Was macht eigentlich… Jola Dorszewska Pötting? Die frühere Dorstenerin lebt bei Berlin, malt und malt und ist erfolgreich

Von Wolf Stegemann

Die Frage, was sie eigentlich macht, die 2006 ihren Wohnort Lembeck verließ und sich zusammen mit ihrem Mann an der Peripherie von Berlin niederließ, ist mit zwei Worten zu beantworten, auch ginge dies mit einem: natürlich Kunst! Denn der Malerei hatte sie sich in jeder ihrer Lebensphasen verschrieben. Als Schülerin in einem Kunstlyzeum ebenso wie auf der Universität Torun (Thorn), als staatlich geförderte Malerin in Neisse, als freischaffende Künstlerin in Lembeck und seit 2006 in ihren geräumigen Wohnatelier im brandenburgischen Stolpe an der Grenze nach Berlin. Wo und wann auch immer: Die diplomierte Malerin Jolenta Dorszewska Pötting tat dies stets mit anhaltender Verve und großem Können. In Dorsten hat ihre 25-jährige Anwesenheit Spuren im Kulturbetrieb der Stadt nachhaltig hinterlassen. Sie veranstaltete Arbeitstreffen mit deutschen und polnischen Künstlern, vermittelte Ausstellungen deutscher Künstler in Polen und polnischer Kollegen im Raum Dorsten, lehrte 14 Jahre lang als Dozentin an der Volkshochschule Dorsten Pastell- und Aquarellmalerei. Heute berufen sich etliche erfolgreiche Künstlerinnen in Dorsten darauf, ihr Handwerk bei Jolenta Dorszewska gelernt zu haben. In so manchen Bildern ihrer einstigen Schüler/innen ist ihr Duktus auch zu erkennen.

Noch in Polen entstanden

Natur mit mythischen Inhalten

Ihren Eltern verdankt die 1947 in Jaksice geborene Malerin den Hang zum Musischen und ihren eigen Willen, Malerin zu werden. Das war eine Entscheidung, die in den damaligen sozialistischen Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs keine leichte Entscheidung war. Denn Kunst, so sagt es der Volksmund, sei länderübergreifend brotlos, zumindest anstrengend und leidvoll. Das ist eine Erfahrung, die nicht wenige Künstler gemacht haben und machen. Ausgestattet mit dem musischen Talent ihrer Eltern und der positiven Weichenstellung ihres Vaters hat sich Jola Dorszewska Pötting durchgesetzt. Mit staatlicher Subvention, wie dies in Ostblockländern für akademisch ausgebildete Künstler üblich war, stellte sie im Ausland aus, meist in Ostblockländern wie Ungarn, Jugoslawien und der DDR, aber auch in Italien, Frankreich und Finnland. Museen und Galerien kauften ihre Werke. Ihre damals gemalten Bilder zeigen eine Künstlerin, die sich mit der Natur und den sie umgebenden Verhältnissen auseinandergesetzt hat, manche zeigen Einsamkeit oft mit mythischen Inhalten.

Jola im Atelier

Viele Grenzen überwunden

Dies und den polnischen Sozialismus überwand Jolenta Anfang der 1980er Jahre, als sie mit ihrem kleinen polnischen Fiat und einem großen Anhänger mit ihren Bildern über die Grenze in die Bundesrepublik fuhr, um auf Einladung der Lembecker Freifrau von Twickel in der damaligen privat geführten Schlossgalerie auszustellen. Für Jola war dies ein Weltenwechsel. Sie heiratete den Arzt Dr. Udo Pötting, blieb im westfälischen Lembeck, wagte sich zu neuer Identität und Heimat – und wechselte ihren Stil. Sie musste sich erst daran gewöhnen, dass im Westen sich alle als Künstler bezeichnen und in den Zeitungen so genannt werden, die einen Pinsel in der Hand halten können. Diese öffentlich tätige Hobbyszene, sagt sie, gab es im Osten nicht. Jola Dorszewska Pötting wurde zur Suchenden.

Luftig wie Wolken, schwer wie tiefe Gräben

Stil, Farben und Motive der Künstlerin haben sich in ihrer westdeutschen Wahlheimat und in der für sie neuen politischen und gesellschaftlichen Situation geändert. Farbe als solche, losgelöst von allem Gegenständlichen, erlebt sie unmittelbar und intensiv. Mit dem Weltenwechsel hat sie das Gegenständliche in einem langwierigen Prozess weitgehend überwunden. Farbstrukturen, Farbspiralen und Farbflächen, leicht Dahingewischtes, manches locker und luftig wie Wolken, anderes schwer und tief wie Gräben, haben einen klar erkennbaren Sinn des Belebens und Steigerns des tiefen und satten Klangs der Farben. Auch verließ sie das Großformatige. Ihre polnische Heimat verlor sie aber nie. Sie gewann nur eine zweite hinzu und mehr noch: Es folgten Gruppen- und Einzelausstellungen in Deutschland, Polen, Italien, England und Frankreich. Ihre Werke befinden sich in Galerien und Museen in Polen sowie in privaten Sammlungen in Japan, Australien, Österreich, Italien, Finnland und Deutschland. Das Europäische Parlament in Brüssel richtete ihr 2003 eine große und viel beachtete Einzelausstellung in Brüssel aus.

Dreidimensional

In Berlin ist sie noch in Deutschland, aber näher an ihrer Heimat, wo sie in der Kaschubei ein Anwesen in freier Natur mit Wiesen und einem See, zwei Häusern und einem großen Sommer-Atelier besitzt. Sanfte Hügel, grüne Wiesen, dichte Wälder, wabernde Nebel und ein weiter Himmel gefallen auch ihrem Mann. Und die Natur tut der Erholung gut, wenn dies der Körper verlangt. Jola lässt sich nicht unterkriegen. Sie malt und stellt aus: Die Liste der Orte ist lange, die ihre Bilder zeigten, darunter Petersburg und Warschau, Opole und Hagen, Berlin und Paris. Und natürlich auch im Alten Rathaus in Dorsten.

Losgelöst vom Gegenständlichen und wieder ein Neuanfang

Ihre Motive sind mittlerweile völlig losgelöst von allem Gegenständlichen. Die Künstlerin erlebt sie unmittelbar und intensiv. Farbstrukturen, Farbspiralen und Farbflächen machen den Eindruck des leicht Dahingewischten, manches locker und luftig wie Wolken, anderes schwer und tief wie Gräben. Mit Farbe, Formen und Formaten widmet sich Jola Dorszewska Pötting fast nur noch der Natur. Ihre Serien der gemalten poetischen Impressionen heißen „Kräfte der Natur“ oder „Gärten der Fantasie“. Die Künstlerin bewundert die Kraft der Bewegung in der Natur. Dabei bedient sie sich einer Farbigkeit, der der bekannte polnische Kunsthistoriker Zbigniew Makarewicz auf den Grund zu gehen versuchte: „Es ist diese Vorliebe für die in der östlichen künstlerischen Empfindsamkeit begründeten Farbenfröhlichkeit.“ In diesem Sinne, so der Kunsthistoriker, sei Jola Dorszewska Pötting immer Polin geblieben. Und in der neuen heimatlichen „Märkischen Allgemeine“ schrieb Marlies Schnaibel: „Die Malerei lässt sie nicht los. Im Märkischen hat sie Landschaft und Himmel gefunden, die sie mag. Es ist wieder ein Neuanfang.“

 

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