Mit Gründung der Sekundarschule wird in Dorsten das Ende des dreigliedrigen Schulsystems besiegelt – Kritische Anmerkungen zum pädagogischen Konzept der „Neuen Schule“

Schulzentrum Pliesterbecker Straße – bald „Neue Schule Dorsten“? – Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel

7. April 2017.  – In seiner Sitzung im Dezember 2016 fasste der Rat der Stadt den Grundsatzbeschluss, in Dorsten eine Sekundarschule zu gründen, die den Betrieb am 1. August 2018 aufnimmt. Die Sekundarschule ist eine neue Schulform. Sie wurde 2011 im Schulgesetz NRW als Regelschule verankert und ergänzt seither das bestehende Schulangebot. Die Sekundarschule umfasst die Jahrgangsstufen der Klassen 5 bis 10 (Sekundarstufe I). Ihr besonderes Merkmal ist das gemeinsame Lernen in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Ab Jahrgangsstufe 7 wird der Unterricht in integrierter, teilintegrierter oder kooperativer Form fortgeführt. Sie verfügt nicht über eine eigene gymnasiale Oberstufe. Vielmehr soll die geregelte Zusammenarbeit mit einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einer Kollegschule – entsprechende schulische Leistungen vorausgesetzt – den Weg in die gymnasiale Oberstufe ebnen und die Erlangung der Hochschulreife ermöglichen. So verlangt es das Schulgesetz. Die Sekundarschule nimmt für sich in Anspruch, die Schüler sowohl auf Abitur und Hochschulstudium als auch auf eine berufliche Ausbildung vorzubereiten.

Sekundarschule: eine weiterführende Schule ohne Oberstufe

Das Konzept der Sekundarschule ähnelt dem der Gesamtschule, jedoch ohne den gymnasialen Zweig. Sie steht allen Grundschulabgängern offen, unabhängig von ihrer Leistungsstärke. Eltern müssen sich nicht schon nach dem 4. Schuljahr für einen bestimmten Bildungsgang und einen bestimmten Schulabschluss für ihr Kind entscheiden. Das Versprechen der individuellen Förderung macht die Schule besonders für diejenigen Eltern attraktiv, deren Kinder Spätentwickler sind oder die sich nicht sicher sind, ob ihr Kind den gymnasialen Anforderungen gewachsen ist, und die ihm den Weg zum Abitur offen halten möchten. Am Ende der Jahrgangsstufe 10 werden alle üblichen Schulabschlüsse erreicht. Schüler mit guten Leistungen können an eine Schule mit gymnasialer Oberstufe wechseln und dort ihre Schulkarriere fortsetzen. Nicht zuletzt kommt vielen berufstätigen Eltern der Ganztagsunterricht  entgegen.

Haupt- und Realschulen stehen vor dem Aus

Künftig ohne Haupt- und Realschule?

In einer Zeit sinkender Schülerzahlen geht die Gründung einer Sekundarschule zwangsläufig zu Lasten von Haupt- und Realschule. Umgekehrt ist die Sekundarschule eine Option immer dann, wenn der Rückgang der Schülerzahlen die Fortführung dieser beiden Schulformen nebeneinander nicht mehr zulässt. Deswegen hat man bei der Änderung des Schulgesetzes zur Einführung der Sekundarschule die bis dahin bestehende Bestandsgarantie für die Hauptschule vorsorglich abgeschafft. Am Beispiel Dorsten wird dieser Zusammenhang konkret vorgeführt. Der Grundsatzbeschluss des Rates sieht nämlich vor, dass im Falle der Gründung der Sekundarschule die städtischen Schulangebote im Bereich der Haupt- und Realschule auslaufen. Dies betrifft die Dietrich-Bonhoeffer-Schule und die Geschwister-Scholl-Schule als letzte städtische Hauptschulen sowie die Erich-Klausener-Schule als letzte städtische Realschule. Schon zuvor sind die Laurentius-Hauptschule und die Gerhart-Hauptmann-Realschule wegen rückläufiger Anmeldungen aus dem städtischen Schulangebot verschwunden. Übrig bleiben in der Sekundarstufe I diese beiden Privatschulen: St. Ursula-Realschule und Montessori-Realschule. Es wäre  das Ende des städtischen dreigliedrigen Schulsystems. Mit der Leitung der Geschwister-Scholl-Schule, die eine katholische Bekenntnisschule ist, sei man im Gespräch, hieß es in der Ratssitzung.

Doch soweit ist es noch nicht, und obwohl das Konzept der Sekundarschule die Wünsche vieler Eltern erfüllt, ist keineswegs sicher, dass es tatsächlich zur Gründung in Dorsten kommt. Das Schulgesetz bestimmt, dass die Sekundarschule mindestens dreizügig sein muss, das bedeutet drei Klassen pro Jahrgang mit je 25 Schülern. Der Grundsatzbeschluss des Rates steht daher unter dem Vorbehalt, dass genügend Eltern der Grundschulklassen 2 und 3 ihre Kinder verbindlich zur Sekundarschule anmelden. Dazu sollen die Eltern demnächst befragt werden. Wird die Vorgabe erfüllt, soll die Sekundarschule im Schuljahr 2018/19 an den Start gehen. Wird das Quorum nicht erreicht, fällt das Projekt ins Wasser. Aber warum sollten die Eltern das Angebot nicht annehmen?

Nach anfänglichem Boom kaum noch Neugründungen

Dazu ein Blick auf die Entwicklung in NRW. In den Schuljahren 2012/13 und 2013/14 gingen jeweils 42 Sekundarschulen an den Start, 2014/15  waren es 25 und in den Folgejahren fielen die jährlichen Neugründungen auf 5 und 3. Für 2017/18 liegt lediglich ein Antrag vor. Bis 2016 wurden insgesamt 117 Sekundarschulen neu gegründet. Im selben Zeitraum erhöhte sich die Zahl der Gesamtschulen um 95, während die Zahl der Haupt- und Realschulen um 231 sank; mehrere hundert haben derzeit den Status „auslaufend“ – die letzte amtliche Zahl betrug 369. Die Zahlen zeigen, dass sich die Schullandschaft in Nordrhein-Westfalen im Bereich der Sekundarstufe I in einem grundlegenden Umbruch befindet. Der Sekundarschule ist dabei eine wesentliche Rolle zugedacht. Schulministerin Sylvia Löhrmann hatte 2012 erwartet, dass ihre Anzahl binnen fünf Jahren auf 200 steigt. Die tatsächliche Entwicklung blieb, wie man sieht, weit dahinter zurück.

Quelle: Ministerium für Schule und Weiter-        bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Längst ist der Hype um die Sekundarschule abgeebbt. Ein Grund mag die zeitgleich erfolgte starke Ausweitung des Angebots an Gesamtschulen sein. Ein anderer Grund aber dürfte darin liegen, dass sich bei den Eltern Ernüchterung breit macht. Bislang gibt es keine eigenständigen Lehrpläne für die Sekundarschule. Die soll es spätestens zu Beginn des Schuljahres 2018/19 geben. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 gelten die Kernlehrpläne der Gesamtschule. Ab der Jahrgangsstufe 7 wird der Unterricht in integrierter oder teilintegrierter Form erteilt. Auch hier gelten die Kernlehrpläne der Gesamtschule. Für kooperative Formen des Unterrichts gelten dagegen die Lehrpläne für Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Welche Unterrichtsform gewählt wird, entscheidet jede Schule in Abstimmung mit dem Schulträger selbst. Damit ist die Sekundarschule vorerst ein Experimentierfeld und wird es wohl auf Jahre bleiben. Das hat auch zur Folge, dass die Sekundarschule keine einheitliche Schulform ist. Bei einem Umzug in eine andere Gemeinde kann das im Hinblick auf den Schulwechsel Probleme schaffen.

Akzeptanz hängt an der gesicherten Erreichung der Hochschulreife

Wichtiger für die Wahl der weiterführenden Schule scheint allerdings ein anderer Punkt zu sein. Viele Eltern, die für ihre Kinder das Abitur anstreben, sehen die Sekundarschule wegen des fehlenden gymnasialen Zweigs als einen vermeidbaren Umweg und bevorzugen den direkten Weg in einer Schule mit gymnasialer Oberstufe. Dazu bietet sich besonders die Gesamtschule an. Sie vereint in sich alle Merkmale der Sekundarschule und bietet den Vorteil des gymnasialen Zweigs von Beginn an. Eine besondere Rolle scheint auch die sich verstärkende gesellschaftliche Wahrnehmung zu spielen, dass wer eine gute berufliche Perspektive haben möchte unbedingt das Abitur machen und wenn möglich ein Hochschulstudium absolvieren sollte. Wer beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule nicht die Perspektive Abitur hat, gilt schon als Loser.

Im Vorfeld mehrjährige Diskussion über das Konzept der neuen Schule

Titelseite des Konzepts

Auf diesem Stand der Entwicklung hat der Rat der Stadt seinen Grundsatzbeschluss zur Gründung einer Sekundarschule in Dorsten gefasst. Er steht am Ende einer mehrjährigen Diskussion über das Thema. Schon 2012 hatte der Schulausschuss des Rates im Rahmen der Schulentwicklungsplanung dem  „Zielrichtungsbeschluss“ zugestimmt, eine Sekundarschule im Schulzentrum Pliesterbecker Straße einzurichten. Dies geschah vor dem Hintergrund allgemein rückläufiger Schülerzahlen in Folge der  demographischen Entwicklung. Hinzu kam, dass die Hauptschule von den Eltern zunehmend als Sackgasse wahrgenommen wird und sich dadurch der Rückgang der Anmeldungen zusätzlich verstärkte. Ein pädagogischer Arbeitskreis wurde gebildet, an dem Vertreter der Grundschulen, der weiterführenden Schulen und der Förderschulen maßgeblich beteiligt waren. Er kam zu dem Ergebnis, dass eine Sekundarschule mit Blick auf das etablierte und von den Eltern anerkannte Schulangebot „ohne weiteres nicht konkurrenzfähig“ sei und auch ein gutes pädagogisches Konzept daran nichts ändern könne. Um sich behaupten zu können, müsse eine „Neue Schule“ eine eigene Oberstufe vorweisen, was auf eine Gesamtschule hinauslief. Diese wurde von der Leitung des Gymnasiums wegen der absehbaren Schwächung der Oberstufen der bestehenden Sek II – Schulen strikt abgelehnt.

Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass ein Konsens für die Errichtung einer zweiten Gesamtschule nicht erreichbar war. Stattdessen boten die Leiter der Gesamtschule, des Gymnasiums und der Kollegschule Kooperationsvereinbarungen mit der „Neuen Schule“ an.  Sie sollen sicherstellen, dass Schüler mit einem qualifizierten Sek I-Abschluss ihre Schullaufbahn zum Abitur in der Oberstufe an den bestehenden Sek II-Schulen fortsetzen können. Damit war die Kuh vom Eis: Man war wieder zurück bei der Sekundarschule. Die Politik signalisierte Zustimmung und der Zielrichtungsbeschluss zur Gründung einer Sekundarschule von 2012 wurde Anfang 2014 vom Schulausschuss bestätigt. Ob das Konstrukt die Vorbehalte der Eltern ausräumt bleibt allerdings die Frage. Zweifel sind angebracht. Inzwischen wurden die ersten Sekundarschulen in Gesamtschulen umgewandelt.

Neue Arbeitsgruppe legt „Pädagogisches Konzept“ vor

Eine Seite aus dem Konzept

Ungeachtet solcher Bedenken haben sich die Ratsfraktionen für die Gründung der Sekundarschule entschieden. Schon früh hatte der pädagogische Arbeitskreis die Wichtigkeit eines attraktiven pädagogischen Konzepts hervorgehoben, gewissermaßen als Ausgleich für den Nachteil der fehlenden eigenen Oberstufe. Das pädagogische Konzept sollte der Schule ein Eigengewicht, ein Profil verleihen, das es ihr ermöglicht, neben den anderen weiterführenden Schulen zu bestehen – ihr eine Art Alleinstellungsmerkmal geben. Anfang 2015 konstituierte sich neu eine Arbeitsgruppe von Pädagogen. Sie erarbeitete das „Pädagogische Konzept“, das der Rat in seinem Grundsatzbeschluss zur Grundlage für die Errichtung der neu zu gründenden Sekundarschule erhob. Die Ratsmitglieder lobten das Konzept überschwänglich. Keines der Ratsmitglieder, die sich an der Aussprache beteiligten, vergaß, den Mitgliedern der Arbeitsgruppe für ihre hervorragende, weil ehrenamtlich erbrachte, Arbeit zu danken. In den Redebeiträgen wurde der Vorschlag einhellig begrüßt, die neue Schule als UNESCO-Schule aufzubauen.

Niemand stoppte das mit großen Mängeln behaftete Papier

Eine inhaltliche Befassung mit dem pädagogischen Konzept fand nicht statt. Das könnte ein Fehler gewesen sein. Es ist nämlich nicht nachvollziehbar, wie dieses Konzept es bis zur Ratsvorlage bringen konnte. Es ist ein zusammengeschustertes, unfertiges und mit zahllosen Fehlern in Rechtschreibung und Zeichensetzung durchsetztes Papier (ausgerechnet geschrieben von Pädagogen!), das in dieser Fassung niemals hätte veröffentlicht werden dürfen. Ein Vorwort ohne Text, kein Impressum mit den Namen der Verfasser, kein Datum der Veröffentlichung, fehlende Angaben zu den Quellen von Textpassagen, die offensichtlich aus anderen Schriften abgeschrieben wurden, das vergebliche Ringen um eine gendergerechte Sprache und eben diese unsäglichen Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung. Offenbar fühlte sich niemand verantwortlich, das Konzept vor der Freigabe zu redigieren und die Inkonsistenzen, Wiederholungen und anderen Schwächen auszuräumen. Der in dem pädagogischen Konzept erhobene Qualitätsanspruch der Sekundarschule wird durch die handwerklichen Mängel des Papiers vollständig konterkariert. Es ist ein Dokument des Niedergangs des Bildungsniveaus. Dass die Mitglieder der Arbeitsgruppe ehrenamtlich tätig waren, ist keine Rechtfertigung. Dass aber weder die Mitglieder des Rates noch die Verwaltung das Konzept gestoppt haben, wirft Fragen auf, die wegen ihrer Peinlichkeit hier nicht weiter verfolgt werden sollen.

Potemkinsches Dorf oder ernst zu nehmendes Angebot?

Inhaltlich bietet das pädagogische Konzept alles, was an „modernen“, dem Zeitgeist entsprechenden Merkmalen für eine heutige Schule notwendig oder wünschenswert scheint – und geht noch darüber hinaus. Auf 43 Seiten wird das Wunschbild einer Schule entworfen, das die Konfrontation mit der Alltagswirklichkeit nicht überdauern wird. Der pädagogisch nicht gebildete Leser sieht vor seinen Augen ein Organisationsmonstrum entstehen, in dem von vielen Zielen und Aufgaben die Rede ist, aber wenig von Lerninhalten und wie diese erreicht werden sollen. Da liest man vom Auftrag der Schule, „Lernen als interkulturelles Medium zu realisieren“; sie setzt sich ein für Menschenrechte und die „Bekämpfung von Armut und Elend“; sie will „Vordenker und richtungsweisend“ sein, was Energie- und Umweltkonzepte anbelangt; bei der  Vermittlung von Methodenkompetenz folgt sie „lernbiologischen und psychologischen Prinzipien“, der Ansatz ist „spiralcurricular“ aufgebaut; wenn es um Inhalte geht, kümmert sich die Schule um die „forschungsbasierte Spezifizierung relevanter Lerngegenstände“;  sie betreibt „Binnendifferenzierung“ und „äußere Differenzierung“ und – natürlich – die individuelle Förderung jedes Schülers im Sinne des „fokussierten Lehrens“; und so weiter. Man fragt sich unwillkürlich: geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Muss ein pädagogisches Konzept, das sich ja an die Eltern richtet, so aufgeblasen werden? Da freut sich der Leser über einen schlichten, verständlichen Satz wie diesen: „Die fachliche Ausbildung und das Lernen der Kinder stehen im Mittelpunkt der Bemühungen.“

Die praktische Umsetzung des „Pädagogischen Konzepts“ ist eine Leerstelle

Auf der anderen Seite wird die Frage nicht beantwortet, wie der hohe pädagogische Anspruch praktisch umgesetzt werden soll. Das betrifft vor allem die individuelle Förderung. Der gemeinsame Unterricht von lernstarken bis zu lernschwachen Kindern in einer Klasse stellt die Lehrpersonen vor enorme Herausforderungen. Da geht es nicht um wir-fassen-uns-alle-an-den-Händen-dann-wird-das-schon. Auf dem Papier ist alles leicht, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Wer mit Sonderschullehrern spricht, der hört: Ja, Binnendifferenzierung innerhalb einer Klasse, das funktioniert – in kleinen Klassen, mit dafür ausgebildeten Lehrern, möglichst mit zwei Lehrern in einer Klasse.

Innovativ? UNESCO-Schule mit Räte-Organisation, entn. „Pädagogisches Konzept“

Das gilt vor allem dann, wenn im Zuge der Inklusion noch ein oder zwei Schüler mit attestierter Lernstörung und, wie aktuell, Flüchtlingskinder mit Deutschkenntnissen im Anfangsstadium die Klassen „bereichern“. Wie will die neue Schule mit Klassenstärken ab 25 und nur einer Lehrperson sicherstellen, dass neben der Förderung lernschwacher Schüler vor allem auch die lernstarken Schüler im Rahmen ihrer Möglichkeiten optimal gefördert werden? Wie will sie verhindern, dass die Schüler die Sekundarschule mit Bestnoten verlassen, es ihnen aber an den Schlüsselqualifikationen fehlt, um ihre schulische Ausbildung in einer Oberstufe erfolgreich fortzusetzen? Gibt es die Lehrerinnen und Lehrer, die mit diesen Anforderungen umgehen können? Und sind sie verfügbar?

Bisherige Reformen machen misstrauisch, die Schulpolitiker schauen weg

Wer das für die übliche Kritikasterei von Schwarzmalern hält, dem sei empfohlen, sich in den Medien zu informieren. Dort häufen sich die Berichte über mangelhafte Bildung der Schulabsolventen. Früher waren es die Ausbildungsbetriebe, die darüber klagten, dass es den Bewerbern für einen Ausbildungsplatz an elementaren Fähigkeiten in Rechtschreibung und Rechnen fehlt. Inzwischen ist das Thema bei den Universitäten angekommen. Die Dozenten haben es mehr und mehr mit Studienanfängern zu tun, die nicht mehr über die Grundlagen zur erfolgreichen Bewältigung eines Studiums verfügen.

Beispiel für die Gestaltung eines Schulraums;  entn. „Pädagogisches Konzept“

Die Schulpolitiker wollen davon nichts hören.  Sie halten an der Illusion der Bildungsrepublik Deutschland fest, die nur auf den Anteil der Abiturienten an einem Altersjahrgang fokussiert ist, und sie verweigern sich, einen Zusammenhang zu sehen zwischen den unaufhörlichen Reformen und Schulversuchen einerseits und dem sinkenden Bildungsniveau andererseits. Die Lehrer, die die Schulmisere aus täglichem Erleben kennen, schweigen, weil sie ihrem Dienstherrn verpflichtet sind. Unterdessen erhalten immer mehr Schulen irgendwelche Preise für alles Mögliche, meistens nicht für Lernleistungen ihrer Schüler. Die deutsche Bildungsgesellschaft scheint damit zufrieden, solange auf dem Papier am Ende der Schullaufbahn das Wort „Abiturzeugnis“ steht.

Wenn der Rat die Sekundarschule wirklich will, muss er handeln

Wenn den Ratspolitikern ernsthaft daran gelegen ist, dass Dorsten eine Sekundarschule bekommt, sollten sie das „Pädagogische Konzept“ noch einmal von vorne bis hinten lesen. Sodann sollten sie dafür sorgen, dass es gründlich überarbeitet wird. Außerdem möchte man dazu raten, das Papier  abzuspecken und die wichtigsten Elemente der neuen Schule auf wenigen Seiten und in einer verständlichen Sprache darzustellen. Wer sich im Internet die Konzepte anderer schon bestehender Sekundarschulen anschaut, der sieht, dass das geht. Vor allem aber muss das „Pädagogische Konzept“ belegen, dass die geplante Sekundarschule kein Luftschloss ist, in dem alles versprochen und am Ende wenig gehalten wird. Anderenfalls werden die Eltern den Weg nicht mitgehen. Die Umbenennung in „Neue Schule Dorsten“ reicht da jedenfalls nicht.

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Quellen: Pädagogisches Konzept für die Sekundarschule Dorsten, veröffentlicht im Rats- und Informationssystem der Stadt; Ausschussvorlagen Drucksachen Nr. 186/12 vom 29.05.2012, Nr. 096/14 vom 12.03.2014 und Nr. 391/16 vom 28.11.2016; Beschlussprotokoll der Ratssitzung am 14.12.2016 Nr. 391/16; Schulentwicklungsplan (SEP) der Stadt Dorsten, April 2012; Bildungsportal des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW; Statistisches Landesamt it.nrw
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Ein Kommentar zu Mit Gründung der Sekundarschule wird in Dorsten das Ende des dreigliedrigen Schulsystems besiegelt – Kritische Anmerkungen zum pädagogischen Konzept der „Neuen Schule“

  1. M.Köster sagt:

    Nicht ohne Grund melden in den von Dorsten einkassierten Landgemeinden die Eltern ihre Kinder auf Schulen in z. B. Borken, Burlo, Maria-Veen, Reken, Raesfeld, Schermbeck an, wenn es denn eben möglich ist. Viele Eltern schließen sich zu Fahrgemeinschaften zusammen, falls keine Schulbusse eingesetzt werden. Das Misstrauen der Stadt Dorsten gegenüber ist groß. Und wir haben noch nicht einmal erlebt, dass sich ein Vertreter der Stadt ernsthaft für die Belange der Landbevölkerung eingesetzt hat.
    Es regiert sich doch so angenehm, wenn alle Zeichen der Unzufriedenheit ignoriert werden.

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