Mercaden in der Krise. Für einen Neustart wird der Investor noch einmal Geld in die Hand nehmen und das Center zu Ende bauen müssen – Eine Garantie für Erfolg ist auch das nicht

Mercaden – wie geht es weiter? Foto: Stegemann

Von Helmut Frenzel

3. März 2018. – Es kam wie zu erwarten war. Mit dem Jahreswechsel und dem Beginn der traditionell umsatzschwachen Monate schlossen mehrere Betriebe im Mercaden. Zu schlecht liefen die Geschäfte – da ist dann irgendwann einmal Schluss. Es traf insbesondere das Erdgeschoss mit seinen „Garagenläden“. Die verlassenen Ladenlokale gesellen sich zu den schon vorhandenen Leerständen hinzu und vermitteln insgesamt das hässliche Bild des Misserfolgs. Der Projektentwickler Herbert Krämer, der nach der Eröffnung im März 2016 auch das Center Management übernommen hatte, wurde im Dezember kurzerhand geschasst. Der Investor traute ihm nicht mehr zu, die negative Entwicklung zu drehen. Investor ist die OFB Projektentwicklung GmbH, eine Tochtergesellschaft der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Sie hat die Finanzierung für das Centerprojekt bereitgestellt und als Geldgeberin das letzte Wort. Die schlechte Lage zwang zum Handeln und so beauftragte sie die Koprian iQ Management GmbH mit der Lösung des Problems. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf das Management von Einkaufszentren und auf Revitalisierung. Koprian iQ soll nun schaffen, was Herbert Krämer nicht fertiggebracht hat: das Mercaden auf Erfolgskurs bringen.

Centerkonzept des Herbert Krämer früh gescheitert

Das ist unter den gegebenen Umständen so etwas wie ein Himmelfahrtskommando. Die aktuelle Krise rückt zwar den Misserfolg des Mercaden jetzt in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Gescheitert ist das Projekt aber schon vor seiner Eröffnung. Dazu ein Rückblick. Im Herbst 2015, ein halbes Jahr vor der Eröffnung, wunderten sich Beobachter über einen mehrwöchigen Stillstand der Bauarbeiten. Das war offenbar die Phase, in der die OFB und Herbert Krämer sich eingestehen mussten, dass sie große Anteile der Verkaufsflächen im neuen Einkaufscenter nicht vermietet bekommen.

Tristesse im Erdgeschoss; Foto: Frenzel

Es ist der Zeitpunkt, an dem das Centerkonzept des Herbert Krämer als gescheitert eingestuft werden musste. Die renommierten Bekleidungsfilialisten zeigten kein Interesse. Dieses Echo war auch ein Urteil des „Marktes“ über die Erfolgsaussichten des Projekts. Als Konsequenz wurde daraufhin der Ausbau des Erdgeschosses zu einer attraktiven Ladenzeile aufgegeben. Noch immer führt die OFB auf ihrer Internetseite das Mercaden mit dem Status „im Bau“ – bis heute, zwei Jahre nach der Eröffnung.

Notlösung mit den „Garagenläden“ führt in die Sackgasse

Gescheitert hin oder her – es gab ja für einen Teil der Verkaufsflächen Mietverträge. Das Center musste eröffnet werden, so oder so. Also machte sich Herbert Krämer auf die Suche nach Mietern, koste es was es wolle, und nahm was er kriegen konnte. Da die großen Handelsketten mit ihren Raumansprüchen nicht zur Verfügung standen, stückelte er die Verkaufsfläche im Erdgeschoss in eine zweistellige Anzahl von kleinen Geschäftslokalen und fand dafür auch Mieter. Die Geschäftsräume sind auf dem denkbar niedrigsten Ausstattungsniveau gestaltet, in letzter Minute zusammengeschustert. Vom gehobenen Standard, den große Einkaufscenter üblicherweise vorweisen, keine Spur.

Quelle: OFB Projektentwicklung GmbH, 1. 3. 2018

Am Ende fehlte wohl auch das Geld. Immerhin gelang es Herbert Krämer, die Flächen bis zur Eröffnung weitgehend zu füllen. In diese Phase fallen auch die Berichte, Herbert Krämer ziehe durch die Altstadt und versuche, Einzelhändler zum Umzug in das Mercaden zu bewegen, was in Einzelfällen auch gelang. Mit dem so entstandenen Sammelsurium an Geschäften wurde das Mercaden am 3. März 2016 eröffnet. Aber es war kein geplanter Angebotsmix, sondern eine Notlösung. Der Preis für dieses Vorgehen war hoch. Von Beginn an war die „Eigenattraktivität“ des Centers gering – zu gering. Das Einkaufscenter „funktionierte“ nicht. Dazu trug bei, dass zur Eröffnung die Flächen, die inzwischen von TKmaxx und Deichmann belegt sind, leer standen.

Rettungsversuch wird teuer

Jetzt, zwei Jahre nach der Eröffnung, ist die Notlösung mit den „Garagenbetrieben“ im Erdgeschoss implodiert. Die Ansiedlung von TKmaxx, einem Bekleidungsdiscounter, hat zu einer schwerpunktmäßigen Verlagerung des Besucherstroms in das Obergeschoss geführt und den Betrieben im Erdgeschoss endgültig die Luft abgedreht. Herbert Krämer hinterlässt einen Scherbenhaufen. Nun soll es Koprian iQ richten. Welche Optionen hat das Unternehmen für einen Rettungsversuch? Klar dürfte sein, dass man für die verlassenen Geschäftslokale im jetzigen Zuschnitt keine neuen Mieter finden wird. Zu sehr wirkt der Misserfolg der bisherigen Mieter als Abschreckung. Die einzige Lösung besteht darin, überhaupt erst einmal die Vermietbarkeit der Flächen herzustellen durch eine komplette Neugestaltung des Erdgeschosses auf einem entsprechenden Niveau – mit anderen Worten: nachholen, was 2015 unterlassen wurde, und das Center fertigbauen. Dazu wird die OFB noch einmal Geld in die Hand nehmen müssen und da wird es nicht mit Kleingeld getan sein.

Aber auch das ist keine Garantie für künftigen Erfolg. Die alles entscheidende Frage lautet: werden sich für die dann neugestalteten Flächen Mieter finden? Die Antwort hängt nicht nur von der Fertigstellung und Neugestaltung des Erdgeschosses ab, sondern auch und vor allem davon, ob die in Frage kommenden Handelsunternehmen die Kaufkraft im Einzugsgebiet für ausreichend halten, um eine langfristige vertragliche Bindung einzugehen. Herbert Krämer hatte etliche Jahre Zeit, solche Interessenten zu finden und von einem Engagement zu überzeugen und ist damit gescheitert. Koprian iQ will sich mehrere Monate Zeit nehmen, um die Lage zu analysieren, und dann einen Vorschlag präsentieren. Man darf gespannt sein, wie das Konzept für einen Rettungsversuch aussieht.

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7 Kommentare zu Mercaden in der Krise. Für einen Neustart wird der Investor noch einmal Geld in die Hand nehmen und das Center zu Ende bauen müssen – Eine Garantie für Erfolg ist auch das nicht

  1. Augustin W. sagt:

    Geht man zum ersten Mal durch dieses Städtchen, denkt man: Mehr Geld als Geschmack. Tatsächlich aber weder Geld noch Geschmack.

  2. steckruebe sagt:

    Dorsten fehlt es vor allen Dingen an Niveau, Freundlichkeit, Gemütlichkeit. Ein Beispiel: Besuch aus Münster, ein Stadtrundgang stand an. Es gab ein bis zwei Geschäfte, bei denen sich ein Blick ins Schaufenster lohnte. Wo gibt es Kaffee mit gutem Kuchen; Torten in Konditorenqualität? Ratloses Schulterzucken. Beim Besuch des neuen Einkaufszentrums war den Gästen dann klar, dass die Innenstadt keinen Besuch mehr wert ist. Kaffee haben wir zu Hause getrunken. Ich frage mich, ob dem Bürgermeister all das gleichgültig ist. Hat er je die Bürger angesprochen, nach ihren Wünschen gefragt? Wenn man etwas von ihm liest, dann sind es Aussagen wie: Dafür hat die Stadt Dorsten kein Geld. Wohlgemerkt, Geld, das den Bürgern zugute käme. Für allerlei andere meist unnütze Events gibt es noch Steuergelder zu verpulvern.

  3. C. Heinz sagt:

    Bei der Planung der Mercaden galt der gute Herrenausstatter “Mensing” als Verbindungsglied zur Altstadt. Jetzt haben wir als Verbindungsglied “Tedi” und “Dorstener Treff”. Ob das die Attraktivität der Innenstadt steigert, darf bezweifelt werden. Ich denke, Björn Freitag mit seinem “Goldenen Anker” wird sich über seine ansprechenden Nachbarn freuen.
    Die Verkehrssituation an den Mercaden ist nur als katastrophal zu bezeichnen. Sowohl stadtauswärts steht man erst am Westwall an einer roten Ampel, dann an der Fußgängerampel am Kindergarten, dann an der 2. Fußgängerampel vor den Mercaden. An der Kreuzung zeigt die Ampel dann grün, aber man steht ja vor der roten Fußgängerampel. Endlich, nach 3 Ampelphasen an der Kreuzung stehend, steht diese Ampel auf rot. Stadteinwärts stehen die Autos schon auf der Lippebrücke teilweise im Stau, bedingt durch die Rechtsabbiegerspur an den Mercaden. Endlich dort angekommen, heißt es warten, damit 3 – 5 Autos rechts abbiegen können, um dann wieder vor der roten Fußgängerampel zu stehen. Wie gesagt, die Verkehrsplanung kann nur als völlig gescheitert bezeichnet werden und steigert nicht die Akzeptanz der unnötigen Mercaden. Schade, das tolle Gelände am Kanal hätte sicher wesentlich besser genutzt werden können.

  4. Tanja sagt:

    Muss meinen Vorgängern recht geben. Die Mercaden sind sehr unattraktiv für junge Leute und das gilt auch für die Innenstadt. Vom shoppen bis zur Freizeit gibt es kaum etwas und unsere Jungen fahren in andere Städte. Vielleicht darauf mal ein wenig eingehen und nachdenken bei der Planung.

  5. Beate Trensinger sagt:

    Vor dem Bau der Merkaden war ich der Meinung, dass wir die Fläche toll für Parkanlagen mit Cafés nutzen sollten. …. Dann begann der Bau… es wurde sehr viel versprochen, allerdings sah die Realität bei der Eröffnung anders aus.
    Die Krönung war dann auch noch zum Leidwesen vieler Autofahrer, die Erschaffung einer Lieferzone für Tkmax! Wochenlang Staus ohne Ende…
    Nun bekommt die Fußgängerzone ein neues Pflaster und schöne Sitzgelegenheite…..super… doch worauf schaut man beim Verweilen???… Auf verschmutzte, verwaiste Ladenlokale! Glückwunsch an die Stadtplaner!
    Ach noch Eins- ein TEDI ist nicht unbedingt ein Magnet um Besucher der Merkaden in die Innenstadt zu locken….☹️

  6. Jule sagt:

    Dorsten hat überwiegend ältere Leute, die nicht die Kaufkraft darstellen. Für die jüngeren fehlen Geschäfte, wie schon gesagt primark, footlocker, Tara M für Männer und Frauen etc. Dann wäre ein GameStop toll, ein Starbucks und ein Subway oder kleiner KFC. Dann gäbe es etwas was die jüngeren gerne anziehen, was sie essen/trinken und etwas zum zocken?
    Träumen wir weiter und fahren solange in andere Städte, die solche Läden haben

  7. Julia Zawodny sagt:

    Was hier gebraucht wird sind Märkte wie primark, Jack and Jones, newyorker, weil die meisten nach Gelsenkirchen fahren oder nach Essen, um shoppen zu gehen. Würde es diese Läden hier geben, dann wäre es auch voller. Viele, mit denen ich Rede, sind der gleichen Meinung und hoffen auf diese Läden.

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