Dorstener Abschiebepraxis in Geschichte und Gegenwart in drei Teilen – Eine Dokumentation

Von Wolf Stegemann

Ein Blick in die Dorstener Geschichte zeigt, dass auch früher kräftig abgeschoben wurde. Die Räume waren damals kleiner und die Entfernungen kürzer. Ausländer war bereits derjenige, der aus nachbarschaftlichem Gebiet kam, das einen anderen Landesherrn hatte. Das Ausweisungsverfahren war gleich. Wer von einem deutschen Staat in einen anderen deutschen Staat wollte, brauchte dazu die Genehmigung der Behörden. Die hier geschilderten Fälle von Abschiebungen aus Dorsten aus dem 19. Jahrhundert, sei es in die Nachbarstadt Haltern oder nach Österreich, mögen beispielhaft für die damalige Abschiebung  unerwünschter Personen sein. Besonders Juden hatten es schwer, die notwendigen Dokumente für die Ein- und Ausreise zu bekommen. Wurden sie ohne Papiere angetroffen, kamen sie in Abschiebehaft und anschließend als „Ausländer“ auf Transport in ihre Herkunftsländer. Auch bei Straffälligkeit wurde nach Verbüßung der Strafe abgeschoben. Weiterlesen

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Silvesterbräuche in Dorsten – Eine Tonne Bier für das Neujahrsschießen der Bürgerwacht

Milliarden werden in den Himmel geschossen

Von Wolf Stegemann

Es ist guter Brauch, dass der Bürgermeister und früher auch der Stadtdirektor, als es die Doppelspitze noch gab, an Silvester über die Lokalzeitungen mit einem Rückblick auf das alte Jahr den Lesern und Bürgern der Stadt ein gutes neues Jahr wünschen. Brauch ist es auch, dass  mit Böllerschüssen das alte Jahr vertrieben und das neue empfangen wird. Böllerschüsse und Krach rühren an heidnische Bräuche, die auch durch das Glockengeläut „christianisiert“ wurden. Aus dem Jahr 1509 ist eine Nachricht überliefert, die von einem Gelage spricht, das die beiden Bürgermeister der Stadt Dorsten am Silvesterabend für Ratsherren veranstalteten. Zu diesem Fest steuerte die Stadt einen Geldbetrag bei. 1648, als der Dreißigjährige Krieg endlich mit dem Friedenschluss von Münster und Osnabrück beendet war, wünschten Marktschreiber und Wiegemeister der Stadt Dorsten dem Rentmeister im Namen der Stadt ein gutes neues Jahr; jeder von ihnen wurde dafür mit einem Reichstaler belohnt. Die Bürgerwacht, die 1667 den Ratsherren „das Neujahr geschossen“ hatte, erhielt für ihre Mühe eine Tonne Bier geschenkt; den gleichen Lohn bekamen Soldaten, die 1685 das Neujahr mit Schüssen empfangen haben. Weiterlesen

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Des herzoglich-arenbergischen Oberbeamten Landschütz’ Frau Franzisca schmückte den ersten Weihnachtsbaum im Vest Recklinghausen

Geschmückter Weihnachtsbaum in der Wohnstube des Biedermeier

Von Wolf Stegemann

Die Sitte, das Weihnachtsfest unter dem lichterstrahlenden Christbaum zu feiern, ist keineswegs uralt. Erst im 17. Jahrhundert findet man diese Sitte im Elsass und später in Süddeutschland. Erst 1802 fand der Weihnachtsbaum seinen Weg ins Vest Recklinghausen. Es gibt aber keine schriftliche Überlieferung. Lediglich die Nachkommen der aus Süddeutschland stammenden herzoglich-arenbergischen Beamtenfamilie Landschütz wissen aus mündlicher Überlieferung, dass der Hofkammerrat Peter Joseph Landschütz (1783 bis 1834) den Weihnachtsbaum in Recklinghausen eingeführt hatte. Landschütz, in Neustadt an der Haardt geboren, war seit 1802 in herzoglich-arenbergischen Diensten, Oberkellner auf der Horneburg und Rentmeister des Xantener Speichers in Dorsten. Weiterlesen

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Rat und Verwaltung machen jede erweiternde Bauveränderung des Mercaden-Projektentwicklers mit

  • Aktuelle Vorbemerkung: Mit diesem am 21. Dezember 2012 veröffentlichten Artikel (und zwei weiteren) hatten wir plötzlich technische Probleme. Daher haben wir ihn mit einer neuen Überschrift, sonst aber unverändert, neu eingestellt in der Hoffnung, die technischen Probleme gelöst zu haben. Die mittlerweile eingegangenen Kommentare haben wir dem Artikel angefügt. Wir bitten um Verständnis. – Redaktion, 21. Oktober 2013

Von Helmut Frenzel

21. Dezember 2012. – Herbert Krämer ist „zu hundert Prozent überzeugt, dass die Mercaden im Frühjahr 2015 öffnen“, so wird er in der Dorstener Zeitung vom 14. Dezember 2012 zitiert. Der wievielte Termin ist das eigentlich? Der Krämer-Neubau am Lippetor ist eine Geschichte der nicht eingehaltenen Ankündigungen, der schrittweisen Vergrößerung der Verkaufsfläche und der fortgesetzten Änderung der Mieterstruktur. Weiterlesen

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Erste Nachkriegswahl 1946 – Der Beginn des demokratischen Aufbaus der Dorstener Verwaltung, der Stadt- und Gemeindevertretungen. Britischer Major nahm den Amtseid ab.

Rathausgebäude nach dem Krieg am Klapheck'schen Holzplatz

Von Wolf Stegemann

Vorbemerkung: Die erste Dorstener Nachkriegswahl im Jahre 1946 braucht keinen Jahrestag, um an ihre Wichtigkeit zu erinnern. Sie ist für uns heute deshalb so wichtig, weil vieles vergessen wurde, was die Engländer damals als Besatzungsmacht den Dorstenern ins Stammbuch geschrieben haben, was Demokratie heißt. Den meisten der gewählten Räte und Bürgermeister dürfte dies nicht unbekannt gewesen sein, denn sie kannten die Spielregeln der Demokratie bereits aus der vorangegangenen Weimarer Republik. Besonders beeindruckend ist die Rede, die der für Dorsten zuständige britische Major den Dorstenern und Gewählten aus den Herrlichkeitsdörfern gehalten hatte, bevor er ihren Eid abnahm.

Politik der kleinen Schritte

Die britische Militärregierung lockerte im September 1945 ihre restriktive Haltung gegenüber den Parteien und leitet durch verschiedene Direktiven den Aufbau des politischen Lebens auf der lokalen Ebene ein. Ihre bislang praktizierte Form der exekutiven Herrschaft konnte nur eine Übergangslösung sein und musste von einer gründlichen Reform der Kommunalverfassung abgelöst werden. Das bereits vorbereitete Konzept wurde mit einer Politik der kleinen Schritte in vier Phasen durchgeführt: Bildung von kommunalen Beiräten, Ernennung von Stadtverordnetenvertretungen, Einführung der revidierten deutschen Gemeindeordnung am 1. April 1946, Durchführung der Kommunalwahlen im Herbst 1946. Weiterlesen

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Düstere Aussichten – 2050 könnte Dorsten weniger als 50.000 Einwohner haben

von Helmut Frenzel

7. Dezember 2012. – Die gängigen Vorausberechnungen für die Bevölkerungsentwicklung reichen bis 2030. Aber auch danach geht der Sinkflug weiter. Wenn die Geburtenrate auf dem bisherigen niedrigen Niveau verharrt, beschleunigt sich deutschlandweit die Abnahme der Bevölkerung. Für Dorsten und die gesamte Emscher-Lippe-Region, die als Folge ihrer Sturkturschwäche zusätzlich von Wanderungsverlusten betroffen sind, verheißt das nichts Gutes.

Das Statistische Landesamt rechnet in seinen Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung für Dorsten bis 2030 mit einem Bevölkerungsrückgang auf 68.000 Einwohner. Das sind gegenüber dem aktuellen Stand 9.000 Einwohner weniger, ein Minus von 12 %. Ein Vergleich mit dem übrigen Deutschland zeigt, dass Dorsten damit zu den am stärksten schrumpfenden Gemeinden in Westdeutschland gehört, auf einem Niveau mit großen Teilen der neuen Bundesländer.

Weil im Allgemeinen nur Modellrechnungen bis 2030 betrachtet werden, könnte der Eindruck entstehen, dass danach die Bevölkerungsentwicklung wieder in ruhigere Bahnen zurückkehrt. Weit gefehlt, das Gegenteil ist richtig. Der Blick bis 2030 zeigt nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit: nach 2030 beschleunigt sich der Bevölkerungsrückgang. Die durch eine niedrige Geburtenrate dezimierte Bevölkerung schrumpft bei unveränderter Geburtenrate weiter – und zwar schneller. Dieser Trend gilt für ganz Deutschland, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Weiterlesen

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Wer war Carl Tillessen, nach dem der Freizeitpark und See auf der Hardt benannt ist? Er war auch ein politischer Attentäter, der vor Mord nicht zurückschreckte!

Carl Tillessen im Jahr 1932 vor dem Wohnhaus an der Kirchhellener Straße mit der Tochter Edith an der Hand und Elisabeth auf dem Arm; Foto: privat

Von Wolf Stegemann

30. November 2012. – Fünf Jahre lang, von 1930 bis 1935, war der 1891 in Köln geborene Carl Tillessen als Direktor der Westfälischen Sand- und Tonwerke in Dorsten beschäftigt. Nach ihm ist der Freizeitpark mit ehemaligem Baggersee im Stadtteil Hardt benannt.
Carl Tillessen war von seiner Ausbildung her Marineoffizier. Als solcher hat er am Ersten und auch am Zweiten Weltkrieg teilgenommen, zuletzt im Rang eines Korvettenkapitäns. In der Zwischenkriegszeit der Weimarer Republik war er in bürgerlichen Berufen tätig. 1925 heiratete er Martha Pfeffer. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. 1930 wurde Tillessen, der vorher Betriebsleiter der Obertiefenbacher Basaltwerke gewesen war, auf Empfehlung des Miteigentümers Rudolf ten Hompel als Geschäftsführer bei den Westfälischen Sand- und Tonwerken in Dorsten vorgeschlagen und von der Gesellschafterversammlung eingesetzt. Er bewohnte mit seiner Familie eine Villa an der Kirchhellener Allee 59, die zuvor nach seinen Wünschen umgebaut worden war. Das Haus steht noch. Seine Frau Martha Tillessen berichtete in ihren Erinnerungen: Weiterlesen

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