8. Mai 1945 – Ende des Weltkriegs und des großen Sterbens. Totenzettel, auf denen nationalsozialistische Todesideologie mit der christlichen vermengt ist, erinnern daran

Von Wolf Stegemann

Am Montag (8. Mai) endete mit der deutschen Kapitulation vor 72 Jahren in Europa der Zweite Weltkrieg. In Deutschland war der 8. Mai für die einen ein Tag der Befreiung, für andere ein Tag der Niederlage und wieder für andere ein Tag der Katastrophe. Für alle war es auch der Tag, mit dem die Auseinandersetzung mit den unvorstellbaren Gräueltaten von Deutschen und im deutschen Namen begann bzw. beginnen sollte. Viele suchten die Auseinandersetzung nicht. Aus Scham oder anhaltender Verblendung. Man schwieg in denen Familien und den Schulen. Erst gegen Ende der 1970er-Jahre wurde das Schweigen nach und nach gebrochen. Mit Ende des Krieges am 8. Mai 1945 wurde auch Bilanz gezogen: weltweit rund 50 Millionen Kriegstote. Davon starben in der Sowjetunion etwa 13 Millionen Soldaten und 7 Millionen Zivilisten; in Polen etwa 6 Millionen, davon 3 Millionen ermordete Juden, d. s. etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es starben 3,8 Millionen deutsche Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten. Für die nachgeborenen Generationen unvorstellbare Zahlen, hinter denen sich Grausamkeiten, Barbarei, Leid und Massenmord verbergen. Dazu kommen Vertreibungen, Vergewaltigungen, Evakuierungen. Weiterlesen

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Zurückgeblättert: Schulwesen in Dorsten und der Herrlichkeit – Von der Mesterschole an der Agathakirche bis zum heutigen demografischen Wandel

„Die Dorfschule“, Gemälde von Johann Peter Hasenclever, 19. Jahrhundert

Von Wolf Stegemann

Derzeit streiten die Parteien in Dorsten und anderswo um eine Lockerung der festen Schulzeiten an Ganztagsschulen, weil Eltern die Freiheit haben wollen, ihr Schulkind nachmittags hin und wieder früher nach Hause zu holen. Im letzten Jahr stritten sie um den Erhalt der Wichernschule, dann wurde gestritten um die Bezahlung der Schulwegfahrt, beispielweise von Tönsholt ins kilometerweit entfernt liegende Altendorf-Ulfkotte, dann setzten sich die Schulpolitiker wieder streitig auseinander um Zusammenlegung, Schließungen, Trägerschaften und dergleichen. In Kürze wird über die beschlossene Planung zur Errichtung der Sekundarschule wieder gestritten werden. Schon immer hat es zwischen Schulverwaltung, Lokalparteien, Lehrern und Eltern Auseinandersetzungen gegebenen. Parteistrategien und Ideologien sowie – berechtigter oder unberechtigter – Eltern-Unmut standen sich dann oft gegenüber. Eltern nötigen  Lehrer mit Hilfe von Rechtanwälten zu Notenkorrekturen, weil das Kind ja studieren soll und das ohne Abitur nicht kann. Zwischen den Prellböcken sitzen Lehrerinnen und Lehrern, es leiden ihr Ansehen, der Lehrauftrag und am Ende das Bildungswohlergehen des Kindes. Die Gegenwart und noch mehr die Zukunft sind belastet von Schulschließungen, überfüllten Hörsälen und bildungsüberforderten Studenten, denen an den Unversitäten erst einmal Grundlagen von Wissen beigebracht werden müssen, damit sie die notwendige Reife für Ihr Studium erhalten, das nach guter alter Lesart eigentlich das Abiturzeugnis bezeugen soll. Arbeitslosigkeit im Bildungsproletariat macht sich schon heute breit.
Diese kritischen Eingangsbetrachtungen zum Thema Schule mögen für den einen oder anderen Leser überspitzt sein, vielleicht sind sie es auch. Mit diesem Artikel und einem weiteren in Kürze wollen wir Einblick geben in die Schulgeschichte der Stadt Dorsten während der unterschiedlichen politischen Epochen. Weiterlesen

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Dorstener erschlugen Ende März 1945 in Wulfen drei alliierte Flieger – nach dem Krieg verübten die Täter im Gefängnis Selbstmord

Reste des abgestürzten Flugzeugs bei Wulfen

Von Wolf Stegemann

21. April 2017. – In einem britischen Archiv fand der Marler Alfred Vadder, Experte für Abstürze von Kampfflugzeugen im Zweiten Weltkrieg, einen neuen Befund über den Flugzeugabsturz am 25. März 1945 bei Dorsten-Wulfen. Der übersetzte Text lautet:

Halifax MZ (…) war am 25. März 1945 noch nicht am Ziel (Münster) angelangt, als ein Flak-Geschoss den linken Flügel in Brand setzte. Der rückwärtige Schütze, der verletzt und nicht in der Lage war auszusteigen, starb auf seinem Posten. Der Pilot starb ebenfalls im Flugzeug, das in der Nähe von Wulfen abstürzte. Der Navigator und der Funker [und ein dritter] wurden gefangen genommen. – Deutsche Soldaten eskortierten die Gefangenen, Pilot Officer L.W. Brennan RCAF (mid-upper Schütze), Pilot Officer R.A. Paul RCAF (Zielführer für die Bomben) und Seargent C. E. Lowe (Flugingenieur) zu einer militärischen Einheit, als sie von einer feindseligen Menschenmenge angegriffen wurden, die von Haupttruppenführer Ferdinand Assmann angeführt wurde. Den drei Fliegern gelang es, kurz dem Mob zu entkommen, aber ihre Freiheit war von kurzer Dauer. Während sie von der Menge geschlagen wurden, standen sie mit erhobenen Händen, als ihnen sich Sturmführer Otto Wunderlich von hinten näherte. Mit den Worten „Wollten Sie noch nicht sterben, lieber Freund?“ (…), erschoss er sie. Ein Mann lebte noch. „Nun wirst du niemals mehr abspringen“ sagte Wunderlich (…) und schoss noch einmal. Zunächst in einem Bombenkrater auf dem Friedhof in Wulfen begraben, liegen sie drei Opfer nun im Groesbeek Canadian War Cemetery (Soldatenfriedhof) in Nijmegen (Niederlande). Wunderlich beging später im Gefängnis Selbstmord.“

Otto Wunderlich, geboren 1911, wohnte zuletzt in Dülmen und war von Beruf „SA-Verwaltungsführer“. Weiterlesen

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Blick nach Hainichen: Albert Sixtus, Autor der weltbekannten „Häschenschule“, wurde in Dorstens Partnerstadt geboren und schrieb über 100 Kinder- und Jugendbücher

Englische und japanische Ausgabe sowie eine der Mundart-Ausgaben

Von Wolf Stegemann

Wer kennt sie nicht, seine „Häschenschule“, die der Kinder- und Jugendbuchautor Albert Sixtus 1924 im „Alfred Hahn’s Verlag“ veröffentlichte. Er wurde 1892 in Hainichen geboren, allerdings verbrachte er dort nicht sein Leben. Hainichen ist die sächsische Partnerstadt von Dorsten. Dies und die Ostertage sind Anlass, hier einen Blick in das Leben des überaus erfolgreichen und auch international angesehenen Autors zu richten. Seine „Häschenschule“ mit den niedlichen Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha haben Generationen von Kinder begeistert – bis heute. „Die Häschenschule“ wurde inzwischen ins Japanische, Chinesische, Italienische, Englische, Schwedische, Lateinische sowie in zwölf verschiedene Mundarten übersetzt und bis heute über zwei Millionen Mal verkauft. Die vielen deutschen Auflagen wurden anfangs in der Sütterlin-Schrift gedruckt. 2017 lief in den deutschen Kinos eine modernisierte Trick-Verfilmung seiner Häschen-Geschichten an: „Die Häschenschule – Jagd nach dem goldenen Ei“. Dieser Film läuft gerade im Central-Kino in Holsterhausen. Übrigens hat Albert Sixtus über hundert Kinder- und Jugendbücher geschrieben. allein bis 1936 insgesamt 44 Bilderbücher, zehn Märchenspiele, drei Abenteuerromane, drei Märchenbücher und eine Gedichtsammlung. Außerdem schrieb Sixtus regelmäßig Verse, Gedichte und Geschichten für die Kinderzeitungen „Hänsel und Gretel“, „Jung-Siegfried“, „Jugendlust“, die Kinderbeilage der Neuen Leipziger Zeitung und verschiedene Zeitschriften mit Kinderseiten. Mitte der zwanziger bis Mitte der dreißiger Jahre gab es wohl kaum ein Kind, das nicht in irgendeiner Form mit seinen Reimen in Berührung kam und an vielen Schulen wurden seine Märchenspiele aufgeführt. Weiterlesen

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Mit Gründung der Sekundarschule wird in Dorsten das Ende des dreigliedrigen Schulsystems besiegelt – Kritische Anmerkungen zum pädagogischen Konzept der „Neuen Schule“

Schulzentrum Pliesterbecker Straße – bald „Neue Schule Dorsten“? – Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

7. April 2017.  – In seiner Sitzung im Dezember 2016 fasste der Rat der Stadt den Grundsatzbeschluss, in Dorsten eine Sekundarschule zu gründen, die den Betrieb am 1. August 2018 aufnimmt. Die Sekundarschule ist eine neue Schulform. Sie wurde 2011 im Schulgesetz NRW als Regelschule verankert und ergänzt seither das bestehende Schulangebot. Die Sekundarschule umfasst die Jahrgangsstufen der Klassen 5 bis 10 (Sekundarstufe I). Ihr besonderes Merkmal ist das gemeinsame Lernen in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Ab Jahrgangsstufe 7 wird der Unterricht in integrierter, teilintegrierter oder kooperativer Form fortgeführt. Sie verfügt nicht über eine eigene gymnasiale Oberstufe. Vielmehr soll die geregelte Zusammenarbeit mit einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einer Kollegschule – entsprechende schulische Leistungen vorausgesetzt – den Weg in die gymnasiale Oberstufe ebnen und die Erlangung der Hochschulreife ermöglichen. So verlangt es das Schulgesetz. Die Sekundarschule nimmt für sich in Anspruch, die Schüler sowohl auf Abitur und Hochschulstudium als auch auf eine berufliche Ausbildung vorzubereiten. Weiterlesen

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April, April! Medien schicken ihre Leser und Hörer gerne in den April – woher kommt das? – Lehrerin suchte in der Feldmark mit ihren Kindern die alte „Germania“ und wollte Heino hören

Von Wolf Stegemann

31. März 2017. – Woher kommt der Aprilscherz? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Je nach Region werden vier unterschiedliche Erklärungen in Erwägung gezogen: Schärfung der Sinne für Unglück, Rache des Volkes an Hochwohlgeborenen, eine Kalenderreform und ein römisches Narrenfest. Die Redewendung „in den April schicken“ ist in Bayern wohl schon seit 1618 sicher verbürgt. Aber eine der am häufigsten genannten Entstehungstheorien bezieht sich bereits auf eine 1564 durchgeführte Kalenderreform des französischen Königs Karl IX, der den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Daraufhin verschickten humorige Mitmenschen zum Apriltag Einladungen zu Neujahrsfestivitäten, die es nicht mehr gab. Wer dennoch kam, hatte zum Schaden der Anreise auch noch den Spott. Von Frankreich aus sollen sich dann derartige Aprilscherze mit Soldaten über Europa verbreitet haben, wo sie umgeformt und ausgeweitet wurden. Der Begriff „Aprilscherz“ bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. In „Grimms Deutschem Wörterbuch“ von 1854 ist zwar der „Aprilsnarr“ verzeichnet, aber noch nicht der „Aprilscherz“. Weiterlesen

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Tornado’s Wake – US-Panzer nahmen am 29. März 1945 das zerstörte Dorsten von drei Seiten ein. Der US-Soldat Edward Brodowski war dabei – zwei Tage vor seinem Tod

Während der Einnahme der Stadt: US-Verbandsplatz am Essener Tor

Von Wolf Stegemann

24. März 2017. – Das ist ein frei übersetzter Auszug aus den in den USA veröffentlichten Kriegserlebnissen des US-Soldaten Edward Brodowski, der dabei war, als Dorsten eingenommen wurde. Die Besetzung der Städte vom Niederrhein ins Westfälische, dazwischen Dorsten, bezeichnete er als „Tornado’s Wake“. Sein Sohn Bruce Brodowski aus Utika im Oneida County (N.Y.) arbeitete die Eintragungen seines Vaters auf und schickte sie 2015 dem Herausgeber der Online-Dokumentation „Dorsten unterm Hakenkreuz“, der sie frei übersetzte. – Edward Brodowski wurde 1919 in Frankfort (N.Y.) geboren, war zuletzt Leutnant und Panzerkommandant in der 8. US-Panzerdivision. Er starb bei einem Panzerduell mit einem deutschen „Tiger“ am 31. März 1945 hinter einem Haus in Buer-Hassel. Sein Grab befindet sich auf dem US-Soldatenfriedhof in Margraten (Niederlande). Der Sohn wurde drei Monate nach dem Tod des Vaters geboren. An dessen Bericht ist interessant, dass die Amerikaner zuerst die von deutschen Soldaten der 116. Panzer-Division besetzte und durch einen Bombenangriff am 23. März 1945 völlig zerstörte Altstadt Dorsten einfach umgehen wollten, um die Stadt dann vom Oster her anzugreifen. Der kommandierende General entschied in letzter Minute, Dorsten doch einzunehmen und zu besetzen. In Dorsten sind das sicherlich neue Erkenntnisse, nach welcher Taktik die Stadt in diesen Tagen vor 72 Jahren von den Amerikanern eingenommen wurde. Weiterlesen

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