Katastrophale Haushaltslage gab den Anstoß zur Erhöhung der Straßenbaubeiträge. Die Frage der Gerechtigkeit spielte keine Rolle. Blick zurück in das Jahr 2010

Von Helmut Frenzel

4. April 2019. – Die Höhe der Straßenbaubeiträge, die Anlieger bei der Erneuerung ihrer Straße an die Stadt zahlen müssen, hängt von zwei Komponenten ab. Da sind zunächst die Kosten der Maßnahme. Hier spielen zahlreiche Einflussfaktoren eine Rolle: das Baugesetzbuch, in dem Ausbaustandards geregelt sind, dann die einzelnen Bestandteile wie Fahrbahn, Gehweg, Radweg, Parkplätze, Beleuchtung und nicht zuletzt die daraus resultierenden Baukosten. Diese Faktoren sind kaum beeinflussbar. Die zweite Komponente allerdings ist der Anteil der Baukosten, den die Stadt den Anliegern aufbürdet. Diesen Anteil legt die Stadt in eigener Verantwortung fest. Die daraus resultierenden Zahlungsverpflichtungen haben eine Höhe erreicht, die von den Anliegern nicht mehr akzeptiert wird und sie dagegen rebellieren lässt. Das mag mit zwei Entwicklungen zusammenhängen: infolge der guten Baukonjunktur sind die Baukosten in den letzten Jahren sehr viel stärker als der Lebenshaltungskostenindex gestiegen und gleichzeitig hat die Stadt Dorsten die Anliegeranteile massiv erhöht. Jetzt geht es um die Frage, wie gerecht die Anliegerbeiträge sind. Weiterlesen

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Straßenbaubeiträge schlagen hohe Wellen – Bürgermeister Stockhoff wollte die Wellen glätten. Doch er verursachte eine Monsterwelle – kommentierende Beschreibung einer misslungenen Veranstaltung

Von Wolf Stegemann

28. März 2019. – Eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Unverständnis, Ratlosigkeit, Enttäuschung und auch verbale Empörung schlug am letzten Donnerstag Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff entgegen, der mit seinem bekannt-berüchtigten Geschick, bei Bürgerversammlungen Kritiker mit einem Erklärungsredeschwall still zu halten, hier keinen Erfolg hatte. Diesmal schlug seine Taktik fehl. Die meisten der rund 200 Bürger, die seiner Einladung ins Forum der Volkshochschule gefolgt waren, ließen sich das nicht bieten und boten dem Bürgermeister und seiner anwesenden Verwaltungs-Entourage lautstarken Widerstand. Dazu hatten sie auch allen Grund. Weiterlesen

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Wirbel um Straßenbaubeiträge. Es geht um den feinen Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit

Luisenstraße – derzeit in der Diskussion um Straßenbaubeiträge; Foto: H. Frenzel

Von Helmut Frenzel

11. März 2019. – Im Zusammenhang mit der Sanierung kommunaler Straßen sorgen die Straßenbaubeiträge, welche die Städte von den Anliegern fordern, für viel Unmut bei den betroffenen Bürgern. Dorsten ist da keine Ausnahme. Wer Mitglied in einem Verein ist zahlt einen monatlichen oder jährlichen Beitrag, der im allgemeinen moderat ist und die Haushaltskasse nicht über die Maßen belastet. Oft erhalten die Mitglieder eine unmittelbare Gegenleistung, zum Beispiel die Möglichkeit, ihren Sport ausüben zu können. Mit ihrem Beitrag unterstützen sie die Ziele des Vereins und sie tun es freiwillig und gerne, sonst würden sie dem Verein nicht beigetreten sein. Analog gilt dies auch beispielsweise für einen Versicherungsbeitrag. Vor diesem Hintergrund ist der Begriff „Beitrag“ bei den Bürgern in aller Regel positiv besetzt. Wenn es aber um den Straßenbaubeitrag geht, schrillen bei den Betroffenen alle Alarmglocken. Denn an diesem „Beitrag“ ist nichts freiwillig und nichts moderat und deswegen löst alleine die Ankündigung, zur Zahlung herangezogen zu werden, Ängste und Stress aus. Auch in Dorsten sind die Straßenbaubeiträge mittlerweile zu einem beherrschenden Thema geworden. Weiterlesen

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Mercaden – Nach erstem Scheitern soll nach einem innenarchitektonischen Umbau ein zweiter Anlauf erfolgen – viele Fragen bleiben offen. Eine kommentierende Betrachtung

Von Wolf Stegemann

1. März 2019. – Rückblick und Gegenwart. Über die Vergangenheit des Einkaufszentrums „Mercaden“ am Lippetor wurde in den letzten Jahren viel gesagt und veröffentlicht. In den Printmedien eigentlich nur Gutes. Zeichnungen zeigten Sonnenschirme und gläserne Durchgänge zum Wasser. Von „Dorsten am Wasser“ war die Rede vor allem im Rathaus. Mercaden als Anziehungspunkt für die Menschen in den entlegenen Stadtteilen, die doch ihre eigene Nahversorgung haben, sowie für die Bewohner der umliegenden Städte werde die Innenstadt beleben, hieß es unisono von den Sprechern der Kaufmannschaft und aus der Chefetage des Rathauses, wiedergegeben in den Medien wie die Aussage des damaligen Bürgermeister Lambert Lütkenhorst am 19. November 2015: „Die Mercaden beleben die Innenstadt und werden ganz sicher ein Erfolgsmodell.“ Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Gabi Erbe? Malen und Zeichnen aus dem Unterbewussten – Die Entspannungspädagogin ist auf die Transformationsmethode der Neurografik spezialisiert

Gabi Erbe und mit dem noch nicht fertiggestellten Bild (siehe auch unten); Foto: Andrea Schüller

Von Wolf Stegemann

14. Februar 2019. – Sie vertritt die von dem Petersburger Architekten, Künstler, Business-Trainer und Doktor der Psychologie Pavel Piskarev entwickelte Neurographik, die seit 2014 vor allem in Russland gelehrt wird. Sie basiert auf Erkenntnissen der Neuropsychologie, analytischen Psychologie, Gestalt- und  Sozialpsychologie sowie modernen Management-Theorien. Aktuell wird sie bislang weltweit von etwa 15.000 Menschen in den Bereichen Pädagogik, (Kunst-)Therapie, Coaching/Training/Beratung und Malerei betrieben. – Geboren und aufgewachsen ist Gabi Erbe in Alpen, absolvierte eine Friseurinnen-Ausbildung, war im Einzelhandel tätig, heiratete 1999 in Dorsten, wurde Mutter von zwei Mädchen und wohnt seither im Stadtteil Altendorf-Ulfkotte. Seit einigen Jahren schon befasst sich die 52-Jährige bewusst mit Persönlichkeitsentwicklung, verstärkt wurde es durch ihre Erfahrung bei einem Aufenthalt in der Naturheilkundeklinik in Essen, in der sie sich aufgrund einer Schmerzerkrankung befand. Danach begann sie die Fortbildung zur Entspannungspädagogin und arbeitet seitdem selbstständig. Weiterlesen

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Blick in die lokale Medienwelt (II): Altstadtschützen erklärten 1984 den Journalisten zum „inneren Feind“, der das ganze gesellschaftliche Gefüge zum Einsturz bringen will

Schützen (Symbolbild)

Vorab gesagt: Warum dieser Artikel? Lokalzeitungen sind dazu da, ihre Leser über Geschehnisse in ihrer Stadt – u. a. in den Vereinen, Bürgerinitiativen, Kindergärten, Schulen, Schützenvereinen – zu informieren und auch und vor allem einen kritischen Blick auf das Tun und Lassen der Kommunalpolitik und städtischer Institutionen zu werfen, darüber zu berichten und es zu kommentieren. Nehmen Journalisten ihre Arbeit in diesem und im Sinne ihres journalistischen Ethos ernst, ecken sie mitunter zwangsläufig an. Dann kann es schon mal Abbestellungen der Zeitung und Diffamierungen von Journalisten geben. – In loser Folge schildern wir begrenzt solche Eposiden bzw. Vorfälle.

Schützen wechselten den äußeren Feind mit dem inneren aus

Im Jahre 1984 gab es eine heute als amüsant zu bewertende Auseinandersetzung über eine Film-Rezension, die der damalige Kulturredakteur der Dorstener „Ruhr-Nachrichten“, Wolf Stegemann, unter dem Titel „Filmemacher Garczyk stellt sich den Dorstenern“ schrieb. Eckhard Garczyk hatte in dem TV-Film des Bayerischen Rundfunks „Jeder hat sein Nest im Kopf“ vor allem über den Schützenbetrieb so berichtet, dass er „anfangs“ auch den Ehrenobersten und Ehrenvorsitzenden der Altstadtschützen, Hans Pasterkamp, „schockierte“, wie er in einem Leserbrief an die „Ruhr-Nachrichten“ vom 31. Mai 1984 schrieb. Garczyk nahm in diesem Film u. a. das militärische Gehabe der Schützen aufs Korn seiner Filmkamera. Doch seinen Unmut schüttete der Ehrenoberst nicht über den Filmemacher Garczyk aus, sondern über den Journalisten, der darüber schrieb und den Hans Pasterkamp mit einem Menschen verglich, der „wurzellos“ keine „Achtung vor der Tradition“ habe. Pasterkamp gab Nachhilfeunterricht: Weiterlesen

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Juden wurden auch in Dorsten von Kommunal- und Staatsbehörden ausgeplündert, bevor sie in die Todeslager kamen. Nach dem Krieg gab es Wiedergutmachungsämter (2)

Spottbild über die Vertreibung der Juden an einer Wand des SA-Lagers an der Schleuse in Dorsten

Von Wolf Stegemann

27. Januar 2019. – Der 27. Januar, die Befreiung des Lagers Auschwitz 1945, ist in Deutschland der offizielle Erinnerungstag an die Vertreibung und Ermordung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland. Daher haben wir bereits in der letzten Woche einen Beitrag über jüdische Bürger in Dorsten veröffentlicht, die seit 1809 wieder in Dorsten leben und auch Besitz erwerben durften (Häuser, die einst Dorstener Juden bis 1942 gehörten, bevor sie vertrieben oder in Lagern ermordet wurden. Die Wiesenstraße war das geistige Zentrum des Dorstener Judentums – Ein Überblick (1)). Rund 130 Jahre später wurde ihnen der Besitz wieder abgenommen und auch ihr Leben – 41 Dorstener Bürger jüdischen Glaubens wurden ermordet, darunter als jüngste Kinder zwei Sechsjährige (siehe unten). – In dieser Folge befassen wir uns mit der Wegnahme des Besitzes jüdischer Bürger Dorstens durch (christliche) Bürger der Stadt, damals „arisch“ genannt, bzw. durch die Stadt selbst. Wir bitten um Verständnis, wenn wir die Namen derer, die sich am Vermögen jüdischer Bürger bereichert haben, aus Rücksicht auf ihre heutigen Familien nicht nennen. Wir bitten auch um Verständnis, wenn dieser Artikel – gemessen an den üblichen anderen – eine Überlänge hat, um das Thema umfassend zu erläutern und es abzuschließen. Weiterlesen

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