Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit gab es in Dorsten schon immer – auch vielfältiges Engagement dagegen. Eine Dokumentation

Stiefel, Merkmal der rechten Straßenszene (Symbolbild)

Von Wolf Stegemann

Ein Trio von drei gewaltsamen Verbrechern aus der rechten Szene der Bundesrepublik hat die Politik auf Trab gebracht. Zehn Jahre lang konnten die zwei Männer und eine Frau unerkannt Morde an Ausländern begehen. Die polizeilichen Ermittlungsbehörden  und der hoch bezahlte Verfassungsschutz, der viel Steuergelder für seine so genannten Vertrauensmänner in der rechten Szene ausgibt, die dann in einem gewissen Rahmen ungestraft auch Straftaten begehen können, konnte nicht erkennen, dass die als diskriminierend und verharmlosend betitelten „Döner-Morde“ Weiterlesen

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Tagelang stinkendes Dieselöl auf dem Kanal: Behörden gehen Hinweis aus der Bevölkerung nicht nach – eine Schilderung

Sichtbare Ölschlieren auf dem Kanal; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

Nachdem das Sturmtief „Ulli“ am 3. Januar 2012 in der Nähe der Östricher Brücke das Tankschiff „Rita“ gegen die Spundwand des Kanals krachen ließ, lief der Dorstener Mario Ballin per Telefon und E-Mails Sturm bei den Behören, weil er auf dem Kanal zwischen Hardtbrücke und der Hochstadenbrücke einen riesigen Ölfilm schwimmen sah. Denn die Kollision mit der Spundwand hatte ein Leck in das Schiff geschlagen, aus dem – wie die Feuerwehr gegenüber dem WDR schätzte – rund 1.000 Liter Dieselöl ausgelaufen waren.

Keine Folgen hatten allerdings die Telefonate Mario Ballins mit der Dorstener Polizei Weiterlesen

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Bauer Aloys Große Boes stritt dickköpfig gegen Stadt und Behörden und verlor dabei Haus und Hof

Von Wolf Stegemann

Aloys Große Boes hatte seinen Bauernhof von den Eltern geerbt. Er lag im Grenzgebiet Lembeck-Wulfen, Flur Wittenberg. Von dort aus lief der streitbare Bauer mit oder ohne Recht, aber immer mit westfälischem Dickschädel, gegen Behörden und Institutionen Sturm. Hier lagen die Schwierigkeiten, die er bekam, weil er nicht aufhörte, gegen den Rest der Welt auf seine Art zu kämpfen.

Aloys Große Boes sperrte einen öffentlichen Weg mit einem Erdwall und legte sich darauf, um die behördlich angeordnete Beseitigung zu verhindern.

Aloys Große Boes, geboren 1931 in Lembeck, gestorben 1997 in Dorsten, missachtete dabei jegliche (verwaltungs-)rechtlichen Spielregeln. Denn sein Vieh zu versorgen, das er am Ende allerdings verlor, war ihm wichtiger als Rechtsmittel gegen die vielen Verfügungen einzulegen, die gegen ihn ergangen waren. Dass er sich mit dieser Einstellung Tausende von Mark hatte pfänden lassen müssen, gehörte bei ihm zur Tagesordnung. Er glaubte, sich im moralischen Recht zu befinden, von dem aus er das juristische Recht für sich ableitete. An Große Boes prallte so gut wie alles ab, was die Stadt Dorsten, die Entwicklungsgesellschaft Wulfen, die Bäuerliche Bezugsgenossenschaft, die Landwirtschaftskammer, Versicherungen u. a. durch Erlasse, Ordnungsverfügungen, Zwangsgelder, Mahnbescheide und Pfändungen in den 1980er Jahren an ihn herantrugen. Doch das war nicht immer so. Weiterlesen

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Biogasanlage in Holsterhausen stinkt zum Himmel

W. St. – Ende November beschwerten sich etliche Anlieger des Biomassewerks an der Steinhalde in Dorsten-Holsterhausen über den anhaltenden Gestank der gärenden Komposthaufen. Da keine Grenzwerte der Geruchsbelästigung überschritten waren, hatte die Kreisbehörde keine Handhabe, gegen den Betreiber vorzugehen. Bereits im August waren Beschwerden über Geruchsbelästigung der Umgegend bekannt geworden. Selbst bis zur Freiheitsstraße Ecke Schlagheck drang der üble Geruch in die Wohnungen, wie ein Bewohner der Freiheitsstraße DORSTEN-transparent mitteilte. Im Dezember 2011 besichtigte der Umweltausschuss des Rates in Begleitung von Vertretern der Immissionsbehörde des Kreises, Anwohnern das Holsterhausener Biomassewerk und der sich gebildeten Bürgerinitiative Emmelkämper Mark. Die Werksleitung erklärte, dass beim Zersetzungsprozess der organischen Stoffe ein säuerlicher Geruch entstünde, der womöglich durch eine wochenlange Lagerung verstärkte werde. Nun soll ein Gutachter das Ausgangsmaterial untersuchen. Weiterlesen

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Dorsten in der (schöngeistigen) Literatur – Voltaire: „Jenseits von Wesel … O, abscheuliches Westfalen“ – Karl May lässt die Tante in Dorsten wohnen

Johann Wolfgang von Goethe

Von Wolf Stegemann

Das Fazit vorweggenommen: In die etablierte schöngeistige Literatur hat Dorsten nur marginal und meist nur in der Erwähnung des Namens Eingang gefunden. Kaum erwähnenswert, vielleicht kurios, doch in der Summe kann dies auch zum Schmunzeln anregen, wenn beispielsweise Casper von Hohenstein die Varusschlacht in Dorsten stattfinden lässt oder Heinrich Heine in einem Gedicht vom Knüppeldamm in Dorsten spricht. Bei den hier beheimateten Schriftstellern und Schriftstellerinnen kommt Dorsten schon umfangreicher weg. Auf die soll hier aber wenig oder gar nicht eingegangen werden.

Johann Wolfgang von Goethe war am 6. Dezember 1792 stundenweise in Dorsten. Die Stadt scheint ihn nicht beeindruckt zu haben. Denn der Name Dorsten kommt lediglich in dem von seinem Reisediener geführten Rechnungsbüchlein vor, in dem seine Ausgaben stehen, die er in Dorsten getätigt hatte: Dorsten: Postgeld, Schmiergeld, Brückengeld und ein Glas „Wein Rothen“. Weiterlesen

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Denkmale in Dorsten: Entsorgte Geschichte, gelebte Geschichte – Sie sind auch ein Stück Kunst und Politik der Gegenwart. Eine Bestandsaufnahme

Von Wolf Stegemann

Zu ihren Denkmalen haben die Deutschen ein merkwürdiges Verhältnis: Weg mit allem, was historisch nicht mehr in den Kram passt. Aus der neuesten Geschichte sei an die Berliner Mauer erinnert, die so gut wie ganz verschwunden ist, an die halbherzige offizielle und ohnmächtige private Initiative zum Erinnerungs-Erhalt des Checkpoint Charlie in Berlin, an den lange anhaltenden Streit um den Abriss des „Palastes des Volkes“ in Berlin und der übergroßen Büste von Marx in Chemnitz, die nur deswegen noch steht, weil sie zu schwer ist, um kostengünstig entsorgt zu werden. Und wer in den Zeitungen verfolgt hat, welcher Streit entstand, als eine Zeitung die Initiative ergriff, am Deutschen Eck in Koblenz den Kaiser wieder aufzustellen, der weiß, wie deutsche Mentalität mit ihren Geschichtsüberbleibseln umgeht. Allzu gerne teilt man die steinernen oder ehernen Zeugnisse ein in gute und schlechte. Dabei sind Denkmale weder gut noch böse; das Handeln der Menschen ist es. Und allzu gerne tilgt man das Böse in der eigenen Geschichte, wenn man nichts mehr davon wissen will. Auch in Dorsten verschwanden Denkmale.

Eine Klasse des Gymnasium Petrinum stellt das Hindenburg-Denkmal im Bereich Maria Lindenhof auf

Wo ist das Hindenburg-Denkmal geblieben?

In Holsterhausen stand im Bereich von Maria Lindenhof noch während des Krieges ein Denkmal, das an den Feldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erinnerte. Wann die Büste aufgestellt und wann sie wieder entfernt wurde, ist nicht bekannt. Allerdings stand sie noch während des Krieges dort und ist auf einem Foto zu sehen, das Soldaten im Reservelazarett Maria Lindenhof zeigt. Weiterlesen

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Josef Beuys oder Die verpasste Chance des Dorstener Kunstpublikums – Eine Erinnerung

Josef Beuys (Mitte li.) mit J. Stüttgen 1976 in Aktion: Fluxus Zone West, Kunstakademie Düsseldorf; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann

Meine persönliche Bekanntschaft mit dem Künstler Joseph Beuys brachte die Idee hervor, im Sommer 1983 auf dem Dorstener Marktplatz einen Tag lang mit Joseph Beuys und einer Schar von Mitstreitern der „Freien Universität“ und „Zone Fluxus West“ ein Happening zu veranstalten. Die terminlichen, inhaltlichen und organisatorischen Konzeptionen wurden ausgearbeitet. Der Dorstener Bildhauer Antonio Filippin (heute auf den Seychellen) war ebenso dabei wie Beuys-Meisterschüler Johannes Stüttgen (Gelsenkirchen). Tisa von der Schulenburg, von Antonio Filippin animiert mitzumachen, sagte ebenfalls zu. Vorangegangen war meine in der Dorstener Lokalzeitung „Ruhr-Nachrichten“ veröffentlichte Frage an Joseph Beuys, ob er denn auch nach Dorsten käme, wenn seine Kunst hier abgelehnt werden würde, und er Anpöbelungen befürchten müsste, wie es damals gegenüber Beuys mitunter üblich war. Wörtlich sagte er: „Ja, Ablehnung bin ich gewohnt. Da ich ein Hase bin, kann ich auch Haken schlagen!“ Mit Begleitung und Mitwirkung eines WDR-Fernsehteams sollte es ein Kunst-Happening auf dem Dorstener Marktplatz werden, das diesen Tag Dorsten sicherlich zu einem Kunst-Magneten auch über die Region hinaus gemacht hätte. Weiterlesen

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