Tanz auf dem Vulkan – Unkonventionelle Gasförderung (Fracking) ist Risikotechnologie. In Dorsten rührt sich Widerstand

BUND-Protest gegen Fracking in Rotenburg (Niedersachsen)

Von Dirk Hartwich

Goldgräberstimmung in Amerika. Gas, das im Schiefergestein in 3000 bis 5000 Meter Tiefe gebunden ist, wird angebohrt. Erst senkrecht, dann in der gewünschten Tiefe noch einmal bis zu 1000 Metern waagerecht. Die Bohrung wird mit einem Zementmantel „gesichert“. Unmengen von Wasser, Sand und Chemikalien werden unter hohem Druck, 700 bar und mehr, in den tiefen Boden gepresst. Das Schiefergestein wird dadurch feinrissig aufgesprengt, der Sand setzt sich in die Fugen und verhindert das sofortige Schließen. Die Chemikalien helfen, das Gas zum Fließen zu bewegen. Über das Steigrohr gelangt es an die Oberfläche und kann dort als Energieträger weiterverarbeitet werden. Die Gaspreise fallen, das Bruttosozialprodukt steigt.

Was für eine Geschichte

Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Neben der wirtschaftlichen Seite gibt es auch noch die Umweltproblematik. Die aus Amerika stammenden Bilder von „brennenden Wasserhähnen“ haben bei uns für ungläubiges Staunen und Kopfschütteln gesorgt. Durch Undichtigkeiten der Tiefenbohrung konnte nämlich das Gas in die Grund- und Trinkwasserstockwerke gelangen und somit die örtliche Wasserversorgung irreparabel schädigen. Die Folge: Anwohner müssen mit Wasser aus Tankwagen versorgt werden. Aber es kommt noch dicker. Mit dem Gas steigt nämlich auch ein großer Teil des eingepressten Wassers, das mit den teils hochgiftig eingesetzten Chemikalien versetzt ist, an die Oberfläche. Das ist Sondermüll und darf nicht in den Kläranlagen entsorgt werden.

Genug der Horrormeldungen

Werfen wir einen Blick nach Deutschland. Auch hier ist die unkonventionelle Gasförderung inzwischen Fakt. Die Parzellen für mögliches Fracking sind inzwischen so gut wie vergeben, auch auf Dorstener Gebiet. Besonders in Niedersachsen wird schon „gefrackt“. Noch nicht zur Förderung, aber zur Erkundung des Tiefengesteins. ExxonMobil, RWE-DEA, Wintershall – das sind die 3 großen Energieriesen, neben vielen weiteren, die uns in das neue goldene Energiezeitalter mitnehmen wollen.

Mit allem haben sie gerechnet, aber nicht mit dem Widerstand der Bevölkerung. Wer sich nämlich nur ein wenig mit der Materie beschäftigt, kommt zu erstaunlichen Ergebnissen:

Immer wieder kommt es zu Störfällen mit dem kontaminierten „Rückwasser“. Ein Endlager dafür gibt es noch nicht

Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen, wie sich die Chemikalien im Boden langfristig verteilen (Umweltbundesamt). Die Schätzungen über die förderbaren Gasmengen im Boden sind nach unabhängiger Expertenmeinung viel zu hoch. Die Fördertechnik in unserem dicht besiedelten Gebiet, die über einen Zeitraum von 12 bis 16 Jahren pro Bohrung vorgesehen ist, ist mit hohem Lärm und ständigem LKW-Verkehr verbunden. Trinkwasserzonen sollen zwar tabu sein, Hausbrunnen aber nicht. Durch das „Aufsprengen“ in der Tiefe kommt es immer wieder auch zu Bewegungen an der Oberfläche. Risse in den Häusern sind dokumentiert.

Die Liste könnte fortgesetzt werden, sie soll aber ausreichen, um die Bürgerinnen und Bürger dafür zu sensibilisieren, dass da nach der Atomtechnologie, die gerade als nicht beherrschbar „abgeschaltet“ wird, uns eine neue Technologie  verkauft werden soll, deren mögliche Folgen unkalkulierbar sind. Die politisch gewollte Energiewende ist ohne Alternative und hilft, unseren Kindern und Kindeskindern eine Welt zu übergeben, die auch dann noch lebenswert ist.

In Dorsten engagieren sich viele Bürgerinnen und Bürger im Arbeitskreis ENERGIE – KLIMA – UMWELT, der von der örtlichen SPD organisatorisch geleitet wird, aber großen Wert auf Überparteilichkeit legt. Am heutigen Freitag (28. Juni) findet ab 19.30 Uhr eine große Veranstaltung im Forum der VHS-Dorsten statt. „Fracking? Tanz auf dem Vulkan, oder Das Spiel mit dem Feuer“, heißt es dazu plakativ.

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Anmerkung: Weitere Informationen auch auf der Seite www.gegen-gasbohren.de

 

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7 Kommentare zu Tanz auf dem Vulkan – Unkonventionelle Gasförderung (Fracking) ist Risikotechnologie. In Dorsten rührt sich Widerstand

  1. Dirk Hartwich sagt:

    Der offene Arbeitskreis ENERGIE – KLIMA – UMWELT wird von der Dorstener SPD organisatorisch begleitet und von mir zur Zeit moderiert. Interessenten an der Arbeit, bzw. der Wunsch nach Mitarbeit kann erfüllt werden, wenn mir eine E-Mail-Adresse genannt wird. Damit erhalten alle entsprechende Einladungen zu den offenen, öffentlichen Treffen, Protokolle über diskutierte Themen und aktuelle Nachrichten zu den genannten Themenbereichen. Herzlich willkommen!

  2. Familie_in_Sorge sagt:

    Lieber Herr Hartwich,

    wie beteiligt man sich direkt?
    Wir wären sofort dabei.

  3. Dirk Hartwich sagt:

    Bisher sollen Trinkwasserschutzgebiete von Frackingmaßnahmen ausgenommen sein. RWW ist ganz auf der Seite der Frackinggegner. Die von uns (SPD-Arbeitskreis ENERGIE – KLIMA – UMWELT) organisierte Veranstaltung „Tanz auf dem Vulkan“ in der VHS hat das eindeutig gezeigt.
    Private Brunnen sind bei Frackingmaßnahmen stark gefährdet.
    Ohne die bisherigen Proteste sähe die Lage viel dramatischer aus. Das heißt aber auch, bitte direkt daran beteiligen.
    Dirk Hartwich

  4. Dirk Hartwich sagt:

    Der Umwelt- und Planungsausschuss hat sich einstimmig gegen Frackingvorhaben auf Dorstener Gebiet ausgesprochen.
    Dorsten wird aber im Falle eines Falles nur angehört.
    Genehmigungsbehörde ist die Bezirksregierung in Arnsberg.
    Durch die rot-grüne Landesregierung in NRW ist aber ein Moratorium verabschiedet worden. Inhalt: Zur Zeit darf gar nichts geschehen. Es laufen umfangreichen Gutachten. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung soll obligatorisch zum Verfahren gehören (Bisher nicht vorgeschrieben).
    Dirk Hartwich

  5. WvS sagt:

    Wie stehen denn die Entscheider der Stadt Dorsten dazu? Wie werden sie ihre Bürger vor diesen Unzumutbarkeiten schützen?

  6. M.H. aus W. sagt:

    Ganz genau,ich schließe mich Herrn B. an. Als Eigenversorger ist man froh, die steigenden Wasserkosten nicht mittragen zu müssen. Die steigenden Abwassergebühren der Stadt lassen wir mal dahingestellt. Da ein nachträglicher Anschluss ans öffentliche Wassernetz, da bin ich mal vorsichtig, mit ca. 6000-14000 € zu Buche schlagen kann, frag ich mich, wer das dann bezahlt. Vielleicht gibt sich die RWW dann großzügig, da man ja ab dann nicht mehr Eigenversorger ist,wo man ja vorher stolz drauf war,und alle Preistreibereien hinnehmen muss. So kommen wir alle zurück zu den ganz Großen und die Politik ist der Herdentreiber.

  7. Holler B. sagt:

    Offiziell zugelassene Brunnenvergiftung – so weit ist es gekommen.

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