Wind und Wetter – Stürme fegten über Stadt und Land, Hitze verdorrte Felder und Ernten, Kälte legte den Verkehr lahm und die Lippe überschwemmte Straßen und Felder

Essay von Wolf Stegemann

13. Oktober 2017. – „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie’s ist!“ Diese verballhornte Volksweisheit sagt aus, dass man das Wetter nicht beeinflussen kann, sieht man von einigen Versuchen ab, Wolken künstlich regnen zu lassen. Auch forscht das Militär seit  Anfang der 1950er-Jahre über Möglichkeiten, das Wetter lokal zu beeinflussen. Denn Kriege zu gewinnen oder zu verlieren, kann auch von der Wetterlage abhängig sein, wie 1942/43 die Niederlage der Deutschen in der Sowjetunion. Und die Bombardierung der deutschen Städte, darunter auch Dorsten im März 1945, war abhängig von guter Sicht der Piloten, die ohne tiefhängende Wolken ihre Bomben besser platzieren konnten. Weiterlesen

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Die Arbeit der Jugendämter – Immer wieder geraten sie in die Schlagzeilen, wie in Dorsten bei der Entscheidung „Paul“. In Einzelfällen berechtigte Kritik – aber auch Pauschalkritik

Essay von Wolf Stegemann

5. Oktober 2017. – Immer wieder werden Stimmen laut – in Einzelfällen oder pauschal –, die das Jugendamt heftig kritisieren. Auch in Dorsten. Da braucht man nur die vielen Blogs durchzusehen. Bundesweit nehmen sich die Medien der Fälle an, die besonders leidvoll für die Betroffenen sind und das Handeln der Jugendämter besonders hart und ungerecht erscheinen lassen – oder das auch sind. Das Jugendamt ist ein Teil der Kommunalverwaltung, deren rechtliche Grundlagen im 8. Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB VIII) festgeschrieben sind. Danach muss jeder örtliche Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe ein Jugendamt errichten. Die Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe werden durch Landesrecht bestimmt. In der Kritik der Medien an der Institution „Jugendamt“ werden insbesondere die oftmals zu knappe Personalausstattung und die Professionalität der Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste in Frage gestellt. Einerseits wird der Anspruch an das Jugendamt herangetragen, dass es Ausfallbürge für Versorgungsdefizite der aktuellen Gesellschaftspolitik sein soll, andererseits wird es aber gerne als Projektionsfläche genau dafür genutzt. Dies wird daran deutlich, dass aus Einzelfällen kontinuierlich eine Pauschalkritik gegen das Jugendamt abgeleitet wird. Aber auch berechtigte Einzelkritiken. Weiterlesen

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Eine Rückkehr in die Erinnerung mit Gänsehaut – Stephanie Lenz, die unvergessliche „Medea“ nach 30 Jahren wieder am Theaterort in Dorsten

Stephanie Lenz, einstige „Medea“, erinnert sich an das „Sommertheater“; Foto: Wolf  Stegemann

28. September 2017. – Sie stand da, blickte sich um, schüttelte leicht den Kopf, als würde sie nicht glauben, was sie sah. So stand sie inmitten des Rasenrondells am inzwischen überwucherten Freilufttheater in der Grünanlage Maria Lindenhof. Jetzt ist es dort still, fast tot. Doch vor rund 25 Jahren war es dort lebendig. Eine Bühne, auf der sie und die anderen Ensemblemitglieder des „Sommertheaters“ mit antiken Theaterstücken brillierten. Das waren Julia Friedrich Anderseck, Thomas Boos, Katja Podszuweit, Thomas Brandt, Frieder Kornfeld, Christoph Wink, Katharina Joss, Bernd Helle, Rolf Puschnig und wie sie alle hießen. Sie spielten Aristophanes‘ „Lysistrata“, Senecas „Thyestes“, Sophokles‘ „König Ödipus“ und „Philoklet“, Euripides‘ „Die Bacchen“ und „Medea“, aber auch Tabori- und Dario Fo-Stücke. Das alles war einmal. Danach ging das Ensemble auseinander. Stephanie Lenz, damals noch Schülerin und unvergessliche „Medea“, wohnt heute am Tegernsee. Wolf Stegemann, damals bei den Ruhr-Nachrichten (heute DZ) zuständig für Kultur, begleitete das Ensemble zehn Jahre lang journalistisch, wobei es ihm die „Medea“ besonders angetan hatte. Für ihn Grund genug, Medea in persona Stephanie Lenz, die gerade ihre Eltern in Bottrop-Grafenwald besuchte, nach nahezu drei Jahrzehnten an den Ort zwischen Lippe und Kanal einzuladen und sich der alten Zeiten zu erinnern. Weiterlesen

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Dorstens „patriotische Straßennamen“ (3) – Steinmetzstraße in Holsterhausen: Sie kündet von einem preußischen Generalfeldmarschall, der Schlachten gewann, im hohen Alter verlustreich

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung. 22. September 2017. – In Dorsten gibt es heute noch einige Straßen, die nach preußisch-ruhmbekleckerten Feldmarschällen benannt sind. – Im damaligen Wilhelminischen Kaiserreich liebdienerten sich Bürgermeister und Magistraten durch Straßenbenennungen den hohen Herrschaften an. So entstand in Holsterhausen die 1910  nach dem preußischen König und deutschen Kaiser genannte „Friedrichstraße“ (der III.), 1911 nach dem Bruder des Kaisers Wilhelm II. die „Heinrichstraße“, ebenso bekam der Preußen-Feldherr von Roon eine Straße; Goeben, Wrangel, Blücher und Bismarck auch; zudem Damen des Königshauses. Das sind neben Musiker-, Künstler-, Tier-, Pflanzen-, Heiligen- und anderen Straßen die „patriotischen Straßen“. Sie sind historische Denkmale. Und wie es mit Denkmalen so ist: sie werden abgerissen, wenn man die Geehrten nicht mehr ehren will oder sie bleiben udn werden vergessen. Die 1933 bis 1945 nach Hitler und anderen NS-Größen benannten Plätze und Straßen sind verschwunden. In Dorsten heißt beispielsweise dass Essener Tor wieder so, die „Adolf-Hitler-Straße“ in Holsterhausen ist nach 1945 dem heiligen Antonius gewidmet. Weiterlesen

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Wohin mit der Agathaschule? Zum Nonnenkamp! Die Verwaltung gibt vor und die Mehrheit des Stadtrats beschließt: Kein Geld für den Erhalt des Grundschul-Standorts am Voßkamp

Kommentar von Helmut Frenzel

14. September 2017. – Die Würfel sind gefallen. In der gestrigen Sitzung des Stadtrats entschied eine Ratsmehrheit mit 26 zu 16 Stimmen, dass die St. Agatha-Grundschule zum Nonnenkamp verlegt wird. Um Platz zu machen, zieht die dort noch beheimatete Geschwister-Scholl-Schule an die Marler Straße um und wird mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule zusammengeführt, die ihrerseits der künftigen Sekundarschule im Schulzentrum Pliesterbecker Straße weichen muss. Mit dem Start der Sekundarschule im August 2018 bilden die beiden Hauptschulen keine neuen Klassen mehr und laufen aus. Der Beschluss des Rates entspricht vollumfänglich den Wünschen von Bürgermeister und Verwaltung. Diejenigen Ratsmitglieder, die sich gegen den Untergang des Schulstandorts am Voßkamp gestemmt haben, müssen die Entscheidung akzeptieren. So funktioniert nun einmal Demokratie: die Mehrheit entscheidet. Weiterlesen

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Wohin mit der Agathaschule? Wirtschaftliche Erwägungen der Stadtverwaltung rangieren offenbar vor einer vernünftigen schulbezogenen Lösung

Agathaschule am Voßkamp, wohin mit ihr? Foto: KaSaTech

Von Helmut Frenzel

7. September 2017. – In der bevorstehenden Sitzung des Schulausschusses am 11. September 2017 steht die Beschlussfassung über den künftigen Standort der St. Agatha-Grundschule am Voßkamp auf der Tagesordnung. Das Schulgebäude ist stark sanierungsbedürftig und muss hinsichtlich des Raumangebots an die heutigen Erfordernisse angepasst werden. Außerdem geht der Schulentwicklungsplan davon aus, dass die Schülerzahl von zuletzt 260 bis zum Schuljahr 2024/25 auf 330 steigt, wodurch sich der Raumbedarf zusätzlich vergrößert. In der Vorlage zur Sitzung stellt die Verwaltung drei „Möglichkeiten“ zur Wahl: (1) Errichtung eines Neubaus am bisherigen Standort Voßkamp, (2) Verlagerung an den Nonnenkamp und Übernahme des Gebäudes der Geschwister-Scholl-Hauptschule, deren Ende besiegelt scheint, und (3) Verlagerung zur Marler Straße und Einzug in die Gebäude der ehemaligen Johannesschule und Astrid-Lindgren-Schule, die aktuell leer stehen. Diese drei „Möglichkeiten“ haben jede für sich Vor- und Nachteile und sind mit verschieden hohen Kosten verbunden. Die Vorlage der Verwaltung vermittelt den Eindruck, dass der Ausschuss frei ist in seiner Entscheidung. Das ist aber nicht der Fall. Die Beschlussvorlage weist eine Schieflage auf, in der die Option Verbleib am Standort Voßkamp massiv benachteiligt wird. Sie fällt als realistische Wahlmöglichkeit faktisch aus. Weiterlesen

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Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus: Gedrückte Stimmung in der Stadt. Der Krieg dauerte 2.077 Tage und kostete 60 Millionen Menschen das Leben. – Ein Überblick

Flakbatterie „Cramer“ zwischen Dorsten und Holsterhausen

Von Wolf Stegemann

Während beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 in den Dorstener Gaststätten und auf dem Marktplatz gejubelt wurde, nahmen die Dorstener den Beginn des Zweiten Weltkriegs in gedrückter Stimmung hin. Der Pfarrer von St. Agatha Ludwig Heming schrieb in die Chronik:
„Die letzten Augusttage waren voll unerhörter Spannung, immer dichteres Gewölk zog sich am politischen Horizont zusammen, bis am 1. September früh morgens der Krieg mit Polen begann. Bald folgte die Kriegserklärung Englands und Frankreichs – der 2. Weltkrieg hatte seinen Anfang genommen.“
Obwohl zu diesem Zeitpunkt Anfang September 1939, als Heming diese Zeilen schrieb, noch gar nicht bekannt war, dass sich der Überfall auf Polen und die Kriegserklärungen Englands und Frankreich zu einem Weltkrieg entwickeln würde, benutzte er dieses Wort – wohl in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Weiter schrieb er:
Während 1914 bei Kriegsausbruch die Kirchen gefüllt und Beichtstühle und Kommunionbänke umlagert waren, war jetzt derartiges nicht zu bemerken. Wohl fanden sich manche, die zu den Waffen gerufen wurden, ein, um ihre Rechnung mit dem Herrgott in Ordnung zu machen, im Ganzen aber hatte das große politische Geschehen ein schwaches religiöses Echo“. Weiterlesen

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