Was macht eigentlich … Monika Littau? Die vielseitige Autorin schreibt moderne, aber keine gegenwärtigen Gedichte. Ihr Erstlingsroman erschien 2012

Von Wolf Stegemann

Die erfolgreiche Holsterhausenerin Monika Spiekermann, die unter dem Pseudonym Littau bekannt ist, schreibt Gedichte und Erzählungen, Kinderliteratur und Theaterstücke, Reportagen und Hörspiele. „Monika Littau ist eine vielseitige Autorin“ steht in der Laudatio zum Förderpreis NRW, den sie 1988 erhielt. Andere Auszeichnungen folgten: 1992 Kunst- und Kulturfonds der Stadt Witten und 1999 ein Literatur-Arbeitsstipendium des Kultusministeriums NRW. Insofern hat die Beurteilung, dass sie eine vielseitige Autorin ist, bis heute ihre Richtigkeit.

Beraterin im Westfälischen Literaturbüro Unna

Die 1955 in Dorsten geborene Monika Littau ging ab 1962 in die Antoniusschule in Holsterhausen, dann in die St. Ursula-Realschule und schließlich auf das Gymnasium St. Ursula in Dorsten, machte 1974 Abitur, studierte danach Germanistik, Geographie und Musikwissenschaften in Bochum und Münster (1. und 2. Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium), arbeitete als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum (Kulturelle Jugendbildung), leitete eine Reihe Kulturprojekte, war Literaturberaterin im Westfälischen Literaturbüro Unna, Lehrerin in Lüdenscheid und Hattingen, Mitarbeiterin im Kulturministerium/der Kulturabteilung der Staatskanzlei NRW in Düsseldorf und arbeitet seit 2007, nachdem sie ihr Arbeitsverhältnis mit dem Land Nordrhein-Westfalen beendete,  in ihrem „Traumberuf“ als freie Autorin und wechselte in die Schweiz über.

Anthologie "Schreiben in der Metropole Ruhr" mit Texten von Monika Littau

Ihre Kenntnisse und Erfahrungen stets weitergegeben

Seit 1982 ist sie Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, war in den 1980er-Jahren im Landesvorstand tätig und 2008 vorübergehend Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen. Monika Littau ist Gründungsmitglied des Dortmunder Vereins für Literatur, von „Aura09“ (Aktion unabhängiger Rhein-Ruhr-Autoren) und engagiert sich in Gremien und Einrichtungen für Literatur und Autoren. Ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen über das Schreiben hat sie stets weitergegeben, indem sie Schreibwerkstätten leitete, zunächst eine Frauenschreibwerkstatt in Bochum, in den 1990er-Jahren (in der Nachfolge von Josef Reding) die Ahlener Schreibwerkstatt, dann Workshops für Kinder und Jugendliche in Schulen und anderen Kultur- und Bildungsseinrichtungen. Das macht sie auch heute noch. „Viele Jahre habe ich in der wenigen Zeit geschrieben, die mir neben Familie und Hauptberuf blieb. Erst seit kurzer Zeit arbeite ich ausschließlich als freie Autorin und bin deshalb in der Lage, zeitlich aufwändigere Schreibprojekte wie Romane, die eines langen Atems bedürfen, umzusetzen.“

Ihre Texte sind streng durchkomponiert

Ihr Gedichtband „Beim Überschreiten des Taupunkts“ erschien im März 2011 beim Universitätsverlag Brockmeyer in Bochum. Als Taupunkt bezeichnet die Physik und Meteorologie den Temperaturpunkt, an dem Kondensation einsetzt. Bei unterschiedlicher „Verdichtung“ werden Teilchenverbindungen fest, flüssig oder gasförmig. Damit verbunden sind Prozesse des Schmelzens und Erstarrens, Kondensierens und Verdampfens, des Sublimierens und Resublimierens. Auch die Philosophie kennt den Begriff des Aggregats oder der Elementverbindung. Die Gedichte in diesem Lyrikband spielen mit diesen Kategorien, die Natur wird vordergründig angesprochen. Wolfgang Kubin schreibt im Nachwort über die Gedichte und die Autorin (Auszug):

„Monika Littau schreibt streng, ihre Texte sind strikt durchkomponiert: Sie liebt den Stabreim sie lässt ein Gedicht gern an seinen Anfang zurückkehren, sie wählt kein Wort zuviel und keines zuwenig. Die Dichterin schreibt moderne, keine gegenwärtigen Gedichte. Die Moderne ist noch eine Herberge für die Schönheit, die Gegenwart ist es nicht. […] Monika Littau ist Augenmensch, und so entwirft ihr lyrisches Ich eine Welt der Natur, die wir kennen und doch nicht kennen. Was zum Beispiel ist ein Taupunkt? Wir wissen, was Tau ist und auch was ein Punkt ist. Doch ein Taupunkt? Und eben dies ist es, was gute Dichtung ausmacht: Dass sie zum Innehalten zwingt, zur Frage, wer spricht, wenn das Ich nicht spricht, was Wahrheit sei, wenn diese sich bei jeder Aktion verschiebt, wenn der gelungene Vers den Leser eigentlich so wenig braucht wie ein Hase den Jäger.”

"Alphabetta in Alphabettanien", 2008

Ihre Veröffentlichungen fanden schon bald und häufig die Aufmerksamkeit der Presse, hier in wenigen Beispielen wiedergegeben (Ausschnitte). Die „Westfälische Rundschau“ beurteilte am 3. Juni 1991 ein Gedicht, das die Autorin anlässlich des Kirchentages zu Schefflers „Ich will dich lieben“ verfasste:

„Monika Littau setzte sich in ihrem Gedicht „Angelus Silesius“ mit dem Werk […] Schefflers auseinander und formte, atemlos beinahe, Wort um Wort, um die innere Zerrissenheit des Kirchenmannes zu verdeutlichen.“

Über ihr Theaterstück „Trümmerfrauen“ schrieb die „Nordwest-Zeitung“ am 6. März 1992:

„Besonders eindrucksvoll ist der dritte Monolog. Hier stehen ein siebenjähriges Mädchen, das früh erwachsen werden musste, und das gespannte Verhältnis zur Mutter im Mittelpunkt. Nach Diffamierungen in der Nazi-Zeit (dem Sohn wurde als Mitglied der Edelweiß-Piraten der Prozess gemacht) möchte sich die Mutter möglichst unauffällig und angepasst verhalten. Das Mädchen erzählt anrührend von seiner Liebe zum Bruder, von den Konflikten zwischen Mutter und Sohn, vom Tod des Bruders.“

Am 15. Dezember 1993 berichtete die WAZ zur Veröffentlichung „Paare pur und Plagiate. Lyrik und Prosa in vier Monden“:

„In vier Kapiteln ,besingt’ Monika Littau den Mond: poetisch, wenn er in ihr Haus eindringt; distanziert, wenn sie Sätze des ersten Manns auf dem Mond, Neil Armstrong, einbaut; humorvoll, wenn das Single-Leben ohne Mann und mit Wärmflasche bevorzugt wird; spielerisch, wenn sie Wortlieder komponiert.“

Die „Rheinzeitung“ schrieb am 18. Oktober 2007 über die Autorin:

Im bunten Land der Buchstaben kennt sich die findige Alphabetta aus wie in ihrer Westentasche. Ein Tausendsassa ist auch ihre Schöpferin: Die Autorin Monika Littau …“

Im April 2012 erschien im Brockmeyer-Verlag Bochum ihr erster Roman: „Vom Sehen und Sagen. Die Buchela“, in dem sie sich auf 312 Seiten romanhaft der Biografie der bekannten Wahrsagern widmet.

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Werke (Einzelpublikationen in Auswahl): „beim überschreiten des taupunkts“, Lyrik, Bochum (UVB) 2011. – „Alphabetta in Alphabettanien“, Erstlesebuch mit Spielebegleitheft, Vechta (Geest-Verlag), 2. Aufl. 2008. – „Himmelhunger Höllenbrot“, Erzählung, Dortmund (Vorsatz-Verlag) 2000 (als Kindle E-Book erhältlich seit 2011). – „Paare pur und Plagiate. Lyrik und Prosa in vier Monden“, Dortmund (Vorsatz-Verlag) 1992. –  Arbeitshilfe Seniorenkultur (zus. mit G. Koch), Dortmund (Kultur Kooperative Ruhr) 1990. – „Nachts fällt mir so viel ein …“, Geschichten aus der Lebensgeschichte alter Menschen, Dortmund (Kultur Kooperative Ruhr) 1989. – Trümmerfrauen, Theaterstück (zus. mit G. Koch), Dortmund (Theater Fletch Bizzel) 1987. – „Immer schön hinten anstell´n, Madame“, Hörspiel (zus. mit G. Koch), WDR, 9.5.1988. – Kulturelle Jugendbildung zwischen Programmatik und Professionalität (zus. mit M. Kolfhaus und W. Swoboda), Opladen (Westdeutscher Verlag) 1986. – „Wo du die Welt von unten sehen kannst. Sri Lanka – ein Textzyklus“, Weißenburg (Kanalpresse) 1983. – Gedichte (zus. mit Marianne Hoheisel), Sonderheft 2 der Literaturzeitschrift „Am Erker“, Münster 1979.
Viele Veröffentlichungen in Anthologien. Zuletzt u. a in: Schreiben in der Metropole Ruhr, hrsg. von Volker W. Degener und  Hugo Ernst Käufer, Essen (Klartext) 2009. – „Paulas Grüße, in „hic, haec, hoc. Der Lehrer hat ´nen Stock“, Schulgeschichten aus dem Ruhrgebiet, hrsg. von Joachim Wittkowski, Bottrop (Henselowsky Boschmann) 2007. – „Vom Sehen und Sahen. Die Buchela. Ein Biografieroman“, Universitätsverlag Dr. Brockmeyer Bochum 2012.

 

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