Stilles und aufdringliches Betteln. Einst heidnisch ritualisiert, christlich motiviert, dann kriminalisiert und erst seit Kurzem straffrei – jedoch ein unschönes Bild in den Straßen (Essay)

Von Wolf Stegemann

21. Dezember 2018. – Wer durch die Straßen der Dorstener Innenstadt geht, sieht häufig auch Frauen und vorwiegend Männer, die betteln oder bettelnd eine Zeitung verkaufen wollen. Besonders an Markttagen sind sie in der Innenstadt zu finden: Menschen, die Geld erbetteln oder für Organisationen Spenden sammeln. Nicht allen gefällt das, doch erlaubt ist das schon. Zumindest, solange es nicht aggressiv ausgeführt wird. Das Betteln hat eine lange kirchliche, spendensoziale, gesellschaftssoziale und strafsoziale Geschichte des Gebens und Nehmens. Auch in Dorsten bis in die Gegenwart. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Manche Städte gaben Verordnungen heraus, die das Betteln einschränkten, wenn nicht gar verboten hatten. Doch diese sind allesamt rechtsungültig, weil Bundes- beziehungsweise Landesrecht Kommunalrecht bricht. Das Betteln stellt in Deutschland seit 1974 keinen Straftatbestand dar. Der entsprechende Paragraph „Bettlerei und Landstreicherei“ wurde aus dem Strafgesetzbuch (StGB) entfernt. Daher gibt es auch in Dorsten keine städtischen Verordnungen über das Betteln. Weiterlesen

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Hermann Bogdal, bis 1945 verfolgter Kommunist und Widerstandskämpfer, danach Journalist („Neues Deutschland“) und Buchautor, ist in Dorsten in bester Erinnerung

Hermann Bogdal (r,) am Lagerfriedhof Bockhorst in den 1980er-Jahren

Von Wolf Stegemann

14. Dezember 2018. – Mit Dorsten verbanden ihn viele Freunde und politisch Gleichgesinnte. Darunter vor allem Bogdals politischer Weggefährte Edmund Labendz (Jahrgang 1931), der in den 1950er-Jahren wegen seiner Zugehörigkeit zur KPD im Zuchthaus saß. Hermann Bogdal wurde ebenfalls in den 1950er- und 60er-Jahren bestraft bzw. angeklagt, allerdings mit der Einstellung der Verfahren endete. Mit Dorsten verband Bogdal auch wochenlange Recherche im Stadtarchiv, die ihren Niederschlag vor allem in seinen beiden 1984 erschienenen Bänden „Rote Fahnen im Vest“ gefunden haben. Darin beschreibt er die Geschichte in den revolutionären Novembertagen 1918 im Kreis Recklinghausen und die Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vor allem die historischen Dorstener Begebenheiten jener Zeit hat Hermann Bogdal in diesen beiden Büchern geschildert. Daher ist er auch immer wieder zu Lesungen und Diskussionen nach Dorsten eingeladen worden. Auf Einladung des Schulleiters Wolfgang Triptrap referiert er zur 40. Wiederkehr des Kriegsendes am 8. Mai 1985 in der Gesamtschule Wulfen. Zudem war Bogdal bei vielen ähnlichen Veranstaltungen in Dorsten anwesend, so dass mit der Zeit auch in Dorsten ein breitgefächerter Kreis von Gleichgesinnten, Freunden und Gesprächspartnern der Nachkriegsgeneration entstand. Darunter der bereits erwähnte Edmund Labendz, dann Karl Möhring und Uli Hengemühle. Auch Dirk Hartwich hat sich mit ihm politisch ausgetauscht und sein Leben, seine feste Haltung und sein Engagement stets gewürdigt. Auch die Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“ hatte Kontakte zu Bogdal. Die „Ruhr-Nachrichten“ schrieben 1983: „’Rote Fahnen im Vest’ ist der Versuch, Geschichte von unten aus eindeutig politischer Sicht zu schreiben. Deshalb ist es ein beeindruckendes Buch, und trotz der eingeschränkten politischen Sicht ein notwendiges Buch.“ Weiterlesen

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Blick in die lokale Medienwelt (I): Seminararbeit von Polizeistudenten über Gewalt an Dorstener Schulen – wie sich 1994 der Schulleiter des Petrinum über einen Zeitungsartikel aufregte

Symbolbild

Von Wolf Stegemann

Vorab gesagt: Warum dieser Artikel? Lokalzeitungen sind dazu da, ihre Leser über Geschehnisse in ihrer Stadt – u. a. in den Vereinen, Bürgerinitiativen, Kindergärten, Schulen – zu informieren und auch und vor allem einen kritischen Blick auf das Tun und Lassen der Kommunalpolitiker und der städtischen Institutionen zu werfen, darüber zu berichten und zu kommentieren. Nehmen Journalisten ihre Arbeit in diesem und im Sinne ihres journalistischen Ethos ernst, ecken sie mitunter zwangsläufig an. Dann kann es schon mal Abbestellungen der Zeitung geben, Diffamierungen von Journalisten, vor allem durch Politiker, die dann beim Verleger oder Chefredakteur gegen den Journalisten agieren und auch Entlassungen fordern. Für Beschwerden, bei wem auch immer, genügen   betreffenden Politiker oft auch nur missfallende Überschriften. Darüber erfährt der Leser in der Regel nichts. Die Beziehung zwischen Politik und Presse ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie, auch auf lokaler Ebene. Daher mag man es uns nachsehen, wenn wir die Beziehung zwischen Lokalpolitik und Presse aufgreifen. Denn auch auf lokaler Ebene  gibt es hinter den Kulissen manch unschönen Druck auf Journalisten, wenn diese durch kritische Berichterstattung „auffallen“. – In loser Folge werden wir aus dem persönlichen Leben und der Feder des Verfassers einige Auseinandersetzungen zwischen Institutionen der Stadt, Parteien und der Lokalpresse schildern.

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Wie die katholische „Dorstener Volkszeitung“, Vorgängerin der heutigen „Dorstener Zeitung“, zu Beginn der NS-Zeit gleichgeschaltet und ihr von der NSDAP der Maulkorb verpasst wurde

Verlagshaus am Südwall

Von Maja Lendzian

In den überregionalen Teilen der Tageszeitungen löste Ende 1932 und Anfang 1933 eine  besorgniserregende Schlagzeile die nächste ab: „Wieder einmal große Prügelei zwischen NSDAP und KPD“, „Strassers Rücktritt von seinen Parteiämtern“, „Reichstags- und Landtagspräsident bei Hindenburg“, „Politischer Umschwung in Vorbereitung“, ,,Die Harzburger Front am Ziel – Hitler auf dem Stuhl Bismarcks“. Weiterlesen

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Rolltreppen – die erste in Dorsten wurde 1951 eingerichtet, die zweite kam erst annähernd 30 Jahre später und danach aber mehrere

Von Wolf Stegemann

Heute sind Rolltreppen, die in Fachkreisen Fahrtreppen genannt werden, in öffentlichen Gebäuden, Kaufhäusern und anderen Gebäuden ein ganz normaler Anblick und eine Einrichtung, die ohne Bedenken und Muskelkraft benutzt wird. Das war nicht immer so. Vermutlich die erste Rolltreppe, die in Dorsten zu sehen und zu benutzen war, gab es ab 1951 im Kaufhaus Albert Bieker an der Essener Straße. Das war schon ein Ereignis, denn nur 58 Jahre früher, im Jahr 1893 wurde die erste „mittels Elektrizität getriebene endlose schräge Wandelbahn“ (=Rolltreppe) in einem nicht genauer benannten New Yorker Bahnhof eingebaut, die auch ein bewegliches Geländer besaß. Der Höhenunterschied betrug bei 16 Meter Länge sechs Meter. Weiterlesen

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In eigener Sache: DORSTEN-transparent seit sieben Jahren im Netz! Über eine halbe Million Aufrufe. Zahlen und Fakten – auch „Dorsten-Lexikon“ und „Dorsten unterm Hakenkreuz“

15. November 2018. – Das seit 2012 ehrenamtlich und ohne Werbung herausgegebene Online-Magazin DORSTEN-transparent zeigt seinen Lesern auch in eigener Sache Transparenz. Daher hier einige Fakten zur bisherigen redaktionellen Arbeit und Zahlen, wie dieses Magazin von den Lesern angenommen wird. Damit beantworten wir auch Nachfragen, die uns immer wieder telefonisch oder per Email erreichen. Gleiches gilt für die Online-Seiten bzw. -Dokumentationen „Dorsten-Lexikon“ und „Dorsten unterm Hakenkreuz“, die ebenfalls von einem der beiden DORSTEN-transparent-Herausgeber ediert werden. Das von vielen Nutzern als hervorragend bezeichnete Layout und die Handhabung aller Seiten entwarf Jörn Fester. In DORSTEN-transparent sind inzwischen 370 Artikel zu den Themen Lokalpolitik, Kultur, Geschichte, Gesellschaftliches und Soziales veröffentlicht, die mit 609 Kommentaren bedacht wurden (Stand 8. November 2018). Neben der Behandlung aktueller Themen ist es unser Anliegen, Vergessenes wieder in Erinnerung zu bringen. Die Zielsetzung des Magazins mag mit einem Wort von Bodo Hombach, damals Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, illustriert werden. In einer Rede beim „Dorstener Wirtschaftsgespräch“ 2011 sprach er davon, dass das, was vor der Haustüre geschehe, 85 Prozent der Aufmerksamkeit der Bürger auf sich ziehe. „Der lokale Journalist muss realitätssüchtig sein. Er muss auch dort Transparenz schaffen, wo sie nicht erwünscht ist. Er muss nicht die Antworten haben, aber die richtigen Fragen stellen. Transparenz schaffen, wo Mächtige lieber Dunkelheit wollen.“ Weiterlesen

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Demographie: Dorstener Einwohnerzahl 2017 unverändert. Der langfristige Trend des Bevölkerungsrückgangs ist damit nicht gebrochen

Von Helmut Frenzel

8. November 2018. – Die demographische Entwicklung in Deutschland ist wegen ihrer dramatischen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Top-Thema avanciert. Der grundlegende Trend des Bevölkerungsrückgangs ist hierzulande überall wirksam. Deswegen ist es auch in Dorsten von Interesse, die lokale Entwicklung im Auge zu behalten. Inzwischen liegen die Zahlen für 2017 vor und es stellt sich die Frage, welche Erkentnisse man daraus gewinnt. Die drei Tabellen (siehe unten) geben einen Überblick über die Entwicklung relevanter Daten 2012 bis 2017. Die Angaben für 2017 wurden erst kürzlich veröffentlicht. Weiterlesen

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