Karnevalsbräuche: Wurstjagen, Hühneressen, Maskeraden, Büttenreden, Vereinskarneval, Altweiber, Strohpuppen anzünden, Rosenmontagszüge, Aschedagessen usw.

1980er-Jahre: Karneval im Ursulinenkloster; Sr. Paula (Tisa von der Schulenburg†) vorne

Essay von Wolf Stegemann

In den Tagen vor Fastnacht, zumeist am Rosenmontag und Fastnachtsdienstag, war es in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Vest üblich, dass die heiratsfähigen jungen Männer einer Bauer- oder Nachbarschaft sich verkleideten und maskierten. Sie zogen von Haus zu Haus und bekamen Eier, Würste und Lebensmittel. In Gahlen und Üfte nennt man das heute noch „Wurstjagen“. Die Behörden verboten diesen Brauch mehrmals, weil er als Bettelei und somit als Verstoß gegen die guten Sitten und als ruhestörender Lärm angesehen wurde. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Feste und Feiern, Vereine, Volksbräuche | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Der kriegsgefangene Russe Kamar Gimadeev arbeitete auf der Zeche Fürst Leopold und erzählte davon seinen Kindern. Jetzt besuchte eine Tochter die Stätte seiner Erinnerungen

W. Stegemann (l.) mit den Besuchern aus Russland in der Nähe des ehem. Lagers; Foto: A. Schüller

Von Wolf Stegemann

13. Februar 2020. – Vor Tagen fand in Dorsten ein außergewöhnlicher und bislang vielleicht auch erstmaliger  Besuch statt. Ein älteres russisches Ehepaar besuchte in Begleitung von Verwandten Dorsten, um das zu sehen, was deren längst verstorbener Vater ihnen über Dorsten erzählt hatte, als sie noch Kinder waren. Er erzählte von seiner Arbeit als russischer Kriegsgefangener auf der Zeche Fürst Leopold und vom Leben in dem speziellen Zechenlager am Kanal. Jetzt, wo die Kinder alt sind, wollten sie den Dorstener Spuren ihres vor 22 Jahren verstorbenen Vaters nachgehen. Dabei flossen Tränen, denn sie sahen genau das, wie es ihr Vater beschrieben hatte.  Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichte, Kriege in und um Dorsten, Kriegsspuren, Nationalsozialismus, Zeche, Zurückgeblättert, Zweiter Weltkrieg | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Ein freier Arbeitstag – des Bürgermeisters „Anerkennungsgeschenk“ an Mitarbeiter. Das gab es schon in Ratzeburg, wo der Bürgermeister dann diesen Tag selber zahlen musste

Von Wolf Stegemann

Mit Stand Januar 2020 haben sich auf dem Arbeitszeitkonto der städtischen Mitarbeiter in Dorsten 28.158 Überstunden angesammelt. Die Zahl ist seit Jahren ziemlich konstant, so Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage der „Dorstener Zeitung“. Diese rund 28.000 Überstunden betreffen allerdings nur 570 Mitarbeiter im Rathaus, die ihre Arbeitszeit elektronisch erfassen. Die Überstunden der Mitarbeiter aus gewerblichen Bereichen und der Kindergärten sind da nicht mit eingerechnet. Der Abbau von Überstunden ist sowohl durch Freizeitausgleich wie auch die Auszahlung der Überstunden möglich. Die Stadtkämmerei ist verpflichtet, für angefallene Überstunden Rückstellungen in der Bilanz zu bilden, und das hat sie auch getan. Im Jahresabschluss 2018 steht in der Anlage Nr. 3 auf Seite 173  (kleiner Hinweis an den Bürgermeister: wie einfach für den Bürger, dies zu finden!), dass für Überstunden  738.000 Euro als Aufwand eingestellt sind. Dieser Betrag ist im Ergebnis der Stadt also längst berücksichtigt, aber eben noch nicht gezahlt. Warum das Geld nicht ausgezahlt wird, wenn man die Überstunden wegen Personalmangels nicht in Freizeit abgelten kann, ist ein Rätsel. Die Auszahlung und damit die Bereinigung dieses Bilanzpostens muss man als einen Bestandteil der Haushaltssanierung begreifen. Wann, wenn nicht in Zeiten hoher Haushaltsüberschüsse, soll das denn geschehen? Im November 2019 hat der Stadtrat im Zuge der Verabschiedung des Haushalts 2020 im Gegenteil beschlossen, zur Einsparung von Kosten 15 bis 20 Stellen temporär oder dauerhaft nicht wieder zu besetzen. Diese Maßnahme wird die Überstundenkonten des Personals weiter erhöhen. Ist wirklich keine Lösung in Sicht, wie das immer verkündet wird?

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bürgermeister, Politik, Rat und Verwaltung, Skurriles | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Weg nach Auschwitz, Synonym für Vernichtung und Ermordung jüdischer Menschen, begann auch in Dorsten – Wege zurück gab es nach1945 kaum; wenn, dann nur besuchsweise

Ernst Metzger zwischen Dirk Hartwich (r.) und Wolf Stegemann

Erinnerungen von Wolf Stegemann

2. Februar 2020. – Am 27. Januar 2020 jährte sich zum 75. Mal die Befreiung des größten Vernichtungslagers des nationalsozialistischen Deutschlands. Über eine Million Menschen verloren in Auschwitz auf grausame Weise ihre Würde und ihr Leben. Seit 1996 ist der 27. Januar offizieller deutscher Gedenktag, 2005 erklärten ihn die Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Doch in diesem Jahr waren Politik und vor allem auch die Medien besonders rührig. Denn es gibt nur noch wenige Menschen, die Auschwitz überlebt haben und noch leben. Im Kreis Recklinghausen ist es Rolf Abrahamsohn, der als überlebender Jude seine persönlichen Erinnerungen all die Jahrzehnte wach gehalten und an die folgenden Generationen weitergegeben hat. Dafür hat er vor Wochen den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten. Auch Dorstener Bürger jüdischen Glaubens wurden in Auschwitz und in anderen Todeslagern ermordet. Das waren Angehörige der Familien Bendix, Cohn, Joseph, Lebenstein, Metzger, Minkel, Neuberg, Perlstein, Reifeisen, Schöndorf. Es gab auch Juden, die Auschwitz überlebt haben. Dazu gehörte Ernst Metzger, geboren 1912, ein Dorstener Jude, der nach seiner Befreiung in die USA auswanderte und vor wenigen Jahren verstarb. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Nationalsozialismus, Partnerstädte, Rassismus, Zurückgeblättert | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Blick in den Ratssaal – Wird Dorstener Politik noch vom Stadtrat gemacht oder vom allgegenwärtigen Bürgermeister? Ein Plädoyer für die Wiederbelebung der kommunalen Demokratie

Dorstener Rathaus. Hier wird die Stadtpolitik gemacht; Foto: Frenzel Rathaus

Von Helmut Frenzel

23. Januar 2020. – Im September dieses Jahres finden in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen statt. Bürgermeister und Stadtrat sind neu zu wählen. Obwohl die Ausübung des Stimmrechts in einer repräsentativen Demokratie für die Bürger die einzige Gelegenheit ist, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen, ist ihr Interesse im Falle der Kommunalwahlen erfahrungsgemäß gering, auch in Dorsten. 2014 lag die Wahlbeteiligung bei 51 Prozent. Tobias Stockhoff, der erstmals für das Amt des Bürgermeisters kandidierte, verfehlte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und musste sich einem zweiten Wahlgang stellen, an dem nur noch 35 Prozent der Wahlberechtigten teilnahmen. Von denen stimmten zwar 62 Prozent für Stockhoff. Aber die bittere Wahrheit ist, dass Tobias Stockhoff mit den Stimmen von gerade mal 22 Prozent aller Wahlberechtigten ins Amt gewählt wurde. Das sind lausige Ergebnisse, für den Bürgermeister und für den Rat. Aber während der Rat als Ganzes sich noch auf ein Mandat der Hälfte der Wahlberechtigten berufen kann, muss der Bürgermeister damit leben, von weniger als einem Viertel der Wahlberechtigten legitimiert zu sein. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bürgermeister, Parteien, Politik, Rat und Verwaltung | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Blick in die britische Partnerstadt Crawley: Etliche Bürger aus Crawley, dort geboren oder aufgewachsen, sind international bekannt geworden – Sportler, Musiker, Medienleute

Dorsten Partnerstadt Crawley; Foto: Rotarier Crawley

Von Wolf Stegemann

18. Januar 2020. – Eigentlich sind es Orte wie Los Angeles, Rom, New York und London, wenn man Weltprominenz vermutet und sucht, sei es in der Musik-, Sport-, Literatur- oder Künstlerszene. Wir sehen sie im Fernsehen, hören sie im Radio und lesen über sie in der Zeitung. Die Anfänge ihrer Prominenz bleiben uns oft verborgen. Und doch haben sie irgendwo, natürlich auch in der Provinz, „ihr Handwerkszeug“ mitbekommen. Beispielsweise Cornelia Funke als Schriftstellerin in Dorsten, die heute in den USA lebt. Auffallend ist Dorstens englische Partnerstadt Crawley, der hier unsere Aufmerksamkeit gilt. Crawley hat rund 70.000 Einwohner und liegt in West-Sussex. Seit 1973 gibt es die Städtepartnerschaft mit Dorsten, die  von vielen Bürgern der beiden Städte engagiert getragen und gelebt wird. Mit Crawley sind einige Prominente in Verbindung zu bringen: aus der Musikszene Robert Smith (The Cure), Niomi Arleen McLean-Daley (bekannt als Ms Dynamite), aus der Sportszene der Fußballer Gareth Southgate, Alan Minter  (Mittelgewichtboxer mit dem Kampfnamen Boom Boom), Chico (eigentlich Yousseph Slimani, Sänger), Daley Thompson (Zehnkämpfer und Olympiasportler) und aus der Medien-Szene Dan Walker. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Blick ins Ausland, Partnerstädte, Städtepartnerschaft | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Auch 2019 hoher Millionenüberschuss im städtischen Haushalt. Wann wird die Grundsteuer endlich wieder gesenkt?

Kommentar von Helmut Frenzel

10. Januar 2020 – Ende November des vergangenen Jahres erschien auf dieser Seite ein Bericht über die Millionenüberschüsse, die die Stadt 2016, 2017 und 2018 erzielte. Sie entlarvten die Ergebnisplanungen des Kämmerers als bewusste Täuschung von Rat und Bürgerschaft. Die extrem positive Haushaltsentwicklung war ein gut gehütetes Geheimnis. Die Bürger bekamen von den Millionen nichts mit – im doppelten Wortsinne. Bürgermeister und Kämmerer reagierten auf die Veröffentlichung nicht und auch die Ratsfraktionen sahen keinen Anlass für eine Erklärung gegenüber den Bürgern. Doch schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war klar, dass im Haushaltsjahr 2019 ein wiederum hoher Überschuss zu erwarten war. Wie in den vorangegangenen Jahren wird er das geplante Ergebnis von 393.000 Euro als gezielte Irreführung in Richtung Rat und Bürger erscheinen lassen. Doch es war nur eine Frage der Zeit, wann die Stunde der Wahrheit kommen würde. Sie kam schneller als erwartet. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Abgaben, Politik, Rat und Verwaltung, Städtischer Haushalt, Verschuldung | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare