Der Innenstadt fehlt seit Jahren die Gemütlichkeit. Die Stadtverwaltung trägt dazu bei. Jetzt wird der harmonisch ins Straßenbild passende „Granatapfel“-Brunnen entfernt

Granatapfel-Brunnen ohne Wasser vor dem derzeitigen Umbau; Foto: Stegemann

Essay von Wolf Stegemann

16. August 2019. – Vor der Franziskanerkirche in der Lippestraße wurde 1979 ein Brunnen des Berliner Künstlers Paul Brandenburg errichtet, der in einem weiten runden Becken aus einer Aluminiumkugel besteht, welche die aufbrechende Frucht eines Granatapfels darstellt. Im Neugestaltungsprogramm der Innenstadt „Wir machen Mitte“ sollte der seit Jahren von der Stadt vernachlässigte „Granatapfelbrunnen“ wieder Wasser speien. Geplant war zudem, dass dann der Brunnen in den Sommermonaten zum Wasserspielplatz für Kinder werden soll. Dafür müsste das in sich geschlossene Kunstwerk einen neuen Sockel erhalten, wozu der Bildhauer bereits sein Einverständnis gegeben hatte. Dies teilte die Stadt den Medien und der Bevölkerung mit. Diese Planung war ein Versprechen an die Bürger. Doch für kritische Bürger blieb die Frage offen, wer die etwa 2800 Euro teure Jahresrechnung des Wassers für den städtischen Brunnen zahlen sollte. Zu häufig plante und baute die Stadt etwas, wofür sie sich loben ließ. Doch an den Folgekosten scheiterten manche der Projekte, nachdem sie erstellt worden waren. So auch der Granatapfelbrunnen. Die Stadt stellte das Wasser ab. Der Brunnen erfüllte nicht mehr seinen Zweck. Und dann die offizielle Meldung, er wird wieder sprudeln und danach die gegenteilige, wieder offiziell, der Brunnen wird doch nicht sprudeln. Darüber kann man sich Gedanken machen.

Die heutige Innenstadt von Dorsten ist nicht nur im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, sondern ihr wurde auch in den letzten zwei Jahrzehnten architektural Schaden zugefügt, was an der zunehmenden Ungemütlichkeit dieser Stadt sichtbar ist. Straßen und Plätze für die Bewohner „gemütlich“ zu planen und zu gestalten obliegt der Kommunalverwaltung und der Lokalpolitik im Rathaus. Dort, so scheint es, hat man bei neuen Planungen seit Jahren weniger das Wohlbefinden der Bürger in „ihrer“ Stadt im Fokus, sondern Finanzierungsprobleme, Wirtschaftlichkeit, die Interessen von Verbänden und großer Unternehmen. Erinnert sei an die Planungsphase des offensichtlich gescheiterten Mercaden-Einkaufszentrums. Darüber haben wir in Dorsten-transparent ausgiebig informiert. Erinnert sei auch an die bei der Planung des Mercaden vorgeschriebene Bürgeranhörung, als eine Frau aufstand und vorschlug, statt eines Einkaufszentrums dort die Errichtung eines Bürgerparks am Wasser mit Café und Restaurant und ähnlichem einzurichten. Bürgermeister Lütkenhorst kanzelte die Frau mit den Worten ab: „Und dann stellen wir eine Kuh darauf!“ Auch sein Nachfolger Stockhoff agierte ähnlich, als er bei der Vorstellung der Mercaden-Verwaltung, wie es denn nun mit dem Pleite-Projekt am Kanal weiterginge, die Dorstener Bürger für der Mercaden-Pleite schuldig sprach, weil sie dort zu wenig einkauften. Diese Liste ließe sich verlängern, ist sie doch ein Indiz, wie Politik und Verwaltung letztlich mit Bürgern hin und wieder und immer öfter öffentlich umgehen. Mercaden plant, in Erdgeschoss einen neun Meter langen Breunnen zu errichten, der dann auch sprudelt.

„Mehr Ignoranz gegenüber der Dorstener Bevölkerung geht wohl nicht!“

Die Abschaffung der Granatapfelbrunnen-Anlage vor der Franziskanerkirche hat das Thema, was die Verwaltung mit den Straßen der Stadt macht, vorübergehend wieder in die Öffentlichkeit gebracht. Darüber machten in den letzten Wochen Bürger in den Netzwerken und in Leserbriefen an die „Dorstener Zeitung“ ihrem Unmut Luft. Hier einige Auszüge aus der Lokalzeitung:
Eine Leserin wirft der Stadtverwaltung „Ignoranz gegenüber der Bevölkerung“ vor. Sie meint „Zum Thema Granatapfelbrunnen würde ich vorschlagen, dass die Elite der Verwaltung sich noch einmal an einem kühlen Tag mit kühlem Kopf an einen Tisch setzt, um über dieses Thema gründlich zu überdenken. Mehr Ignoranz gegenüber der Dorstener Bevölkerung geht wohl nicht!“ – Ein Leser schrieb: „Mehr Wasser heißt mehr Kühlung heißt besseres Klima in der Stadt. Denken wir an den letzten Sommer sowie diesen. Stichwort Mikroklima: Gerade an heißen Tagen sind Brunnen wohltuend für die Behaglichkeit und verbessern das Kleinklima. … Mehr Grün, mehr Wasserstellen, weniger Beton.“ Und er macht dann den Vorschlag: „Jeder Brunnen in der Stadt erzählt auch eine Geschichte. Wäre es nicht möglich, einen Verfügungsfonds der Stadt Dorsten im Rahmen des Innenstadtumbaus einzurichten? Liebe Verwaltung, liebe Bürger, es muss doch möglich sein den Granatapfelbrunnen zum Sprudeln zu bringen.“ – Eine Leserin meint: „Es ist für mich nicht erklärbar, den Granatapfelbrunnen, dieses historische Denkmal, nicht wieder ins Leben zu rufen. Die fließenden Granatapfelkerne sind ein Symbol für die Auferstehung und Neugestaltung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt. … Es werden Tausende Euro für weniger wichtige Projekte ausgegeben. Schwerpunkte bei der Auswahl der erneuerbaren Objekte in der Stadt sollten gesetzt werden. … Es ist unsere Stadt, die von auswärtigen Architekturbüros wohl nicht in der gleichen Weise verstanden wird wie von Dorstener Bürgern. Ich hoffe, dass noch Änderungen in der Planung vorgenommen werden können. Zu den Bäumen, die nicht mehr gepflanzt werden sollen, möchte ich bemerken, dass ich sie zur Belebung der Stadt und auch für unser Klima als wichtiger ansehe als die Blumenhochbeete, die schon jetzt vor sich hintrauern.“ – Und eine andere Zeitungsleserin meint: „Für mich ist es nicht verständlich, in der heutigen Zeit die Begrünung aus Kostengründen zu reduzieren. Bei dem heißen Wetter gibt es nichts Besseres als ein Schatten spendender Baum. Gepaart mit einem Brunnen kann man es auch in einer Stadt aushalten.“

Brunnen in Dorsten, vernachlässigte Stiefkinder der Verwaltung

Der Granatapfelbrunnen ist nicht der einzige künstlerisch gestaltete Zierbrunnen, der von der Stadt vernachlässigt wird. Auch hier ist wieder das Folgekosten-Problem sichtbar, wenn es sich um ein Kunstwerk handelt, das nichts einbringt und die Stadt zahlen muss. Dann heißt es: einstellen oder weg damit. Ein Beispiel ist die trockengelegte Wassertreppe am Barkenberger Markt. Ricardo Penzel, Betreiber der Bar61 im Gemeinschaftshaus Wulfen, lud im September 2018 zur Benefizaktion ein und sammelte Geld schon mal 3000 Euro für die Wiederbelebung des Brunnens und der Treppe (Foto links). Inzwischen kostet eine Wiederbelebung des Kunstwerks, das einst funktionierte, 10.000 Euro. Die Stadt hat durch die Stilllegung der von Friedrich Werthmann errichteten Wassertreppe lediglich 1000 Euro jährlich eingespart. Ein Tröpfchen auf den heißen Stein. Stadtbaurat Holger Lohse ließ sich am 17. November 2018 in der „Dorstener Zeitung“ zitieren, als er sagte: „Ich habe als Stadtbaurat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unvertretbar ist, die städtischen Brunnen stillzulegen. Brunnen sollen die Vitalität einer Stadt darstellen. Dorsten ist zwar arm, aber das muss man so nicht nach außen tragen.“ – Gelten diese schönen und richtigen Worte auch im August 2019 für den Granatapfel-Brunnen in der Innenstadt? Die Worte wohl, die Taten aber nicht!
Die Stadt trägt ihre desolate finanzielle Lage überall sichtbar nach außen. Auch wenn die Brunnen wieder sprudeln würden, würde dies an dem heruntergekommen Stadtbild nichts ändern. Das ist aber ein anderes Thema. Das Sprudeln der Brunnen ist mittlerweile abhängig von Sponsoren.

Stadt erkannte 2014, dass Brunnen ohne Wasser Dorsten veröden

Bereits 2012 fasste der Rat einen Beschluss zur Stilllegung der Brunnen. Mitte 2014 stand das Thema „Sprudeln der Brunnen ja oder nein“ wieder auf der Spar-Agenda der Stadt. Jetzt war man sich einig, dass die Stilllegung zu einer weiteren Verödung der Innenstadt führte. Verwaltung und Rat erkannten 2014, dass sie bei ihrem Stilllegungsbeschluss von 2012 dies nicht ausreichend berücksichtigt hatten und dass ein Weiterbetrieb der Brunnen eine „prägende Bedeutung“ für den Marktplatz habe. Zudem argumentierte die Verwaltung für die Wiederinbetriebnahme auch mit Dorstens verstorbener Künstlerin Tisa von der Schulenburg. Denn der aus Waschbeton und in Beckenform errichtete Brunnen (Foto links) vor dem Alten Rathaus sei eng mit ihr verbunden und stellt eine „historische Komponente der Innenstadt“ dar. Seine Reliefs und Texte geben Auskunft über die Stadtgeschichte. Die Wiederherrichtung zum Betrieb des Brunnens übernahm ein Sponsor. Die Stadt musste allerdings die Pumpe erneuern (700 Euro).

Wasserkosten für die Brunnen für die Stadt eigentlich „peanuts“

Bei den Brunnenbeiträgen geht es nicht um große Summen wie beispielsweise bei den Projekten „Wir machen Mitte“, darunter die Restaurierung des Bahnhofs in Millionenhöhe oder Millionenbeträge durch die Übernahme des Freizeitbades Atlantis von einer privaten Gesellschaft, die Pleite machte, und dessen jährliche Verluste. Dagegen wären die Brunnen-Ausgaben der Stadt „peanuts“ und könnten gezahlt werden, zumal die Stadt gegenüber 2011, dem Jahr vor Beginn der Haushaltssanierung,  inzwischen einen Anstieg der jährlichen Einnahmen von 55 Millionen Euro verzeichnet (Stand Ende 2017). Ein großer Anteil dieser Mehreinnahmen ist dem stark wachsenden Steueraufkommen zu verdanken, das wesentlich von den Konten der Dorstener Bürger und Unternehmen kommt.

Drehbare Ereignisse der Stadtgeschichte  am Marktbrunnen

An der westlichen Seite des Marktes steht ein von Bonifatius Stirnberg 1986 geschaffener Bronzebrunnen (Foto), der an den vier Ecken des mittleren, ausladenden Wasserabstoßbeckens figürlich vier Episoden aus der Stadtgeschichte darstellt: Stadtwerdung durch Erzbischof Konrad von Hochstaden mit dem Grafen von Kleve und dem Bürgermeister, der Verteidigungskampf  Dorstener Frauen 1588 im Truchsessischen Krieg, der Dorstener Schiffsbau und der Bergbau, der im 20. Jahrhundert die Stadt prägte. In den Boden des gepflasterten Brunnenpodestes wurde im Jahre 2000 eine Tafel eingelassen, die an Goethes Aufenthalt 1792 am Marktplatz erinnert. – An der Freiheitsstraße in Holsterhausen wurde 1995 ein Partnerschaftsbrunnen aufgestellt, den der Metallbildner Hermann Kunkel (Raesfeld) gestaltet hatte. Die Wappenschilde im oberen Bereich stellen die acht Städte dar, mit denen Dorsten eine Städtepartnerschaft unterhält. Jahrelang fehlten die Wappen von Hod Hasharon und Rybnik. Erst durch Intervention der Stadträtin Petra Somberg-Romanski wurden die Wappenschilde nachträglich angebracht. – In Lembeck steht seit 1984 der Herrlichkeitsbrunnen, am Markt in Wulfen Barkenberg gibt es seit 1986 die o. g. Wassertreppe und auf dem Brunnenplatz in Hervest den Ziegenbrunnen (kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Neuer Brunnen auf dem Zechengelände in Hervest-Dorsten

Auf dem ehemaligen Zechengelände in Hervest-Dorsten wurde 2013 ein neuer Brunnen mit sechs Metern Durchmesser errichtet. Der Künstler Norbert Then von der benachbarten „Traumfänger“-Galerie schuf ihn und gab ihm den Namen „Das Lebenskarussell“. Mit Hilfe des Brunnens erzählt der Künstler die komplette Lebensgeschichte eines Menschen von der Jugend bis zum Alter. 53 schlanke Skulpturen symbolisieren die jeweiligen biographischen Abschnitte. Der Brunnen umfasst 8000 Liter Wasser mit einem Unterwasserspiegel, der sich im Kreise dreht. Das Ganze versehen mit einer Fontäne und insgesamt stimmungsvoll illuminiert. Dieser Brunnen wird privat betrieben – und funktioniert.

Alter Holzbrunnen aus dem Mittelalter am Nonnenkamp entdeckt

Forscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben Mitte 2017 am Nonnenkamp auf der Hardt einen Brunnen aus dem Mittelalter entdeckt. Die Reste des etwa 50 Zentimeter breiten Holzbrunnens stammen aus der Zeit unmittelbar vor der Stadtgründung im 13. Jahrhundert. Die Archäologen sprechen von einem Glücksfall: hölzerne Brunnen halten sich in der Erde normalerweise nicht so lange.

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Früher waren Brunnen mit Mythologien besetzt

Mit dem Aufkommen von Wasserleitungen verschwanden die Entnahme- und Waschbrunnen im öffentlichen Raum. Sie wurden in vielen Dörfern und Städten durch mehr oder weniger künstlerisch gestaltete Brunnenanlagen ersetzt. Neben dem Praktischen hat sich um Brunnen seit Menschengedenken ein breites Brauchtum gerankt. Mit jährlichem Waschen des leeren Geldbeutels im Brunnen, erhofft man Wohlstand, sich selbst oder Münzen in den Brunnen zu werfen soll einem Lebensglück verschaffen.

In der Bibel: Symbol religiöser Erotik, Weiblichkeit, Ehe und Ehebruch

Im Alten Testament kommt der Brunnen als Symbol der Liebe und Weiblichkeit vor. Die Magd und Nebenfrau Abrahams begegnet am Brunnen einem Engel des Herrn und Isaak lernt seine Frau Rahel an einem Brunnen kennen (Gen 16). Jakob und Rahels Begegnung am Brunnen ist eine Liebesgeschichte (Gen 29). Nach der Bedeutung der Liebe und des Trostes erhält der Brunnen so auch die Bedeutung als Ort der Verheißung und der Erfüllung. Umgekehrt ist das Zuschütten von Brunnen, wie es die Philister (Gen 26,15) tun, ein ernster Grund für Streitigkeiten. Zudem ist der Brunnen in vielen Büchern der Bibel ein Symbol der oder des Geliebten, der religiösen Erotik und Metapher für Ehe und Ehebruch. Das Bild zeigt, wie wie Eliezer Isaaks zukünftige Frau Rebecca trifft, Gemälde con Murillo, Mitte 17. Jahrhunert.
In der griechischen Mythologie steht der Brunnen für Weiblichkeit, Erotik, körperliche Schönheit von Jünglingen und Jungfrauen und auch als Symbol des tödlichen Abgrunds. In der keltischen und nordischen Mythologie kennt man den Brunnen als Jungbrunnen und neben dem Schlaraffenland als Paradies, als Treffpunk der Walküren, die Schlachten vorbereiten, von Feen und anderer weisen Frauen, von Nornen und Parzen, welche die Schicksale flechten.

 Brunnenwahrsagerei im christlichen Mittelalter

Im Mittelalter wurde der Brunnen zur Wahrsagung benutzt. Trotz eines Verbotes dieser Brunnenwahrsagerei durch Papst Gregor III. im Jahr 731 hielten sich die Vorstellungen im Volksglauben über Jahrhunderte hinweg. Frau Holle hauste in den Tiefen der Brunnen-Unterwelt, befand sich aber gleichzeitig im Himmel, aus dem heraus sie es schneien ließ und war dabei am Ende weder Brunnen- noch Luftgeist, sondern schien lediglich eine auf Fleiß und Ordnung bedachte Hausmutter zu sein.

Das Brunnenmotiv in der Literatur der Neuzeit

Das Motiv des Brunnens taucht auch in Goethes Drama Faust I von 1808 als Schauplatz von Gretchens und Lieschens Tratschereien über eine gemeinsame Bekannte auf.  Theodor Storm greift in „Ein Doppelgänger“ von 1887 noch einmal „Frau Holle“ auf, wenn er John Hansen nachts in einen nicht mehr genutzten Brunnen fallen lässt. Hansen, der gerade im Begriff war, aus der Not heraus Kartoffeln zu stehlen, verschwindet auf immer. Häufig wird das Motiv des Brunnens auch in der Lyrik aufgegriffen, etwa von Conrad Ferdinand Meyer (Der römische Brunnen, 1882), von Hugo von Hofmannsthal (Weltgeheimnis, 1894), von Rainer Maria Rilke (Römische Fontäne, 1906; La Fontaine, 1924), Hans Carossa (Der alte Brunnen, 1910) oder auch im Gedichtzyklus „Der tiefe Brunnen“ von Emanuel Bodman aus dem Jahr 1924. Zu nennen ist insbesondere Wilhelm Müllers Gedicht „Der Lindenbaum“ von 1822, wo der Brunnen gemeinsam mit dem Lindenbaum zum Symbol wehmütiger Sehnsucht nach der heilen Vergangenheit wird. Das Bild ist eine österreichische Postkarte von 1913. In seiner Vertonung durch Franz Schubert in der „Winterreise“ (1827) und durch die bekannteste und populärsten Bearbeitung der Schubertschen Vertonung von Friedrich Silcher ist das Werk zum Volkslied geworden. Für diese Fassung hat sich der Anfangsvers des Gedichts als Titel eingebürgert und Weltruhm erlangt:

„Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum.
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.“

Kindsmörderin warf in Dorsten 1832 ihr Neugeborenes in einen Brunnen

Einen solchen Traum hatte Elisabeth Peters 1832 wohl kaum, als sie ihr Kind in Dorsten in einen Brunnen warf und es tötete. Die Polizei hatte sie überführt. Die Frau kehrte „zur Nachtzeit auf dem Lande ein und warf ihr neugeborenes Kind in einen Brunnen“. Weitere Informationen über die Dorstener Kindsmörderin sind nicht bekannt. Bisherige Recherchen führten noch zu keinem Ergebnis. 1832 ist auch das Todesjahr von Goethe, der als Staatsminister in Weimar eine Kindsmörderin köpfen ließ, die ihren Neugeborenen Sohn tötete. Mit seiner literarischen Kindmörderin „Gretchen“ im Faust I ging Goethe liberaler um. Übrigens saß Goethe am 6. Dezember 1792 in Dorsten am Marktplatz an einem „Pütz“, so im Ausgabenbuch seines Dieners, und trank für 28 Stüber Wein, während seine Kutsche geschmiert wurde. Ein Pütz ist eigentlich ein Seemannseimer, hier wurde er für einen Brunnen verwendet.

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14 Kommentare zu Der Innenstadt fehlt seit Jahren die Gemütlichkeit. Die Stadtverwaltung trägt dazu bei. Jetzt wird der harmonisch ins Straßenbild passende „Granatapfel“-Brunnen entfernt

  1. MariaN sagt:

    Die Arbeit des Stadtrats samt Verwaltung und Bürgermeister spiegelt sich in der Altstadt. Geht es noch trostloser? Herr Leineweber nennt die eigentlich selbstverständlichen Bedingungen für eine lebens- und liebenswerte Stadt, einschließlich Wasserbrunnen. Stattdessen zugepflasterte konturlose Pflasterung allüberall. Schlimmer schlechter hässlicher gehts nicht. Es müssten neue phantasievolle Menschen in den Rat und das Bürgermeisteamt. Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben.

  2. Köster sagt:

    Tatsächlich, es gibt ja auch GRÜNE im Rat! Sind sehr zurückhaltend und kommen gar nicht vor in der öffentlichen Wahrnehmung. Was sagen die Vertreter der Grünen denn zu dem fortlaufenden Murks, der der armen Altstadt zugemutet wird?

  3. Klaus Schakulat sagt:

    Hinzu kommt, dass das neu verlegte Pflaster auch schon verdreckt ist. Es ist furchtbar mit anzusehen, wie hier Geld verpulvert wird. Wenn kein Geld mehr für Bäume und Wasser für Brunnen da ist, sollte man am besten gleich einpacken und den Bankrott erklären. Ich frage mich allerdings auch wo der Protest der “Klimafreunde”, einschliesslich der Grünen bleibt.?
    Organisiert doch mal eine Protestveranstaltung, möglichst Freitags! Friday for Dorstens Future, oder so ähnlich. Ich wäre dabei!!

  4. Heribert Leineweber sagt:

    Kommunales Demokratiedefizit – Wo bleibt der Wählerwille? Publiziert am 8. Februar 2013, Kommentar von Helmut Frenzel.
    Bereits 2013 erschien in Dorsten-transparent vorstehender lesenswerter Kommentar.
    Hier wurde eine Kommunalpolitik nach Gutsherrenart reklamiert. Herr Frenzel bezeichnete den Rat als Handlanger von Bürgermeister und Verwaltung. Hier liegt der Hase im Pfeffer! Wir Bürger von Dorsten wollen eine lebendige Innenstadt mit Atmosphäre, interessanten Fachgeschäften, netter gemütlicher und abwechsellungsreicher Gastronomie. Einen Markt, auf dem Frische und Vielfalt herscht. Dazu gehören auch sprudelnde Brunnen die Dorsten ja bereits besitzt, aber abschaffen will. Immer mehr Markthändler verlassen Dorsten aus verschieden Gründen, die jedoch fast alle durch die Verwaltung bedingt werden. Im Herbst 2019 dürfen wir wieder wählen. Es liegt auch an uns, ob alles beim negativen Altem bleibt.

  5. Christine N sagt:

    Ich überlege und überlege, doch mir fällt nichts ein. Wer hilft mir auf die Sprünge? Meine Frage: Was hat unser aller Herr Bürgermeister in seiner bisherigen Amtszeit für uns, die Bürger, Sinnvolles, Gutes getan?

  6. Edeltraud sagt:

    Vielleicht könnten die umliegenden Geschäfte (sind doch recht umsatzstarke dabei) eine Patenschaft für den Brunnen übernehmen, so wie Björn Schult das schilderte?

  7. Wilhelm Schürholz sagt:

    Wer den von Schwester Paula entworfenen Brunnen auf dem Marktplatz noch vor der zeitweisen Stilllegung 2012 und der Sanierung 2014 kennt, der erinnert sich an die vier, ca. 1 m hoch sprudelnden Fontänen und an ihr Plätschern, das von den Häusern am Marktplatz widerklang. Was da heute aus einem, höchstens zwei Röhrchen rinnt (siehe Foto), erinnert leider eher an an die Folgen einer benignen Prostatahyperplasie.

  8. Elfie sagt:

    Dann eben ein Gerät weniger, das Wasser spuckt. Was solls? Wer geht denn noch freiwillig in die Innenstadt, wenn nicht gerade Markt ist? Von uns keiner mehr. Dorsten hat nix zu bieten. Vielleicht wollen sie wie Berlin wirken, “Arm aber sexy”.

  9. Lottermann sagt:

    Der Granatapfel ist/war viel zu schön für Dorsten. Irgendwas aus Plastik passt besser hin zwischen Handyshop, Friseur und Nagelstudio. Was anderes gibts doch nicht mehr. Kein schönes Café, Teegeschäft, Porzellan- oder Kunstgewerbegeschäft weit und breit. Alles weg. Nur noch Ramsch. Das braucht keiner. Und die Marktbeschicker mit guter Ware werden auch immer weniger. Die Stadt”väter” sind aber erst zufrieden, wenn sich niemand mehr blicken lässt. Geduld. Dauert nicht mehr lange.

  10. W.Schaum sagt:

    Und was passiert jetzt mit dem schönen Brunnen? Dass er weg soll, versteht ich ja, die Innenstadt ist nun endlich so hässlich, da stört solch ein Schmuckstück nur. Gut gemacht, Entscheider der Stadt Dorsten! Dafür hat man euch gewählt.

  11. Paul sagt:

    Das darf nicht sein, dass die letzten schönen Plätze nun auch noch entfernt werden. Was soll das? Was hat die sonderbare Verwaltung der unattraktiven Stadt gegen ihre Bürger? Es müssten endlich mal fähige Leute ans Ruder.

  12. Paul sagt:

    Das darf nicht sein, dass die letzten schönen Plätze nun auch noch entfernt werden. Was soll das? Was hat die sonderbare Verwaltung der unattraktiven Stadt gegen ihre Bürger? Es müssten endlich mal fähige Leute ans Ruder.

  13. Freifrau sagt:

    Ein wunderbarer Artikel über diese unsägliche ignorante arrogante Verwaltung. Schon seit geraumer Zeit vermeide ich es, diese öde Stadt zu besuchen. Allerhand, dass es den Entscheidern immer wieder gelingt, die Stadt noch mehr verkommen zu lassen. Wie wäre es, die Stadtregierung abzulösen und die Gesamtstadt (inklusive der armen Münsterlanddörfer, die zwangseingemeindet wurden und somit mehr und mehr ihres Charakters verloren) aufzuteilen? Einmal Kreis Borken, der weiß, wie es geht. Jenseits der Lippe zu Kirchhellen/Bottrop. Überhall ginge es der Bevölkerung besser als momentan. Ein Trauerspiel, ob mit oder ohne Brunnen.

  14. Björn Schult sagt:

    Es ist immer wieder lachhaft, was unsere Bürgervertreter dort verzapfen … man sollte Dorstener Bürger und Immobilien-Eigentümer ansprechen, damit das nötige Geld für den Unterhalt dieser Brunnen zusammenkommt. Als Beispiel, dass es funktioniert, sieht man am Essener Tor, dort ist es dem Schützenverein Altstadt als Pfleger der Anlage und der Familie Schult zu verdanken, die sich 10 Jahre lang bereit erklärt haben, Wasser und Strom zu sponsoren. Eine Altstadt ohne Brunnen gibt wohl ein Armutszeugnis für unsere Stadt ab.

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