
Symbolbild aus "ErziehungKunst-Waldorf-Pädagogik"
Von Wolf Stegemann
Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten, ansonsten der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte und Religion in Westfalen und der Erinnerung an den Holocaust zugetan, hat der Elterninitiative „Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen“ im Juli 2010 ein Forum geboten, vor dem ein Erziehungswissenschaftler für die Inklusion (Lernbehinderten- und Integrationspädagogik) warb. Es sprach der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Hans Wocken aus Hamburg. „Wir möchten mit dieser Veranstaltung zeigen, dass eine inklusive Pädagogik der Vielfalt allen Kindern zugute kommt und nicht nur Kindern mit Behinderung dient”, sagte Michael Baumeister von der Dorstener Elterninitiative in einer Presseinformation. Hans Wocken stellte in seinem Vortrag fest, dass Untersuchungen gezeigt hätten, dass die Förderung von Sonderschulen „wenig effektiv“ sei. Seine Forschungsergebnisse hätten belegt, dass, je länger ein Kind an der Förderschule zubringe, es umso schlechter in seinen Leistungen werde. Aber, so Wocken: „Wenn es konkret um den Aufbau inklusiver Bildungsangebote geht, klaffen das bekundete Bekenntnis zur Inklusion und die Bereitschaft zu realen schulpraktischen Konsequenzen immer wieder erheblich auseinander.“
Da mag der Wissenschaftler Recht haben, denn in der Praxis, so sagen andere Wissenschaftler, gebe es Schwierigkeiten mit der gesetzlich vorgeschriebenen Umsetzung der schulischen Integrationspädagogik und mit den Vorgaben in Deutschland. Dazu nahm in unserem letzten Artikel zum Thema “Inklusion III” Prof. Dr. Bernd Ahrbeck Stellung.
Erstmals Kosten der Inklusion ermittelt
Im März diesen Jahres, also drei Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenkonvention, wurden erstmals die Kosten der Inklusion für Deutschland ermittelt. Ein inklusives System, so schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ am 23. März 2012, koste 660 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr – in voller Summe von 2022 an; „bis dahin steigen die Ausgaben in dem Maß an, wie die Reform vorankommt“. Das analysierte Klaus Klemm in einer jetzt vorgelegten Studie. Er ist Bildungsforscher in Essen, einst Mitglied im Beirat der Pisa-Studie.
In den kommenden zehn Jahren, so berichtet die SZ weiter, müssten fast 10.000 neue Pädagogen eingestellt werden. Kostenersparnisse durch Schließung der Sonderschulen und durch weniger Schüler durch die demografische Entwicklung würden mindestens aufgehoben werden durch deutlich mehr Personal und Baukosten für Barrierefreiheit und Therapieräume.
Derzeit hat eine halbe Million Schüler diagnostisch festgestellten Förderbedarf. „Sie zeigen massive Lern- und Verhaltensauffälligkeiten, Defizite in der sozialen oder sprachlichen Entwicklung oder haben Körperbehinderungen.“ Mehr als 80 Prozent von ihnen besuchen derzeit Sonderschulen. Weiterlesen →