Was verbindet die neue deutsche Botschafterin in Washington mit Dorsten, das sie aus ihrer Kinder- und Jugendzeit her kennt? Familiäre Beziehungen zur Familie Schürholz

Von Wolf Stegemann

4. August 2018. – Im April 2018 tauchte in den Schlagzeilen der Presse und in Nachrichtensendungen in Zusammenhang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas und am Rande auch mit US-Präsident Trump ein Name auf, der im diplomatisch-politischen Deutschland einen guten Klang hat, ansonsten als Name teils weniger teils gar nicht bekannt sein dürfte. Das ist der Name Emily Haber. Trägerin des Namens ist die neue Botschafterin der Bundesrepublik in Washington. Sie gehört ohne Übertreibung zu den angesehendsten Exzellenzen auf der diplomatischen Bühne, deren Leben und Karriere als öffentliche Person ein offenes Buch ist. Nicht in diesem Buch ist allerdings zu finden, dass Dr. Emily Haber nicht nur die großen Städte rund um den Erdball kennt, sondern auch das kleine Dorsten an der Lippe. Denn mit der Stadt verbindet sie Kindheits- und Jugenderinnerungen, da sie mit der Familie Schürholz am Dorstener Markt verwandt ist, ebenso mit der Familie Beisenbusch, denn ihre Großmutter Paula Schürholz war eine geborene Beisenbusch.

Ursula Schürholz heiratete einen Diplomaten, die Tochter wurde Diplomatin

Heinrich Schürholz, Paula Beisenbusch und Paul Schürholz ca. 1917

Die neue Botschafterin der Bundesrepublik beim schwierigen Trump ist eine Cousine 2. Grades von Wilhelm Schürholz, Sohn des Kaufmanns und allseits bekannten Nachkriegsbürgermeisters Paul Schürholz (1893 bis 1972). Dieser hatte einen älteren Bruder Heinrich (1891 bis 1982), der 1922 Paula Beisenbusch aus einer ebenfalls alten Dorstener Familie heiratete und nach Köln verzog, wo er als Arzt tätig war. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Gunhilde und Ursula Schürholz. Letztere heiratete den Diplomaten Dirk Oncken, der u. a. Botschafter in Delhi, Washington und bei der Nato war. Aus dieser Ehe geht die neue deutsche Botschafterin in den USA, Emily, hervor, die den Diplomaten Hansjürgen Haber heiratete. Ihre Mutter Ursula Schürholz starb bereits Mitte der 1950er-Jahre an einem unheilbaren Gehirntumor. In ihrer Jugendzeit verbrachte Emily  Haber mehrmals ihre Ferien bei ihren Verwandten in Dorsten, kennt die Altstadt genauso gut wie Hervest.

Deutsches Botschafterkarussell drehte sich in politischer Gemengelage

Die deutsch-amerikanischen diplomatischen Beziehungen sind derzeit in einem katastrophalen Zustand, wie die Zeitungen übereinstimmend berichten. Daher musste der bisherige Botschafter seinen Posten räumen und Außenminister Maas setzte Emily Haber als oberste Frau Berlins in die US-Hauptstadt. Der Spiegel schrieb, dass diese Personalie „Teil einer größeren Rochade im auswärtigen Amt“ sei, bei der sich das deutsche Botschafter-Karussell mit Beamten der höchsten Besoldungsstufe B9 in der Gemengelage von Parteizugehörigkeiten zwischen den Botschaften in Peking, Washington, London, Paris und Brüssel drehe. Bis vor Kurzem war Dr. Emily Haber, die der CDU nahesteht, noch beamtete Staatssekretärin im Innenministerium, hatte aber ihre politische Beamtenkarriere im Auswärtigen Amt begonnen. Der Spiegel: „Als Innen-Staatssekretärin arbeitete sie unter anderem mit der Regierung Barack Obamas in Terrorfragen und nationaler Sicherheit zusammen. In Berlin genießt sie einen ausgezeichneten Ruf als harte, zähe Verhandlerin – was sie in dem bissigen politischen Klima von Washington gut gebrauchen kann.“ Im Innenministerium war sie zuständig für Sicherheit und Migration. Für Minister de Maizière wurde sie zur wichtigsten Krisenmanagerin, als 2015 Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Sie leitete Besprechungen nach Anschlägen in Paris und Berlin, verhandelte mit der Türkei das Flüchtlingsabkommen.

Erste Spitzenposition 2009 im Auswärtigen Amt

Emily Haber mit dem damaligen Innenminister Thomas de Maizière (BND-Affäre)

Ihren ersten Spitzen-Posten bekam Emily Haber, als der damalige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sie 2009 zur Politischen Direktorin im Auswärtigen Amt berief. Sie war die erste Frau in dieser zentralen Funktion. Zuvor war sie schon an den Botschaften in Ankara und Moskau gewesen, leitete in Berlin das OSZE-Referat, war Beauftragte für Konfliktprävention und Krisenmanagement im euro-atlantischen Rahmen und zuletzt Beauftragte für Südosteuropa und die Türkei. Der Diplomatenberuf ist ihr im Wortsinne in die Wiege gelegt worden: Emily Haber, 1956 in Bonn geboren, ist nämlich die Tochter des Diplomaten Dirk Oncken und Enkelin des Historikers Hermann Oncken. Sie selbst wurde nach einem Geschichtsstudium in Köln mit einer Arbeit über die wilhelminische Außenpolitik („Panthersprung nach Agadir“) promoviert. Im Auswärtigen Amt, in dem sie 1982 zum Attaché ausgebildet wurde, entwickelte die Russisch sprechende Diplomatin auf zwei Stationen in Moskau ein ostpolitisches Profil. Verheiratet ist Emily Haber mit dem Diplomaten Hansjörg Haber (geb. 1953 in München), seit 2017 Botschafter im Jemen. Vorher war er u. a. Botschafter in Beirut und Kairo sowie Leiter von EU-Beobachtermissionen in der Türkei und in Georgien. Im Zuge letzterer Tätigkeit wurde Hansjörg Haber durch die eigenen deutschen Nachrichtendienste überwacht, durch den BND und ohne Erlaubnis der G-10-Kommission, was im Zuge der BND-Affäre 2015 als Skandal aufgedeckt wurde. 

Verwandtschaftliche Gratulationsgrüße aus Dorsten

Ab Sommer ist Emily Haber die erste Frau, welche die deutsche Botschaft in Washington leiten und als klassische Diplomatin mit dem undiplomatischen amerikanischen Präsidenten alle Kunst der Diplomatie wird aufwenden müssen, was von ihr erwartet wird. Wie auch immer: Ihr Cousin Wilhelm Schürholz gratulierte ihr zu ihrem neuen Job in Washington und wünschte ihr alles erdenklich Gute. Ob sich die Botschafterin irgendwann wieder einmal in Dorsten sehen lässt?

 Siehe auch: Familie Schürholz

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Quellen: Gespräch mit Wilhelm Schürholz (2018). – Süddeutsche Zeitung vom April 2018. – Frankfurter Allgemeine (FAZ) vom 28. Mai 2018. – ZEIT online vom 18. April 2018. – Der Spiegel vom 18. April 2018.–  Internationales Biographisches Archiv 48/1985.
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