Silvesterbräuche in Dorsten – Eine Tonne Bier für das Neujahrsschießen der Bürgerwacht

Milliarden werden in den Himmel geschossen

W. St. – Es ist guter Brauch, dass der Bürgermeister und früher auch der Stadtdirektor, als es die Doppelspitze noch gab, an Silvester über die Lokalzeitungen mit einem Rückblick auf das alte Jahr den Lesern und Bürgern der Stadt ein gutes neues Jahr wünschen. Brauch ist es auch, dass  mit Böllerschüssen das alte Jahr vertrieben und das neue empfangen wird. Böllerschüsse und Krach rühren an heidnische Bräuche, die auch durch das Glockengeläut „christianisiert“ wurden. Aus dem Jahr 1509 ist eine Nachricht überliefert, die von einem Gelage spricht, das die beiden Bürgermeister der Stadt Dorsten am Silvesterabend für Ratsherren veranstalteten. Zu diesem Fest steuerte die Stadt einen Geldbetrag bei. 1648, als der Dreißigjährige Krieg endlich mit dem Friedenschluss von Münster und Osnabrück beendet war, wünschten Marktschreiber und Wiegemeister der Stadt Dorsten dem Rentmeister im Namen der Stadt ein gutes neues Jahr; jeder von ihnen wurde dafür mit einem Reichstaler belohnt. Die Bürgerwacht, die 1667 den Ratsherren „das Neujahr geschossen“ hatte, erhielt für ihre Mühe eine Tonne Bier geschenkt; den gleichen Lohn bekamen Soldaten, die 1685 das Neujahr mit Schüssen empfangen haben.

Nachtwächter durften zum neuen Jahr nicht blasen

Das Glockenläuten zu Silvester hat ebenfalls eine lange Tradition. 1726 wurde in Dorsten „Silvesterabend geläutet“ und 1745 das „alte Jahr ausgeläutet“. Ein Trommler, der 1732 zu Neujahr getrommelt hatte, erhielt dafür eine Belohnung in Höhe von 40 Stübern. Zwei Nachtwächter jedoch, die gegen das Verbot des Blasens verstoßen und „das neue Jahr geblasen“ hatten, wurden 1755 mit empfindlichen Geldbußen belegt. Es war damals wohl nicht Aufgabe der Nachtwächter, das neue Jahr mit ihren Hörnern anzukündigen.

Ein  Neujahrsglückwunsch der besonderen Art ist aus dem Jahre 1797 überliefert. Die beiden Bürgermeister der Stadt statteten dem damaligen französischen Statthalter „zum neuen Jahr ihr unterthänig gehorsames Kompliment“ ab. Noch um das Jahr 1900 gingen die städtischen Nachtwächter von Haus zu Haus, um gegen ein Trinkgeld „ein glückliches Neujahr“ zu wünschen. Noch bis vor Jahrzehnten und zum Teil heute noch, haben Briefträger und die Müllabfuhr diesen Brauch fortgesetzt. – Silvester ist jedoch nicht nur ein Fest gewesen, an dem die Knallerei Freude machte. Dies belegt eine Meldung aus der Lokalzeitung des Jahre 1899, die folgenden Wortlaut hatte:

„Der Schluss des Jahres ist im Allgemeinen ruhig verlaufen. Man hörte noch, namentlich draußen, vereinzelte Schüsse fallen, sonst aber scheint die geräuschvolle Feier des Sylvester, wie sie in anderen Jahren üblich war, nachzulassen, und die Feier sich mehr auf das Haus und die Familie zu beschränken. Darüber kann man sich nur freuen.“

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Über die Zeit – Gedanken zum Jahreswechsel

Die älteste erhaltene Sonnenuhr in Dorsten an der Antoniuskirche Holsterhausen

Wie die Zeitung damals richtig schrieb, lässt sich Silvester so oder so feiern: laut oder leise. Aber auch einsam oder gemeinsam, heiter, besinnlich, ausgelassen, feuerwerkzaubernd, mehr oder weniger feucht-fröhlich, manches überspielend, ertränkend und übertönend. Mache es jeder, wie er es mag.

Silvester markiert eine Grenzstation, die wir im kleinen Grenzverkehr des Lebens zu passieren haben. Grenzen sind der Ort fruchtbarer Erkenntnisse und weiterführender Einsichten. So blicke ich auf die Uhr und nehme mir die Zeit, um dieser nachzusinnen.

Schnell ist die Zeit vergangen. Sie drängt, eilt, verrinnt. Es ist mir, als ob das Jahr eben erst begonnen hätte, als unser erster Artikel in Dorsten-transparent erschienen war. Bislang konnten wir in rund 50 Wochen 82 Artikel veröffentlichen, die zu 97 Kommentaren anregten.

Vieles hat die Zeit gebracht. Nützliches aber auch Überflüssiges. Die Zeit ist immer da: Lebenszeit, Jahreszeit, Tageszeit, Arbeitszeit, Freizeit, Ferienzeit. Wie haben wir sie genutzt?

„Zeit ist Geld“ – sagt das Sprichwort. Manches hat viel Zeit gekostet. Mit Zeit kann man umgehen: Man kann Zeit sparen und gewinnen, erübrigen und die Zeit auch stehlen, sich selbst und anderen. Man kann Zeit verlieren, versäumen, vertrödeln, verschwenden, totschlagen. Manche sind auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Aber sie ist nicht zu finden. Wir können Zeit nicht einholen, nachholen oder zurückholen. Vorbei ist vorbei. Und  Zeitmaschinen, über die Romane geschrieben und Filme gedreht werden, gibt es auch nicht.

„Ich habe keine Zeit.“ Das ist der Lieblingsspruch vieler. Das macht interessant, vielbeschäftigt, überlastet, von Terminen gejagt – uptodate also. Dabei haben wir oft Menschen unnötig warten lassen, sie enttäuscht und verletzt. Manche Wunden heilt eben keine Zeit.
Und wie sieht es mit den guten Vorsätzen aus? Viele sagen da: „Im nächsten Jahr will ich mir mehr Zeit lassen, Zeit nehmen, für die anderen, für die Familie und auch für mich!“. Schenken wir also den anderen Zeit. Kostbarer und persönlicher kann ein Geschenk nicht sein, denn es ist unbezahlbar und unwiederbringlich.

In diesem Sinne unseren Lesern ein gutes neues Jahr!

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