Mercaden in der Krise. Für einen Neustart wird der Investor noch einmal Geld in die Hand nehmen und das Center zu Ende bauen müssen – Eine Garantie für Erfolg ist auch das nicht

Mercaden – wie geht es weiter? Foto: Stegemann

Von Helmut Frenzel

3. März 2018. – Es kam wie zu erwarten war. Mit dem Jahreswechsel und dem Beginn der traditionell umsatzschwachen Monate schlossen mehrere Betriebe im Mercaden. Zu schlecht liefen die Geschäfte – da ist dann irgendwann einmal Schluss. Es traf insbesondere das Erdgeschoss mit seinen „Garagenläden“. Die verlassenen Ladenlokale gesellen sich zu den schon vorhandenen Leerständen hinzu und vermitteln insgesamt das hässliche Bild des Misserfolgs. Der Projektentwickler Herbert Krämer, der nach der Eröffnung im März 2016 auch das Center Management übernommen hatte, wurde im Dezember kurzerhand geschasst. Der Investor traute ihm nicht mehr zu, die negative Entwicklung zu drehen. Investor ist die OFB Projektentwicklung GmbH, eine Tochtergesellschaft der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Sie hat die Finanzierung für das Centerprojekt bereitgestellt und als Geldgeberin das letzte Wort. Die schlechte Lage zwang zum Handeln und so beauftragte sie die Koprian iQ Management GmbH mit der Lösung des Problems. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf das Management von Einkaufszentren und auf Revitalisierung. Koprian iQ soll nun schaffen, was Herbert Krämer nicht fertiggebracht hat: das Mercaden auf Erfolgskurs bringen. Weiterlesen

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Warum wurde 1955 die Nonnenstiege in Elisabeth-Hunekuhl-Straße umbenannt und 1989 wieder zurück? Eine Straßenbenennung mit nicht ganz astreiner Begründung

Elisabeth-Hunekuhl-Straße, frühere und jetzige Nonnenstiege in den 1950er-Jahren

Von Wolf Stegemann

23. Februar 2018. – Über die Namensgeberin Elisabeth Hunekuhl gibt es nicht viel zu berichten. Aus Dorstener Sicht müsste man das auch nicht, wenn es von 1955 bis 1989 nicht eine „Elisabeth-Hunekuhl-Straße“ in der Altstadt gegeben hätte. Elisabeth Hunekuhl, gestorben 1935, lebte zwar als Ehefrau und Mutter ein paar Jahre, vermutlich bis zum Ersten Weltkrieg, in Dorsten, hatte allerdings keine Beziehungen zu Stadt, war weder berühmt noch sonst irgendwie öffentlich bemerkenswert und auch nicht weiter bemerkbar. Warum also Elisabeth-Hunekuhl-Straße? Diese Unbenennungsgeschichte der Straße ist Wolfgang L. Rüdiger, weitläufig verwandt mit der Familie Huhnekuhl, nachgegangen, hat sie in Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter des Dorstener Vermessungsamts, Dipl.-Ing. G. Rojahn, detailfreudig in Archiven, Behörden und in der Familie Hunekuhl recherchiert und dabei etliche Ungereimtheiten entdeckt. Weiterlesen

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Blick in die Partnerstadt Hainichen und die Jahre von 1933 bis 1945: Frühe Konzentrationslager und späte Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit

Zwangarbeiter des Konzentrationslagers Hainichen-Mühlberg

Von Wolf Stegemann

16. Februar 2018. – Schlägt man in der Literatur nach, wie die nationalsozialistischen Jahre in Dorstens Partnerstadt Hainichen verlaufen sind, dann findet der Leser in den bis zur Wendezeit erschienenen Veröffentlichungen nicht viel. Meist sind es drei bis fünf Eintragungen, die an Jahreszahlen festgemacht sind: „Vom März bis Juni 1933 diente das Volks- und Sportheim den Faschisten als ,Schutzhaftlager’, als KZ also. – 1934 Eröffnung der ,Framo-Werke GmbH’ Hainichens. – 1935 Anlegen der Blumenuhr, ein Geschenk der Gellerttische“ anlässlich der 750. Jahrfeier der Stadt.“ Auch nach der Wiedervereinigung 1990 kam es jahrelang nicht zu einer Auf- bzw. Nacharbeitung der nationalsozialistischen Jahre in der Geschichte der Stadt. Diese kam erst ab der Jahrtausendwende in Gang. Im Fokus westdeutscher Forschung stand das frühe KZ der SA in Hainichen schon länger, erst später die veröffentlichten Erinnerungen von älteren Einwohnern oder deren Söhnen und Töchtern in Hainichen selbst. Die Katholische Jugend im Landkreis Mittweida erforschten die Schicksale katholischer Pfarrer in Hainichen und erarbeitete eine Ausstellung, die 2007 im Rathaus von Hainichen unter dem Titel „Pfarrer unserer Gemeinde – erste Opfer des NS-Regimes“ zu sehen war. Die beiden Hainichener Konzentrationslager bisher ist nur von einem KZ die Rede sind von Historikern in den 1990er-Jahren gut erforscht und dargestellt. 2009 legte der damals 31-jährige Journalist Thomas Kretschmann ein Buch mit dem etwas spröden Titel „Hainichen – Zeitzeugen-Berichte und Dokumente 1930 – 1950“ vor, das er selbst verlegte. Darin ging er auf 230 Seiten „vergessenen Schicksalen“ nach. Angeregt wurde der Herausgeber durch seine Großmutter, die, wie viele Neubürger Hainichens, als Flüchtling aus Ostpreußen kamen. Ihre Geschichte ist in dem Buch ebenso für die Nachwelt dokumentiert wie die Existenz zweier Konzentrationslager in Hainichen und der Einmarsch der Roten Armee sowie die Versorgungsnöte danach. Weiterlesen

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Litfaßsäulen sind ein Stück Kulturgeschichte – Keinem Deutschen wurden so viele Denkmäler gesetzt wie dem Druckereibesitzer und Verleger Ernst Litfaß. Wie viele mag es wohl in Dorsten geben?

Litfaßsäule vor der Gesamtschule in Wulfen; Foto: Christian Gruber (Wulfen-Wiki)

Von Wolf Stegemann

9. Februar 2018. – Wer durch Dorsten spaziert oder fährt, sieht da oder dort, beispielsweise an der Bushaltestelle am Lippetor oder am Orthöver Weg in Wulfen und an vielen anderen Stellen der weitläufigen Stadt, runde und mit Werbung beklebte säulenartige Gebilde, oben manchmal mit einem dachartigen Abschluss. Meist sind diese kleinen runden Türmchen in einem nicht guten Zustand, mehr abgerissen als einladend anzusehen. Das liegt aber nicht an der Säule selbst, sondern an denen, die sie werbemäßig als Werbeträger für Ankündigungen und Werbeplakate vermieten und verwalten. Doch diese Werbe-Säulen, nach ihrem Erfinder Litfaß benannt, sind Werbeträger und haben eine Geschichte, die den meisten, die daran vorbeigehen, unbekannt sein dürfte. Vielleicht noch der Name, der dann vielleicht mit einem Literfass in Zusammenhang gebracht wird und unlängst auch in der Lokalzeitung mit zwei s, dem sich dann das dritte s der Säule dranhängte, anstatt mit scharfen ß geschrieben wurde, wie es der Eigenname Litfaß erfordert.

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Demographie 2016 – Zahl der deutschen Einwohner schrumpft weiter. Zuwanderung von Flüchtlingen bremst den Rückgang der Bevölkerung

Von Helmut Frenzel

2. Februar 2018. – Vor wenigen Tagen veröffentlichte das Statistische Landesamt die Daten zum Bevölkerungsstand am 31. Dezember 2016 – mit mehrmonatiger Verspätung. Die üblichen detaillierten Zahlen zu Wanderungsbewegungen, Geburten und Sterbefällen gibt es (noch) nicht und auch keine monatlichen Zahlen, sondern lediglich Einwohnerzahlen gegliedert nach Deutschen und Ausländern. Und die sehen für Dorsten so aus: Weiterlesen

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Was macht eigentlich Franz-Josef Deiters? Der Ursula-Schüler ist Literatur-Professor im australischen Melbourne und lehrt Germanistik

Von Wolf Stegemann

Geboren wurde er 1964 in Schermbeck und sein schulisches Rüstzeug bekam der deutsch-australische Literaturwissenschaftler und Germanist Franz-Josef Deiters auf dem Gymnasium St. Ursula in Dorsten mit auf den Weg in seinen Beruf. Er lehrt als Literaturwissenschaftler in Australien. Franz-Josef Deiters studierte Germanistik, Philosophie und Linguistik in Tübingen, wo er 1993 sein Magisterstudium abschloss. 1997 erhielt er seinen Doktortitel ( Dr. phil. ) und 2004 habilitierte er sich im Fach „Neuere Deutsche Literatur“. Nach einer Gastprofessur an der Universität Sarajewo in Bosnien-Herzegowina (2005) und einer Vertretungsprofessur an der Universität Frankfurt am Main im Jahr 2006 wechselte er im gleichen Jahr nach Melbourne (Australien), wo er seither an der Monash University lehrt. Er ist dort unter anderem Koordinator des Graduiertenprogramms für Literatur- und Kulturwissenschaften an der Arts Research Graduate School / Monash Institute of Graduate Research. 2010 wurde Franz-Josef Deiters als Fellow in die „Australien Academy of the Humanities“ berufen. Weiterlesen

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Bleicherei Paton – dem wirtschaftlichen Siechtum folgte der steile Aufstieg, mit dem Führerprinzip durch die NS-Zeit und das Ende in den 1970er-Jahren

Immer noch so genannt: “Paton-Villa” an der Borkener Straße; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

19. Januar 2018. – Wer auf der Borkener Straße von der Innenstadt nach Holsterhausen fährt, dem fällt auf der rechten Seite in Höhe der Abzweigung Pliesterbecker Straße ein stattliches Gebäude auf. Im Volksmund heißt es heute noch „Paton-Villa“. Es war das Wohnhaus der Familie Patton, einst wichtige Industrielle in er Stadt. – Die Firma Robert Paton GmbH, Ausrüstungsanstalt für Textilien, Aufbereitung von Zellwolle, Bleicherei und Echtfärberei für Webgarne aus allen Pflanzenfasern und Kunstfaserstoffen gründete 1890 in Holsterhausen der Chemiker Robert Paton. Vorher war er, dessen Vater von Schottland nach Viersen umsiedelte, Bleicher in der Firma „Vorwärts“ in Bielefeld. Auf Drucksachen der damaligen und späteren Zeit steht als Firmenort oft Hervest-Dorsten, weil man diesen Ort neben Holsterhausen wegen seiner Bahnstation besser kannte als Holsterhausen, das damals noch mit dem weit bekannteren in der Nähe von Essen verwechselt wurde. Weiterlesen

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