Häuser, die einst Dorstener Juden bis 1942 gehörten, bevor sie vertrieben oder in Lagern ermordet wurden. Die Wiesenstraße war das geistige Zentrum des Dorstener Judentums – Ein Überblick (1)

Anzeige in der Dorstener Volkszeitung

A. Sch. – Zur Einführung: Ende des Monats, am 27. Januar, jährt sich die Befreiung des deutschen NS-Konzentrations- und Todeslagers Auschwitz in Polen, in dem Menschen, vor allem jüdischer Herkunft, fabrikmäßig ermordet wurden, darunter auch Juden aus Dorsten. Dieser Tag wurde in Deutschland zum Gedenktag. Juden, die nicht rechtzeitig Deutschland oder die besetzten Kriegsgebiete verlassen konnten, kamen in den Todeslagern ums Leben. Ihre Häuser und Grundstücke unterlagen der staatlichen „Arisierung“, besser gesagt der Beraubungspraxis der Behörden. Sie mussten nicht nur ihre Immobilien abgeben, der Erlös verblieb meist beim Finanzamt. Ihnen wurde von den örtlichen Behörden auch die persönliche Habe wie Wohnungseinrichtungen, Bilder, Schmuck, Kleidung, Teppiche und dergleichen abgenommen und zum Wohle der Stadt veräußert und öffentlich versteigert. Die Eigentümer waren bereits in den Todeslagern. So auch in Dorsten geschehen. Dazu 1951 Stadt- und Amtsdirektor Dr. Walter Banke: „Das Amt Hervest-Dorsten hat sich anweisungsgemäß und äußerst korrekt verhalten!“ Weiterlesen

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Gelddruckmaschine Abwasserbeseitigung – Kalkulatorische Zinsen auf Eigenkapital, aber keine Zinsen für Zwangskredit der Bürger

Von Helmut Frenzel

11. Januar 2019. – Vor einigen Tagen erschien in der Dorstener Zeitung (DZ) ein Artikel, der sich mit den hohen kalkulatorischen Zinsen befasst, die den Verbrauchern mit den Abwassergebühren abverlangt werden. Richtig daran ist, dass der angewandte Zinssatz mit 6 Prozent weit über dem seit Jahren viel niedrigeren Zinsniveau am Kapitalmarkt liegt. Alles andere in dem Artikel trägt mehr zur Verwirrung als zur Klarheit bei oder ist schlichtweg falsch. Da heißt es zum Beispiel: „Durch die kalkulatorischen Zinsen werden diese Kosten [der Anschaffung] auf 50 Jahre mit je 2 [Prozent] gestreckt“. Oder: „Die kalkulatorischen Zinsen sollen den Zinsaufwand ausgleichen, den die Kommune auf dem Kapitalmarkt zahlen muss, um das in den Gebührenhaushalten gebundene Kapital zu finanzieren.“ An diesen beiden Sätzen ist nichts richtig! Was dagegen fehlt ist eine Angabe über die Millionengewinne, die die Stadt mit der Abwasserbeseitigung erwirtschaftet, denn die stehen in einem engen Zusammenhang mit den kalkulatorischen Zinsen. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland – Sieben Frauen aus Dorsten und heutigen Stadtteilen traten 1919 erstmals zu Wahlen an – allerdings ohne Erfolg

Ausschnitt aus einem Plakat 1918/19

Von Wolf Stegemann

6. Januar 2019. – In diesen Tagen vor 100 Jahren – am 19. Januar 1919 – fand mit der Wahl der Deutschen Nationalversammlung die erste reichsweite deutsche Wahl statt, bei der Frauen das aktive und passive Wahlrecht besaßen. Allerdings fanden vor dieser Reichtagswahl mehrere Landtagswahlen schon mit aktivem und passivem Frauenwahlrecht statt: Am 15. Dezember 1918 in Anhalt und Mecklenburg-Strelitz, am 22. Dezember 1918 in Braunschweig und am 12. Januar 1919 in Bayern, Baden und Württemberg. Wahlen in Dorsten bzw. in den Landgemeinden fanden nach dem Januar 1919 statt. Hier traten insgesamt sieben Frauen zur Wahl an, wurden aber nicht gewählt. Weiterlesen

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Das Porträt: Edith Schulte-Huxel bringt in Indien ehrenamtlich Frauen das professionelle Nähen bei, damit sie in ihrer Stadt Ponugodu Geld verdienen und besser überleben können

Edith Schulte-Huxel; Foto: privat

Von Wolf Stegemann

Die gebürtige Bottroperin war schon immer sozial engagiert, suchte die Nähe von Menschen, denen sie helfen und mit denen sie kommunizieren konnte. In Bottrop, Oberhausen und auch in Dorsten machte die Lembeckerin Edith Schulte-Huxel feinmotorische Übungen mit Senioren in Heimen  und ist seit zwei Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Barkenberg tätig, wo sie im Gemeinschaftshaus Wulfen-Barkenberg Mädchen und Frauen kostenlos das Nähen beibringt, damit sich Flüchtlinge unter ihrer Anleitung ihre Kleidungsstücke selbst nähen können. Weiterlesen

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Stilles und aufdringliches Betteln. Einst heidnisch ritualisiert, christlich motiviert, dann kriminalisiert und erst seit Kurzem straffrei – jedoch ein unschönes Bild in den Straßen (Essay)

Von Wolf Stegemann

21. Dezember 2018. – Wer durch die Straßen der Dorstener Innenstadt geht, sieht häufig auch Frauen und vorwiegend Männer, die betteln oder bettelnd eine Zeitung verkaufen wollen. Besonders an Markttagen sind sie in der Innenstadt zu finden: Menschen, die Geld erbetteln oder für Organisationen Spenden sammeln. Nicht allen gefällt das, doch erlaubt ist das schon. Zumindest, solange es nicht aggressiv ausgeführt wird. Das Betteln hat eine lange kirchliche, spendensoziale, gesellschaftssoziale und strafsoziale Geschichte des Gebens und Nehmens. Auch in Dorsten bis in die Gegenwart. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Manche Städte gaben Verordnungen heraus, die das Betteln einschränkten, wenn nicht gar verboten hatten. Doch diese sind allesamt rechtsungültig, weil Bundes- beziehungsweise Landesrecht Kommunalrecht bricht. Das Betteln stellt in Deutschland seit 1974 keinen Straftatbestand dar. Der entsprechende Paragraph „Bettlerei und Landstreicherei“ wurde aus dem Strafgesetzbuch (StGB) entfernt. Daher gibt es auch in Dorsten keine städtischen Verordnungen über das Betteln. Weiterlesen

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Hermann Bogdal, bis 1945 verfolgter Kommunist und Widerstandskämpfer, danach Journalist („Neues Deutschland“) und Buchautor, ist in Dorsten in bester Erinnerung

Hermann Bogdal (r,) am Lagerfriedhof Bockhorst in den 1980er-Jahren

Von Wolf Stegemann

14. Dezember 2018. – Mit Dorsten verbanden ihn viele Freunde und politisch Gleichgesinnte. Darunter vor allem Bogdals politischer Weggefährte Edmund Labendz (Jahrgang 1931), der in den 1950er-Jahren wegen seiner Zugehörigkeit zur KPD im Zuchthaus saß. Hermann Bogdal wurde ebenfalls in den 1950er- und 60er-Jahren bestraft bzw. angeklagt, allerdings mit der Einstellung der Verfahren endete. Mit Dorsten verband Bogdal auch wochenlange Recherche im Stadtarchiv, die ihren Niederschlag vor allem in seinen beiden 1984 erschienenen Bänden „Rote Fahnen im Vest“ gefunden haben. Darin beschreibt er die Geschichte in den revolutionären Novembertagen 1918 im Kreis Recklinghausen und die Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vor allem die historischen Dorstener Begebenheiten jener Zeit hat Hermann Bogdal in diesen beiden Büchern geschildert. Daher ist er auch immer wieder zu Lesungen und Diskussionen nach Dorsten eingeladen worden. Auf Einladung des Schulleiters Wolfgang Triptrap referiert er zur 40. Wiederkehr des Kriegsendes am 8. Mai 1985 in der Gesamtschule Wulfen. Zudem war Bogdal bei vielen ähnlichen Veranstaltungen in Dorsten anwesend, so dass mit der Zeit auch in Dorsten ein breitgefächerter Kreis von Gleichgesinnten, Freunden und Gesprächspartnern der Nachkriegsgeneration entstand. Darunter der bereits erwähnte Edmund Labendz, dann Karl Möhring und Uli Hengemühle. Auch Dirk Hartwich hat sich mit ihm politisch ausgetauscht und sein Leben, seine feste Haltung und sein Engagement stets gewürdigt. Auch die Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“ hatte Kontakte zu Bogdal. Die „Ruhr-Nachrichten“ schrieben 1983: „’Rote Fahnen im Vest’ ist der Versuch, Geschichte von unten aus eindeutig politischer Sicht zu schreiben. Deshalb ist es ein beeindruckendes Buch, und trotz der eingeschränkten politischen Sicht ein notwendiges Buch.“ Weiterlesen

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Blick in die lokale Medienwelt (I): Seminararbeit von Polizeistudenten über Gewalt an Dorstener Schulen – wie sich 1994 der Schulleiter des Petrinum über einen Zeitungsartikel aufregte

Symbolbild

Von Wolf Stegemann

Vorab gesagt: Warum dieser Artikel? Lokalzeitungen sind dazu da, ihre Leser über Geschehnisse in ihrer Stadt – u. a. in den Vereinen, Bürgerinitiativen, Kindergärten, Schulen – zu informieren und auch und vor allem einen kritischen Blick auf das Tun und Lassen der Kommunalpolitiker und der städtischen Institutionen zu werfen, darüber zu berichten und zu kommentieren. Nehmen Journalisten ihre Arbeit in diesem und im Sinne ihres journalistischen Ethos ernst, ecken sie mitunter zwangsläufig an. Dann kann es schon mal Abbestellungen der Zeitung geben, Diffamierungen von Journalisten, vor allem durch Politiker, die dann beim Verleger oder Chefredakteur gegen den Journalisten agieren und auch Entlassungen fordern. Für Beschwerden, bei wem auch immer, genügen   betreffenden Politiker oft auch nur missfallende Überschriften. Darüber erfährt der Leser in der Regel nichts. Die Beziehung zwischen Politik und Presse ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie, auch auf lokaler Ebene. Daher mag man es uns nachsehen, wenn wir die Beziehung zwischen Lokalpolitik und Presse aufgreifen. Denn auch auf lokaler Ebene  gibt es hinter den Kulissen manch unschönen Druck auf Journalisten, wenn diese durch kritische Berichterstattung „auffallen“. – In loser Folge werden wir aus dem persönlichen Leben und der Feder des Verfassers einige Auseinandersetzungen zwischen Institutionen der Stadt, Parteien und der Lokalpresse schildern.

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