Mais! Soweit das Auge reicht, überall Mais – Die Energiewende lässt grüßen

Maisfeld an Maisfeld – in und rund um Dorsten; Foto: Helmut Frenzel

Von Helmut Frenzel

21. Juli 2017. – Wer in diesen Tagen durch die Landschaft streift, der kann sein grünes Wunder erleben. Überall Mais. Auf riesigen Flächen. Mais dominiert das Landschaftsbild. Dazu mag beitragen, dass er inzwischen hoch gewachsen und schon deswegen nicht zu übersehen ist. Gleichgültig auf welcher Straße man Dorsten verlässt: man fährt an Maisfeldern entlang oder besser: durch Maisfelder. Manche Wege abseits der Hauptstraßen wirken wie Schneisen, die man in die Maiswüste geschlagen hat. Es drängt sich der Eindruck auf, dass auf dem überwiegenden Teil der Ackerflächen Mais angebaut wird.

Energiewende bewirkt steilen Anstieg des Maisanbaus

Wer sich die Statistiken anschaut, ist überrascht. Der Maisanbau nimmt deutschlandweit von der gesamten Ackerfläche von 12 Millionen Hektar „nur“ etwa ein Fünftel in Anspruch (2,5 Millionen Hektar). Dieser mäßige Anteil verstellt den Blick darauf, dass der Mais seit 2000 eine steile Karriere hingelegt hat. Mais ist der wichtigste Rohstoff für die Herstellung von Biogas. Drei Viertel der eingesetzten Biomasse stammen aus dem Maisanbau. Seit 2000 stieg mit der Ausweitung der Biogasherstellung die Nachfrage nach Mais und die Ackerfläche, auf der Mais angebaut wird, wuchs sprunghaft. Seit einigen Jahren stagniert der Maisanbau für Zwecke der Biogasherstellung bei 1 Million Hektar. Aktuell entfallen von der gesamten Maisanbaufläche 1,1 Million Hektar auf die Futtermittelherstellung, 1 Million Hektar auf die Biogasherstellung und 0,4 Million Hektar auf andere Zwecke.

Biogas sichert einen bedeutenden Anteil der Stromversorgung

Biogas gehört zu den erneuerbaren Energien und wird in der Stromerzeugung anstelle von Erdgas eingesetzt. Die Biogasherstellung wird wie alle anderen erneuerbaren Energien mit Subventionen gefördert, die über die EEG-Umlage von den Verbrauchern bezahlt werden. Während Biogasanlagen vor der Jahrtausendwende kaum eine Rolle spielten, wurden 2014 mehr als 7.800 Anlagen gezählt mit einer installierten elektrischen Leistung von 3.500 Megawatt. Das entspricht der durchschnittlichen Nennleistung von zweieinhalb Kernkraftwerken. 2016 lag der Anteil von Biogas an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei 17 Prozent. Zum Vergleich: Windenergie 41, Photovoltaik 20, Wasserkraft 11 Prozent (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Ökostrom hatte 2016 einen Anteil von 29 Prozent an der gesamten Stromerzeugung. Biogas war daran mit 5 Prozent beteiligt.

Ausbreitung des Maisanbaus mit negativen Folgen für den Naturschutz

Felder im Emmelkamp; Fotos (3): Stegemann

Der ökologische Nutzen der Biogasherstellung unter Einsatz von Mais ist umstritten. Die Kritik betrifft vor allem den Flächenverbrauch: Ackerflächen, die für die Erzeugung von Nahrungsmitteln benötigt werden, werden zunehmend für die Stromerzeugung umgenutzt. Auch die Tierfuttererzeugung wird teilweise verdrängt mit der Folge, dass wachsende Anteile der Futtermittel für die Intensivtierhaltung aus anderen Regionen der Welt eingeführt werden und auch dort der Lebensmittelanbau verdrängt wird. Darüber hinaus wird die „Vermaisung der Landschaft“ beklagt. Ökologisch wertvolle Wiesen werden zunehmend für den Maisanbau umgenutzt. Die Monokulturen drohen die Anstrengungen zum Naturschutz in der Landwirtschaft zunichte zu machen. Der Anteil des Maisanbaus von 20 Prozent an der Gesamtackerfläche ist ein Durchschnittswert. Es gibt Regionen in Deutschland, so wird berichtet, da gedeiht der Mais auf mehr als der Hälfte der Ackerflächen. Die vielfältigen ökologischen Bedenken fasste Helmut Altreuther vom BUND Ansbach so zusammen : „Als Lebensraum scheidet das Maisfeld nahezu völlig aus, als Nahrungsquelle ist nichts da, es gibt kein Blütenangebot. Ein Maisfeld ist ein ökologisch nahezu toter Lebensraum.“

Bedenken der Wissenschaft werden zurückgestellt

Biogasanlage Emmelkamp; Foto: Stegemann

Die Auseinandersetzungen über die Biogaserzeugung auf der Grundlage von Mais sind inzwischen abgeebbt. Das mag damit zu tun haben, dass der Maisanbau an einer Obergrenze angelangt scheint. Dies dürfte auch einer Verschlechterung der Förderbedingungen für neue Anlagen geschuldet sein. Ökologische Bedenken hin oder her: alle Beobachter sind sich einig, dass die Energiewende ohne Biogaserzeugung nicht gelingen kann. Und nicht zuletzt ist der Maisanbau für die Landwirte lukrativ. Sie verkaufen ihren Mais zur Energieerzeugung oder betreiben selbst eine Biogasanlage. – Damit ist klar: Im Zielkonflikt zwischen Energiewende und Naturschutz hat sich das Land gegen den Naturschutz und für die Energiewende und für Energie aus Biogas entschieden. Der Mais wird uns als dominierende Ackerfrucht erhalten bleiben.

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