Zurückgeblättert: Schulwesen in Dorsten und der Herrlichkeit – Von der Mesterschole an der Agathakirche bis zum heutigen demografischen Wandel

„Die Dorfschule“, Gemälde von Johann Peter Hasenclever, 19. Jahrhundert

Von Wolf Stegemann

Derzeit streiten die Parteien in Dorsten und anderswo um eine Lockerung der festen Schulzeiten an Ganztagsschulen, weil Eltern die Freiheit haben wollen, ihr Schulkind nachmittags hin und wieder früher nach Hause zu holen. Im letzten Jahr stritten sie um den Erhalt der Wichernschule, dann wurde gestritten um die Bezahlung der Schulwegfahrt, beispielweise von Tönsholt ins kilometerweit entfernt liegende Altendorf-Ulfkotte, dann setzten sich die Schulpolitiker wieder streitig auseinander um Zusammenlegung, Schließungen, Trägerschaften und dergleichen. In Kürze wird über die beschlossene Planung zur Errichtung der Sekundarschule wieder gestritten werden. Schon immer hat es zwischen Schulverwaltung, Lokalparteien, Lehrern und Eltern Auseinandersetzungen gegebenen. Parteistrategien und Ideologien sowie – berechtigter oder unberechtigter – Eltern-Unmut standen sich dann oft gegenüber. Eltern nötigen  Lehrer mit Hilfe von Rechtanwälten zu Notenkorrekturen, weil das Kind ja studieren soll und das ohne Abitur nicht kann. Zwischen den Prellböcken sitzen Lehrerinnen und Lehrern, es leiden ihr Ansehen, der Lehrauftrag und am Ende das Bildungswohlergehen des Kindes. Die Gegenwart und noch mehr die Zukunft sind belastet von Schulschließungen, überfüllten Hörsälen und bildungsüberforderten Studenten, denen an den Unversitäten erst einmal Grundlagen von Wissen beigebracht werden müssen, damit sie die notwendige Reife für Ihr Studium erhalten, das nach guter alter Lesart eigentlich das Abiturzeugnis bezeugen soll. Arbeitslosigkeit im Bildungsproletariat macht sich schon heute breit.
Diese kritischen Eingangsbetrachtungen zum Thema Schule mögen für den einen oder anderen Leser überspitzt sein, vielleicht sind sie es auch. Mit diesem Artikel und einem weiteren in Kürze wollen wir Einblick geben in die Schulgeschichte der Stadt Dorsten während der unterschiedlichen politischen Epochen.

Kirche und kirchliche Institutionen waren Träger der Bildung

Kontrolle des Unterrichts durch den Pfarrer

Schulen waren vor der Reformation im 16. Jahrhundert eine Sache der Kirchen. Küster gaben Unterricht. Schulräume waren oft den Kirchen angebaut, wie dies beispielsweise die Spuren an den Türmen der St. Georgskirche in Schermbeck und in Erle sichtbar ist. Schon 1337 gab es eine „Mesterschole“ (Elementarschule) nur für Jungen, die an der Nordseite der Agathakirche lag und 1480 wegen Mangel an geeigneten Lehrkräften von einem „Sekretarius“ im Nebenamt verwaltet wurde. 1550 hatte sie zwei Klassen, eine deutsche und eine lateinische, die von einem geistlichen Rektor oder Konrektor geleitet wurden. 1789 erhielt die deutsche Schule eine Oberklasse, an der ein Franziskanerpater lehrte. Die Lateinschule wurde mangels Schüler im Jahre 1800 aufgelöst. 1829 erhielt die Elementarschule eine dritte Klasse.

Schulvikarien – Einkünfte verpflichteten die Geistlichen, Messen zu lesen

Lehrer und Pfarrer

Dorstens Landesherr, der Erzbischof von Köln, verfügte 1789, dass die Dorstener Benefizien St. Andreas, St. Michaelis, St. Crucis sowie teilweise St. Trinitatis et Georgii mit der Stadt- und Pfarrschule vereinigt wurden. Einkünfte dieser Vikarieen (Grundbesitz und Kapital) standen den Lehrern der Schulen in Dorsten zu ihrer persönlichen besseren Versorgung zur Verfügung. Doch der Erzbischof wollte, dass diese im Besitz der Kirche befindlichen Benefizien nur an zur Seelsorge tauglichen Priester vergeben wurden, die als Lehrer tätig waren. Diese Bestimmungen von 1789 sind geltendes Recht geblieben, auch als der Erzbischof kein Landesherr mehr war. Erst nach dem Tod des Vikars de Weldige-Cremer 1818 wurde die erste Vikarie, das „beneficum S. Crucis“ vakant. Auch später konnten die Vikarien nicht immer den Bestimmungen von 1789 gemäß besetzt werden, weil es in der Zeit, als Dorsten preußisch wurde, an geeigneten katholischen Geistlichen fehlte, welche die schlecht bezahlten und schlecht ausgestatteten Schulstellen übernehmen konnten oder wollten. Daher schloss die lateinische Schule um 1800 ihre Türen, weil das Gymnasium der Franziskaner der Lateinschule die Schüler wegnahm. Als ab 1818 alle Schulvikarien nicht mehr besetzt waren, besetzte man sie nicht neu. Nur die „obere deutsche Schule“ konnte fast immer mit Geistlichen bis 1884 besetzt werden. Die „untere deutsche Schule“, später Mittelklasse genannt, hatte nur von 1862 bis 1884 einen Schulvikar. Die 1829 errichtete Unterklasse, mit der keine Vikarie vereinigt war und deren Lehrer aus städtischen Mitteln besoldet waren, hatte keinen geistlichen Lehrer. An den anderen in der Obhut der Kirche befindlichen Schulen wurden weltliche Lehrer nur unter Vorbehalt eingestellt.

Lehrer lebten auch von Benefizien

Die Lehrer verbesserten durch Naturalien ihr Einkommen durch so genannte Kirchmessgelder, die 1784 verboten wurden. Der Konrektor bezog nur die Hälfte des Einkommens des geistlichen Rektors. Die beiden Lehrer waren aber von allen „Kriegslasten“ befreit. Schulzwang bestand nicht. Wer die Schule besuchte, musste den „Daller“ (30 Stüber, ein halber Reichstaler) entrichten, um zur Hebung des Unterrichts und zur besseren Besoldung der Lehrer beizutragen.

Kaiserbild an der Wand des Ursulinen-Klassenzimmers, 1910

Ursulinen unterrichteten im Jahr 1797 bereits 300 Mädchen

Dem Unterricht der Mädchen schenkte man verhältnismäßig spät Aufmerksamkeit. Erst in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wird eine Mädchenschule („Mestersche Schole“) genannt, die nur aus einer Klasse bestand. Als 1699 das Ursulinenkloster gegründet wurde, hatten die Nonnen die Verpflichtung des unentgeltlichen Unterrichts übernommen. Die Klassen waren im Kloster untergebracht. Da 1797 bis zu 300 Mädchen den Unterricht besuchten, baute die Stadt eine zunächst einstöckige Schule südlich ans Ursulinen-Pensionatsgebäude an. Während des Bismarck’schen Kirchenkampfes mussten die Nonnen die Stadt verlassen. Nur einige durften als weltliche Lehrerinnen bleiben, um den Unterricht fortzusetzen. 1895 wurde an der Feldhausener Straße eine neue Schule gebaut (heute Agathaschule), die schon drei Jahre später nicht mehr ausreichte, so dass die alte Kirchschule an der Agathakirche wieder weiter benutzt werden musste, bis die Agathaschule an der Feldhausener Straße durch mehrere Erweiterungsbauten genug Klassenzimmer hatte .

Jüdische und evangelische Kinder

Jüdische Kinder bekamen im 20. Jahrhundert im jüdischen Gemeindehaus an der Wiesenstraße Religionsunterricht durch den herumreisenden jüdischen Lehrer Gustav Bär, der von mehreren jüdischen Gemeinden bezahlt wurde. – Die evangelischen Kinder besuchten zuerst ihre Schule im Pfarrhaus. 1863 wurde der evangelische Schulbetrieb zur Konfessionsschule erhoben und 1888 erhielt die Gemeinde ein eigenes Schulgebäude am Recklinghäuser Tor, ab 1911 baute die Stadt an der Bochumer Straße eine evangelische Schule. Eine weitere evangelische Schule gab es auf der Hardt (Pestalozzischule) zusammen mit der katholischen Overbergschule.

Der „Deutsche Gruß“ auch für die Kleinsten

Eingriffe in die Schulerziehung während der nationalsozialistischen Zeit

Gleich zu Beginn des Dritten Reiches benannten die Nationalsozialisten etliche Schule um. In der Schule sahen sie einen Hort der Umerziehung zur nationalsozialistischen Ideologie. Daher bemühten sie sich schon 1933 um die Lehrerschaft, die zum größten Teil von da an im Sinne der NS-Ideologie ihre Schüler erzog.

Schule: Uniformen und Fahnen, 1933

Vor allem aus der Lehrerschaft rekrutierten sich die NSDAP-Schulungsleiter, die als gewohnte Respektspersonen nationalsozialistisches Gedankengut vermittelten. Mit der Zeit wurde der Religionsunterricht auch aus der regulären Unterrichtszeit der  immer noch nach katholischer und evangelischer Konfession getrennten Schulen verbannt. 1938 trafen sich auf Einladung des Kreisabschnittleiters, Lehrer A. Kirchhoff (Dorsten), Vertreter der Schulverbände Dorsten, Holsterhausen und Hervest-Dorsten, um über den von Bürgermeister Dr. Gronover unterzeichneten Beschluss zu beraten, eine „Deutsche Schule“ in Dorsten einzuführen. Der Beschluss lautete (Auszug):

„Um eine bessere Beschulung der volksschulpflichtigen Kinder der Stadt Dorsten zu ermöglichen, beschließe ich […] mit Wirkung vom 1. April 1939, dass die Volksschulen der Stadt Dorsten als ,Deutsche Schulen’ eingerichtet werden, an denen gleichzeitig evangelische und katholische Lehrkräfte anzustellen sind …“

Das war in Dorsten „revolutionär“. Die Besprechungspartner hatten auch mit starken Protesten der kirchlichen Vertreter und mit dem Vollzug „nicht von heute auf morgen“ gerechnet. Doch sie kamen zu dem Schluss, dass es bei dieser „Neuorientierung wesentlich wichtiger“ sei, die einheitlichen Erziehungsrichtlinien der „Deutschen Schule“ durchzusetzen, die „unsere nationalsozialistische Schuljugend nicht mehr nach Konfessionen getrennt sehen will. Und dass neben den allgemeinen Schulfächern, die nur eine deutsch-nationalsozialistische Ausrichtung kennen und zulassen, auch der Religionsunterricht sichergestellt“ werde.

Schulverhältnisse in der Herrlichkeit Lembeck und den Bergbaugemeinden

Schulbuch von 1788 im Hochstift Münster

Während des 18. Jahrhunderts hatte jedes Dorf in der Herrlichkeit Lembeck einen Schulmeister, der die Kinder unterrichtete. In den Bauerschaften, wie in Deuten um 1750, gab es so genannte Winkelschulen, die in Wohnhäusern untergebracht waren; in Deuten im Hause des Landmessers Schwarzenbrock. Schulbesuche waren willkürlich. Kinder hatten auf den elterlichen Höfen zu arbeiten, was sie an einem kontinuierlichen Schulbesuch hinderte. Auch war die Qualität des „Lehrers“ ausschlaggebend für den Schulbesuch, dessen „Gehalt“ ebenso willkürlich bezahlt wurde. 1801 erschien im Fürstbistum Münster eine Schulordnung, die sich auch mit der Ausstattung der Schulräume befasste. Winkel- und Nebenschulen verschwanden. Die Schulstuben wurden geräumiger und heller, Lehrer, denen ein angemessenes Einkommen zugesichert wurde, mussten sich qualifizieren. Es gab eine Schulpflicht, die allerdings nicht überall praktiziert wurde. Die Schulaufsicht hatten die Geistlichen. Für Lembeck war Pfarrer Kellermann zuständig. Als die Herrlichkeit 1816 preußisch wurde, entstanden fast überall neue Schulgebäude, nicht qualifizierte Lehrer wurden entlassen und durch ausgebildete ersetzt. Der Schulzwang wurde kontrolliert. Für jede Schule gab es einen eigenen Schulvorstand, der die Schule nach außen zu verwalten hatte.

Laurentiusschule mit Frl. Pöter, 1956

Lembeck. Im Jahre 1612 ist in Lembeck ein Schulmeister belegt, der von der Kirche zwölf Scheffel Weizen bezog. Noch im 18. Jahrhunderts stand an der Kirche eine viel zu kleine Schule, die der Lehrer Sieverding leitete, dessen Sohn Bernhard ebenfalls Lehrer war, aber wegen Trunksucht entlassen werden musste. 1820 wurden zwei Schulen je eine für Mädchen und Jungen sowie eine Lehrerwohnung unter einem Dach errichtet. Der Neubau kostete 1.740 Taler; Graf Merveldt schenkte der Gemeinde den Baugrund.  Lehrerin war Marianne Lindemann aus Münster und für den der Trunksucht ergebenen Bernhard Sieverding kam 1834 Lehrer Carl Plagge aus Coesfeld. Er musste seinem Vorgänger eine lebenslängliche Pension von 40 Talern aus seinem Schuleinkommen abgeben. 1828 besuchten die Lembecker Schule 137 Jungen und 133 Mädchen, 1840 waren es 157 Jungen und 142 Mädchen. – Die Laurentius-Hauptschule wurde 1927 fertig gestellt und von den übergebliebenen Klinkersteinen wurde der Dorfbrunnen gebaut. 1968 konnte ein neues Schulgebäude der Laurentiusschule mit einem Festakt eingeweiht werden. Seit 1984 verfügt die Laurentiusschule über ein drittes, neu errichtetes Gebäude, in dem heute neben einigen Klassenräumen das Sekretariat mit Lehrer- und Rektorzimmer untergebracht sind.

Rhade. In Rhade gab um 1770 der Küster Unterricht in seiner Wohnung. Später unterrichtete Pastor Schluss die Kinder in einem Bauernspeicher im Dorf. Nachdem das neue Schulgebäude fertig gestellt war, setzte Graf Merveldt Theodor Anton Quicksterdt genannt Horstich als Lehrer ein. Er starb 1802. Sein Nachfolger war Albert Tinnefeld, zugleich Küster in Rhade. In den Jahren 1832 bis 1836 wurde mit einem Kostenaufwand von 383 Talern ein neues Schulgebäude unter Einbeziehung des alten errichtet, wozu die Gemeinde unentgeltlich Hand- und Spanndienste leistete .

Augustaschule in Hervest-Dorsten

Hervest. Im Dorf Hervest gehen die Schulanfänge bis ins 17. Jahrhundert zurück. Auch hier waren Kirchen und Schule eng verbunden. Meist wurde nur im Winter unterrichtet. Der erste ausgebildete Lehrer hieß Leopold Funke, der zugleich Küster war. 1825 wurde an der Kirche ein neues Schulgebäude gebaut, das 312 Taler kostete, und Funkes Sohn Ludwig Funke wurde Lehrer. 1890 wurde in der Nähe des Bahnhofs Hervest-Dorsten das zweite Schulhaus errichtet, 1907 die Marienschule, 1912 eine evangelische Schule, 1919 die Josefschule. 1808 besuchten 60 Jungen und Mädchen die Schule, 1815 noch 48, 1835 waren es 90 und 1840 rund.

Gebäude der alten Schule in Holsterhausen, vor Jahren abgebrannt

Holsterhausen. Auch in Holsterhausen erteilte zuerst der Küster in seiner Wohnung Unterricht, bevor 1814 das  erste Schulgebäude errichtet wurde. Der erste Lehrer hieß Georg Quicksterdt. Er starb 1831. Sein Nachfolger war Rudolf Brunstrop aus Rheine, der bereits 1832 versetzt wurde. Ihm folgte Heinrich Braunster aus Coesfeld, der wiederum ein Jahr später durch Lucas aus Horste ersetzt wurde. Nach seiner Versetzung im Jahre 1836 kam Hermann Quicksterdt in den Schuldienst, der schon ein Jahr später starb. Weitere Lehrer waren Kandidat Rademacher aus Dorsten und Jostarnd aus Brochterbeck. Im Jahre 1843 entstand an der Stelle der alten Schule ein neues Gebäude; 1907 das heutige Gebäude der Antoniusschule. 1923 konnte die konfessionsfreie Baldurschule errichtet werden. In der evangelischen Wilhelmschule gab es 1917/18 eine belgische Klasse für Kinder der in Dorsten internierten Belgier. 1930 wurde die Bonifatiusschule eingeweiht, in die 1944 ein medizinisches Laboratorium für Frontbedürfnisse eingerichtet wurde und dessen Gebäude nach Auflösung der Schule später viele andere Verwendungen fand. Im Krieg wurden fast sämtliche Schulen in Dorsten zerstört. 1808 besuchten 42 Knaben und Mädchen die Schule, 1815 waren es nur 22, 1823 wieder 56 und 1840 schon 72.

Deutener Schule

Deuten. Seit 1855 gibt es im kleinsten Dorstener Stadtteil die heute kleinste Grundschule, deren Bestand die Politik erstmal sichern will, der aber wegen der Demografie weiterhin gefährdet ist. Für die Eingangsklasse wird es voraussichtlich nur zehn Schulanfänger geben. Das ist zu wenig. Daher wurde sie 2016 mit der Wilhelm-Lehmbruck-Schule in Östrich zusammengelegt.

Wulfen. Um 1740 wurde in einer Stube im Küsterhaus Unterricht gegeben, bevor später eine eigene Schule errichtet werden konnte, die bereits 1826 durch eine größere ersetzt wurde, die mit der Feuerwehr das Gebäude teilte. Dieses neue Schul- und Spritzenhaus kostete 748 Taler, der Verkauf des alten Gebäudes brachte 324 Taler ein. Der Rest wurde aus Steuermitteln gezahlt. 1770 war ein gewisser Babbelt Lehrer in Wulfen, dann Philipp Funke und darauf Lehrer Luge; seit 1786 Godfried Lohkamp. Ihm folgte Wilhelm Schlösser, der wegen Trunksucht 1821 entlassen wurde.

Förderschulen, Sonderschulen und Privatschulen

Bei den Förderschulen soll außer der Haldenwangschule für geistig Behinderte mittelfristig nur ein weiterer Standort erhalten bleiben, ein Förderzentrum, in das auch die Astrid-Lindgren-Schule integriert werden könnte. Aber das war lediglich ein Prüfauftrag an die Verwaltung, sprich: Reine Zukunftsmusik. Zumal zwischen Land und Städten noch viele Details ungeklärt sind, wie Förderschüler in Regelunterricht eingebunden werden können, um dem Anspruch von Eltern und Kindern auf „Inklusion” zu genügen.

Private Montessori-Schule vorerst in Wulfen

Montessori-Schule im Köhl, Wulfen; Foto: Wulfen-Wiki

Dorstener Bürger gründeten im Jahre 2006 den Montessori-Verein mit dem Ziel, in Dorsten eine private Montessori-Grundschule zu errichten. 2007 konnte der Start in der alten Bonifatiusschule in Holsterhausen zuerst auf 513 qm, dann erweitert auf 1.040 qm und bis zu 100 Schülern vierzügig beginnen. Geplant ist eine sechsjährige Grundschulzeit, falls das Land dies zulässt. Langfristig soll eine weiterführende Schule aufgebaut werden. Eine eigens gegründete „Fördergemeinschaft Maria-Montessorischule“ unterstützt den Schulaufbau und -betrieb. Träger der Privatschule ist der „Montessori-Verein Dorsten/Lembeck e. V.“. Mitte 2010 genehmigte der Regierungspräsident eine Montessori-Realschule, die mit 18 Schülerinnen (5. Klasse) nach den Schulferien 2010 ihren Lehrbetrieb vorerst in Räumen an der Köhl Straße in Alt-Wulfen bezogen hat. Bisher gibt es dort eine fünfte und eine sechste Klasse, die in der Orientierungsstufe auch noch jahrgangs-übergreifend unterrichtet werden. Auf dem alten Freibadgelände an der Bismarckstraße begann 2011 der Neubau eines behindertengerechten Montessori-Campus mit Grund- und Realschule, OGS-Bereich, einer Mensa und Fachräumen. Dann soll auch jede Form von Inklusion möglich sein.

Schulzentrum an der Pliesterbecker Straße; Foto: DZ

2013 schlug die Verwaltung der Politik vor, die Wichernschule und die Grundschule Deuten spätestens bis Schuljahresschluss 2017 aufzulösen. Daher wurden 2014/15 keine Eingangsklassen mehr gebildet. Mit Schließung der beiden Schulen würde die Stadt mehr als 100.000 Euro einsparen. CDU, SPD und FDP haben im Schulausschusses (Ende Mai 2013) das Ansinnen der Stadtverwaltung abgelehnt. Knapp 100 Eltern gaben ihren Protest gegen die Schließung in der Schulausschusssitzung lautstark Ausdruck. Der Schulausschuss beschloss mit Mehrheit, die Deutener Zwergschule mit der Lehmbruck-Schule in Östrich in einem Verbund zusammenzuschließen. Der Erhalt der Schulen soll durch Erhöhung der Grundsteuer finanziert werden. Die Wichernschule wird endgültig geschlossen.

Demografischer Wandel beeinflusst das Schulwesen in der Gegenwart

Leere Schulen (Symbolbild)i

Der seit langem eingetretene demografische Wandel verschont auch Dorsten nicht. Nicht nur wird die prognostizierte Einwohnerzahl auf 71.000 im Jahr 2020 und auf 65.000 im Jahr 2030 zurückgehen, auch die Schülerzahl wird signifikant noch weiter abnehmen. Besonders Grundschulen werden in allen Stadtteilen von Schließungen betroffen sein. 2010 wurden 487 Kinder in Dorsten geboren. Das ist zu wenig, um das vorhandene Schulsystem aufrecht halten zu können. Für das Schuljahr 2012/13 wurden 576 i-Männchen angemeldet. Das sind 112 weniger als im Schuljahr zuvor. Statt 30 konnten stadtweit nur 25 neue Eingangsklassen gebildet werden. 2016 bildeten gerade noch genug Kinder in jeder der 15 Grundschulen eine Klasse. Dies bedeutet, wie die WAZ ausrechnete, dass im Jahre 2020 Zehntklässler die „beiden Ursula-Schulen (Gymnasium und Real), das Petrinum und die Gesamtschule Wulfen besuchen würden, für die zwei weitere Real-, drei Haupt- und sämtliche Förderschulen bliebe dann kein Kind mehr übrig“. Aufgrund der sinkenden Schülerzahlen rechnete die Verwaltung bis zum Jahre 2020 mit einem Überhang von 88 Klassenräumen. Schulstandorte müssten dann geschlossen werden. Der Mangel an Fünftklässlern besiegelt (neben der Lembecker Laurentiusschule) wohl auch das Ende der Gerhart-Hauptmann-Realschule. Im Pliesterbecker Schulzentrum soll 2018 eine Sekundarschule ohne Abiturmöglichkeit eingerichtet werden. Dafür werden die Erich-Klausener Realschule und die Dietrich-Bonhoeffer-Hauptschule geschlossen.

Siehe auch: Die Volksschule um 1900 – Ein Bollwerk für Religion …
Siehe auch: Die Schultüte im Wandel der Zeiten …
Siehe auch: Das Porträt – Dr. Joseph Wiedenhöfer …
Siehe auch: Inklusion I
Siehe auch: Inklusion II
SIehe auch: Inklusion III
Siehe auch: Inklusion IV

________________________________________________________________________________
Quellen/Literatur (Auswahl): Josef Heinen in „700 Jahre Dorsten“, Dorsten 1951. – Dr. Wiedenhöfer „Aus der Geschichte des Gymnasium Petrinum zu Dorsten 1642-1924“, Dorsten 1924. – Gymnasium Petrinum (Hg.) „Festschrift des Gymnasium Petrinum zu Dorsten 1642-1992“, Dorsten 1992. – P. Heribert Griesenbrock „500 Jahre Franziskaner in Dorsten 1488-1988“, Dorsten 1988. – Stadt Dorsten (Hg.) „150 Jahre Berufliche Schulen der Stadt Dorsten 1830-1980“, Dorsten 1980. – M. Maria Victoria Hopmann OSU „Geschichte des Ursulinenklosters in Dorsten“, Münster 1949. – Ursulinenkloster (Hg.) „St. Ursula Dorsten. Das Kloster und seine Schulen von der Gründung bis zur Gegenwart“, Dorsten 1982. – Prof. Dr. Julius Evelt „Beiträge zur Geschichte der Stadt Dorsten und ihrer Nachbarschaft“ in „Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde Westfalens“, Münster, 1863/64, 1866. – Ute Hildebrand-Schute „Stadt denkt an OGS-Klassen“ in WAZ vom 4. Mai 2011. – Ludger Böhne „Schuldebatte 2012 – Durchs demografische Fegefeuer“ in WAZ vom 29. Dezember 2011. – Martin Ahlers „Ideen gesucht für Schulgebäude“ in WAZ vom 16. November 2012. – Michael Wallkötter in DZ vom 22. Juli und 16. Dezember 2014. – Michael Klein in DZ vom 16. Dezember 2014.
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Heimatgeschichte, KInder, Nationalsozialismus, Rat und Verwaltung, Schulentwicklung, Schulgeschichte, Schulpolitik, Zurückgeblättert abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.