Erster Weltkrieg: Wilhelm Pepperhoff verteidigte als Seesoldat 1914 im deutschen Pachtgebiet Kiautschou an der Küste von China sein deutsches Vaterland

Deutsche Marinesoldaten in Kiautschou-Tsingtau 1912

Von Wolf Stegemann

Über den Hardter Seesoldaten Wilhelm Pepperhoff ist wenig bekannt. Angehörige der Familie, die noch in Dorsten wohnen, wissen nichts über ihn, wissen nicht einmal, dass es ihn gab. Daher gibt es von ihm bislang auch keine Fotografie. Auch die Stadt Dorsten konnte ihn nicht identifizieren, auch nicht das Standesamt Schermbeck. Aufgrund seines Dienstgrades könnte er zwischen 1887 und 1892 geboren sein. Vermutlich gehören er und sein Kamerad Wilhelm Nies, der nach Rückkehr in den 1920er-Jahren in Hervest wohnte, zu den Soldaten, die – am weitesten von Dorsten entfernt – vor 100 Jahren in China ihr deutsches Vaterland verteidigten, eine Strategie, die sich offensichtlich nicht bewährt hat, aber vor Jahren am Hindukusch in Afghanistan wieder belebt wurde. Diesmal hieß die Losung: „Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt!“ Damals war es China!

Grußkarte aus Kiautschou 1898

In japanische Kriegsgefangenenlager verbracht

Wilhelm Pepperhoff wurde auf der Hardt bei Dorsten geboren, die damals noch zu Gahlen gehörte. Er bzw. seine Familie wohnten in der Hafenstraße 94. Im August 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach, war Pepperhoff Bootsmannmaat in der 5. Kompanie der Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou, die 200 Mann stark war. Weitere 1.200 Mann gehörten dem III. Seebataillon an. Bei Kriegsbeginn wurde die Garnison durch 3.400 Mann verstärkt. Die Japaner stellten ein Ultimatum, demnach das dem Reichsmarineamt unterstellte Pachtgebiet Kiautschou geräumt werden sollte. Nach Verstreichen des Ultimatums beschossen 60.000 Japaner und Engländer die eingeschlossene Kolonie und nahmen sie ein. Am 7. November 1914 erfolgte die Kapitulation. Die deutschen Verteidiger wurden nach Japan in Kriegsgefangenschaft verbracht. Sie lebten dort in mehreren Lagern und wurden teilweise erst 1920 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Die bekanntesten Lager hießen Matsuyama und das Kriegsgefangenenlager Bandö.

Postkarte aus Tsingtau

Sein Kiautschou-Kamerad Wilhelm Nies wohnte nach dem Krieg in Hervest

Wilhelm Pepperhoff kam in das neu errichtete Lager Kumamoto. Seine Gefangenennummer war 3596. In den Papieren gab er den Japanern als Heimatort Dorsten im Kreis Recklinghausen an. Am 9. Juni 1915 wurde er in das Lager Kurume und am 5. August 1918 in das Lager Nagoya verlegt. Von dort wurde Wilhelm Pepperhoff im Dezember 1919 entlassen. Seitdem fehlt jede Information über ihn. Sein Kamerad Wilhelm Nies stammt zwar aus Dortmund-Marten, wohnte aber in den 1920er-Jahren in Dorsten-Hervest, Harsewinkel 23. Er war Monteur bei der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft Syfang, war ab August 1914 Landwehrmann in der 7. Kompanie des III. Seebataillons und nach der Gefangennahme in den Lagern Cita und Narashino, aus letzterem er im Februar 1919 entlassen wurde. 1926 arbeitete Nies bei der Zeche Fürst Leopold als Maschinentechniker. – Nach dem Krieg trat Deutschland alle Kolonien ab, auch das Pachtgebiet Kiautschou. Es wurde von den Japanern verwaltet und 1922 auf Drängen der USA an China zurückgegeben.

Weitere Seesoldaten aus der Region im Kiautschou-Einsatz

Heinrich Caninenberg, 1914 Seesoldat in der 2. Kompanie des III. Seebataillons; Isselburg/Rees, 1914 gefangen im Lager Nagoya (Gef.-Nr. 2503), 1919 entlassen, Heimreise.

Konrad Drzisga, 1914 Seesoldat in der 5. Kompanie des III. Seebataillons; Buer-Scholven, 1914 gefangen im Lager Nagoya (Gef.-Nr. 2507), 1919 entlassen.

Theodor Leo Duvenbeck, geboren 1891 in Wesel, gest. 1967 in Köln; Obermatrosenartillerist der Reserve in der 2. Kompanie der Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou; 1914 gefangen im Lager Fukuoka (Gef.-Nr. 974), 1916 im Lager Nagoya. Frau und Sohn verbrachten die Kriegsjahre in Tsingtau. 1919 wurde die Fern-Trauung vor einem japanischen Standesamt vorgenommen. 1919 entlassen, Rückkehr nach Tsingtau, 1925 Heimreise. Nach der Scheidung von Leo nahm seine Frau wieder ihren Mädchennamen an und betrieb in Tsingtau, Anhui Road 4, bis 1946 die „Park Pension“.

Heinrich Goyert, Seesoldat in der 3. Kompanie des III. Seebataillons; Marl, 1914 gefangen im Lager Kurume (Gef.-Nr. 448), 1919 entlassen.

Fritz Hillebrand, Seesoldat in der 1. Kompanie des III. Seebataillons; Recklinghausen, 1914 gefangen im Lager Kurume (Gef.-Nr. 473), 1919 entlassen.

Heinrich Spöler, 1914 Matrosenartillerist in der Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou; Borken, 1914 gefangen im Lager Oita (Gef.-Nr. 4445), Heimatort: Borken), 1918 im Lager Narashino, dort an der Spanischen Grippe gestorben.

Josef Westrup, Matrosenartillerist in der 3. Kompanie der Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou; Recklinghausen; 1914 gefangen im Lager Osaka (Gef.-Nr. 4105), 1917 im Lager Ninoshima; 1919 entlassen.

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Entnommen der 2014 erscheindenen „Dorsten-Lexikon“. – Quelle: Website „Tsingtau und Japan“, historisch-biografisches Projekt von Hans-Joachim Schmidt (2013).
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