt alle Zerstörungen, die seine kleine Kinderseele an Ostern 1959 massiv zerstört hatten. Das sexuelle Verbrechen, das an ihm als Kind begangen wurde, ließ ihn nicht mehr los, weder damals noch später als erwachsener Mann. Bis heute. Gerhard Pöttgen, geboren 1949 in Grevenbroich, erkrankte psychisch, wurde depressiv, musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Verursacher dieses lebenslangen Leids war der Franziskaner-Pater und Gymnasiallehrer Heribert Griesenbrock (1914-2007). Von 1946 bis 1971 war er Lehrer am Gymnasium Petrinum und von 1959 bis zur Auflösung 1977 Direktor des St. Peter-Konvikts im Kloster an der Lippestraße. In diesem Internat wohnte der Petrinum-Schüler Gerhard Pöttgen. Beide, der Junge und der ihn missbrauchende Pater, stammten aus Neheim, wo der missbrauchende Pater mit dem Vater des Jungen noch aus gemeinsamen Schülerzeiten befreundet war. Unter der Last der psychischen Erkrankung vertraute sich Gerhard Pöttgen nach fünfzig Jahren einer Anwältin an, die den Vorfall der Franziskanerprovinz meldete. Nach Prüfung der Beschuldigung durch den Beauftragten Pater Hans-Georg Löffler wurde der Missbrauch anerkannt. Die Franziskanerprovinz zahlte 4000 Euro „Entschädigung“ für lebenslange Arztkosten. 2012 veröffentlichte Gerhard Pöttgen seine Missbrauchsgeschichte über die Online-Dokumentation „NetzwerkB“, die Missbrauchsopfern Mut macht, diese Verbrechen auch zu benennen. Der hier wiedergegebene Auszug ist textlich unverändert, lediglich in eckige Klammern sind redaktionelle Informationen für den Leser eingefügt. Weiterlesen

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Das Mercaden-Debakel: Welchen Anteil daran hat die Politik? Realitätsverweigerung und falsche Weichenstellungen haben den Weg bereitet

Tristesse im Erdgeschoss; Foto: H. Frenzel

Kommentierender Rückblick von Helmut Frenzel

20. April 2018 – Das Mercaden-Debakel hat viele Väter, aber einen an vorderster Stelle: den ehemaligen Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Es ist auch sein Debakel. Er wollte dieses Projekt und er wollte Herbert Krämer. Er war es, der zusammen mit einigen Gefolgsleuten die Strippen zog, um das Projekt über alle Hürden zu bringen. 2009 hatte er an der Eröffnung der RheinBerg-Galerie in Bergisch-Gladbach teilgenommen, ein Vorhaben des späteren Mercaden-Entwicklers. So etwas wollte Lambert Lütkenhorst auch für Dorsten. Es sollte sein Denkmal werden. Und er bekam es. Wie das Projekt durchgesetzt wurde und wie es scheiterte wird hier noch einmal aufgerollt. Weiterlesen

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Bernhard Delsing, ein geborener Holsterhausener, gelernter Anstreicher, studierter Maler und Zeichner war über Jahrzehnte hinweg eine feste Größe der Kasseler Kunstszene

Bernard Delsing 1966 in seinem Kasseler Atelier; Zeitungsfoto: Baron (HNA)

Von Wolf Stegemann

Zu seinem 80. Geburtstag schrieb die Kasseler Zeitung, dass Bernard Delsing seit sechs Jahrzehnten eine feste Größe in der Kasseler Kunstszene sei, immer schöpferisch und produktiv, „ein Künstler durch und durch“. Er wurde 1906 in Holsterhausen geboren. Seine Eltern waren der Schreiner Hermann Delsing aus Holsterhausen und dessen Frau Anna Maria geborene Lohmann. Sie heirateten 1902 und wohnten danach in der Josefstraße 19, der heutigen Heroldstraße, die zwischenzeitlich auch Schulstraße hieß. Bernard hatte noch fünf Geschwister. Weiterlesen

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Dorsten-Lexikon: Eine Stadt und ihre Menschen kennenlernen durch Stöbern in Informationen, Schilderungen, journalistischer Berichterstattung, Kommentaren und Anekdoten

Titelgrafik mit einer Dorsten-Montage des Fotografen Peter Koerber

Von Maria Nienhaus

6. April 2018 – „Durch einen Zufall stieß ich gestern im Internet auf Ihr verdienstvolles Dorsten-Lexikon. Ich habe kreuz und quer gelesen und bin begeistert über Ihre Initiative, die kleine Stadt, in der ich aufwuchs, auf diese Weise im weltweiten Netz zu bewahren …“ Dies schrieb einer, der zu beurteilen weiß, was geschrieben steht. Heribert Seifert, Journalist der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der „Neuen Zürcher Zeitung“(NZZ), des Rundfunks und anderer Medien, schrieb dies am 3. April 2018 an den Herausgeber Wolf Stegemann. Dieser erhält solche und ähnliche Schreiben, meist mit einem Anliegen verbunden, fast jede Woche. „Ich komme mir manchmal schon vor, wie das Stadtarchiv!“ Leser des Lexikons, die irgendeine Verbindung zu Dorsten haben, so der Herausgeber, wollen dieses und jenes, fragen, ob mehr Bilder vorhanden seien, und wissen auch selbst Neues zu diesem und jenem Thema zu berichten. Unlängst berichtete einer über seinen Vater, der als Ostpreuße in den letzten Kriegstagen in der SS-Brigade „Windhund“ in Dorsten kämpfte und darüber ein privates Kriegstagebuch führte. Weiterlesen

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Die Martin-Luther-Straße in Holsterhausen hieß vor 1953 noch Königstraße – Zank begleitete die Umbenennung, denn einige katholische Anwohner wollten diesen Namen nicht

Noch nicht so bebaut wie heute: Königstraße bzw. Martin-Luther-Straße Anfang der 1950er-Jahre

Von Wolf Stegemann

30. März 2018. – Der Name Steinmeier ist wegen des gleichnamigen Bundespräsidenten Frank-Walter mittlerweile bundesweit geläufig. In Dorsten-Holsterhausen war in den 1950er-Jahren dieser Name ebenfalls bekannt. Denn August Steinmeier, ein Cousin Walter Steinmeiers aus Brakelsiek im Lipper Land, Vater des eingangs genannten Bundespräsidenten, kam als zweijähriges Kind mit den Eltern 1910 nach Holsterhausen. Er war als Schreiner bei der Baufirma Schaub beschäftigt, ansonsten in etlichen Ehrenämtern aktiv wie im Dorstener Stadtrat und von 1948 bis 1951 als Presbyter in der evangelischen Martin-Luther-Kirche. Er war Schöffe beim Landgericht Essen, Mitglied im Gesangsverein und im evangelischen Kirchenchor, war im Jünglingsverein und hat immer wieder für die Kirche Geld gesammelt. Er setzte sich stets und auch erfolgreich für das Allgemeinwohl ein. Die Familie wohnte in der damaligen Kronprinzenstraße, heute Breslauer Straße, wo dessen Tochter Liselotte, verwitwete Topp und Großcousine (Cousine 2. Grades) des Bundespräsidenten, heute mit 80 Jahren noch lebt. Ihr Haus, gleich neben ihrem Elternhaus, hat zwei Eingänge: Einer von der Breslauer Straße und einer von der Martin-Luther-Straße, die bis 1953 Königstraße hieß. Für deren Umbenennung kämpfte ihr Vater August Steinmeier. Seine Tochter, die 1951 konfirmiert wurde, erinnert sich: „Mein Vater war ein Kämpfer. Überspitzt gesagt kämpfte er für jede Straßenlaterne. Er kümmerte sich als Stadtrat aber auch darum, dass in Holsterhausen damals die Straßen geteert wurden.“ Als er 1998 in Holsterhausen starb, kam zu dessen Beerdigung im Waldfriedhof Holsterhausen sein noch lebender Cousin Walter mit Sohn Frank-Walter. Weiterlesen

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Schreibenlernen nach Gehör: Was ein pädagogisches Konzept von einer ärztlichen Behandlungsmethode unterscheidet

Schreiben nach Gehör

Kommentar von Helmut Frenzel

23. März 2018. – Kürzlich erschien in der „Dorstener Zeitung“ ein Artikel unter dem Titel „Richtig schreiben lernen – nur wie?“ Es ging um die Methode des Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen, die bei ihm „Lesen durch Schreiben“ heißt, in der Öffentlichkeit besser bekannt als „Schreiben nach Gehör“. Sie wird in Nordrhein-Westfalen flächendeckend angewandt, um den Grundschülern die Rechtschreibung beizubringen. Viele Eltern, und nicht nur sie, klagen über mangelnde Kenntnis der Rechtschreibung am Ende der Grundschulzeit. Ein Stein des Anstoßes ist, dass in den ersten Jahren Rechtschreibfehler nicht korrigiert werden, – um die Kinder nicht zu demotivieren, wie es heißt. In den späteren Jahren bemüht sich die Schule dann darum, den Schülern die fehlerhaften Schreibweisen, die sich längst in ihren Köpfen festgesetzt haben, wieder abzugewöhnen – nicht immer mit Erfolg. Lernen ist einfach, Umlernen ist schwierig – auf diesen Nenner brachte es ein Beitrag auf facebook. Die Eltern, die mit den Folgen mangelnder Rechtschreibkenntnis ihrer Kinder am Ende der Grundschulzeit leben müssen, lehnen die Methode nahezu einhellig ab. In einer nicht repräsentativen Umfrage der DZ sprachen sich 89 Prozent der Teilnehmer für ihre Abschaffung aus. Weiterlesen

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