Der Führer wollte 1934 das Reichsarbeitsdienstlager in Deuten besuchen. Die Leute saßen auch in den Bäumen und warteten – doch Hitler kam nicht

Fahnenappell 1934 im neu eröffneten Knickmann-Lager in Deuten

Von Wolf Stegemann

In der Zeit von 1932 bis 1933 gab es fünf Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Dorsten und der Herrlichkeit, um Arbeitslosen sinnvolle Aufgaben zu geben wie Kultivierung, Trockenlegung, Landschaftspflege. Drei der Lager befanden sich in Lembeck (bei Förster Geßler, in der Scheune des Ketteler-Hofs, bei Gladen), eins am Freudenberg (das spätere Erholungsheim für jüdische Kinder „Haus Berta“) und eins in Holsterhausen (Sägewerk Schroer, im Werth). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gelang es dem Reichsleiter aller Arbeitsdienstlager, Konstantin Hierl, schnell, die kommunalen, kirchlichen und sonstigen Träger der Arbeitsdienstlager auszuschalten und den Freiwilligen Arbeitsdienst als NS-Arbeitsdienst gleichzuschalten. Aus Arbeitsdienstwilligen wurden Arbeitsmänner. Dazu die „Dorstener Volkszeitung“ am 24. Juni 1933: Weiterlesen

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Das Ende einer Legende, dass Schulden nur harmlose Ziffern auf dem Papier sind – Jetzt musste die Stadt einen Buchverlust von 3 Millionen Euro realisieren und in barer Münze bezahlen

Im Dorstener Rathaus werden die Schulden gewälzt; Foto: Frenzel

Von Helmut Frenzel

16. Juni 2017. – Es ist eine Zeitenwende. 2016 wurde der „Euro Swissy“ abgewickelt, der Vertragspartner hatte den Vertrag gekündigt. Es ging um einen Kredit der Stadt Dorsten, dessen Höhe ursprünglich 7,1 Millionen Euro betrug und der in Schweizer Franken zurückgezahlt werden musste. Da der Franken gegenüber dem Euro in den vergangenen Jahren bekanntlich stark aufwertete, belief sich der Rückzahlungsbetrag auf 10,1 Millionen Euro. Der Differenzbetrag von 3 Millionen war ein Währungsverlust, der im Zuge der Beendigung des Geschäfts bar bezahlt werden musste und also „realisiert“ wurde. Weiterlesen

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Fronleichnam: Ein katholischer Feiertag mit merkwürdigem Namen – Nazis behinderten die Prozessionen von St. Agatha und der Pfarrer rügte die „schamlose Kleidung“ der Frauen

Fronleichnamsprozession von St. Agatha am Marktplatz 1938; im Bild der Agatha-Chor

Von Wolf Stegemann

9. Juni 2017. – Fronleichnam ist einer der wichtigsten katholischen Feiertage im Jahr und zudem ein in ganz Deutschland gesetzlicher. Begangen wird er alljährlich am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten. Abhängig von den Osterfeiertagen fällt er zwischen den 21. Mai und den 24. Juni. In diesem Jahr auf den nächsten Donnerstag (15. Juni). Auch wenn der Tag für die katholische Kirche ein wichtiger Tag ist, so gehört Fronleichnam sicher zu den katholischen Feiertagen, deren Hintergrund am wenigsten bekannt ist, auch nicht allen Katholiken, und schon gar nicht die Namensdeutung, wie die Katholische Presse-Agentur (KNA) schreibt. Das Fest hat wohl den merkwürdigsten Namen aller kirchlichen Festtage. Weiterlesen

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Ein Haus mit NS-Geschichte: Die Beschlagnahme des Riese-Hauses in der Alleestraße 1933 – Beispiel einer rücksichtslosen Machtanwendung der NSDAP

Das Riese-Haus in der Alleestraße steht heute noch; Foto aus dem Jahre 1980

Von Wolf Stegemann

2. Juni 2017. – Ludwig Heming hatte eine bei der Bevölke­rung hoch angesehene Position inne. Als die Nationalsozialisten im Jahre 1933 in Dorsten die Ämter im Rathaus und im gesamten öffentlichen Leben besetzten, war Ludwig Heming bereits 20 Jahre lang Pfarrer in Dor­sten. Mit Sicherheit verdankt er diesem Umstand sein letztlich ungefährdetes Wir­ken in der Pfarrgemeinde, wenn seine Arbeit auch im hohen Maße durch die staat­lich verordnete und parteigelenkte Kirchenfeindlichkeit mehr und mehr an Boden verlor. Aus dem einst so »hemdsärmeligen« Pastor, der kein Blatt vor den Mund nahm, aus dem polternden, manchmal recht unwir­schen Gottesstreiter wurde durch Enttäu­schung, politischen Druck und Drohung bald ein immer stillerer Mann, der sogar ab 1935 seine Agatha-Chronik nicht mehr wei­terführte, die er über 20 Jahre lang mit nahezu verbissener Vehemenz und Detailfreude geschrieben hatte. Heming konnte sich auf Dauer gegen­über den NS-Behörden, von denen er nach anfänglichem Hoffen enttäuscht war, nicht behaupten. Er gab immer öfter nach, um zu bewahren, was noch zu bewahren war: seine Fürsorge für die Kirche und seine immer kleiner werdende Gemeinde. Weiterlesen

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Alfred Kistowski – ein einst bekannter Sportler aus Holsterhausen verschwand aus dem öffentlichen Gedächtnis – in Bayern aufgefundene Urkunden erinnern an ihn

Alfred Kistowski mit seiner Braut Marta um 1920 in Holsterhausen; Fotos: Archiv Biermann

Von Wolf Stegemann

26. Mai 2017. – Wären die Sieger-Urkunden aus den zwanziger Jahren von seiner in Bayern lebenden Tochter Walburga nicht aufgehoben worden wären, und hätten die Dokumente eines umfassenden Sportlerlebens über 30 Jahre nach dem Tod des Sportlers nicht den Weg von Nürnberg nach Holsterhausen zurückgefunden, dann wären er und seine frühen Sporterfolge in Holsterhausen weiterhin in Vergessenheit geblieben sein. Die Rede ist von dem Bergmann Alfred Kistowski, älteren Holsterhausenern aus der Freiheitsstraße sicher noch bekannt, der als ein hervorragender und vielseitiger Turner Pokale und Urkunden holte. Weiterlesen

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Alt-Rocker Peter Maffay war mit der Holsterhausenerin Tanja Spengler verheiratet. Nach zwölf Jahren trennte er sich und heiratete zum 5. Mal – eine Jüngere

Tanja und Peter Maffay

Von Wolf Stegemann

Hin und wieder konnten Holsterhausener den international berühmten und bekannten Sänger Peter Maffay in einem Holsterhausener Café und über den Dorstener Marktplatz gehen sehen, Arm in Arm mit seiner 4. Frau Tania Spengler (geboren 1980). Wenn sie auch keine gebürtige Dorstenerin ist, so zog die Lippstädterin mit 18 Jahren nach Dorsten. Der Rock-Musiker (bürgerlich Peter Alexander Makkay) lernte Tanja 1999 auf Mallorca kennen, wie er in seinen Memoiren schrieb, die anlässlich seines 60. Geburtstags 2009 erschienen sind. Klaus Rosenkranz schrieb 2008 in der WAZ: Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Tina Terschmitten? Sie ist in Aachen Kulturarbeiterin, Literaturwissenschaftlerin, Buchhändlerin, im Vorstand „Aachener Friedenspreis“ und Buchautorin

Tina Terschmitten, geboren 1974 in Dorsten

Von Wolf Stegemann

12. Mai 2017. – Nach dem Abitur am Gymnasium St. Ursula in Dorsten studierte sie ab 1993 Komparatistik (vergleichende Literaturwissenschaften), Geschichte und Politik in Aachen und ist seither nicht nur im Geschäft mit Büchern tätig, sondern engagiert sich voll im politisch-wissenschaftlich-kulturellen Betrieb der alten Kaiserstadt Aachen, was sie immer wieder in die Schlagzeilen der Tagespresse bringt. Als freie Mitarbeiterin schrieb sie in den 1990er-Jahren bei den „Ruhr-Nachrichten“ Dorsten (heute DZ) Schlagzeilen – aber über andere. Weiterlesen

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